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Eine Familienähnlichkeit

  • Paul Stoeving

Zusammenfassung

In Indien findet man also bis zum heutigen Tage ein Bogeninstrument, das möglicherweise der bescheidene Urahn der Königin der Instrumente sein könnte. Es wäre nicht das erstemal, dass das Niedrigste die höchste Ehrenstufe erreicht, obgleich es in diesem Falle keine geringe Leichtgläubigkeit oder elastisehe Einbildungskraft erfordert, um zwischen diesem primitiven, kümmerlichen Instrumente, dem Ravanastron und der vollendeten Violine eine selbst entfernte Verwandtschaft zu entdecken. Und doch teilen beide mit einander das eine Merkmal, welches sie von allen anderen Instrumenten der Alten, soweit wir sie beurteilen können, unterscheidet, nämlich den Bogen. Diese wundersame Erfindung, diese „rechte Hand der Geige“, ohne die selbst eine „Stradivari“nahezu nutzlos ist, nach der wir uns vergeblich auf griechischen, ägyptischen und chaldäischen Reliefs umgesehn haben, hier in Indien finden wir sie.

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Referenzen

  1. Der Einfluss Arabiens und des Mohammedanismus im allgemeinen, der allerorten in Indien augenscheinlich ist, wurde als Beweis für die Theorie angeführt, dass Indien alle oder die meisten seiner Bogeninstrumente von westasiatischen und nordostafrikanischen Völkern erhielt, zur Zeit der musel-männischen Eroberung Indiens im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Dass dies jedoch nicht der Fall ist, kann an den strukturellen Eigentümlichkeiten mancher Hindu-Instrumente bewiesen werden. Ausserdem erhält hier die mündliche Oberlieferung das beipflichtende Zeugnis gewisser Sans-krit-Stellen, die auf den Fiedelbogen direkt hindeuten, lange vor der mohammedanischen Besitznahme Indiens.Google Scholar
  2. So viele alte Mythen und Überlieferungen deuten auf einen insularen Ursprung von Helden, Göttern und Gesetz-gebern hin.Google Scholar
  3. **).
    Der Golf von Persien und das Arabische Meer waren sicherlich schon in den frühsten Zeiten Wege für die Auswanderung.Google Scholar
  4. Es ist bekannt, dass viele östliche Mythen den Ursprung der Musik und musikalischer Instrumente über-natürlichen Kräften zuschreiben. Die Erzählungen von dem chinesischen Kaiser Fuhi, dem ägyptischen Gotte Thoot und dem Apollo der Griechen, was sind sie anders als Varianten des¬selben Gedankens, nämlich, dass die Musik ihre ewige Heimat im Himmel verliess und auf die Erde herniederstieg durch die Vermittlung von Göttern und Obermenschen? Nebenbei gesagt, welch eine seltsame Obereinstimmung zwischen dieser mythischen hohen Geburt unsrer Kunst mit dem biblischen Zeugnis von der hohen Geburt des Menschen, — die unsere Materialisten ihr Bestes tun zu verneinen!Google Scholar
  5. Ein schmales Stück Horn oder Knochen, mit dem die Saiten gezupft wurden.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1913

Authors and Affiliations

  • Paul Stoeving
    • 1
  1. 1.Guildhall School und Trinity College of MusicLondonUK

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