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Die Soziometrie und ihre Anwendbarkeit auf die praktische Politik der Gegenwart

  • Jacob L. Moreno

Zusammenfassung

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind hier „nur ein Gleichnis“. Das Problem, die Machtmittel des Staates dem Handlungswillen der Bevölkerung dienstbar zu machen und sie so in den Dienst des Volkes zu stellen, ist uralt und seit je von besonderer Bedeutung.

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Anmerkungen des Übersetzers

  1. 1.
    Verfaßt von William Tyler Page, Schriftführer des Repräsentanten-Hauses des BundesKongresses der USA, angenommen von diesem am 3. April 1918.Google Scholar
  2. 1a.
    (Die zitierte Formel ist bekanntlich den Schlußworten der berühmten Rede, die Abraham Lincoln zur Enthüllung des Denkmals für die Bürgerkriegs-Gefallenen auf dem Schlachtfeld zu Gettysburg, Pennsylvania, am 19.November 1863 hielt [die ‘Gettysburg address’]. Zusatz des Übersetzers.)Google Scholar
  3. 2.
    Ich äußerte diese Ansicht in meiner Eröffnungsrede für das Sociometric Institute (New York), am 25. April 1942. (Siehe: Sociometry, Bd. V, 1942.) Eine „Wissenschaft der menschlichen Beziehungen“ war eine halbpopuläre soziologische Fiktion solange, bis durch die Schaffung der Soziometrie vor 20 Jahren eine systematische Kristallisierung erreicht wurde. Hinweis für den Leser: Die in () eingeschlossenen Ziffern im Text verweisen auf die Anmerkungen des Übersetzers am Schlusse des Aufsatzes.Google Scholar
  4. 3.
    Solch ein Ministerium wäre natürlich nur ein Vehikel — ein Werkzeug oder Gefäß. Es wäre gewiß kein All-Heilmittel. Kein Vehikel kann dies leisten; aber es wäre ein formales, äußerlich sichtbares Symbol für neuartige dynamische Arbeitsweisen.Google Scholar
  5. 3.
    3a Vgl. das Soziogramm eines Dorfes am Ende dieses Bandes. Man denke auch an L. v. Wieses Idee eines soziologischen Planetariums (s. Vhdlgn. d. Dtsch. Soziologentages).Google Scholar
  6. 4.
    Spontaneität (im Sinne Morenos) = die adäquate Reaktion auf eine neue Situation oder eine neue (adäquate) Reaktion auf eine alte Situation. (Sich)erwärmen (= ‘warming up’) = die Aktion, die zur Freilegung der Spontaneität führt. Siehe hierzu besonders: Das Stegreif-Theater, G. Kiepenheuer, 1923.Google Scholar
  7. 5.
    In der wissenschaftlichen Soziometrie sind „Verkehrs-Netze“ = soziale Strukturen, die durch das (meist unbewußte) Zusammenwirken von Individuen, oder Gruppen von Individuen entstehen. Solche Verkehrs-„Netze“ werden dann oft zu „eingefahrenen“ Verkehrs-Straßen, durch welche Gefühle, Gedanken, Meinungen, kollektive Bestrebungen und Aktions-Tendenzen — mehr oder weniger beschleunigt — zirkulieren. (Siehe auch: Morenos Buch: „Wer wird am Leben bleiben?“ (Who Shall Survive?, A New Approach to Human Interrelations, Washington, 1934).Google Scholar
  8. 6.
    Siehe Leopold von Wiese, System der Soziologie, 1933Google Scholar
  9. 6a.
    ferner: L. v. Wiese: Umgrenzung der Aufgabe einer anthropologisch-soziologischen Ethik, in Gegenwartsprobleme der Soziologie (p. 13–23), 1949.Google Scholar
  10. 6b.
    s. auch L. v. Wiese, Die gegenwärtige Situation, soziologisch betrachtet, in den Vhdlgn. d. 8. Dtsch. Soziologentages 1946, besonders seine Anmerkungen über das „soziologische Planetarium“ S. 36.Google Scholar
  11. 7.
