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Aspekte des Theoriebegriffs der empirischen Soziologie. Entwicklung der Fragestellung

  • Karlheinz Messelken

Zusammenfassung

Der Prozeß der sozialen Verselbständigung der Naturwissenschaften, der unter dem Eindruck der Leistungsfähigkeit wissenschaftlicher Technologie im ersten Weltkrieg einen kräftigen, bei der Vorbereitung des zweiten Weltkriegs dann noch verstärkt wiederholten Impuls erfahren hat und sich seitdem unter dem Gewicht der Forderungen, die das nukleare und raketentechnische Wettrüsten der Sieger stellt, in fortwährender Beschleunigungbefindet, hat auch die Sozialwissenschaften, und unter ihnen insbesondere die Soziologie, nicht unberührt gelassen. Es sind seither auch auf ihrem Gebiet viele große Forschungsinstitute entstanden, die ihre Hauptfunktion nicht mehr — wie einst die Universitäten — in intergenerativer Weitergabe von kulturell akkumuliertem Wissen auf seinem jeweils höchsten Niveau sehen, sondern vornehmlich auf die Erweiterung des vorhandenen gesellschaftlichen Wissensvorrates abzielen, die sie auf möglichst rationelle Weise zu betreiben versuchen. Die Richtung, in der solche Erweiterung dabei vor allem gesucht wird, zeigt sich in der zum Leitmotiv wissenschaftlicher Forschung gewordenen Frage nach der Praktikabilität der zu gewinnenden Ergebnisse an, einer Frage, die sich früheren gesellschaftstheoretisch denkenden Generationen mit solchem Nachdruck kaum gestellt hat.

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Anmerkungen

  1. 1).
    “Soziologie und empirische Forschung”, in: M. Horkheimer u. T. W. Adorno, “So-ciologica II”, Frankfurt am Main 1962, S. 207.Google Scholar
  2. 2).
    “Probleme der Theoriebildung”, in: H. Albert (Hrsg.), “Theorie und Realität”, Tübingen 1964, S. 69.Google Scholar
  3. 3).
    Vgl. dazu G. Klaus, “Die Macht des Wortes”, Berlin 1965. Der ostberliner Philosoph schreibt dort den populärwissenschaftlichen Übersetzungen spezialwissenschaftlicher Erkenntnisse gerade diese Funktion zu und begründet daraus ihre große und zunehmend größere soziale Bedeutung.Google Scholar
  4. 4).
    Zum Problem exakt definierter Forschungsziele als einem Angelpunkt der Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis s. H. Zimmermann, “The Treatment of Imprecise Goals: The Case of Regional Science”, Regional Science Research Institute Discussion Paper Series No. 9, Philadelphia 1966.Google Scholar
  5. 5).
    Die latente Feindseligkeit zwischen den beiden Haltungen wird bisweilen manifest; dabei kommt es gelegentlich zu Kontroversen, in denen Pamphlete erscheinen, die großes Gewicht besitzen und weit über ihren Anlaß hinaus interessant bleiben. R. S. Lynd, “Knowledge for What? The Place of Social Science in American Culture”, Princeton (N.J.) 1939, bietet dazu ein Beispiel für die amerikanische Situation der dreißiger Jahre,Google Scholar
  6. 5a).
    C.W. Mills, “The Sociological Imagination”, New York 1959, ein ebensolches für die fünfziger Jahre.Google Scholar
  7. 6).
    R.K. Merton konstatiert in diesem Zusammenhang: “Of course, the technological criterion of scientific achievement has also a positive social function for science. The increasing comforts and conveniences deriving from technology and ultimately from science invite the social support of scientific research. They also testify to the integrity of the scientist, since abstract and difficult theories which cannot be understood or evaluated by the laity are presumably proved in a fashion which can be understood by all, i. e. , through their technological applications. Readiness to accept the authority of science rests, to a considerable extent, upon its daily demonstrationof power. “ (“Social Theory and Social Structure”, New York 1966, S. 543.)Google Scholar
  8. 7).
    So herrscht z. B. in der Diskussion über die Wissenschaftsförderung in der Bundesrepublik, wie sie seit der Proklamation des Bildungsnotstandes durch G. Picht (vgl. dazu seine Schrift: “Die deutsche Bildungskatastrophe”, Olten/Freiburg 1964) allenthalben geführt wird, die absolut fraglose Überzeugung, daß sich wachsende Unterstützung der Wissenschaft auf jeden Fall höchst rentabel, stagnierende Unterstützung dagegen ruinös für die deutschen Zukunftschancen auswirken werde.Google Scholar
  9. 8).
