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Zu einigen Grundzügen der Konflikttheorie bei Ralf Dahrendorf Kritische Analysen

  • Karlheinz Messelken

Zusammenfassung

Daß in einem derartigen Gesellschaftsdenken ein spezifischer Begriff von Politik angelegt ist, bedarf nun keiner Versicherung mehr. Bevor er aber im einzelnen daraus eruiert wird, soll zunächst die konflikttheoretische Soziologie, die sich ja als bewußte Opposition zur Systemsoziologie empfindet, ebenfalls in einigen ihrer fundamentalen Konzeptionen vorgestellt und in einer kritischen Analyse auf Bestandteile hin untersucht werden, die Aufschlüsse über den Politikbegriff zu geben vermögen, der dieser soziologischen Strömung eigentümlich ist. Damit ist bereits gesagt, daß auch hier nicht systematische Darstellung geplant ist, und es bleibt hinzuzufügen, daß ebenfalls nicht an eine Historiographie ihrer Genese gedacht ist. Systematische Vollständigkeit oder historiographische Treue zum Detail wäre dem Zweck der Untersuchung eher abträglich als förderlich; denn da es ihr um Aufdeckung der Leitlinien zu tun ist, die indieser Lehre zur Kategorie des Politischen führen, liegt ihre Aufgabe im Herauspräparieren des in diesem Zusammenhang Wesentlichen, bei dem der — systematische oder genetische — Gesamtzusammenhang nur als Hintergrund in Erscheinung treten kann. Insofern gibt der Zweck der vorliegenden Arbeit auch den Grund an, mit dem aus der großen Zahl der Konfliktsoziologen einer exemplarisch herausgegriffen wird. Daß die Wahl dabei auf Ralf Dahrendorf fällt, ist danach leicht zu begründen.

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Anmerkungen

  1. 1).
    Während Dahrendorf in seiner allgemeinen geistigen Entwicklung sichtbar unter dem Eindruck der politisch-sozialen Verhältnisse in Deutschland steht und vor allem deren geschichtlicher Weg in die nationalsozialistische Katastrophe seine praktisch-soziologische Fragestellung lenkt, ist er in seiner theoretisch-soziologischenFragestellung, schonweil zur Zeit seines Studiums eine deutsche Soziologie mit historischer Kontinuität, an die er sich hätte halten können, nicht mehr und noch nicht wieder bestand, vornehmlich an den besonders in den USA diskutierten Problemen orientiert. Insoweit treffen die aus der für Amerika geltenden wissenschaftspolitischen Situation der Soziologie zu ziehenden Schlüsse auf Interessen und Frontstellungen der Soziologen auch auf Dahrendorf zu.Google Scholar
  2. 2).
    “The Functions of Social Conflict”, a. a. O., S. 16.Google Scholar
  3. 3).
    “Marx in Perspektive. Die Idee des Gerechten im Denken von Karl Marx”, Hannover 1953.Google Scholar
  4. 4).
    “Unskilled Labour in British Industry”, London 1956.Google Scholar
  5. 5).
    “Industrie- und Betriebssoziologie”, Berlin 1956.Google Scholar
  6. 6).
    Stuttgart 1957.Google Scholar
  7. 7).
    Wiesbaden 1959.Google Scholar
  8. 8).
    Tübingen 1963.Google Scholar
  9. 9).
    R. Dahrendorf und H. Ortlieb (Hrsg.), Heidelberg 1959.Google Scholar
  10. 10).
    Tübingen 1965.Google Scholar
  11. 11).
    Bramsche/Osnabrück 1965.Google Scholar
  12. 12).
    “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, München 1965Google Scholar
  13. 13).
    Vgl. dazu z. B. “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 100 ff.Google Scholar
  14. 14).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 46 ff.Google Scholar
  15. 15).
  16. 16).
    “StrukturundFunktion”, zuerst in: “Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie”, VII, 4 (1955), wiedererschienen in “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O.Google Scholar
  17. 17).
