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Die Geigerin (Eine Rhapsodie)

  • Paul Stoeving

Zusammenfassung

Holde Erscheinung in Fiedelland! Sie wurde im Süden geboren, als die ersten Amati, Ruggeri und Seraphins ihrer Meister Werkstätten verliessen, — in neuen glänzenden Röcken und gleichsam überfliessend mit klingendem Leben. Sie harrten nur darauf, von solchen kleinen weissen, weichen Händen gehalten und gedrückt zu werden, in solche kleine, feingeformte Ohrenmuscheln ihre Zärtlichkeiten zu flüstern und auf solchem weichen, wogenden Busen ruhen zu dürfen. — Und die Holde war leicht zu bewegen; denn war sie nicht eine Tochter des Südens, des Landes der Musen, mit einem fürs Schöne geschaffnen Herzen? Gerade nach solchen Amati, Ruggeri und Seraphins hatte sie Sehnsucht getragen; sie waren ihrer Träume Verwirklichung; nichts glich ihnen als ihr eignes Herz, das süsse unergründliche Rätsel.

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Referenzen

  1. Nach Lord Edgecumbe’s und Dr. Burney’s Aufzeich-nungen bestanden in Venedig zur Zeit Vivaldis (1660—-1743) vier grosse Musik-Konservatorien. Dieselben waren Waisen-anstalten, die von reichen venetianischen Burgern unter¬halten wurden, und in denen Waisenmädchen eine musikalische Erziehung erhielten. Namentlich zeichnete sich eines dieser Konservatorien, die „Ospitale della Pieta“, an der Vivaldi musikalischer Direktor war, durch ihr Orchester aus. Esbestand zu seiner Zeit aus 140 jungen Mädchen (von einer Gesamtzahl von 1000 Studierenden) und beteiligte sich an den Kirchenaufführungen von Oratorien usw. Eine Geigerin von Ruf entsprang dieser bemerkenswerten Anstalt: Strina-sacchi or Sacchi (geb. 1764), für die Mozart seine anmutige Bdur-Sonate für Violine und Pianoforte schrieb, und mit der er dieselbe zum 1. Male in einem in Wien von der Geigerin gegebenen Konzerte öffentlich vortrug. Von anderen Violinistinnen des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bereits Maddalena Lombardini-Sirmen, der Empfängerin von Tartinis schriftlichen Lektionen (datiert den 6. März 1760) Erwähnung getan ebenso der Signora Gerbini (einer Schülerin Pugnanis) und Signora Paravicini, die bei Viotti studierte. Aber erst mit dem Erscheinen der zwei Schwestern Teresa und Maria Milanollo in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts scheint der Reiz und die Poesie einer geigenden Weiblichkeit der Welt so recht aufgegangen zu sein. Seitdem ist der Zuwachs an dilettierenden und professionellen Geigerinnen phänomenal gewesen. Madame Norman Neruda brachte den Ball in England ins Rollen, Camilla Urso in Amerika, und um diese zwei nun verblichenen Sterne windet sich heute ein reicher Kranz von begabten, schönen Spielerinnen aller Nationalitäten.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1913

Authors and Affiliations

  • Paul Stoeving
    • 1
  1. 1.Guildhall School und Trinity College of MusicLondonUK

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