    Die Unbestimmtheit solcher Erwartungen ist nicht als völlige Gestaltlosigkeit anzusehen. Es versteht sich von selbst, daß von der jeweiligen Disziplin spezifische Ergebnisse erwartet werden; ebenso klar ist es, daß im Publikum verschieden konkrete Vorstellungen von wissenschaftlicher Erkenntnismöglichkeit bestehen und sich daraus unterschiedliche Erwartungen begründen; schließlich liegt es auf der Hand, daß Einrichtungen wie etwa industrielle Großbetriebe, Stiftungen oder Staaten, die die wissenschaftliche Kreativität finanzieren, durch ihre Sachverständigen über die von ihnen geförderten Forschungsprogramme informiert werden und ihre Mittel gezielt verteilen. In diesem Sinne kann der Begriff “des relevanten Publikums” zur Abgrenzung von Publikum im allgemeinen dienen; vgl. dazu E.K. Scheuch “Sozialer Wandel und Sozialforschung”, in: KZfSS XVII, 1, S. 15. Vgl. auch H. Klages, D. Grün, H.W. Hetzler, “Soziologie der Forschung in der industri-ellenGesellschaft”, in: Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen — Landesamt für Forschung — (Hrsg.), “Jahrbuch 1965”, Köln/Opladen, S. 377 ff.Google Scholar
  10. 9).
    Vgl. dazu M.I. Stein, “Creativity and the Scientist”, in: B. Barber u. W. Hirsch (Hrsg.), “The Sociology of Science”, Glencoe (111.), 1962, S. 329–343.Google Scholar
  11. 9a).
    Vgl. ferner W.O. Hagstrom, “The Scientific Community”, New York 1966. Diese beiden Arbeiten sind ein Versuch, das Parsonssche Systemkonzept auf die Wissenschaft anzuwenden.Google Scholar
  12. 10).
    Zu dem Begriff des Modells schreibt H. Zetterberg, zunächst G.Simmel zitierend: “‘Wir werden die Gesetze der sozialen Formen nur entdecken, wenn wir gesellschaftliche Phänomene der verschiedenen Inhalte zusammenstellen und feststellen, was sie trotz ihrer Verschiedenheit gemeinsam haben. ‘ . . . Das System miteinander verbundener Thesen, welches das Ergebnis dieses Bemühens ist, wird oft Theorie oder ‘ Modell’ genannt, und das diesem Ansatz entsprechende Theo-retisieren könnte man als Modellkonstruktion bezeichnen. “ (“Theorie, Forschung und Praxis in der Soziologie”, in: R.König (Hrsg.), “Handbuch der empirischen Sozialforschung”, Stuttgart 1962, Bd.I.S. 66) M. Allwood nennt ein Begriffsschema der oben bezeichneten Art ebenfalls “model” und definiert es als “the complex concept of an original social process which, once described, tends to repeat itself over and over again, displaying in each new recurrence essentially the same ethos, logical connections, and general features as in its original appearance. A model is a generalization, and hence an ideal type. Depending on what aspect of the model one wishes to stress, it may also be referred to as a system or a pattern. “ (“Toward a New Sociology”, Mount Pleasant (Iowa)/Mullsjö (Schweden), 1964, S.45.Google Scholar
  13. 11).
    W. E. Mühlmann, “Sociology in Germany: Shift in Alignment”, in: H. Becker u. A. Boskoff (Hrsg.), “Modern Sociological Theory in Continuity and Change”, New York 1957, S. 694.Google Scholar
  14. 12).
    Vgl. dazu seine Einleitung zu dem von ihm gemeinsam mit H. Becker herausgegebenen Werk “ModernSociological Theory in Continuity and Change”, a.a.O. ; dort tritt dieser Wandel unter dem Titel “From Social Thought to Sociological Theory” thematisch ins Zentrum und wird als eigentlicher Anfang der Soziologie vorgestellt. Vgl. zu dieser Einschätzung auch H. Becker und H. E. Barnes, “Social Thought from Lore to Science”, 2 Bde, New York 1952.Google Scholar
  15. 13).
    T. Parsons, “Essays in Sociological Theory”, Glencoe (111.) 1954, S. 219.Google Scholar
  16. 14).