    “Pfade aus Utopia”, zuerst englisch unter dem Titel “Out of Utopia. Toward a Reorientation of Sociological Analysis”, in: “American Journal of Sociology”, LXIV, 2 (1958), wiedererschienen in: “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O.; ferner “Die Funktion sozialer Konflikte” und “Elemente einer Theorie des sozialen Konflikts”; beide Aufsätze sind erstmals erschienen in: “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O.Google Scholar
  18. 18).
    “Homo sociologicus”, a. a. O.Google Scholar
  19. 19).
    München 1963.Google Scholar
  20. 20).
    Vgl. dazu “Die angewandte Aufklärung, a. a. O., S. 113.Google Scholar
  21. 21).
    Ebd. S.115.Google Scholar
  22. 22).
  23. 23).
    Ebd. S.114.Google Scholar
  24. 24).
    Vgl. dazu D. Riesman, R. Denney, N. Glazer, “The Loneley Crowd”, New Haven (Conn.) 1950, deutsch unter dem Titel “Die einsame Masse”, Hamburg 1958.Google Scholar
  25. 25).
    Vgl. “The Politics of Mass Society”, Glencoe (Ill.) 1960.Google Scholar
  26. 26).
    Vgl. “The Power Elite”, New York 1956.Google Scholar
  27. 27).
    “Political Power and Social Theory”, Cambridge (Mass.) 1958, S. 183.Google Scholar
  28. 28).
    “The Tyranny of Greece over Germany”, Boston 1958 (zuerst 1935), zitiert nach R. Dahrendorf, “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, a. a. O., S. 337.Google Scholar
  29. 30).
    Wenn hier von “der” Sache die Rede ist, so könnte das die Interpretation nahelegen, es sei dabei an von aller Subjektivität gereinigte Gegebenheit gedacht. Um solcher Interpretation vorzubeugen, sei betont, daß der Verfasser mit seiner an dieser und anderen Textstellen anklingenden Forderung nach mehr Unvoreingenommenheit dem Sachverhalt gegenüber — nach mehr Empirie, wenn man so will — keineswegs etwa an der Subjekt-Objekt-Dialektik eines jeglichen Erkenntnisprozesses vorbeizukommenhofft. Vielmehr ist seine Forderung richtig nur aus ihrer Stoßrichtung gegen jene Tendenz zu verstehen, mit der bestimmte Methodiken der Soziologie zum soziologischen Betrachtungsansatz schlechthin aufgewertet werden, um so gerade eine für jede Erfahrung offene Subjektivität, die auch zu unorthodoxen F ragestellungen und Problemlösungen bereit sein könnte, auf Denkbahnen zu leiten und an die in ihnen ausgearbeiteten Kategoriensysteme zu verweisen, die zur Begründung der Soziologie als einer Fachdisziplin wie andere etablierte Disziplinen gereichen sollen. Mag das darin sich äußernde Fachinteresse verständlich und gegen jene andere Disziplinen sicher auch berechtigt sein, so muß doch vor ihm gewarnt werden, wenn es allzu restriktiv bestimmte, natürlich auch nur besonderer Subjektivität entsprungene begriffliche Fixierungen durch ihre Institutionalisierung, wie sie bis zu einer gewissen Grenze sicher unvermeidlich ist, zu an sich gültiger Objektivität hypostasiert. Denn in solcher Verabsolutierung von bloßen Instrumentarien zum Wesen der Sache dominiert bereits über das originäre, von wissenschaftspolitischen Finessen unberührte Erkenntnisinteresse ein Fachinteresse, das sich eng und intolerant wider alles Unangepaßte verhält und sich seiner zu entledigen neigt, indem es es als ein vor seinenstrengen Maßstäben nicht bestehendes Dilettieren diskreditiert. Eine solche — Strenge mit Enge verwechselnde — Abwehrhaltung gegen alles Außenseiterische, wie sie z. B. in Amerika gegenüber Mills praktiziert worden ist, muß die Soziologie, die als Wissenschaft ja gerade von kreativer Innovation lebt, bald zu jener Art von sterilem Betrieb erstarren lassen, von dem sie sich — vergleicht man sie etwa mit der Rechtswissenschaft oder auch der Wirtschaftswissenschaft — heute noch durch die Breite ihres Blickwinkels und die Lebendigkeit ihrer inneren Auseinandersetzungen unterscheidet.Google Scholar
  30. 31).
