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Interessenverbände und Gesetzgebung

  • Otto Stammer
  • Wolfgang Hirsch-Weber
  • Nils Diederich
  • Annemarie Gerschmann
  • Wilfried Gottschalch
Part of the Schriften des Instituts für Politische Wissenschaft book series (SIPW, volume 18)

Zusammenfassung

Der Gedanke, den Einfluß der Interessenverbände auf die Gesetzgebung in der Bundesrepublik durch empirisch angelegte Studien zu untersuchen, wurde im Kreis der Mitarbeiter des Instituts für politische Wissenschaft Mitte der fünfziger Jahre erstmals erwogen. Damals wurde in der politisch interessierten Öffentlichkeit wie in der wissenschaftlichen Literatur lebhaft über den angeblich überhandnehmenden Einfluß der Verbände auf die politischen Entscheidungen im Staate diskutiert. Der Pluralismus oligarchischer Herrschaftsgruppen,1 die Herrschaft der organisierten Interessen — so argumentierte man — widerspreche den Grundsätzen rechtsstaatlicher, repräsentativer Demokratie, habe bereits zu einem Verbändestaat geführt und werde schließlich in einem geschlossenen Verwaltungsstaat enden, wenn die Kooperation zwischen Staatsbürokratie, parlamentarischen Interessenvertretern und oligarchischen Verbandsführungen sich zu einem unkontrollierbaren Machtgefüge verfestige. Das forderte dazu heraus, die gesellschaftlich-politische Rolle der Verbände, die Effektivität und die Grenzen des Einflusses der Verbände im Wechselspiel der politischen Kräfte der pluralitären Demokratie mehr, als das bisher in Deutschland geschehen ist, theoretisch zu begreifen und empirisch zu untersuchen.

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Literatur

  1. 1.
    Werner Weber, Spannungen und Kräfte im westdeutschen Verfassungssystem, 1. Aufl., Stuttgart 1951, S. 49.Google Scholar
  2. 2.
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  3. 3.
    Eschenburg, Herrschaft…, a. a. O., S. 5; S. 17; S. 24.Google Scholar
  4. 5.
    Vgl. insbesondere die Aufsätze Eschenburgs in der Wochenzeitung Die Zeit; auch: Theodor Esdsenburg, Institutionelle Sorgen in der Bundesrepublik. Politische Aufsätze 1957-1961, Stuttgart 1961.Google Scholar
  5. 5.
    Einige Titel aus der Pressediskussion über die Verbände werden aufgeführt bei Gerhard W. Wittkämper, Grundgesetz und Interessenverbände. Die verfassungsrechtliche Stellung der Interessenverbände nach dem Grundgesetz, Köln — Opladen 1963, S. 3 ff.Google Scholar
  6. 6.
    Zur Literatur über Interessengruppen vgl. z. B. David B. Truman, The Governmental Process. Political Interests and Public Opinion, New York 1953, S. 537 - 544; Donald C. Blaisdell, American Democracy Under Pressure, New York 1957, S. 280-288; Henry W. Ehrmann, Ed., Interest Groups on Four Continents, Pittsburgh 1958; Lester W. Milbrath, The Washington Lobbyists, Chicago 1963. Mit einer vollständigen Bibliographie der wissensdsaftlidhen Veröffentlichungen aus den Jahren 1959-1961 über Interessengruppen in Westeuropa setzten Jean Meynaud und Jean Meyriat in ihrem Aufsatz Les Groupes de Pression, en Europe Occidentale. Etat des Travaux. Mis â jour 1959-1961», in: Revue Française de Science Politique, Vol. XII (1962), Nr. 2, S. 433-455, ihren früheren bibliographischen Essay (Revue Française de Science Politique, Vol. IX, 1959, Nr. 1, S. 229-246) fort. Über neuere Literatur referiert Rupert Breitling,.Verbände im internationalen Vergleich und im europäischen Ausland«, in: Neue Politische Literatur, 6. Jg. (1961), Nr. 2, Sp. 101 ff.; einen Überblick über die deutsche Literatur gibt Wittkämper (Anm. I/5), S. 211-241.Google Scholar
  7. 7.