    H. Becker und A. Boskoff, “ModernSociological Theory in Continuity anc Change”, a.a.O. , S. 30.Google Scholar
  17. 15).
    “Some Remarks on ‘The Social System’“, in: “The British Journal of Sociology”, VII, 2 (1956), S. 142.Google Scholar
  18. 16).
    Zum Wandel des Verhältnisses von Soziologie und Sozialanthropologie hat K. Popper in seinem Referat auf dem 14. Deutschen Soziologentag in Berlin drei in diesem Zusammenhang interessante Thesen (7. , 8. und 9. These) aufgestellt. Siehe dazu “Die Logik der Sozialwissenschaften”, in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XIV, 2(1962), S. 236 ff.Google Scholar
  19. 17).
    Vgl. “The Social System”, London 1952, S. 545 ff.Google Scholar
  20. 18).
    So distanziert sich denn auch an diesem Punkt der Kulturanthropologe C.Kluck-hohn von der von ihm gemeinsam mit T. Parsons und den anderen Mitarbeitern verfaßten Einleitung: “Some Fundamental Categories of the Theory of Action: A General Statement” zu: T. Parsons u. E.A. Shils (Hrsg.), “Toward A General Theory of Action”, Cambridge (Mass.) 1962, und betont, daß seiner Meinung nach “the present statement does not give full weight to the extent to which roles are culturally defined, social structure is part of the cultural map, the social system is built upon girders supplied by explicit and implicit culture. “ (S. 27.)Google Scholar
  21. 19).
    “Orstbestimmung der deutschen Soziologie”, Düsseldorf/Köln 1959, S. 119.Google Scholar
  22. 20).
    Der Begriff des Axioms steht hier natürlich nicht ganz zu Recht; streng genommen bilden Axiome nur die Basis rein logisch-deduktiver Systeme. Er ist trotzdem verwendet worden, um die Basisqualität hervorzuheben, die bestimmte Annahmen in den theoretischen Gebäuden auch der empirischen Sozialwissenschaften haben. In ihnen sind allerdings auch diese Grundannahmen hypothetischer Natur, d.h. auf Bestätigung durch Erfahrung angelegt. Ihre “freie Wählbarkeit” ist daher cum grano salis zu nehmen. Sie ist zwar grundsätzlich gegeben; um aber sinnvoll gewählt zu sein, müssen gerade diese Basisannahmen kondensierte gesellschaft-liehe Erfahrung darstellen, wie sie sich stets nur um vorgängige Sinnüberzeugungen kristallisiert, und aus ihr in dem geistigen Prozeß einer ideierenden Abstraktion ausdestilliert werden.Google Scholar
  23. 21).
    Zur Problematik soziologischer Modellbegriffe vgl. H. Klages “Möglichkeit und Grenzen des Modelldenkens in der soziologischen Theorie”, in: “Soziale Welt”, XIV, 2 (1963), der ihnen dort gerade nicht nur Totalitäts-, sondern auch Wirklichkeitsverlust attestiert.Google Scholar
  24. 22).
    Mit diesem Satz beginnt das Kommunistische Manifest.Google Scholar
  25. 23).
    In diesem Sinne kommt Parsons zu der Feststellung: “The two most general functions of theory are the facilitation of description and analysis. “ (“Essays in Sociological Theory”, a. a. O. , S. 212.) Schelsky wendet gegen diesen Gedanken ein, daßDeskriptionund Analyse prinzipiell nicht unterscheidbar seien und gradweise ineinander übergingen (vgl. “Ortsbestimmung der deutschen Soziologie”, a. a. O. , S. 87). Wenn er mit dem letzteren zweifellos recht hat, leuchtet die prinzipielle UnUnterscheidbarkeit nicht ohne weiteres ein. Parsons zieht eine durchaus markierbare Grenzlinie, indem er der Beschreibung eines Gegenstandes die Aufgaben der Konstruktion seines Bezugsrahmens und der Darstellung seiner (statischen) Struktur zurechnet, während er die Aufgabe der Analyse in der kausalen Erklärung seines Zustandekommens und der funktionalen Erklärung seiner Erhaltung sieht. Ganz ähnlich, allerdings nicht so amateurhaft wie Parsons, sondern aus der Substanz seiner Philosophie heraus und daher in vollem Bewußtsein der erkenntnistheoretischen Voraussetzungen und Implikationen, hat Hegel unterschieden. Vom Beschreiben sagt er, es sei das “oberflächliche Herausheben aus der Einzelheit und die ebenso oberflächliche Form der Allgemeinheit, worein das Sinnliche nur aufgenommen wird, ohne an sich selbst Allgemeines geworden zu sein”, das also “noch in dem Gegenstand selbst die Bewegung nicht” hat (“Phä-nomenologie des Geistes”, Hamburg 1952, S. 185 f.), während er unter Erklären die seiner Meinung nach im Grunde tautologische geistige Bewegung der — wie man modern sagen würde — nomologischen Reduktion versteht, mit der ein Ereignis auf eine als Gesetz formulierte allgemeine Kraft zurückgeführt wird (vgl. dazu ebd. S.118 ff.). Wenn Schelsky allerdings von einer adäquaten Deskription ganz radikal die verbale Rekonstruktion der Bewegungen, aus denen der Gegenstand hervorgeht und in denen er sich erschöpft, den begrifflichen Nachfollzug seiner Genese verlangt, läßt sich die Grenzlinie zwischen Deskription und Ana-lyse nicht mehr halten.Google Scholar
  26. 24).