    “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, a. a. O., S. 171.Google Scholar
  31. 32).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S.130.Google Scholar
  32. 33).
    Ebd. S.221.Google Scholar
  33. 34).
    Dahrendorf bedient sich dieses Ausdrucks mit Vorliebe; aus dem Geist seines Werkes, insbesondere aus “Die angewandte Aufklärung” und “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland” läßt sich ermitteln, daß er ihn gebraucht, um ein Sozialwesen zu kennzeichnen, in dem auf der Grundlage weitgehender staatsbürgerlicher Chancengleichheit uneingeschränkter Wettbewerb herrscht.Google Scholar
  34. 35).
    Die Tafel findet sich in “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 206.Google Scholar
  35. 36).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 203.Google Scholar
  36. 37).
    Vgl. dazu insbesondere “Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus”, in: “Ausgewählte Werke”, Bd. 1, Berlin 1960.Google Scholar
  37. 38).
    “Soziale Klassen und Klassenkonflikt”, a. a. O., S. 137.Google Scholar
  38. 39).
    Ebd. S.138.Google Scholar
  39. 40).
    So begründet z. B. van den Berghe, warum es Dahrendorf nicht gelingt, zu zeigen, “why authority is prior to the relation to the means of production”. (“Dialectic and Functionalsim: Toward a Theoretical Synthesis”, in: American Sociologie Review”, XXVIII, 5 (1963), S. 701.)Google Scholar
  40. 41).
    “Soziale Klassen und Klassenkonflikte”, a. a. O., S. 138.Google Scholar
  41. 42).
    Ebd. S.138 f.Google Scholar
  42. 43).
    Ebd. S.139.Google Scholar
  43. 44).
    “Die neue Klasse”, München 1963, S. 78 f.Google Scholar
  44. 45).
    Vgl. dazu etwa “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 148 f.Google Scholar
  45. 46).
    Dahrendorfs Interpretation der Djilasschen Analyse, die sie als Ausdruck eines sich verlierenden Glaubens an diese Idee auffaßt (vgl. dazu “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O. S. 158), ist jedenfalls höchst eigenwillig und dürfte aus dem Text der Djilasschen Schriften kaum zu begründen sein.Google Scholar
  46. 47).
    Ebd. S.235.Google Scholar
  47. 48).
    “Homo sociologicus”, a. a. O., S. 12.Google Scholar
  48. 49).
    Vgl. z. B. “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 130.Google Scholar
  49. 50).
    Dieser Begriff dient in einem anderen Zusammenhang G. Lukacs zur Charakterisierung des sozialdemokratischen Revisionismus. Vgl. dazu “Geschichte und Klassenbewußtsein”, a. a. O., S. 50 ff. Er beschreibt mit ihm die Sehweise des isolierten Individuums, das wegen seiner Isoliertheit kaum Macht über die geschichtlich-gesellschaftlichen Prozesse hat, so daß sie ihm von ebensolcher Faktizität zu sein scheinen wie Naturprozesse, deren Gesetzmäßigkeit man sich anpassen oder die man bestenfalls anwenden kann, die jedoch nicht aufzuheben ist. Von dieser Sehweise hebt er die des Proletariats als sozialer Klasse ab, dem mit der Marxschen Geschichtsdialektik die Augen für seine Fähigkeit geöffnet sind, in seinen klassenkämpferischen Aktionen mit der Potenz aller seine.r Einzelkräfte gesamtheitlich und also mit einer Reichweite zu handeln, die Gesellschaft und Geschichte als gestaltbar erheben läßt.Google Scholar
  50. 51).
