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Zu einigen Grundzügen der Systemtheorie bei Talcott Parsons. Kritische Analysen

  • Karlheinz Messelken

Zusammenfassung

Um zunächst zu Parsons zu kommen, so braucht die vorliegende Arbeit, um ihr Ziel zu erreichen, sein Werk nicht in seiner historischen Genese nachzuzeichnen. Es mag genügen, deren wichtigste Etappen kurz aufzuzählen. Wiederholtermaßen bezeugt Parsons (1), daß er sich vor allem drei Denkerntief verpflichtet fühle: Durkheim, an den er in seiner Lehre vom sozialen System und dessen Integration anknüpfe; Max Weber, an dem er den Wert vergleichender Analysen sozialer Strukturen erkannt habeund vondem er — wie es überraschend, weil aus dem Inhalt der Weberschen Überlegungen kaum einsehbar, bei Parsons heißt (2) - zur Analyse der Grenzlinien von Kultur- und Sozialsystem angeregt worden sei; und schließlich Freud, auf den er in seiner Lehre von dem Verhältnis zwischen Persönlichkeits- und Sozialsystem zurückgreife. Bereits in seiner ersten größeren Publikation, “The Structure of Social Action” (3), spielen die Einsichten von Durkheim und Weber und außerdem von Alfred Marshall und Vilfredo Pareto eine wichtige Rolle. Parsons glaubt in den Theorien dieser vier europäischen Sozialwissenschaftler, die sowohl im einzelnen als auch in ihrer Gesamttendenz durchaus nicht übereinstimmen, eine fundamentale Gemeinsamkeit gefunden zu haben: eine ihren Auffassungen zugrunde liegende, jedoch kaum explizierte gleiche Vorstellung von der Natur des sozialen Handelns.

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Anmerkungen

  1. 1).
    Vgl. z. B. “Toward a General Theory of Action”, a. a. O. , S. 52; ferner “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 31.Google Scholar
  2. 2).
    Vgl. “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 37.Google Scholar
  3. 3).
    New York 193 7.Google Scholar
  4. 4).
  5. 5).
    Dabei kommt es zu Kontroversen zwischen den Autoren über die Frage, ob Kultur nicht in einem ganz anderen Sinn System sei als Gesellschaft und Persönlichkeit, da sie im Unterschied zu diesen nicht an sich als ein Handlungssystem organisiert sei, sondern an sich eine Sammlung von Artefakten und Symbolen darstelle, die sich erst im Handeln und durch Handeln von Subjekten zu System integrierten. Vgl. dazu S. 7 sowie S. 40 ff.Google Scholar
  6. 6).
  7. 7).
    Glencoe (111.),1953.Google Scholar
  8. 8).
    Glencoe (111.), 1955.Google Scholar
  9. 9).
    London und Glencoe (111.), 1956.Google Scholar
  10. 10).
    Auchhier macht also wieder die Grenzziehung zwischen den Wissenschaften einen nicht geringen Teil von Parsons’ Interesse an seinem Gegenstand aus, was die Vermutung bestärkt, daß die Rolle der Soziologie im System Wissenschaft einen der leitenden Gesichtspunkte seiner ganzen Fragestellung bezeichnet.Google Scholar
  11. 11).
    Glencoe (111.), 1959.Google Scholar
  12. 12).
  13. 13).
    So in “Pattern Variables Revisited: A Response to Professor Dubin”, in: “Arnecican Sociological Review”, XXV, 4(1960); ferner in Parsons’ Schlußkapitel “The Point of View of the Author”, zu: M. Black (Hrsg.), “The Social Theories of Tal-cott Parsons”, Englewood Cliffs (N.J.) 1961. Daß diese Arbeit, obwohl sie früher erschienen ist als “An Outline of the Social System”, doch Korrekturen des dort Vorgetragenen enthält, erklärt sich daraus, daß “An Outline of the Social System” schon längere Zeit vor der Veröffentlichung fertiggestellt war.Google Scholar
  14. 14).
    Soz. B. von P. Selznick, obwohl er ihren logischen Status noch für ungeklärt hält und meint, daß “oft-repeated claims of rigor, formal statement, and logical derivation are, to speak plainly, simply absurd” (“The Social Theories of Talcott Parsons”, in: “AmericanSociological Review”, XXVI, 6(1961), S. 935). Parsons scheint also mit dem Stolz auf die Systematik seiner Kategorientafel nicht mehr Glück zu haben als andere Denker vor ihm. So wie Kant an der Kategorientafel des Aristoteles die logische Inkonsistenz und die Logistik wiederum ein gleiches an der von Kant zu kritisieren hatten, so scheint eine solche Kritik auch an Parsons’ “pattern-variables” nicht vorüberzugehen.Google Scholar
  15. 15).
    Vgl. dazu “Toward a General Theory of Action”, a. a. O. , S. 79.Google Scholar
  16. 16).
    “Social Structure and Personality”, Glencoe (111.) 1964, S. 1.Google Scholar
  17. 17).
    Ebd. S.20.Google Scholar
  18. 18).
    “Reciprocity and Autonomy in Functional Theory”, a. a. O. , S. 246.Google Scholar
  19. 19).
    “The Social System”, a.a.O., S. 19.Google Scholar
  20. 20).
    Vgl. zu B. ebd. S. 24, vgl. ferner “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S.54.Google Scholar
  21. 21).
    Vgl. z.B. “The Social System”, a.a.O., S. 25, oder auch “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 196.Google Scholar
  22. 22).
    “Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S.228. Textstellen mit dem gleichen Sinngehalt finden sich in “The Social System”, a.a.O., S. 5, und in “Toward a General Theory of Action”, S. 195.Google Scholar
  23. 23).