    Truman, a. a. O.; Blaisdell, a. a. O.; V. O. Key, jr., Politics, Parties, and Pressure Groups, 4. Aufl., New York 1958; Ehrmann, a. a. O.; Samuel J. Eldersveld, “American Interest Groups. A Survey of Research and Some Implications for Theory and Method”, in: Ehrmann, a. a. 0., S. 173 ff.; Milbrath, a. a. O.; J. D. Stewart, British Pressure Groups. Their Role in Relation to the House of Commons, Oxford 1958; S. E. Finer, Anonymous Empire. A Study of the Lobby in Great Britain, London 1958 (Deutsch unter dem Titel: Die anonyme Macht. Der englische Lobbyismus als Modellfall, Köln — Opladen 1960); W. J. M. Mackenzie, “Pressure Groups. The ”Conceptual Framework ”, in: Political Studies, Vol. III, Nr. 3 (Oktober 1955), S. 247 ff.; Harry Eckstein, Pressure Group Politics. The Case of the British Medical Association, London 1960; Jean Meynaud, Les Groupes de Pression en France, Paris 1958; Joseph La Palombara, Interest Groups in Italian Politics, Princeton 1964; Erich Gruner, Die Wirtschaftsverbände in der Demokratie. Vom Wachstum der Wirtschaftsorganisationen im schweizerischen Staat, Erlenbach — Zürich — Stuttgart 1956; Hans Georg Giger, Die Mitwirkung privater Verbände bei der Durchführung öffentlicher Aufgaben (Berner Rechts-und Staatswissenschaftliche Abhandlungen, Heft 60), Bern 1951; Hans Huber, »Die Anhörung der Kantone und der Verbände im Gesetzgebungsverfahren«, in: Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins, 95. Jg. (1959), S. 249 ff.; ders., Staat und Verbände, Tübingen 1958.Google Scholar
  8. 8.
    Rupert Breitling, Die Verbände in der Bundesrepublik. Ihre Arten und ihre politische Wirkungsweise, Meisen-heim a. Glan 1955; Joseph H. Kaiser, Die Repräsentation organisierter Interessen, Berlin 1956; Wittkämper (Anm. I/5).Google Scholar
  9. 9.
    Etwa: Rundtafelgesprädh zum 11. Deutschen Soziologentag in Weinheim, 1952, über:.Der Staat der Gegenwart und die wirtschaftlichen und außerwirtschaftlichen Interessengruppen« in: Kölner Zeitschrift für Soziologie, 5. Jg. (1952/1953), S. 204 ff.; Drittes Europäisches Gespräch. Gewerkschaften im Staat (Recklinghausen 1952), hrsgg. im Auftrage des DGB von Wolfgang Hirsch-Weber, Düsseldorf 1955; Viertes Europäisches Gespräch. Gewerkschaften und Parlament (Haltern 1955), hrsgg. im Auftrage des DGB von Franz Deus, Düsseldorf 1956; Der Staat und die Verbände, Gespräch, veranstaltet vom BDI in Köln 1957, mit Referaten von Ulrich Scheuner und Werner Weber, hrsgg. von Wilhelm Beutler, Gustav Stein und Hellmuth Wagner, Heidelberg 1957; Die Verbände in der heutigen Gesellschaft, hektographiertes Protokoll einer Tagung der Evangelischen Akademie in Loccum, hrsgg. von D. Steinmetz, Oktober 1960.Google Scholar
  10. 10.
    Einen guten Überblick über strittige Fragen der Begriffsbildung bietet Rupert Breitling, »Die zentralen Begriffe der Verbandsforschung.,Pressure Groups., Interessengruppen, Verbände., in: Politische Vierteljahresschrill, 1. Jg., Heft 1 (Oktober 1960), S. 47 ff.; s. auch Wittkämper (Anm. I/5), S. 10 ff. und S. 22 ff., der das Ziel verfolgt, einen juristisch brauchbaren Begriff zu ermitteln. — Die Diskussion über die Begriffe.Interest Group.,..Pressure Group.,.Lobby. ist wesentlich durch den Aufsatz von Mackenzie (Anm. I/7) gefördert worden. Die Schwierigkeiten einer angemessenen Begriffsbildung sind wohl zum Teil auf den Strukturwandel des Gegenstandes der Verbändeforschung zurückzuführen. Der Wandel der gesellschaftlich-politischen Systeme hat sich auch auf die Zielsetzung, die Binnenorganisation und die Aktivität der Verbände ausgewirkt. Die Herausbildung der Interessengruppen aus der »Sphäre des Gesellsdhaftlidhen«, ihre Transformation und — mit der Entstehung des Wohlfahrts-und Sozialstaates — ihr Einbrechen in die »Sphäre der Offentlichkeit. stellt Jürgen Habermas in seiner Studie Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, Neuwied 1962, dar.Google Scholar
  11. 11.