    Rex z. B. erblickt in dieser Einstellung “an over-emphaisis in the other direction” (Key Problems of Sociological Theory”, London 1961, S. 119), van den Berghe spricht von Dahrendorfs “political determinism” und meint dazu: “Reducing every conflict situation to a dualistic opposition involves straining the facts” (“Dialectic and Functionalism: Toward a Theoretical Synthesis”, a. a. O., S.701), und der holländische Soziologe van Door n bemerkt in einem Beitrag zu einem Symposion, das Ende Juni 1965 in London stattfand und auf dem Probleme des sozialen Konflikts behandelt wurden: “Dahrendorf takes an extreme standpoint in suggesting that his theory of conflict presupposes ’die ständige schöpferische Wirksamkeit sozialer Konflikte’ “ (“Conflict in Formal Organizations”, in: “Mens en Mattschappij”, XL, 4 (1965), S. 266).Google Scholar
  51. 52).
    Vgl. dazu “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde”, a. a. O.Google Scholar
  52. 53).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 98.Google Scholar
  53. 54).
    Rudolf Tartler hat ihn unlängst nachgezeichnet. Vgl. “Georg Simmels Beitrag zur Integrations- und Konflikttheorie der Gesellschaft”, in: “Jahrbuch für Sozialwissenschaft”, XVI, 1 (1965).Google Scholar
  54. 55).
    Als Beispiele seien hier notiert A. Inkeles, der schreibt: “The conflict model of society has recently been most extensively and vigorously advanced by Lewis Coser, Ralf Dahrendorf, and Johann Galtung, but it finds strong support in a number of other critiques of modern sociology, such as that by C. Wright Mills” (“What is Sociology”, Englewood Cliffs (N. J.) 1964, S.39), und J. Klofâc und Vojtech Tlustýý, die betonen: “Unter dem Begriff Theorie des Konflikts’ haben wir vor allem die Arbeiten von R. Dahrendorf, C. Wright Mills und L. Coser im Sinne” (“Die soziologische ’Theorie des Konflikts’ und die dialektische Theorie der Widersprüche”, in: “Soziale Welt”, XVI, 4 (1965), S. 309). T. Parsons formuliert etwas vorsichtiger: “Die mehr links Stehenden betonen den Konflikt in zwar undogmatischer, aber doch mehr oder weniger marxistischer Sicht — eine Haltung, wie sie der verstorbene C. Wright Mills und in gewissem Grade auch Lewin Coser einnehmen und die zumindest mit der von Dahrendorf in Deutschland in Beziehung steht. “ (“Strukturell-funktionale Theorie heute”, a. a. O., S. 46.)Google Scholar
  55. 56).
    L. Coser, “The Functions of Social Conflict”, a. a. O., S. 151.Google Scholar
  56. 57).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 124.Google Scholar
  57. 58).
    Ebd. 5.212.Google Scholar
  58. 59).
    Dahrendorf sagt in diesem Zusammenhang z. B.: “Es ist gewiß richtig, daß die Soziologie es mit der Gesellschaft zu tun hat. Aber es ist ebenso richtig, daß die Physik es mit der Natur zu tun hat, und doch würden Physiker es kaum für einen Fortschritt halten, die Natur als System zu bezeichnen und als solche zu analysieren. Der Versuch, dies zu tun, würde wahrscheinlich — und sinnvoll — als Metyphysik zurückgewiesen werden. “ (Ebd. S. 98.) Man braucht für System nur Konflikt einzusetzen, und die Aussage trifft auf Dahrendorf selbst zu. Was er genau mit ihr meint, ist wohl mit einem Zitat zu verdeutlichen, in dem M. Friedmann gegen einen ökonomischen System-Entwurf O. Langes polemisiert und das Dahrendorf fürvöllig zutreffend auch auf Parsons hält: “Sein Akzent liegt auf der formalen Struktur der Theorie, den logischen Wechselbeziehungen ihrer T eile.... Seine Kategorien sind in erster Linie im Hinblick auf logische Analyse, nicht auf empirischeAnwendung oder Prüfung ausgewählt.... Die Theorie liefert formale Modelle imaginärer Welten, nicht Verallgemeinerungen über die wirkliche Welt.” (“Essays in Positive Economics”, Chicago 1953, S.283, zitiert nach R. Dahrendorf, “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 94 f.) Die Aussage in diesem Zitat könnte ohne jede Veränderung auch auf Dahrendorfs Konflikt-Modell gemünzt scheinen.Google Scholar
  59. 60).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 126.Google Scholar
  60. 61).