    Vgl. dazu “Logik der Forschung”, Wien 1935.Google Scholar
  27. 25).
    “Der logische Aufbau der Welt / Scheinprobleme in der Philosophie” (zuerst sind beide Schriften 1928 einzeln erschienen), Hamburg 1961, S. 333. Carnap wollte mit diesem Sinnkriterium Erfahrungswissenschaft von Metaphysik abgrenzen. Über den Prozeß seiner Selbstrevision, der letzten Endes Ergebnisse gezeitigt hat, die diesen Versuch als gescheitert betrachten lassen müssen, vgl. W. Stegmüller, “Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie”, Stuttgart 1960, Kapitel IX und X.Google Scholar
  28. 26).
    Vgl. zu der Problematik einer solchen Identifikation von Erklärung und Prognose K. Messelken “Zur Rolle von Semiotik und Kybernetik in der marxistischen Philosophie”, in: “Soziale Welt”, XVI, 4 (1965), S. 297.Google Scholar
  29. 27).
    Vgl. dazu insbesondere “Theorie und Prognose in den Sozialwissenschaften”, in: E. Topitsch (Hrsg.), “Logik der Sozialwissenschaften”, Köln/Berlin 1965.Google Scholar
  30. 28).
    Ebd. S. 133.Google Scholar
  31. 29).
    M. Weber, “Wirtschaft und Gesellschaft”, Köln/Berlin 1964, 1. Halbband, S. 3. Wenn T. Abel von einer ähnlichen Position aus, wie Albert sie vertritt, zu dem Schluß kommt: “Primarily the operation of Verstehen does two things: Itrelieves us of a sense of apprehension in connection with behavior that is unfamiliar or unexpected and it is a source of ‘hunches’, which help us in the formulation of hypotheses”. (“The Operation called Verstehen”, in: H.Albert (Hrsg.), “Theorie und Realität”, Tübingen 1964, S. 187 f.), so ist dazu nur festzuhalten, daß das Verstehen also doch wohl Plausibilität schafft, d.h. einen Erklärungs Zusammenhang, in den sich alle bekannten Daten sinnvoll einfügen, so daß das zu erklärende Phänomen als von ihnen bedingt gedacht werden kann, ohne daß dieser Annahme eine Information entgegenstände. Wenn Abel dann fortfährt: “The operation of Verstehen does not, however, add to our store of knowledge, because it consists of the application of knowledge already validated by personal experience” (ebd. S. 188), muß man ihn fragen, wo denn wohl die Erweiterung unseres Wissensvorrates liegt, wenn wir Gesetze anwenden: Auch und gerade da geschieht doch weiter nichts als “application of knowledge already validated”.Google Scholar
  32. 29a).
    Vgl. zu den Vorteilen des Verstehens als einer soziologischen Erkenntnismethode A. Rapoport, “The Scientific Relevance of C. Wright Mills”, in: I. L. Horowitz, (Hrsg.) “The New Sociology”, New York 1965.Google Scholar
  33. 30).
    Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S.212.Google Scholar
  34. 31).
  35. 32).
    Vgl. dazu insbesondere seinen erstmals 1945 erschienenen Aufsatz: “The Present Position and Prospects of Systematic Theory in Sociology”, wiedererschienen in: “Essays in Sociological Theory”, a.a.O.Google Scholar
  36. 33).
