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Dringlichkeitsstufen bei dem Wiederaufbau eines echten Rechts Rechtssoziologische Gedanken

  • C. A. Emge

Zusammenfassung

Das seltsame und sehr weltabgewandte Wort Kants ist bekannt, wonach die Forderungen, die er in seiner praktischen Philosophie begründet, auch gelten müßten, selbst wenn das darin Gebotene „niemals geschähe“. Kant scheint in seinem Inneren der Überzeugung gewesen zu sein, daß sich die Menschen in Wirklichkeit nicht nach „idealen Forderungen“ richten. Bekanntlich erstrebt nun das dogmatische Recht ein wirklich zu er füllendes, angehendes „verbindliches Sollen“, jedoch nicht ein solches, das bereits irgendwie platonisch realisiert wäre, wenn auch das äußere Verhalten einen ganz anderen Anschein hat: so wie etwa das Gute des Weltgeistes nach Vivekananda trotz allem Anschein bereits überall realisiert ist und uns nur die Augen für diese Tatsache verschlossen sind. Das dogmatische Recht muß begriffsnotwendig verpflichten. Um das jedoch zu erreichen, bedarf es der Erfüllung mannigfacher Bedingungen, wovon der größte Teil rechtssoziologischer Natur ist. Will man diese Bedingungen in einer konkreten Lage erkennen, eben um jene Verwirklichungsforderung, d. h. das Recht ernst zu nehmen, so muß man den Leuten „aufs Maul sehen“. Hierüber hat Kant richtig gesagt: „Man muß nicht immer glauben, was die Leute sagen, aber man muß auch nicht immer glauben, daß sie es ohne Grund tun.“ Und nicht nur das, was sie sagen! Man darf nicht, wie es Stendhal seinen Zeitgenossen zum Vorwurf macht, vergessen „die menschlichen Leidenschaften zu studieren“, ja mehr als das: alle realen Intentionen, alles, was sich aus dem Menschlichen-Allzumenschlichen als Wirkung ergibt, wenn es auch früher einmal durch diese oder jene Propaganda oder einen überwundenen Zeitgeist verursacht worden war.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1951

Authors and Affiliations

  • C. A. Emge

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