    Vgl. dazu “Gesellschaft und Freiheit”, München 1961, S. 75 ff.Google Scholar
  24. 24).
    “The Social System”, a.a.O., S. 4.Google Scholar
  25. 25).
  26. 26).
    Ebd. S.25.Google Scholar
  27. 27).
    Hier scheint die häufig wiederholte Versicherung, der moderne Funktionalismus habedemPostulat universeller Funktionalität der klassischen Kulturanthropologie abgeschworen, doch wohl vergessen zu sein. Wie notwendig die Warnung ist, die Merton vor diesem Postulat ausspricht (vgl. “Social Theory and Social Structure”, a. a. O. , S. 30 ff.), beweist sich daran sehr deutlich.Google Scholar
  28. 28).
    “The Social System”, a.a.O., S. 280.Google Scholar
  29. 29).
    Ebd. S. 281.Google Scholar
  30. 30).
    Vgl. ebd. S. 283. Parsons spricht hier noch von Kontrollmechanismen. Diese Wortwahl weist darauf hin, daß sich zur Zeit der Abfassung von “The Social System” die Kybernetik mit ihrer verfeinerten Terminologie für solche Prozesse noch nicht durchgesetzt hatte, an deren Begriff einer feed-back-Regelung hier ganz deutlich gedacht ist.Google Scholar
  31. 31).
    Dieses Begriffspaar steht hier nicht absichtslos. Es soll daran erinnern, um wieviel fruchtbarer schon vor anderthalb Jahrhunderten Rollenanalyse betrieben worden ist. Hegels Dialektik von Herr und Knecht betrachtet beide ja schon durchaus soziologisch unter dem Gesichtspunkt der ihnen durch ihre sei es zugeschriebene, sei es erworbene soziale Position aufgenötigten Verhaltens-, Denk-und Fühlweisen, wie sie sich in beliebig verschiedenen Individualitäten durchsetzen. Da er dabei aber stets auch genetisch verfährt, vermag er die sozialen Gegebenheiten historisch zu füllen und zugleich zu relativieren; so entgeht er der Versuchung, in logischen Kategorien, die in ihrer empirischen Leere natürlich zeitlos-absolut gelten, auch immer-gültige gesellschaftlich relevante Zusammenhänge erfassen zu wollen.Google Scholar
  32. 32).
    Vgl. dazu “Homo Sociologicus”, Köln und Opladen 1961.Google Scholar
  33. 33).
    Ebd. S. 51.Google Scholar
  34. 34).
    Ebd. S.37.Google Scholar
  35. 35).
    So bestimmt Marx das menschliche Wesen in seiner sechsten Feuerbach-These. Siehe dazu Karl Marx, Friedrich Engels, “Werke”, Bd. 3, Berlin 1958, S. 6 (1. Fassung) und S. 534 (von Engels überarbeitete Fassung).Google Scholar
  36. 36).
    Um die Fähigkeit des Menschen, sich der Rollenhaftigkeit seines Handelns zu entledigen, begrifflich zu bezeichnen, bedient sich Dahrendorf der Kantschen Kategorie der Intelligibilität, die freilich hier auf doppelte Weise fehl am Platze ist. Der intelligible Charakter des Kantschen Subjekts ist erstens von der Naturkausalität — wozu auch die sozialen Interaktionswirkungen zu rechnen sind — unberührt, was auf den Dahrendorf sehen “ganzen Menschen unserer Erfahrung” weder zutreffen kann noch soll, und zweitens zwingt Kants Subjekt kraft seiner Intelligibilität dieser Naturkausalität seinen Willen auf, während sich Dahrendorfs ganzer Mensch seiner Freiheit nur bedient, um sich seiner Determination durch Natur (als Gesellschaft) zu entziehen. Vgl. zu dieser Kritik insbesondere auch H. Schelsky, “Ortsbestimmung der deutschen Soziologie”, a.a.O. , S. 198, und Judith Janoska-Bendl, “Probleme der Freiheit in der Rollenanalyse”, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XIV, 3 (9 1962), S. 459 ff.Google Scholar
  37. 37).
    Ähnlich auch F. H. Tenbruck in seinem Aufsatz “Zur deutschen Rezeption der Rol-lentheorie”, in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XIII, 1 (1961), dort insbesondere S. 36 f.Google Scholar
  38. 37a).
    Vgl. zu dem Thema von Rolle und Entfremdung bei Marx und Dahrendorf auch Jutta Matzner: “Der Begriff der Charaktermaske bei Karl Marx”, in: “Soziale Welt”, XV, 2 (1964), S. 130 ff.Google Scholar
  39. 38).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O. , S. 62.Google Scholar
  40. 39).
    Ebd. S. 76. Dahrendorf übersetzt hier Parsons, und zwar einen Satz aus “The Social System”, a.a.O., S. 25.Google Scholar
  41. 40).
  42. 41).
    “The Social System”, a.a.O., S. 25.Google Scholar
  43. 42).
    “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 190.Google Scholar
  44. 43).
    “The Social System”, a.a.O., S. 25 f.Google Scholar
  45. 44).
    Immer wieder betont Parsons diese Absicht. Besonders deutlich hat er sie zuletzt ausgesprochen in dem Aufsatz “Some Considerations of the Theory of Social Change”, in: “Rural Sociology”, XXVI, 3 (1961), S.219ff. , wiedererschienen unter dem Titel “A Functional Theory of Change”, in: A. und Eva Etzioni (Hrsg.), “Social Change”, New York und London 1964.Google Scholar
  46. 45).