    “Reciprocity and Autonomy in Functional Theory”, in: L. Gross (Hrsg.) “Symposion on Sociological Theory”, New/York/Evanston/London 1959, S. 252.Google Scholar
  37. 34).
    “Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S.213.Google Scholar
  38. 35).
    “Kritik der reinen Vernunft”, Hamburg 1952, S. 46.Google Scholar
  39. 36).
    Diese lapidare Forderung scheint leicht zu erfüllen zu sein. Wenigstens schienen sich für die Sozialanthropologie, deren Erbe die strukturell-funktionale Schule der Soziologie angetreten hat, hier kaum Schwierigkeiten zu ergeben, da sie vorwiegend Inselkulturen erforschte, deren Grenzen sich gewissermaßen natürlich abzeichneten. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird noch auszuführen sein, wie sichaber trotzdem schon in dieser Forderungdie ganze Problematik des Parsons-schen Versuchs der Herausbildung einer allgemeinen soziologischen Theorie verbirgt.Google Scholar
  40. 37).
    “Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S.216.Google Scholar
  41. 38).
    “A structure is a set of relatively stable patterned relationships between units.” (Ebd. S. 230.)Google Scholar
  42. 39).
    Ebd. S. 217.Google Scholar
  43. 40).
    “The concept of structure focuses on these elements of the patterning of the system which may be regarded as independent of the lower-amplitude and shorter time-range fluctuation. . . It thus designates the features of the system which can, in certain strategic respects, be treated as constants over certain ranges of variation in the behavior of other significant elements of the theoretical problem. “ (T. Parsons, “An Outline of the Social System”, in: T. Parsons, E. Shils, K. D. Naegele, J. R. Pitts, “Theories of Society”, Glencoe 1961, S.36.)Google Scholar
  44. 41).
    “it ensures that nothing of vital importance is unadvertently overlooked.” (“Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S.217.)Google Scholar
  45. 42).
    “. . . dynamic analysis, the ulimate goal of scientific investigation. “ (Ebd. S. 214). “The dynamic analysis would treat the process of action as the proper goal of conceptualization and theory construction.” (T. Parsons u. E. A. Shils (Hrsg.), “Toward a General Theory of Action”, a. a. O. , S. 6.)Google Scholar
  46. 43).
    “Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S.215.Google Scholar
  47. 44).
    Vgl. ebd. S. 217.Google Scholar
  48. 45).
    So z. R. ausdrücklich in dem schon mehrmals zitierten Aufsatz “The Present Position and Prospects of Systematic Theory in Sociology”, a. a. O.Google Scholar
  49. 46).
    Ebd. S. 217.Google Scholar
  50. 47).
    Vgl. dazu und zu ihrer Rekonstruktion in diesem Abschnitt “An Outline of the Social System”, a. a. O. , S. 36 ff.Google Scholar
  51. 48).
    Vgl. z. B. ebd. S. 38.Google Scholar
  52. 49).
    Mit der Begründung ihrer Möglichkeit unterscheidet sich der moderne Struktur-funktionalismus von der klassischen Kulturanthropologie, die ja davon überzeugt war, daß “in every type of civilization, every custom, material object, idea and belief fulfills some vital function, has some task to accomplish, represents an indispensable part within a working whole” (B. Malinowski in seinem Artikel: “Anthropology”, in: “The Encyclopaedia Britannica”, Supplementary Volume I, New York/London 1936, S. 133).Google Scholar
  53. 50).
    Das logische Verhältnis dieser vier Grundkategorien der Parsonsschen Systemtheorie, von denen Parsons gelegentlich behauptet, sie gäben eine erschöpfende Darstellung der funktionalen Bestandserfordernisse eines jeden Handlungssystems (vgl. z. B. “The Political Aspect of Social Structure and Process”, in: D. Easton (Hrsg.), “Varieties of Political Theory”, Englewood Cliffs (N.J.) 1966, S. 106), bleibt, wie der obige Versuch ihrer Verknüpfung zu erkennen gibt, ersichtlich ungeklärt. Offensichtlich sind sie weder in eine hierarchische Ordnung gebracht, noch stehen sie gleichwertig nebeneinander; vielmehr überlagern sich ihre Inhalte teilweise (so sind z.B. pattern-maintenance, integration und adaptation als Zustand zweifellos goal und daher als Prozeß goal-attainment) und teilweise schließen sie einander aus (so wird z.B. adaptation — und also integration und also goal-attainment — in der Regel nur auf Kosten von pattern-maintenance gelingen). In diesem ungeklärten Verhältnis verbergen sich, wie die weitere Analyse zeigen wird, tiefe Selbstwidersprüche der Parsonsschen Soziologie; s. dazu vor allem unten S. 68 ff.Google Scholar
  54. 51).