    Arthur F. Bentley, The Process of Government. A Study of Social Pressures, Evanston (Ill.) 1949 (zuerst erschienen Chicago 1908 ).Google Scholar
  12. 12.
    A. a. O., S. 175 ff.; S. 258 f.: “The balance of the group pressures is the existing state of society.”Google Scholar
  13. 13.
    Truman (Anm. I/6), S. X; S. 13.Google Scholar
  14. 14.
    A. a. O., Kapitel 1, S. 10 ff.; Kapitel 11, S. 350 ff.; Kapitel 12, S. 391 ff.; Kapitel 16, “Group Politics and Representative Democracy”, S. 501 ff.Google Scholar
  15. 15.
    Earl Latham, “The Group Basis of Politics. Notes for a Theory”, in: The American Political Science Review, Vol. 46, Nr. 2 (Juni 1952), S. 376 ff.Google Scholar
  16. 16.
    Stanley Rothman, “Systematic Political Theory: Observations on the Group Approach”, in: The American Political Science Review, Vol. 54, Nr. 1 (März 1960), S. 15 ff.Google Scholar
  17. 17.
    A. a. O., S. 30; S. 32; hier heißt es: “The study of politics must not only involve the study of groups and individuals; it must also involve… the study of the patterns of normatively oriented political action which characterize a given social system.” — Eine ähnliche Ansicht wird übrigens auch von J. La Palombara (Anm. I/7), S. 13 und S. 14, vertreten. Er betont: “I do not consider the political process to be characterized exclusively by group behavior or by group-oriented decisions”, und an anderer Stelle: “Thus the interest groups approach would use the concept of the interest groups as an analytic tool, or as a system of describing some but not all aspects of the political process.”Google Scholar
  18. 18.
    Eckstein (Anm. I/7).Google Scholar
  19. 19.
    A, a. O., S. 38; das Konzept der Wechselwirkung zwischen Gruppenaktivität und apolitical culture. eines Landes wird von ihm mit folgender Formulierung verdeutlicht: “…if interaction among politically active groups produces policy, policy in turn creates politically active groups.” (S. 27.)Google Scholar
  20. 20.
    A. a. 0., S. 32 f.Google Scholar
  21. 21.
    Zum Begriff.Politische Ordnung. s. Otto Stammer,.Gesellschaft und Politik., in: Handbuch der Soziologie, hrsgg. von Werner Ziegenfuß, Stuttgart 1956, S. 563 f.Google Scholar
  22. 22.
    John C. Wahlke, William Buchanan, Heinz Eulau, LeRoy C. Ferguson, “American State Legislators Role Orientations Toward Pressure Groups”, in: The Journal of Politics, Vol. 22, Nr. 2 (Mai 1960), S. 203 ff., insbes. S. 204 f. und S. 227.Google Scholar
  23. 23.
    legislators conceptions of their role as legislators will be a crucial factor governing their legislative behavior and thereby affecting the access, influence or power of all groups…”; a. a. O., S. 205.Google Scholar
  24. Milbrath (Anm. I/6).Google Scholar
  25. Eldersveld (Anm. I/7, S. 184) hält die analytische Unterscheidung zwischen drei theoretischen Beziehungen (Aspekten) im Hinblick auf empirische Untersuchungen der Verbändeproblematik für nützlich: “1. The influence of the changes in the governmental structure, political system, and society on the nature and functioning of interest groups. 2. The influence of internal organizational form and structure on internal process. 3. The influence of interest groups on the policy process and institutional system.” — Die Komplexität theoretisch reflektierter Beziehungen wird ersichtlich, wenn diese Unterscheidung noch weiter differenziert wird; jede im Hinblick auf einen der drei Aspekte eingeleitete empirische Untersuchung muß zugleich die Beziehungen berüdksidhtigen, die sich zu den anderen ergeben.Google Scholar
  26. Wilhelm Hennis,.Verfassungsordnung und Verbändeeinfluß. Bemerkungen zu ihrem Zusammenhang im politischen System der Bundesrepublik., in: Politische Vierteljahresschrill, 2. Jg., Heft 1 (März 1961), S. 23 ff., insbes. S. 24.Google Scholar
  27. Wittkämper (Anm. I/5), S. 50; S. 134.Google Scholar
  28. Herbert Krüger, Allgemeine Staatslehre, Stuttgart 1964; s. auch ders.,.Die Stellung der Interessenverbände in der Verfassungswirklichkeit., in: Neue Juristische Wochenschrift, 9. Jg., Heft 34 vom 24. August 1956, S. 1217 ff.Google Scholar
  29. Krüger, Allgemeine Staatslehre, a. a. O., S. 380; S. 388; S. 407.Google Scholar
  30. 30.