    “Toward a General Theory of Action”, a. a. O. , S. 196.Google Scholar
  47. 46).
    Ebd. S.26.Google Scholar
  48. 47).
    “Theories of Society”, a.a.O., S. 44 Fußnote.Google Scholar
  49. 48).
    Vgl. dazu z.B. “The Social System”, a.a.O., S. 174 f. ; vgl. ferner “Structure and Process in Modern Societies”, a.a.O., wo es auf Seite 262 heißt: “... the boundaries of integrated societal systems have a strong tendency to coincide with the territorial jurisdictions of their political systems. “Google Scholar
  50. 49).
    H. Hartmann hat in seiner Antrittsvorlesung als Ordinarius für Soziologie an der Universität Münster, die er am 22. Juni 1965 gehalten hat, kritisch auf Parsons Neigung hingewiesen, Gesellschaft nicht nur als Modell, sondern auch als Wirklichkeit endogen zu erklären und in den Stand der Autonomie zu versetzen, obwohl “die Vorstellung von einer selbstgenügsamen Gesellschaft theoretisch unzulässige Ansprüche stellt und faktischnicht auf unsere Wirklichkeit paßt. “ (“Soziologie als Wissenschaft von der Gesellschaft? “, unveröffentlichtes Manuskript S. 6.)Google Scholar
  51. 50).
    Ob die jeweils größere Gruppe dieses Gefühls nur noch mit geringerer Intensität teilhaftig wird und umgekehrt, wie es die katholische Soziallehre in ihrem Modell von konzentrischen Ringen um das Individuum vertritt, deren Bindungskraft mit wachsendem Radius abnimmt, dürfte zweifelhaft sein.Google Scholar
  52. 51).
    Vgl. Dazu T. Parsons: “An Analytical Approach to the Theory of Social Stratification”, in: “American Journal of Sociology”, XLV, 6 (1940); ferner derselbe, “A Revised Analytical Approach to the Theory of Social Stratification”, in: R. Bendix und S. M. Lipset (Hrsg.), “Class, Status, Power: A Reader in Social Stratification”, Glencoe(Ill.) 1953;Google Scholar
  53. 51a).
    ferner Marion J. Levy jr. , “The Structure of Society”, Princeton(N. J.) 1952, insbesondere dort die Seiten 157–166 und 275–178;Google Scholar
  54. 51b).
    ferner K. Davis und Wilbert E. Moore, “Some Principles of Stratification”, in: “American Sociological Review”, X, 2 (1945); vgl. insbesondere auch die Kontroverse zwischen W. E. Moore, der die funktionale Unerläßlichkeit von Schichtung behauptet, und M. Tumin, der sie bestreitet, in “American Sociological Review”, XXVIII, 1 (1963), mit dem Aufsatz von Moore, “But Some Are More Equal than Others”, der Replik von Tumin, “On Inequality”, und der Duplik von Moore, “Rejoinder”.Google Scholar
  55. 52).
    In “The Social System”, a.a.O. , scheint er unter der Überschrift “The Solidarity of the Collectivity” diesem Thema zuzusteuern, wendet sich jedoch dann ganz den mehr technischen Schwierigkeiten der Integration von Subsystemen zu. (Vgl. S. 96 ff.Google Scholar
  56. 53).
    “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 36; ebd. S. 71.Google Scholar
  57. 54).
    S. S. 27 ff.Google Scholar
  58. 55).
    Vgl. Moderne amerikanische Soziologie”, Stuttgart 1967, S. 87 ff.Google Scholar
  59. 56).
    Z.B. “Essays in Sociological Theory”, S. 217.Google Scholar
  60. 57).
    E. Willems führt z. B. zu dem Thema geringer soziokultureller Differenzierung als Kriterium von Primitivität aus: “Damit meint man vor allem das Fehlen spezifischer Institutionen politischer, wirtschaftlicher, rechtlicher, religiöser und pädagogischer Art. Demgegenüber hat man mit Recht eingewandt, daß diese Institutionen zwar nicht vorhanden oder nur schwach entwickelt seien, daß aber die meisten primitiven Völker außerordentlich differenzierte Familien- und Verwandtschaftsorganisationen besäßen, die sehr wohl in der Lage seien, alle die Funktionen auszuüben, welche in ‘ differenziertenl Gesellschaften spezifischen Institutionen zufallen. “ (R. König (Hrsg.), “Soziologie”, Fischer-Lexikon, Frankfurt 1958, S. 227.)Google Scholar
  61. 58).
    In der Fähigkeit zu “action in concert” sieht Parsons das Besondere der Kollektivität, um sie von anderen soziologischen Person-Aggregationen zu unterscheiden (wie sie z. B. um die Merkmale Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad gebildet werden können), denen Solidarität der Mitglieder in Form institutionalisierter Gemeinsamkeit vonWertorientierungen fehlt. Vgl. dazu “Toward aGeneral Theory of Action”, a.a.O., S. 192 f.Google Scholar
  62. 59).
    Dem entspricht, daß die Bewohner der sogenannten Entwicklungsländer erst heute, nach langer Konfrontation mit den Weißen, die sie schließlich als die eigentlich anderen zu sehen lernten, ihre Gegnerschaft untereinander vergessen, sich mit den “Bruder”-stämmen einigen und in einer Gesinnung, die man als einen aus den Erfahrungen des Kolonialismus zu erklärenden rassistisch gefärbten Nationalismus bezeichnen könnte, auf einem anderen Niveau neue Frontstellung beziehen, wie es sich gegenwärtig besonders dramatisch in Indonesien vollzieht. Ganz ähnlich hat es sich ja auch bei den primitiven Stämmen Germaniens zugetragen, nur daß ihre nationale Einigung weniger Resultat eines rassistisch pointierten Stre-bens von unten als vielmehr ein — allerdings viel langwierigeres — Werk einer in die Schule Roms und des Christentums gegangenen politisch-kulturellen Elite gewesen ist.Google Scholar
  63. 60).