    n = Naturschätze (Bodenschätze usw.), c = Creativität (Schöpfertum, schöpferische Ideen), s = Spontaneität, l = Labor (Arbeit), g = Gruppe, t = Zeit (tempus), h = Mensch bzw. Menschen (human), p = Produkt (d. h. End-Produkt).Google Scholar
  12. 8.
    Zur Illustration des obigen mag ein kurzer Auszug aus meiner Rede „Soziometrie und Marxismus“ dienen: „... die zweite Schlußfolgerung Marxens war, daß der ‚Mehrwert’ eine in kapitalistischen Gesellschaftsformen zu findende Eigentümlichkeit sei... (dies) ist nur dann richtig, wenn die kapitalistisch-ökonomischen Phänomene isoliert studiert werden, abgesondert von der übrigen Gesamtheit der sozialen Struktur und ohne die Abhängigkeit der Phänomene von dieser Gesamtheit zu betrachten. Soziometrische Studien haben gezeigt, daß der ‚Mehrwert‘ ein Spezialfall ist einer allgemein wirksamen Tendenz, nämlich des soziodynamischen Effekts.“ (‚Soziometrie und Marxismus‘, Rede des Präsidenten, Weihnachts-Versammlung der Amerikanischen Soziometrischen Assoziation, New York, N. Y., 26. Dezember 1947. In Teilen veröffentlicht in den „Cahiers Internationaux de Sociologie““, 1949, Paris, unter dem Titel: „Méthode Expérimentale, Sociométrie et Marxisme“.) „... Der Aufschrei über ungerechte Ausbeutung, insbesondere die wirtschaftliche Ausbeutung der Mehrheit des Volkes, der Massen der industriellen und Land-Arbeiter, durch eine kleine Minderheit von Kapitalisten ist der Kern, der fast unwiderstehlich erscheinende tiefste Appell aller sozialistischen Revolutionen gewesen. Wenig oder gar keine Aufmerksamkeit ist der grausamsten Ausbeutung aller Zeiten zugewandt worden, — einer Ausbeutung, die nicht nur in kapitalistischen und kommunistischen Gesellschaften praktiziert wird, sondern durch alle historisch bekannten Regierungs-Formen verübt wird. Es ist das die Ausbeutung der Schöpfer von Ideen und von Erfindern von Werkzeugen. In ihrer Ausbeutung dieser Minorität sind die kommunistische und die kapitalistische Gesellschaftsform stillschweigend in einer ‚Einheitsfront‘ verbunden. Diese sprichwörtlich und ihrem Wesen nach produktive Minderheit der Schöpfer und Erfinder ist eine machtlose Minorität. In den Manifesten aller sozialistischen Parteien sind die Großgrundbesitzer und die Industriebarone oft Räuber und Diebe genannt, Ausbeuter der Arbeit der arbeitenden Klasse. In Wirklichkeit sind beide — die Konsumenten und die Arbeitenden — Ausbeuter und Nießbraucher* der Ideen, Prozesse und Instrumente, geboren aus den Hirnen der hilflosen Geniusse aller Zeiten. Die Schöpfer, wenn irgend jemand, sind die wahrhaft ausgebeutetste Minderheit der Welt...“ (Aus derselben Rede, wie oben.) Der englische Text der Rede ist abgedruckt in dem Sammelband der Aufsätze Jacob L. Morenos: „Sociometry, Experimental Method and The Science of Society, An Approach to a New Political Orientation“ (Foreword by Gardner Murphy), Verlag: Beacon House, Inc. Beacon, N. Y., USA, 1951, 220 pp., auf Seite 159--169. Die obigen Zitate: S. 160/161 und 164/165. *) Das Wort ‚Nießbraucher‘ (für das englische „beneficiary“) wurde hier gewählt, weil es — obwohl der etwas verstaubten älteren deutschen Rechtssprache angehörend (etwa in Testamenten usw.) dennoch den Sinn besser zum Ausdruck bringt, als „Benutzer“ oder „Nutznießer“. [Der Obersetzer] Im Einverständnis mit dem Verfasser, Dr. J. L. Moreno, wird hier ein kurzer, glossariumartiger Anhang gegeben zur Erklärung einiger Wort-Übersetzungsweisen.Google Scholar
  13. (1).