    Eldersveld (Anm. I/7), S. 174 ff., insbes. S. 175. — Ober die Situation der Interessengruppen in der Bundesrepublik referierte Wolfgang Hirsch-Weber; s. “Some Remarks on Interest Groups in the German Federal Republic” in: Ehrmann (Anm. I/6), S. 96 ff.Google Scholar
  31. 31.
    Peter H. Odegard, Pressure Politics. The Story of the Anti-Saloon-League, New York 1928.Google Scholar
  32. 32.
    Oliver Garçeau, The Political Life of the American Medical Association, 1. Aufl. 1941, Neudruck Hamden (Conn.) 1961.Google Scholar
  33. 33.
    Seymour Martin Lipset, Martin A. Trow, James S. Coleman, Union Democracy. The Internal Politics of the International Typographical Union, Glencoe (Ill. ) 1956.Google Scholar
  34. 34.
    E. Pendleton Herring, Group Representation Before Congress, Baltimore 1929; Avery Leiserson, Administrative Regulation. A Study in Representation of Interests, Chicago 1942; Henry W. Ehrmann, Organized Business in France, Princeton 1957; ders., “French Bureaucracy and Organized Interests”, in: Administrative Science Quarterly, Vol. 5, Nr. 4 (März 1961), S. 534 ff.; ders., «Les Groupes dIntérét et la Bureaucratie dans les Démocraties Occidentales., in: Revue Française de Science Politique, Vol. XI, Nr. 3 (September 1961), S. 541 ff.Google Scholar
  35. 35.
    E. E. Sdhattsdhneider, Politics, Pressures and the Tariff. A Study of Free Private Enterprise in Pressure Politics, as Shown in the 1929-1930 Revision of the Tariff, New York 1935; Fred W. Riggs, Pressures on Congress. A Study of the Repeal of Chinese Exclusion, New York 1950; Earl Latham, The Group Basis of Politics. A Study in Basing-Point Legislation, Ithaca (N. Y.) 1952; Stephen Kemp Bailey, Congress Makes a Law. The Story Behind the Employment Act of 1946, New York 1951.Google Scholar
  36. 36.
    Im Vorwort des Buches schreibt Bailey: “Pendleton Herring has defined the policy-making process as the interaction of ideas, institutions, interests, and individuals. In the narrowest sense this book is an attempt to describe how these four ls interacted in a particular historical context in relation to a particular economic issue”(a. a. O., S. X).Google Scholar
  37. 37.
    Damit soll nicht zum Ausdrudc gebracht werden, daß, wie besonders einige Autoren in der anglo-amerikanischen Literatur annehmen, die Aktivität der Interessenverbände sich darin erschöpft, als «pressure groups. den Parteien, dem Staat und der ïlffentlichkeit gegenüber zu fungieren. Ihre gesellschaftspolitische Funktion, «organisierte Interessen. und darauf bezogene Ziele und Programme im politischen Raum zu vertreten, hat zwar im modernen Wohlfahrts-und Sozialstaat an Bedeutung zugenommen. Die Verbände haben aber auch innerverbandliche, auf ihre Mitglieder und ihre gesellschaftlichen Muttergruppen gerichtete Funktionen, und sie werden nach außen außer im politischen Raum auch in Betrieben, Wirtschaftszweigen, kulturellen Bereichen und im lokalen Gemeinwesen aktiv. Vgl. dazu Otto Stammer,.Interessenverbände und Parteien., in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 9. Jg. (1957), S. 587 ff.Google Scholar
  38. 38.