    So sagt denn auch W. E. Moore: “In practice, society has come to be defined ‘ operationally‘ either as units identified by anthropologists as ‘ cultures’ , not always with explicit criteria, but duly recorded as seperate entities in the Human Relation Area Files, or as conterminous with national states” (“Global Sociology: The World as a Singular System”, in”American Journal of Sociology”, LXXI, 5(1966), S.479).Google Scholar
  64. 61).
    Den Begriff “over-all collectivity” (s. “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 46) oder den synonymen Begriff “total collectivity” führt Parsons ein, um damit die Gesamtheit der Mitglieder einer Gesellschaft “as an integrated entity” (“Toward a General Theory of Action”, a. a. O. , S. 203) zu bezeichnen.Google Scholar
  65. 62).
    Siehe dazu oben S. 19.Google Scholar
  66. 63).
    Vgl. dazu R. Carnap, “Testability and Meaning”, New Haven (Conn.) 1950; vgl. zur Entwicklungsgeschichte von Carnaps Gedankengängen außerdem W. Stegmüller, “Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie”, a.a.O.Google Scholar
  67. 64).
    Wo er die Herarchie von Subsystemen erörtert, heißt es z. B. : “The top of this hierarchy is the concept of society, which is the highest-order concrete system of interaction treated as theoretically relevant for the analytical purposes of sociology (including the possibility of an emergent “world society”). “ (“An Outline of the Social System”, a. a. O. , S. 43.)Google Scholar
  68. 65).
    Eine systematische Erörterung der Frage, ob die Menschheit insgesamt als soziales System zu begreifen ist, scheint sich von diesem Standpunkt aus soeben anzubahnen. Die- summa summarum — positive Antwort zeigt sich von dem Problem von Eigen- und Fremdgruppen freilich nicht berührt, das also auch hier gelöst zu sein scheint, bevor es überhaupt gestellt ist. Vgl. dazu die Beiträge von W. E. Moore, “Global Sociology: The World as a Singular System”, u. R. Bierstedt, “indices of Civilization”, sowie die Notiz von P. A. Sorokin, “Comments on Moore’ s and Bierstedt’ s Papers”, alle abgedruckt in “American Journal of Sociology”, LXXI, 5(1966), S. 479 ff.Google Scholar
  69. 66).
    Hier gibt es eine deutliche Parallele zwischen Parsons und Tönnies. Auch für Tönnies kommt Gesellschaft ja wesentlich zustande, weil sie für jeden Vorteil bringt. Der Tausch, bei dem jeder etwas Besseres sucht und in der Regel findet, als er hat, ist darum das eigentliche Wesen der Gesellschaft. Deshalb hat auch Tönnies keine Bedenken gegen die Möglichkeit einer Weltgesellschaft. Insofern die Gesellschaft die gegenüber Gemeinschaft intellektuell vermitteiteren Interaktionszusammenhänge darstellt, schreibt er denn auch den Intellektuellen die Aufgabe zu, die Weltrepublik herbeizuführen und sie ohne Zwangsmittel außer psy-chologischen aufrechtzuerhalten. Vgl. dazu F. Tönnies, “Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie”, Leipzig 1925, S. 237 f.Google Scholar
  70. 67).
    Parsons führt hierzu aus: “The interaction of ego and alter is the most elementary form of a social system. The features of this interaction are present in more complex form in all social systems. “ (“Toward a General Theory of Action”, a.a.O. , S. 107.) Gouldner hat starke Zweifel, ob für ein Minimalmodell von Gesellschaft wirklich die beiden ego und alter ausreichen und meint: “. . . it would seem that an important focus of functional analysis couched in role terms should be centered on the stabilizing of such “third parties’ as the witness, amicus curiae, police, friend of the family, arbitrators, or ritual adjudicators such as ‘old men of the earth’ . “ (“Reciprocity and Autonomy in Functional Theory”, a. a. O. , S.251.)Google Scholar
  71. 68).
    Parsons definiert: “In interaction ego and alter are objects of orientation for the other. ... in an integrated system, this orientation to the expectations of the other is reciprocal or complementary. “ (“Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 105.) Mit anderen Worten: Reziprozität oder Komplementarität von Verhaltenserwartung und Verhalten sind gleichbedeutende Wesensmerkmale des integrierten — und d. h. des gleichgewichtigen Systems.Google Scholar
  72. 69).
    Vgl. “The Social System”, a.a.O., S. 132.Google Scholar
  73. 70).