    In einem Vortrag an der Freien Universität in Berlin im Sommersemester 1963 schrieb Parsons in diesem Zusammenhang dem Funktionsbegriff die Leistungen zu, “angesichts der vielen Arten von Beschreibungen sozialer Phänomene, die auf der Grundlage des Alltagsverständnisses gängig waren, die Phänomene in der Sprache eines in sich selbst ruhenden technischen Interesses auszuwählen und zu ordnen” (zitiert nach Brigitte Steinbeck: “Einige Aspekte des Funktionsbegriffs in derpositivenSoziologieund in der kritischen Theorie der Gesellschaft”, in: “Soziale Welt”, XV, 2(1964), S. 112).Google Scholar
  55. 52).
    Diese Einsicht ist keineswegs neu. Schon in der deutschen Vorkriegssoziologie hat Othmar Spann sie propagiert. Er meinte, daß alle kausale Erklärung von sozialen Sachverhalten nur sinnvoll sei, wenn man wisse, ob und wie wichtig sie seien, was sich aber nur in Erfahrung bringen lasse, wenn man sie auf den Zustand des Ganzen der Gesellschaft beziehe und sie in diesem Zusammenhang nach ihrem Beitrag zu dessen Erhaltung oder Entwicklung untersuche. Die durchgängige Anwendung einer solchen Verfahrensweise, die er die “universalistische Methode” nannte, schien ihm darum für die Entwicklung der Soziologie von größter Bedeutung zu sein. Vgl. dazu insbesondere seine Schrift “Zur Logik der so-zialwissenschaftlichen Begriffsbildung”, Tübingen 1905, sowie “Fundament der Volkswirtschaftslehre”, Jena 1918.Google Scholar
  56. 53).
    “TheSocialSystem”, a.a.O. , S. 20 f. Als Test für die “differential consequences for the system” in einem weltgeschichtlichen Ausmaß versteht Parsons etwa das Reeduktionsprogramm der alliierten Sieger des zweiten Weltkrieges, das durch Veränderung des institutionellen Gefüges der deutschen Gesellschaft die strukturellen Grundlagen eines für Deutschland als charakteristisch angesehenen, besonders ausgeprägten Militarismus zerstören sollte. Läßt es als ein solcher Test Rückschlüsse auf die Tragfähigkeit soziologischer Erkenntnis zu, so ist es zugleich Anwendungsfall soziologischer Erkenntnis auf gesellschaftliche Praxis, mit dem hier dem Problem des kontrollierten institutionellen Wandels, also einem für die manipulative Beherrschung des sozialen Lebens zweifellos bedeutsamen Problem begegnet wird. Vgl. dazu “The Problem of Controlled Institutional Change”, in: “Essays in Sociological Theory”, a.a.O., S. 238–274.Google Scholar
  57. 54).
    So kürzlich D. Rüschemeyer in seiner Einleitung zu T. Parsons, “Beiträge zur soziologischen Theorie”, Neuwied 1964, S. 25 f.Google Scholar
  58. 55).
    “The Sociological Imagination”, a.a.O., S. 49.Google Scholar
  59. 56).
    Hier ist etwa an M. Blau, A. Gouldner, R. K. Merton und P. Selznick zu denken.Google Scholar
  60. 57).
    Sie hat sich in folgenden Arbeiten besonders akzentuiert ausgesprochen: E. Nagel, “Logic Without Metyphysics”, Glencoe (111.) 1957, dort insbesondere S. 247–283; ders. , “Problems of Concept and Theory Formation in the Social Sciences”, wiedererschienen in: H. Albert (Hrsg.), “Theorie und Realität”, a.a.O.; C. Hempel, “The Logic of Functional Analysis”, in: L. Gross, “Symposium on Sociological Theory”, a. a. O.;Google Scholar
  61. 57a).
    G. Bergmann, “Purpose, Function, Scientific Explanation”, in: “Acta Sociological”, V, 4(1962); G. Carlsson, “Betrachtungen zum Funktionalismus”, wiedererschienen in: Ernst Topitsch (Hrsg.), “Logik der Sozialwissenschaften”, a. a. O. ;Google Scholar
  62. 57b).
    nur bedingt ist dieser Kritik K. Davis, “The Myth of Functional Analysis as a Special Method in Sociology and Anthropology”, in: “American Sociological Review”, XXIV, 6 (1959), zuzurechnen, da er seinem Selbstverständnis nach Funktionalist bleibt.Google Scholar
  63. 58).