    Eine vom Verfasser für diese deutsche Ausgabe gegebene Formulierung der Definition für ‚Spontaneität‘ (und ‚Sich-Erwärmen‘ [den ‚warming-up‘-Prozeß]) im Rahmen seines Systems siehe weiter unten. — ‚Schöpfertum‘ kommt dem engl. ‚creativity‘ nahe.Google Scholar
  14. (2).
    Das Wort ‚Credo‘, anstatt ‚Glaubensbekenntnis‘, wurde hier gewählt, weil es sich um ein öffentliches. formelles Dokument handelt.Google Scholar
  15. (3).
    Die Formulierung „... of the people“ bedeutet nicht (wie oft fälschlich interpretiert) den unklar-verwaschenen Begriff„des Volkes“, sondern sinngemäß: „aus dem Volke [hervorgegangen] “.Google Scholar
  16. (4).
    ‚Regierung‘ hat im amerikanisch-englischen Sprachgebrauch einen vielfach sehr verschiedenen Sinn von dem, den das Wort im Deutschen (und einer größeren Zahl europäischen Staaten) heut — und seit langem — besitzt. Um nur ein Beispiel zu geben: der Amerikaner spricht von seinem ‚city government‘, damit seine Stadt-Magistratsbehörde, aber gleichzeitig auch die lokal gewählten Gerichte beschreibend.Google Scholar
  17. (5).
    ‚Labor‘ dürfte am ehesten mit seiner ungefähren deutschen Entsprechung „(organisierte) Arbeiterschaft“ wiederzugeben sein; das ‚big business‘ des Originals — ungefähr mit ‚GroßUnternehmertum‘, obwohl ‚big business‘ auch die Banken etc. mitfaßt — während im Deutschen ‚Unternehmer‘ öfters die einschränkende Bedeutung von Industrie-Unternehmer annimmt.Google Scholar
  18. (6).
    Das USA ‚State Department‘ entspricht bekanntlich dem Außen-Ministerium anderer Staatsgebilde. Die aufgezählten ‚Departments‘ des Textes stellen alle Bundes-,Ministerien‘ der USA dar; ausgelassen ist dabei nur das General Post Office und eine Anzahl, z. T. recht wichtiger, direkt dem Präsidenten unterstellten sogen. ‚federal agencies‘ (wie z. B. die der Sozialfürsorge und Alters- usw. -Versicherung, FSA, und andere mehr).Google Scholar
  19. (7).
    ‚county‘, vom Lateinischen Comitatus (= Grafschaft) abgeleitet, ist, ähnlich wie in Großbritannien, die kleinste Verwaltungs-Einheit oberhalb der Ortschaft. Hier mit „Kreis“ wiedergegeben.Google Scholar
  20. (8).
    Das englische ‚Budget‘ wurde im deutschen Text belassen (anstatt des deutschtümelnden und unbeholfeneren „Rechnungs-Voranschlages“).Google Scholar
  21. (9).
    ‚Soziatrisch‘‚ ‚Soziatrie‘, ein von Moreno vor langer Zeit gebildetes Wort; abgeleitet von ‚socius‘ (Geselle, Genosse) und dem griech. Iatreia (Arzten, Heilen), wie in Pädiatrie, Psychiatrie etc. Bezeichnet also „Heilung“ (oder Arztung) des Gesellschaftszustandes. Hat manches mit dem modernen Begriff „Massen-Psychiatrie“ gemein, geht aber weiter und tiefer. „Sociatry“ war der Titel der Viertel-Jahresschrift, die von ihm, 1947–1949, in New York herausgegeben, seit 1950 aufging in der nunmehr dort von ihm herausgegebenen ‚Group Psychotherapy‘ (Beacon House, Inc. Verlag) und die gleichzeitig auch Organ der ‚American Society f. Group Psychotherapy & Psychodrama‘ ist.Google Scholar
  22. (10).
    Die Betonung muß hier auf ‚großen‘ (Nationen) liegen, wobei die ‚Größe‘, Umfang oder Volkszahl bezeichnet oder beides. (Brasilien z. B., an Umfang etwas größer als die USA, aber an Bevölkerung wesentlich kleiner, ist ungefähr ‚gleichaltrig‘.) Die an Umfang und Volkszahl so viel kleinere Schweiz ist in ihrem demokratischen Aufbau der USA in manchem vergleichbar. Obwohl formell jünger (1847), wird sie mit Recht doch als viel älter in ihrem ‚Ursprung‘ angesehen.Google Scholar
  23. (11).