    Von Kritikern wie Popper (vgl. “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde”, Band II: “Falsche Propheten — Hegel, Marx und die Folgen”, Bern 1957), Dahrendorf (vgl. “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, München 1965, dort insbesondere das Kapitel “Der Mythos des Staates”, S. 225 ff.), und Topitsch (vgl. “Hegel und das Dritte Reich”, in: “Der Monat”, XVII, 213 (1966), S. 36 ff.), die Hegel für eine kritiklose Obrigkeitsverehrung, wie sie ihrer Meinung nach bezeichnend für das deutsche Bürgertum gewesen sei, verantwortlich machen wollen, wird diese Qualität seines Denkens völlig verkannt. Wie stark Hegels Gesell-schaftsphilosophie vom Freiheitsenthusiasmus der französischen Revolution und vom ökonomischen Liberalismus des englischen Bürgertums durchdrungen ist, haben die marxistischen Hegelianer zum Teil in ausführlichen Monographien (vgl. Ernst Bloch, “Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel”, Berlin 1949; ferner Georg Lukacs, “Der junge Hegel und die Probleme der kapitalistischen Gesellschaft”, Berlin 1954) herausgearbeitet, ist außerdem von Horkheimer und Adorno (vgl. von dem letztgenannten dazu insbesondere “Drei Studien zu Hegel”, Frankfurt/ Main 1963) sowie von Herbert Marcuse (vgl. “Vernunft und Revolution”, Neuwied 1962) betont worden und schließlich von durchaus unmarxistischer Warte aus von Joachim Ritter (vgl. “Hegel und die französische Revolution”, Frankfurt/Main 1965) nachgewiesen worden. An diesem Erkenntnisstand der Hegel-Forschung erweist sich die Tragunfähigkeit der Konstruktionen, die Hegel mit der nationalsozialistischen Katastrophe der deutschen Nation, des deutschen Staates und nicht zuletzt auch des deutschen Geisteslebens in Verbindung bringen.Google Scholar
  74. 71).
    Vgl. M. Horkheimer und T. W. Adorno, “Sociologica II”, a.a.O., S. 222.Google Scholar
  75. 72).
    Natürlich ist nicht an eine Art Kismet gedacht, das solche Bestimmungen trifft. Gerade die strukturell-funktionale Analyse hat herausgearbeitet, wie unter industriegesellschaftlichen Bedingungen die Bedeutung der dem Individuum durch Geburt zugewiesenen Positionen (ascribed status) zurückgeht, die Bedeutung der nach Maßgabe von Leistungen zu besetzenden Positionen (achieved status) hingegen wächst. In Deutschland hat vor allem Schelsky auf die Objektivierung der Auf-stiegsbedingungen und auf die besondere Rolle von Schulzertifikaten in diesem Zu-sammenhang hingewiesen (vgl. z.B. “Soziologische Bemerkungen zur Rolle der Schule in unserer Gesellschaftsverfassung”, in: “Auf der Suche nach Wirklichkeit”, Düsseldorf/Köln 1965, S. 131 ff.), während Dahrendorf demgegenüber darauf besteht, daß in der bundesrepublikanisch-deutschdn Sozialordnung nach wie vor in erster Linie der Zufall der Geburt über die Lebenschancen eines Menschen entscheidet (vgl. z.B. “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, a.a.O., insbesondere das Kapitel “in der pädagogischen Privinz”, S. 341 ff.).Google Scholar
  76. 73).
    Man könnte vielleicht Positivismus und Metaphysik als die Verabsolutierung je einer Seite dieser Aporie deuten. Vgl. zu dieser Problemstellung den Aufsatz von J.Habermas. “Dogmatismus, Vernunftund Entscheidung — Zur Theorie und Praxis in der verwissenschaftlichen Zivilisation”, in: “Theorie und Praxis. Sozialphilosophische Studien”, Neuwied 1963, S. 231 ff. ; er versuchte dort, die entgegengesetzten Positionen im Begriff der Vernunft miteinander zu vermitteln.Google Scholar
  77. 74).
    Vgl. zu den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Nationalökonomie als Wissenschaft O. Lange, “Kritik der subjektivistischen Ökonomie”, in: H.Albert (Hrsg.), “Theorie und Realität”, a.a.O., S. 287 ff.Google Scholar
  78. 75).
    Daß Vorbeugung gegen die Gefahr, die von der Arbeitswertlehre als einem “ideologischen Rohrkrepierer” drohte, ein Motiv für die Widerlegungsversuche durch die Subjektivisten war, konstatiert E. Preiser. Er führt aus, daß es entgegen verbreiteter Ansicht nicht der Wandel des Marktes von einem nahezu modellhaft reinen Konkurrenzmarkt, den die Klassiker vor Augen hatten, zu einem immer stärker von Monopolen durchsetzten Markt unserer Gegenwart gewesen sein kann, der zur Abkehr von der Arbeitswertlehre und des mit ihr verbundenen Konzepts vollkommener Konkurrenz geführt habe, weil auch die neuere — subjektivistische -Preistheorie zunächst ganz von der Voraussetzung eines unbeschränkten Wettbewerbs ausgegangen sei, und fährt dann fort: “Eher spielte bei manchen eine Rolle, daß die Arbeitswertlehre in der Hand von Marx zur Basis einer scharfen Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsordnung wurde, und daß man diese Kritik widerlegen zu können meinte, wenn man die Unhaltbarkeit der Arbeitswertlehre bewies. “ (“Nationalökonomie heute”, München 1961, S. 57.)Google Scholar
  79. 7).
    6) Mit einem treffenden Ausdruck nennt M.Weber Rechtfertigungsversuche dieser Art “Legenden”. Er meint, daß “der günstiger Situierte das nichtrastende Bedürfnis fühlt, den zu seinen Gunsten bestehenden Kontrast als ‘legitim’, seine eigene Lage als von ihm ‘verdient’ und die des anderen als von jenem irgendwie ‘verschuldet* ansehen zu dürfen. ... Die ‘Legende’ jeder hochprivilegierten Gruppe ist ihre natürliche, womöglich ihre ‘Bluts’ -Überlegenheit. “ (“Wirtschaft und Gesellschaft”, a.a.O., II. Halbband, S. 701.)Google Scholar
  80. 77).
    Vgl. dazu etwa die thesenhafte Zusammenfassung der klassischen Werttheorie bei J. St. Mill, “Grundsätze der politischen Ökonomie mit einigen ihrer Anwendungen auf die Sozialphilosophie”, Jena 1924, S. 701 ff.Google Scholar
  81. 78).