    C.G.Hempel, “The Logic of Functional Analysis”, a.a.O., S. 298.Google Scholar
  64. 59).
    Auf diesem Weg geht in den USA vor allem Merton. Er empfiehlt, die Vorstellung von der funktionalen Unerläßlichkeit bestimmter sozialer Strukturen aufzugeben und statt dessen stärker mit dem Begriff der funktionalen Alternativen oder funktionalen Äquivalente zu arbeiten. Die Grundfrage, die sich ihm bei diesem gegenüber Parsons’ system-orientierter Fragestellungeher als problem-orientiert zu bezeichnenden Denkansatz stellt, nämlich wie die Äquivalenz alternativer Sachverhalte in sozialen Zusammenhängen zu beweisen sei, da in ihnen ja das Experiment als Beweismittel nicht zur Verfügung steht (vgl. “Social Theory and Social Structure”, a. a. O. , S. 52), hat neuerdings in Deutschland auch N. Luhmann be-schäftigt. Luhmann kommt zu dem Ergebnis, daß eine Methode des Vergleichs hier weiterhelfen könne, die nicht — wie in der seit den Eleaten von der Aufgabe einer Logik des Definierens beanspruchten Philosophie-verschiedene Gegenstände auf das ihnen Gemeinsame reduziert, um es dann als ihr Wesen zu behaupten, sondern verschiedene Gegenstände auf ihren Ertrag für ein gleiches anderes hin untersucht, um so ihre Substituierbarkeit zu erforschen. Vgl. “Funktionale Methode und Systemtheorie” in: “Soziale Welt”, XV, 1 (1964), S. 1–25.Google Scholar
  65. 60).
    Es entspricht solcher Stichweite, daß Merton in seiner Darlegung der “self-fulfilling prophecy” diesen Mechanismus nur unter negativen Vorzeichen erörtert und, soweit die soziale Praxis von ihm tangiert wird, “deliberate institutional controls” vorschlägt, um seine Wirksamkeit zu verhindern (“Social Theory and Social Structure”, a.a.O., S.436).Google Scholar
  66. 61).
    Denn Sinn dieses Begriffs entfaltet im einzelnen und, trotz gelegentlicher Kritik von dort, vorbildhaft auch für die Frankfurter Schule G. Lukacs. Vgl. dazu “Geschichte und Klassenbewußtsein”, Berlin 1923.Google Scholar
  67. 62).
    “Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie”, in: T.W. Adorno u. W.Dirks (Hrsg.), “Sociologica”, Frankfurt 1955, S. 13 f. Adorno nimmt hier Bezug auf T. Parsons, “Psychoanalysis and the Social Structure”, in: “The Psychoanalytic Quarterly”, XIX, 3 (1950), S. 373.Google Scholar
  68. 63).
    R. Dahrendorf, “Gesellschaft und Freiheit”, München 1961, S. 104.Google Scholar
  69. 64).
    Es sind ihr außer dem verstorbenen C. Wright Mills etwa noch Pierre L. van denBerghe, Lewis S. Coser, Johan Galtung, David Lockwood, Barrington Moore, John Rex und Dennis H. Wrong zuzurechnen.Google Scholar
  70. 65).
    Vgl. dazu R. Dahrendorf, “Gesellschaft und Freiheit”, a.a.O., S. 209.Google Scholar
  71. 66).
    Vgl. ebd. S. 209 f.Google Scholar
  72. 67).
