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Religionszugehörigkeit und Gesellschaftspolitik. Über Konfessionalisierungstendenzen in der Bundesrepublik Deutschland

  • Joachim Matthes
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Part of the Internationales Jahrbuch für Religionssoziologie / International Yearbook for the Sociology of Religion book series (IJS, volume 1)

Zusammenfassung

Versteht man — mit Gerhard Lenski — unter „religiösem Pluralismus“ Situationen, „in which organised religious groups with incompatible beliefs and practices are obliged to coexist within the framework of the same community or the same society“ 1, dann erscheint die derzeitige religiös-kirchliche Situation in der westdeutschen Gesellschaft als ein Grenzfall des religiösen Pluralismus, und zwar vor allem unter zwei Gesichtspunkten. Zum einen scheint es, als könne angesichts der über 95 % liegenden formalen Zugehörigkeit der Bevölkerung zu einer der beiden großen christlichen Religionsgemeinschaften (römisch-katholisch und evangelisch) allenfalls von einem religiösen Dualismus die Rede sein. Hinzu käme, daß dieser Dualismus keineswegs in dem gleichen Sinne, wie dies etwa auf eine aus Mohammedanern und Christen zusammengesetzte Bevölkerung zuträfe, mit dem Merkmal der „incompatible beliefs and practices“ zureichend zu kennzeichnen wäre.

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Referenzen

  1. 1.
    G. Lenski in den Vorbemerkungen zu seinem Beitrag in diesem Band.Google Scholar
  2. 2.
    Die kirchlich-religiöse Situation in der sog. „DDR“ wird hier außer Betracht gelassen. Trotz der nach wie vor bestehenden Einheit der beiden christlichen Kirchen in Gesamtdeutschland ist unter soziologischen Gesichtspunkten von der unterschiedlichen gesellschaftlichen Situation der Kirchen in den beiden Teilen Deutschlands auszugehen. Wenn im folgenden vom deutschen Protestantismus und Katholizismus die Rede ist, so wird dabei ohne jede rechtliche oder politische Intention allein der Vergleich zwischen dem ehemaligen Deutschen Reich und der heutigen Bundesrepublik vorausgesetzt.Google Scholar
  3. 3.
    Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 46. Jg. (1927), S. 9; Statistischer Bericht des Kirchenstatistischen Amtes der Evangelischen Kirche in Deutschland Nr.183 vom 20.8.1963.Google Scholar
  4. 4.
    So in einem ausführlichen Bericht vor der Arbeitsgemeinschaft für Religionssoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Oktober 1962. Vgl. auch W. Menges, Die Mischehenfrage statistisch und soziologisch gesehen, unter besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse, in: Königsteiner Blätter V, 1959, S. 13–21 und O. Schreuder, Kirche im Vorort, Freiburg i. Br. 1962, S. 96 ff.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. die übersichtliche Darstellung der Sozialprinzipien in der katholischen Soziallehre bei F. Klüber, Grundlagen der katholischen Gesellschaftslehre, Osnabrück 1960, S. 105 ff.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. hierzu A. Rauscher, Subsidiaritätsprinzip und berufsständische Ordnung, Münster 1958.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. zu dieser Problematik die Analyse der naturrechtlichen ökonomischen Teleologie bei G. Myrdal, Das Zweck-Mittel-Denken in der Nationalökonomie, Zeitschrift für Nationalökonomie, Bd. IV (1933), Heft 3.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. hierzu A. F. Utz, Formen und Grenzen des Subsidiaritätsprinzips, Heidelberg 1956, S. 115 ff.Google Scholar
  9. 9.
    Detaillierte Hinweise auf die zahlreichen einschlägigen Untersuchungen (Max Weber, R. K. Merton u. v. a. m.) dürften sich hier erübrigen.Google Scholar
  10. 10.
    Die Untersuchung wurde der 7. Internationalen Konferenz für Religionssoziologie, Königstein 30.6.–2.7.1962, vorgelegt.Google Scholar
  11. 11.
    R. Köster, Die Kirchentreuen, Stuttgart 1959.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. hierzu auch J. Matthes, Die Emigration der Kirche aus der Gesellschaft, Hamburg 1964, S. 44 ff.Google Scholar
  13. 13.
    Dies erstreckt sich bis in das Gebiet der „Entwicklungshilfe“, indem staatliche Mittel zur Finanzierung kirchlicher Projekte in Entwicklungsländern in Anspruch genommen werden. Kirchliche Spendenaufkommen werden dabei — den haushaltsrechtlichen Bestimmungen des Staates entsprechend — als „Eigenmittel“ deklariert.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. die sich modern gebende, doch in ihrer Struktur auf Verchristlichung und Verkirchlichung „gesellschaftlicher Bereiche“ angelegte Konzeption einer „Seelsorge in der modernen Gesellschaft“, hg. von E. Müller und H. Stroh, Hamburg 1961. Zur Kritik dieser Konzeption vgl. ferner J. Matthes, Ideologische Züge in der neueren evangelischen Sozialarbeit, Lutherische Rundschau, 1960/61, Heft 1.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. hierzu unten, Abschnitt III, und ausführlich: J. Matthes, Gesellschaftspolitische Konzeptionen im Sozialhilferecht, Stuttgart 1964.Google Scholar
  16. 16.
    Vorgetragen in einem Referat anläßlich einer Tagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar über „Gesellschaftliche Aspekte der Konfessionalisierung“, Januar 1964.Google Scholar
  17. 17.
    Für Belege der folgenden Darstellung vgl. J. Matthes, Gesellschaftspolitische Konzeptionen ..., a. a. O. (Anm. 15).Google Scholar
  18. 18.
    Reflexrecht besagt, daß ein Anspruch des Hilfebedürftigen nur aus der gesetzlichen Verpflichtung der Fürsorgeträger zur Hilfeleistung abzuleiten ist.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. hierzu die aufschlußreiche Denkschrift der Hauptgeschäftsstelle der Inneren Mission und des Hilfswerks: P. Collmer, Die Verantwortung der Kirche angesichts der neuen Sozialgesetze, in: G. Suhr (Hg.), Evangelische Stimmen zum Bundessozialhilfegesetz und Jugendwohlfahrtsgesetz, Stuttgart 1962. Diese Denkschrift geht übrigens bezeichnenderweise davon aus, daß die neuen Gesetze die Mitarbeit und Mitverantwortung der konfessionellen Verbände erwarten; auf die Anteilnahme der Verbände bei der Formulierung dieser Erwartungen wird nicht eingegangen.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag Köln und Opladen 1965

Authors and Affiliations

  • Joachim Matthes

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