    Vgl. dazu etwa Wilhelm Capelle, “Die Vorsokratiker”, Stuttgart 1953, S.169 ff.Google Scholar
  61. 62).
    Dabei ist sie natürlich nicht ganz ohne Vorgänger. Aus der Tradition der Kantschen Philosophie heraus, in der nach den transzendentalen Bedingungen des Empirischen gesucht wurde, hat ja schon Simmel einen “Exkurs über das Problem: wie ist Gesellschaft möglich? “ verfaßt. Vgl. “Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung”, Berlin 1923, S.21 ff.Google Scholar
  62. 63).
    Vgl. etwa “The Social System”, a. a. O., S. 36.Google Scholar
  63. 64).
    “Homo sociologicus”, a. a. O., S. 29.Google Scholar
  64. 65).
    Fichte, ja doch wohl eine Autorität in der spekulativen Philosophie, sagt dazu: “Der Mensch (so alle endlichen Wesen überhaupt) wird nur unter Menschen einGoogle Scholar
  65. Mensch; und da er nichts anderes sein kann, denn ein Mensch, und gar nicht sein würde, wenn er dies nicht wäre — sollen überhaupt Menschen sein, so müssen mehrere sein. “ (“Grundlage des Naturrechts, in: “Werke”, Band II, Darmstadt 1962, S. 43.)Google Scholar
  66. 66).
    Vgl. dazu “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S.217 ff.Google Scholar
  67. 67).
    Ebd. S.219.Google Scholar
  68. 68).
    Ebd. S.218.Google Scholar
  69. 69).
    Vgl. ebd. S.218.Google Scholar
  70. 70).
    Eine solche Dichotomie aufzustellen, kann für bestimmte Absichten durchaus sinnvoll sein, z. B. für eine vom Verband der Pfeifenhersteller gewünschte Marktanalyse zum Zwecke der Absatzplanung.Google Scholar
  71. 71).
    Das Italienische hat dagegen, wie leicht zu beobachten ist und von soziologisch reflektierten Schweizern bestätigt wird, in der Schweiz geringeren Prestigewert, was interessanterweise zu einer besonderen Abkehr der Tessiner von den Italienern führt.Google Scholar
  72. 72).
    Die öffentliche Meinung kann sich in diesem Punkt auf Publikationen von Dahrendorf selbst und aus seinem Umkreis berufen. So glaubt z. B. H. Gerstein, eine Schülerin Dahrendorfs, den vorzeitigen Abgang studierender Frauen von den Universitäten zu einemwesentlichen T eil aus der Benachteiligung erklären zu können, der Frauen an den Universitäten ausgesetzt seien. Dabei bleibt als Motiv zum Studienabbruch weitgehend unberücksichtigt, daß studierenden Frauen in der Ehe im allgemeinen eine Versorgungsmöglichkeit off ensteht, die ihren männlichen Kollegen im allgemeinen verschlossen bleibt. Vgl. dazu “Studierende Mädchen”, München 1965.Google Scholar
  73. 73).