    Vgl. dazu etwa H. v. Stackeiberg, “Grundlagen der theoretischen Volkswirtschaftslehre”, Tübingen/Zürich 1951, S. 189.Google Scholar
  82. 79).
    Weitere logische Unzulänglichkeiten der modernen ökonomischen Gleichgewichtstheorie erörtert O. Morgenstern; vgl. dazu seinen Aufsatz, “Vollkommene Voraussicht und wirtschaftliches Gleichgewicht”, in: H.Albert (Hrsg.), “Theorie und Realität”, a.a.O., S. 251 ff.Google Scholar
  83. 80).
    H. v. Stackeiberg, “Grundlagen der theoretischen Volkswirtschaftslehre”, a.a.O., S.20.Google Scholar
  84. 81).
    Die Theorie der Marktformen ist allerdings bei der Analyse des Dyopols auf die Möglichkeit eines immerwährenden Konflikts gestoßen. Vgl. dazu H. v. Stackel-berg, “Grundlagen der theoretischen Volkswirtschaftslehre”, a. a. O. , S. 210 ff.Google Scholar
  85. 82).
    “The Social System”, a.a.O., S. 297 f.Google Scholar
  86. 83).
    Ebd. S.298.Google Scholar
  87. 84).
  88. 85).
    Ebd. S.299.Google Scholar
  89. 86).
    “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 234.Google Scholar
  90. 87).
    Vgl. dazu z.B. Parsons’ Aufsatz “Some Considerations on the Theory of Social Change”, in: “Rural Sociology”, XXVI, (1961), S. 219 ff.Google Scholar
  91. 88).
    Vgl. dazu “The Social System”, a.a.O., S. 480 f. Dahrendorf erhebt hier den Vorwurf, die Unterscheidung zwischen Wandel “in” und Wandel “von” Gesellschaft sei völlig leer. Vgl. “Gesellschaft und Freiheit”, a.a.O., S. 108. Mit dieser polemischen Feststellung begnügt er sich, und so entgeht es ihm, daß im Folgeverhältnis von statischer und dynamischer Analyse einer der strategischen Punkte des Strukturfunktionalismus liegt, dessen Durchdringung für Verständnis und Kritik nicht unwichtig ist.Google Scholar
  92. 89).
    Jüngst hat darin P. Drewe Parsons beigepflichtet. Vgl. seinen Aufsatz “Die ‘ struk-turell-funktionale Theorie* und der soziale Wandel”, a.a.O. , S. 332.Google Scholar
  93. 90).
    Vgl. z.B. “The Social System”, a.a.O., S. 482.Google Scholar
  94. 91).
    “Kein Flug der Phantasie, nicht einmal die residuale Kategorie der ‘ Dysfunktion’, kann das integrierte und gleichgewichtige Soziale System dazu bewegen, ernstliche und systematische Konflikte in seiner Struktur hervorzubringen. “ (“Gesellschaft und Freiheit”, a.a.O., S. 96.)Google Scholar
  95. 92).
    Daß Parsons trotzdem auch um den Konflikt als einen möglichen Grund sozialen Wandels weiß (vgl. etwa “Toward a General Theory of Action”, a.a.O. , S. 231), sollte ihm von der Kritik nicht allzu nachdrücklich als Selbstwiderspruch angerechnet werden, da er ja den Konflikt, wie es oben am Beispiel des Rollenkonflikts gezeigt worden ist, völlig entschärft. Außer dem Rollenkonflikt entgehen auch andere Konflikte in seiner Analyse nicht diesem Schicksal; so zweifelt er daran, daß der, wie er sich ausdrückt, “genesis of so-called ‘class-conflicts’ inmodern Western society” (“The Social System”, a.a.O., S. 513) ein fundamentaler Interessengegensatz zugrunde gelegen habe.Google Scholar
  96. 93).
    “Toward a General Theory of Action”, a. a. O. , S. 226 f.Google Scholar
  97. 94).
    Vgl. dazu “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 71. Die Künstlichkeit der Trennung von sozialem, kulturellem und personalem System kommt an dieser Stelle wieder unverhüllt zum Vorschein. Es werden hier nämlich als äußere Ursachen des sozialen Wandel — äußerlich weil dem personalen, nicht dem sozialen System zuzurechnen — sowohl für die gesellschaftliche Entwicklung bislang so völlig belanglose Erscheinungen wie genetische Veränderungen des menschlichen Organismus (Atomwaffenkriege könnten sie freilich leicht belangvoll werden lassen) als auch so zentrale Erscheinungen — äußerlich weil dem kulturellen, nicht dem sozialen System zuzurechnen — wie die technologische Ausrüstung von Ge-sellschaften aufgezählt.Google Scholar
  98. 95).
    “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 232.Google Scholar
  99. 96).
    “The Social System”, a.a.O., S. 501.Google Scholar
  100. 97).
    Ebd. S.499.Google Scholar
  101. 98).
    Ebd. S.498.Google Scholar
  102. 99).