    Parsons erhebt hier denn auch Einspruch und wendet gegen Dahrendorf ein: “Seine Meinung über die strukturell-funktionale Theorie beruht meines Erachtens auf einem Mißverständnis. . . Die Begriffe Integration und Konflikt — richtig verstanden — sind keine geeigneten Bezugspunkte für den Entwurf theoretischer Systeme . . . ; vielmehr sind Integration und Konflikt Klassifikationen empirischer Phänomene. Ich hege in der Tat den starken Verdacht, daß Dahrendorf die Probleme der analytischen Theorie überhaupt nie in Betracht zieht, sondern unter Theorie eine Gruppe empirischer Verallgemeinerungen versteht. “ (“Die jüngste Entwicklung der strukturell-funktionalen Theorie” in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XVI, 1 (1964), S. 47.) Hier scheint nun allerdings Par-sons selbst wissenschaftstheoretische Kategorien der allgemeinen Theoriebildung, die Integration und Konflikt gewiß nicht sind, mit theoretisch-soziologischen Grundkategorien zu verwechseln, als die Integration und Konflikt in seiner und Dahrendorfs Soziologie gewiß eine Rolle spielen. Soweit Parsons soziologische Theorie aufstellt, ist er natürlich gehalten, mit “Klassifikationen empirischer Phänomene” zuarbeiten, denen dann etwa Einseitigkeit vorgeworfen werden kann. Viel schwerer als seine formale Kritik an Dahrendorf wiegt daher die inhaltliche, in der er — in gewisser Weise die konflikttheoretischen Einwände verarbeitend und sich so selbst überwindend — herausstellt: “Die einzige Lösung des Problems ist der Versuch, beide Klassen von Phänomenen unter dasselbe analytische Schema zu bringen . . . Man sollte vor allem nicht Integration mit der Rolle der normativen oder Idealfaktoren in der Gesellschaft und Konflikt mit den ‘Interessen* gleichsetzen. Werte und Interessen spielen sowohl in integrativen wie in konfliktgeladenen Phänomenen eine Rolle, “ (Ebd.) Hier kommt zum Ausdruck, daß Parsons an einheitlicher Theorie festhält, während sich für Dahrendorf Theorieletzten Endes in verschiedene Ansätze auflöst. Dazu ist im Schlußteil der vorliegenden Arbeit noch ausführlicher Stellung zu nehmen.Google Scholar
  73. 68).
    Als Ursache dieser Schwierigkeit hat keineswegs hauptsächlich die Vielzahl der Faktoren in komplexen sozialen Sachverhalten zu gelten, sondern schon eher das Problem, sie sauber voneinander zu isolieren, das — wie Adorno immer wieder betont — die Widersprüchlichkeit der gesellschaftlichen Totalität als Widersprüchlichkeit an ihren F ragmenten im Bewußtsein des ebenfalls von dieser Widersprüchlichkeit gezeichneten Subjekts zum Vorschein bringt, das sie zu erkennen hofft. So mokiert Adorno sich denn auch über die Vorstellung, jene Schwierigkeit sei durch Fortschritte in der Sammlung von Daten, die sich ja ihrerseits wieder als different interpretierbar erweisen, aus der Welt zu schaffen, sei also nur ein mit der Jugendlichkeit der Soziologie zu erklärender und zu entschuldigender Mangel, der sich mit ihrer weiteren Reife von selbst behebe (vgl. dazu “Zur Logik der Sozialwissenschaften”, in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialphy-chologie”, XIV, 2(1962), S. 249; ferner “Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie”, a. a. O. , S. 12).Google Scholar
  74. 69).
    Ganz entschieden zielen in diese Richtung die Einwände, die D. Rüschemeyer in seiner Einleitung zu T. Parsons, “Beiträge zur soziologischen Theorie”, a.a.O., S. 22 f. , gegen Dahrendorfs Parsons-Kritik erhebt. Noch schärfer tritt eine solche Tendenz indem Aufsatz von P. Drewe, “Die ‘strukturell-funktionale Theorie’ und der soziale Wandel. Ein Nachwort zur Kontroverse zwischen Dahrendorf und Parsons”, in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XVIII, 2 (1966), S. 329–335, hervor, der Parsons’ Werk mit dem Argument, es sei vornehmlich “dimensionale Analyse”, letzten Endes jeder kritischen Konfrontation mit der Wirklichkeit entzieht.Google Scholar
  75. 70).
    Vgl. “The Polish Peasant in Europe and America”, New York 1958, Bd. 2, S. 1847 ff.Google Scholar
  76. 71).
    Renate Mayntz hat darauf aufmerksam gemacht, daß sie Bezeichnung “konservativ” hier natürlich nicht ein bestimmtes, etwa als “rechts” zu charakterisierendes gesellschaftspolitisches Programm, sondern die Haltung des Bewahrens eines jeweiligen status quo, wie immer sein politischer Gehalt sei, benennen will, die — so wäre hinzuzufügen — der Kontinuität und also der Tradition einen starken Eigenwert zubilligt. Vgl. “Soziologie in der Eremitage?”, in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, XIII, 1 (1961), S. 111.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Köln und Opladen 1968

Authors and Affiliations

  • Karlheinz Messelken

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