    Hinundwieder wird dieser Vorgang auch als solcher auffällig, so wenn das Parlament höhere Diäten für Parlamentarier beschließt oder wenn — wie jüngst in Hessen — ein Gericht durch Urteilsspruch einem Richter zu höherer Besoldung verhilft.Google Scholar
  74. 74).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 226 f.Google Scholar
  75. 75).
    Ebd. S.227.Google Scholar
  76. 76).
    Es heißt dort: “In dem Maße, in dem man soziale Konflikte zu unterdrücken versucht, nehmen diese an potentieller Virulenz zu, bis schließlich keine Macht der Erde mehr in der Lage ist, die ihres Ausdrucks beraubten Konfliktenergien niederzuhalten.” (Ebd. S.226.)Google Scholar
  77. 77).
    Vgl. dazu ebd. S.221 f.Google Scholar
  78. 78).
    Ebd. S.228.Google Scholar
  79. 79).
    “Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, a. a. O., S. 187.Google Scholar
  80. 80).
    Vgl. ebd. S. 197.Google Scholar
  81. 81).
    Hierin hat auch die Spieltheorie eine Chance gesehen, die Möglichkeit des Friedens zubegründen. Ihre wichtigstenThesen resümierend, kommt J. Bernard zwar zu dem Ergebnis, daß, wenn “telle ou telle stratégie — la guerre, par exemple, ou la violence, semble à un parti qui se trouve dans une situation de conflit être le meilleur pari qu’ il puissi faire, il y a peu de chances qu’ il renonce à y recourir, même s’ il dispose de toutes les données fournies par la recherche quant aus résultat net (pay-off).” L’ Association internationale de sociologie (Hg.), “De la nature des conflits”, Paris (Unesco) 1957, S. 130.) Da die Spieltheorie jedoch, im Unterschied zu Dahrendorf, darauf verzichtet, hinter dem Konflikt ein besonderes Konfliktbedürfnis als seine latente Ursache zu suchen, sondern Konflikt ganz als Handlungsalternative eines seinen Vorteil rational kalkulierenden homo oeconomicus begreift, kann Bernard fortfahren: “La technologie multiplie peutêtre le pay-off de la guerre dans des proportions si exorbitantes que celle-ci peut cesser d’ apparaître comme de bonne politique, dans quelque situation que ce soit; et la recherche de sciences sociales peut démontrer ce fait. Mais la recherche ne peut déterminer une politique. “ (Ebd.)Google Scholar
  82. 82).
    Insbesondere verzichtet Dahrendorf auch auf eine entsprechende formale Sicherung, wie sie Parsons mit dem Hinweis darauf, daß Denken seinem Wesen nach auf Systematik abziele, in seine Behauptung von der Universalität des Systems eingebaut hat. Dabei könnte sich Dahrendorf mit ebenso großer Berechtigung auf immanente Tendenzen des Denkens berufen, hat sich doch für dessen Entwicklung in antithetischen Setzungen die Philosophie von den Sophisten bis Hegel mit nicht minder großer Autorität verbürgt, als sie es für Systemhaftigkeit als sein Ziel getan hat.Google Scholar
  83. 83).
    Vgl. “Phänomenologie des Geistes”, a. a. O., S. 145 ff.Google Scholar
  84. 84).
    Vgl. “Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, a. a. O., S.194.Google Scholar
  85. 85).
    Ebd. 5.197.Google Scholar
  86. 86).
    Ebd. S.195.Google Scholar
  87. 87).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 210.Google Scholar
  88. 88).
    Vgl. z. B. ebd. S. 207 ff.Google Scholar
  89. 89).
    M. Horkheimer, “Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilosophie”, Stuttgart 1930, S. 51.Google Scholar
  90. 90).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S.230.Google Scholar
  91. 91).
  92. 92).
    Ebd. S.110.Google Scholar
  93. 93).
    Vgl. dazu die Kapitel “Die Tragödie der deutschen Arbeiterbewegung” und “Der Mythos des Staates”, in: “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, a. a. O.Google Scholar
  94. 94).