    Der Terminus “kybernetisch” taucht, soweit der Verfasser sieht, in Zusammenhang mit der Theorie des Wandels bei Parsons erstmalig 1961 auf. Vgl. dazu “An Outline of the Social System”, a. a. O. , S. 38. “The Social System” kennt ihn noch nicht. Es dürfte auch zweifellos sein, daß Parsons bis zu diesem Zeitpunkt auf die von Norbert Wiener in seinem 1948 erschienenen Buch “Cabernetics” vorgestellte Denkweise, die die heute unter diesem Begriff gedachten Sachverhalte und Erklärungsweisen zum ersten Mal systematisch darlegte (vgl. zu Wieners Vorläufern die Einleitung von H. Frank zu der von ihm herausgegebenen Aufsatz-sammlung “Kybernetik. Brücke zwischen den Wissenschaften”, Frankfurt 1965), der Sache nach zurückgegriffen hat; denn “The Social System” ist in nuce bereits in dem Aufsatz von 1945, “Position and Prospect of Systematic Theory in Sociology”, a.a.O. , enthalten, war also in seinem Kern drei Jahre vor Wieners grundlegendem Werk fertiggestellt.Google Scholar
  103. 100).
    Vgl. dazu W.R.Ashby, “introduction to Cybernetics”, London 1958, sowie derselbe, “Design for a Brain”, London 1960.Google Scholar
  104. 101).
    “The Social System”, a.a.O., S. 482.Google Scholar
  105. 102)Ebd. S. 36 Fußnote.Google Scholar
  106. 103).
    “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 37.Google Scholar
  107. 104).
  108. 105).
    In jüngster Zeit wird in Deutschland in der soziologischen Diskussion eine Tendenz spürbar, den statisch belasteten Strukturbegriff als theoretische Zentralkategorie durch feldtheoretische Erwägungen zu modifizieren, die sowohl an die Physik anschließen als auch in der Tradition der Schrift des Sozialpsychologen K. Lewin, “Field Theory in Social Sicence”, New York 1951 (deutsch unter dem Titel “Feldtheorie in den Sozialwissenschaften”, Stuttgart 1963), stehen;Google Scholar
  109. 105a).
    vgl. dazu H. Mey, “Studien zur Anwendung des Feldbegriffs in den Sozialwissenschaften”, München 1965,Google Scholar
  110. 105b).
    F. Fürstenberg, “‘Sozialstruktur’ als Schlüsselbegriff der Gesellschaftsanalyse”, in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XVIII, 3 (1966).Google Scholar
  111. 106).
    Vgl. dazu “The Social System”, a.a.O., S. 542 f.Google Scholar
  112. 107).
    Parsons hat dies selber am kommunistischen System der Sowjetunion zu demonstrieren versucht. Vgl. dazu ebd. S. 525 ff.Google Scholar
  113. 108).
    Wenn Dahrendorf zu meinen scheint, für Parsons wie für ihn selbst laute die Grundfrage der Soziologie: “Wie erklärt es sich eigentlich, daß viele einzelne Menschen durch das Medium sozialer Institutionen zu jenen größeren Einheiten zusammengefaßtwerden, diewir Gesellschaft nennen?” (“Gesellschaft und Freiheit”, a.a.O., S. 208), um ihn auf eine der Antwortmöglichkeiten in der Variationsbreite zwischen Hobbes und Rousseau festzulegen, so muß demgegenüber festgehalten werden, daß Parsons’ Grundfrage ganz anders lautet. Er geht immer schon von der Tatsache der Gesellschaft aus, sucht also gar nicht nach einer ge-netischen Erklärung für sie, sondern stellt die funktionale Frage nach den Bedingungen ihrer Stabilität, das heißt er sucht nach den Kräften, mit denen sie sicherhält. Er unterstellt die Selbsterhaltung also als eine empirische Gegebenheit, und von dieser Voraussetzung aus trachtet er nach Erklärung für die Funktionsweise ihrer Mechanismen.Google Scholar
  114. 109).
    So hat jüngst H. -G. Schumann eine Burke-Analyse vorgelegt, die ausdrücklich von der Aufgabe ausgeht, “sich auf die Wurzeln der gegenwärtigen Gleichgewichtsanschauungen zu besinnen und die Funktion aufzuspüren, die das Argument des Gleichgewichts für vergangenes Handeln und Denken im Bereiche der Politik gehabt hat. “ (“Edmung Burkes Anschauungen vom Gleichgewicht in Staat und Staatensystemen”, Meisenheim am Glan 1964, S. 1.) Es ist also nahegelegt, das Resultat, zudem Schumann gelangt, auf Parsons zu übertragen: “Die Gleichgewichtsanschauungen Burkes erweisen sich . . . ihrer Funktion nach als ideologische Verhüllungen ganz massiv-konkreter Interessen- und Machtansprüche. . . . Das zum Grundgesetz der göttlichen Weltordnung verabsolutierte Balance-Prinzip ist . . . der ideologische Schutzmantel, unter dem sich die zielstrebige Politik auf Verwirklichung des absoluten Machtanspruches auf die Führungsrolle im eigenen Staat und auf die Vorherrschaft in der Welt verbirgt.” (Ebd. S. 144.) Dagegen meint ein noch jüngerer, freilich weniger anspruchsvoller, weniger kritischer Beitrag zur Burke- Forschung, es sei bezeichnend, “daß im deutschen Schrifttum von Historikern auch heute wieder an Burke erinnert wird. Dies ist kein Zufall in unserer zerrissenen Welt, denn wie ein Fels steht die in sich geschlossene Gestalt dieses großen Denkers, Redners und Warners jetzt noch vor uns in seinem Kampf gegen abstrakte Ideologien und für die Freiheit in Ordnung.” (W.v.Wyss, “Edmund Burke”, München 1966, S. 203.)Google Scholar
  115. 110).
    “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 159.Google Scholar
  116. 111).
    “Structure andProcess inModernSocieties”, a.a.O., S. 174. Es könnte übrigens scheinen, als ob hier die vermißte inhaltliche Bestimmung dessen gegeben wäre, was oben die Identität eines Systems genannt worden ist. Aber der terminologischen Unterscheidung zwischen Wertsystem als weniger variablem und Rollen-erwartungs- und Bedürfnisdispositionssystem als stärker variablem Bestandteil des Sozialsystems sind keine Kriterien für ihre empirische Unterscheidung beigegeben.Google Scholar
  117. 112).