    „Brit. Reichsgemeinschaft“ wurde gewählt, weil dieser Name sowohl das vor kurzem noch gebräuchlichere ‚empire‘ in Erinnerung ruft, wie das jetzt formell-korrekte ‚Commonwealth‘. „Französische Republik“ (statt des ‚France‘ im Original) ist für unseren Text benutzt, weil es der offiziellen ‚Republique Française‘ entspricht; diese ‚Republik‘ umfaßt aber bekanntlich auch Sultanate und andere nicht-demokratische Territorien in Afrika, S.O.-Asien etc.Google Scholar
  24. (12).
    Außer den eigentlichen (älteren) Sowjet-Republiken, in Ost-Europa und Nord- und Mittel-Asien (1917–1939), sind hierzu — wegen der in ihnen mit Zwang und Propaganda aufrechterhaltenen „einzigen“ politisch-zulässigen Ideologie — auch die seitdem zum Sowjet-Block durch Annexionen usw. „hinzugeschlagenen“ Rand-Länder, oft als sogen. „Volks“-„Demokratien“ bezeichnet, hinzuzurechnen.Google Scholar
  25. (13).
    Die „Verwerfung“ erfolgt eben nicht durch Verbot und militärisch-polizeilichen Zwang und Terror (wie z. B. in nazistisch-faschistischen und in Sowjet-Gebieten) sondern durch freiere ‚öffentliche Meinungsbildung, gestützt durch (in der Mehrzahl allgemeine) geheime Wahlen.Google Scholar
  26. (14).
    Unter „Sozial-Erfindungen“ werden — in Anlehnung an die Aehnlichkeit mit materielltechnischen Erfindungen — in Amerika vielfach verstanden die ‚Erfindung‘ von Institutionen, wie etwa Schulen, Parlamente, Feuerwehren, Banken etc. etc., bis zu den neuesten, wie etwa die „Vereinigten Nationen“ (UN). Siehe z. B. in Ogburn and Nimkoff, Textbook of Sociologv.Google Scholar
  27. (15).
    Vergleiche etwa das durch niedere Kohäsion zerklüftete Athen mit dem geschlossen marschierenden Sparta — um nur ein Beispiel zu nennen.Google Scholar
  28. (16).
    ‚Kontroll-Apparat‘ wurde hier gewählt, um die „checks and balances“ bestmöglich wiederzugeben; genaue Übersetzung erscheint fast unmöglich, weil eben der Begriff in der kontinentalen, speziell deutschen Institutionen-Geschichte nicht oder nicht so scharf ausgeprägt vorkommt. Mit der ‚Dreiteilung‘ der Gewalten zusammenhängend und aus der britischen parlamentarischen Entwicklung übernommen wird dieser im USA-Verfassungs- und Verwaltungsbereich stark ‚vorgetriebene‘ Begriff so aufgefaßt, daß die Funktionen des einen Regierungs-Teils (z. B. Parlament) etwaige ‚Übergriffe eines andern Teils einengt (checking) oder ausbalanziert. In der Praxis hat dies nicht selten nahezu zur Lähmung oder doch äußerster Verlangsamung des ‚Regierens‘ geführt. Daher hier: Forderung nach einer „neuen Art“ von Vorbeugung gegen Regierungs‚krankheiten‘.Google Scholar
  29. (17).
    Die amerikanische Sprache vermeidet neuerdings euphemistisch das Wort „Irrer“ oder Geisteskranker und redet nur von ‚mental (geistiger) patient‘.Google Scholar
  30. (18).
    Sowohl ‚kapitalistisch‘ wie ‚kommunistisch‘ sind hier verständlicherweise nur als theoretisch völlig isolierte ‚Pole‘ dargestellt. In der geschichtlichen Realität — wie dem Verfasser wohl bekannt ist — gibt es alle Arten und Übergänge; von dem von „misch-wirtschaftlichen“ SozialTendenzen durchsetzten USA-Kapitalismus zu den verschiedenen „Kommunismen“, von Moskau bis Belgrad usw.Google Scholar
  31. (19).
    Siehe: J. L. Moreno (englisch): Die zwei Sociometrien, menschlich und sub-human (TierVergesellschaftungen betreffend) in Sociometry, vol. VIII, Nr. 1, pp. 64–75; 1945, Febr.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1951

Authors and Affiliations

  • Jacob L. Moreno

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