    “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, a. a. O., S. 217.Google Scholar
  95. 95).
  96. 96).
    Wie diese Bestimmtheit zu verstehen ist, führt Dahrendorf selbst auf eine Weise aus, die sicher Lassalles uneingeschränkte Zustimmung gefunden hätte: “Herrschaft und Unterordnung sind universelle Sozialbeziehungen, die sich nur im utopischen Freiheitsroman abschaffen lassen. Soll angesichts dieser Tatsache dennoch jede Sozialstruktur der Freiheitschancen beseitigt werden, so kann dies nur dadurch geschehen, daß alle Herrschaft im Weberschen Sinne rational, also an die Kette der Legitimation durch ungezwungene Zustimmung der Beherrschten gelegt wird. Rationale Legitimation der Herrschaft ist daher ein implizites, aber entscheidendes Merkmal der Gleichheit des staatsbürgerlichen Status: In dem Maße, in dem die Chance der Herrschaft und die Wirklichkeit der Legitimität durch Zustimmung (politisch: das passive und das aktive Wahlrecht) allgemein sind, verliert das Herrschen und Dienen seinen willkürlichen Zwangscharakter und wird vereinbar mit der gleichen Freiheitschance aller. “ (“Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 394 f.)Google Scholar
  97. 97).
    “Gesellschaft und Demokratie in Deutschland”, a. a. O., S. 217.Google Scholar
  98. 98).
    Ebd. S.239 f.Google Scholar
  99. 99).
    Ebd. S. 246 f.Google Scholar
  100. 100).
  101. 101).
    Ebd. S.241.Google Scholar
  102. 102).
    Drei sich gegenseitig ausschließende Erklärungen sind darüber möglich, wie solche Identifikation zustande kommen kann: eine, die auf die Identität der Interessen der politischen Klasse mit den Besitzerklassen rekurriert: sie ist in der Soziologie mit dem Namen Marx assoziiert; eine, die die Moral der politischen Klasse als Ausdruck des allgemein gültigen und anerkannten Wertesystems einer Gesellschaft versteht: sie ist in der Soziologie von Parsons ausgearbeitet worden; und schließlich eine, die die Moral der politischen Klasse als die von einer Elite frei hervorgebrachte und durchgesetzte gesellschaftliche Ordnungsvorstellung ansieht. Diese letzte Erklärung, die in der Soziologie immer nur andeutungsweise vorhanden gewesen ist und in der Geschichte des politischen Denkens am eindrucksvollsten in der Theorie des “aufgeklärtenAbsolutismus” ausformuliert war, müßte auch Dahrendorf naheliegen.Google Scholar
  103. 103).
    Vgl. dazu etwa “Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen”, 2. überarbeitete u. erweiterte Aufl., Tübingen 1966; vgl. ferner “Reflexionen über Freiheit und Gleichheit”, in: “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 363 ff.Google Scholar
  104. 104).
    Bei H. Schoeck, “Der Neid. Eine Theorie der Gesellschaft”, Freiburg/München 1966, wächst sichdieser Zusammenhang zu einem fundamentalen für Gesellschaft überhaupt aus.Google Scholar
  105. 105).
    Utopie tritt auch hier wieder — wie überall bei Dahrendorf — als absoluter Unwert auf. Was in ihrem Namen gefordert wird, ist unmöglich, und wäre es nicht unmöglich, so wäre es schlechterdings verhängnisvoll. Der Verdacht legt sich nahe, ob Dahrendorf nicht das, was er für verhängnisvoll hält, einfach zum Unmöglichen erklärt, einmal weil er es nicht wahrhaben möchte und zum anderen weil er es auf diese Weise zum bloßen Unsinn abstempeln kann.Google Scholar
  106. 106).
    “Gesellschaft und Freiheit”, a. a. O., S. 415.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Köln und Opladen 1968

Authors and Affiliations

  • Karlheinz Messelken

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