    “Toward a General Theory of Action”, a.a.O., S. 160.Google Scholar
  118. 113).
    Hier wird Durkheims Gedanke von der wachsenden Solidarität in sich differenzierender Arbeitsteilung von Parsons nachgedacht. Vgl. “De la division du travail social”, Paris 1902.Google Scholar
  119. 114).
    Siehe oben S. 14 und S. 188 Anm. 15.Google Scholar
  120. 115).
    Als Illustration, wie dies geschehen sein könnte, ist Franz Oppenheimer interessant. Nach seiner Lehre von der Staatsbildung im Zuge der Unterwerfung einer autochthonen Bevölkerung durch ein Eroberervolk entsteht das Recht dadurch, daß die Sieger von den Besiegten eine geregelte Dienstbarkeit erzwingen. Soillustrativ diese Lehre vom Prozeß der Rechtswerdung ist, kann sie historisch natürlich nur als spezieller Fall der Rechtsentstehung gelten. Vgl. dazu “Der Staat”, München 1952.Google Scholar
  121. 116).
    T. Parsons; “Some Reflections on the Place of Force in Social Process”, in: H. Eckstein (Hrsg.), “Internal War. Problems and Approaches”, Glencoe (III)/London 1964, S. 68.Google Scholar
  122. 117).
    “Structure an Process in Modern Society”, a.a.O., S. 220.Google Scholar
  123. 118).
    Ebd. S.42.Google Scholar
  124. 119).
  125. 120).
    Ebd. S.221.Google Scholar
  126. 121).
    Ebd. S.222.Google Scholar
  127. 122).
    Ebd. S.219.Google Scholar
  128. 123).
    Ebd. S.219 f.Google Scholar
  129. 124).
    Ebd. S.220.Google Scholar
  130. 125).
    “Es ist oft ein großer Unterschied zwischen dem Willen aller und dem allgemeinen Willen: dieser zieht nur das allgemeine Beste in Betracht, jener dagegen berücksichtigt den Privatvorteil und ist nur eine Summe einzelner Willensmeinungen. “ (“Der Gesellschaftsvertrag”, Zürich 1946, S.-35.)Google Scholar
  131. 126).
    “Wirtschaft und Gesellschaft”, a.a.O., I. Halbband, S. 38.Google Scholar
  132. 127).
    Ebd. II. Halbband, S. 693.Google Scholar
  133. 128).
    Vgl. ebd. S. 692.Google Scholar
  134. 12).
    9) Vgl. ebd.Google Scholar
  135. 130).
    Ebd. S. 694.Google Scholar
  136. 131).
    “Structure and Process in Modern Societies”, a.a.O., S.185Google Scholar
  137. 132).
    Der institutionelle Charakter, den bei Parsons jedwede “power” hat, spricht eigentlich dafür, daß der Begriff, legt man die Webersche Unterscheidung zugrunde, richtig nicht mit Macht, sondern mit Herrschaft zu übersetzen wäre Dem Begriff der Macht, dem Weber attestiert, er sei soziologisch amorph (vgl. “Wirtschaft und Gesellschaft”, a.a.O., I. Halbband, S. 38), entspräche dann bei Parsons der Begriff “influence” (vgl. dazu “On the concept of influence”, in: “Public Opinion Quarterly”, XXVII, 1(1963)). Dagegen spricht freilich, daß Parsons selber Webers Begriff der Herrschaft nicht mit “power”, sondern durchweg mit “authority” wiedergibt; so spricht er z.B. von “Max Weber’s types of authority” (vgl. “Structure and Process in Modern Societies”, a.a.O. , S. 188.)Google Scholar
  138. 133).
    F. Chazel, “Reflexions sur la conceptionparsonienne du pouvoir et de 1’ influence”, in: “Revue francaise de sociologie”, V, 4 (1964), S. 389 f.Google Scholar
  139. 134).
    Ebd. S. 391.Google Scholar
  140. 135).
    “Les regies de la methode sociologique”, Paris 1960, S. 91.Google Scholar
  141. 136).
    Vgl. z. B. “AnOutline of the Social System”, a. a. O. , S. 67. In “Some Reflections on the Place of Force in Social Process”, a.a.O., treibt er die Analogie von Geld und Macht bis zur begrifflichen Konstruktion einer “power bank” und läßt sich davon zu der ebenso interessanten wie fragwürdigen These stimulieren, “that a power bank, like a money bank, is, if it is functioning well, ‘ insolvent’ at any given moment with respect to is formal obligations, in the sense that it cannot fulfill all its legitimate obligations if there is insistence on their fulfillment too rapidly” (S. 60).Google Scholar
  142. 137).
    Vgl. dazu etwa H. v. Stackeiberg, “Grundlagen der theoretischen Volkswirtschaftslehre”, a.a.O. , S. 114.Google Scholar
  143. 138).
    “Structure and Process in Modern Societies”, a. a. O. , S. 41.Google Scholar
  144. 139).
    “An Outline of the Social System”, a.a.O., S. 67.Google Scholar
  145. 140).
    “Structure and Process in Modern Societies”, a.a.O., S. 41 f.Google Scholar
  146. 141).
    Ebd. S.41.Google Scholar
  147. 142).
    H. Schelsky, “Ortsbestimmung der deutschen Soziologie”, a. a. O. , S. 101.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Köln und Opladen 1968

Authors and Affiliations

  • Karlheinz Messelken

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