    Einige der in jüngster Zeit in der Bundesrepublik diskutierten Arbeiten zur Problematik der Verbände befassen sich in erster Linie unter sozialkritischen bzw. demokratiekritischen Aspekten mit Problemen der «ordnungspolitischen. Eingliederung der Verbände in den Staat bzw. in das System der sozialen Marktwirtschaft. In den meisten derartigen Studien werden sozialethisch oder gesellschaftspolitisch begründete Reformvorschläge unterbreitet. Ein solcher Denkansatz hat allgemein für die empirische Verbändeforschung wie für die vorliegende Studie nur eine sekundäre Bedeutung. Zu den Arbeiten dieser Art sind z. B. zu rechnen: Johannes Messner, Der Funktionär. Seine Schlüsselstellung in der heutigen Gesellschaft, Innsbruck — Wien — München 1961; Theodor Pütz, «Die ordnungspolitisdhe Problematik der Interessenverbände., in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, Bd. 11, Göttingen 1960, S. 245 ff.; Jacobus Wössner, Die ordnungspolitische Bedeutung des Verbandswesens (Die Verbandsgesellschaft), Tübingen 1961; Friedrich Baerwald, «Zur Theorie und Praxis des Pluralismus., in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Bd. 118, H. 3 (Juli 1962), S. 494 ff.; ders., «Die Verbände in der Demokratie der Gegenwart., in: Zeitschrift für Politik, 10. Jg. (N. F.), H. 1 (März 1963), S. 54 ff. — Die Studie von Karl Otto Hondridh, Die Ideologien von Interessenverbänden. Eine strukturell-funktionale Analyse öffentlicher Aufterungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin 1963, befaßt sich unter Verwendung eines zweifelhaften Ideologiebegriffs mit öffentlichen Äußerungen der Verbände. — Im Auftrag der Gesellschaft für Wirtschafts-und Sozial-wissenschaften (Verein für Sozialpolitik), Wirtschaftspolitischer Ausschuß, ist unter Federführung von Günther Sdhmölders eine größere Untersuchung abgeschlossen worden, die demnächst unter dem Titel Das Selbstbild der Verbände. Empirische Erhebung über die Verhaltensweisen der Verbände in ihrer Bedeutung für die wirtschafispolitische Willensbildung in der Bundesrepublik Deutschland erscheinen wird. Dieser Studie liegt eine Enquete bei wirtschaftspolitischen Verbänden zugrunde.Google Scholar
  39. 25.
    Vgl. dazu außer den o. in Anm. I/7 genannten Arbeiten insbes. K. C. Wheare, Government By Committee. An Essay an the British Constitution, Oxford 1955. — Lorenz Schomerus, Die organisatorische Eingliederung der Interessenverbände in die Bundesverwaltung, Heidelberg 1959, S. 176 ff., vertritt die Ansicht, daß der Staat auf die Mitwirkung der Verbände bei der Erledigung vieler Verwaltungsaufgaben angewiesen sei. — Die Kontakte zwischen Verbandsexperten und höherer Bürokratie sind ein häufiges Thema in mehreren Verbändestudien. So weist Ehrmann, “French Bureaucracy…” (Anm. I/34), S. 534 ff., auf die erhebliche personelle Wanderung von Experten zwischen Verbands-und Verwaltungsbereidi hin. Eckstein (Anm. I/7), S. 87 f., macht sogar den Versuch, die von ihm festgestellten Kontakte zwischen einzelnen Amtsstellen des zuständigen Ministery of Health und den Vertretern der British Medical Association zu klassifizieren. — Zu erwähnen ist hier auch die Studie von Lester W. Milbrath, “Lobbying as a Communication Process”, in: Public Opinion Quarterly, Vol. 24, Nr. 1 (Frühjahr 1960), S. 32 ff., in der auf Grund einer Befragung von Verbandsvertretern in Washington die Taktik und die Kommunikationswege zur Staatsbürokratie und zu den Abgeordneten aufgezeigt werden.Google Scholar
  40. Vgl. dazu Ernst Fraenkel, Das amerikanische Regierungssystem. Eine politische Analyse, Köln — Opladen 1960, S. 74 ff.Google Scholar
  41. 41.
    Wie unterschiedlich dieses Beziehungssystem beurteilt wird, zeigt ein Vergleich zweier Aufsätze: Gottfried Eisermann, «Parlament, Parteien und Verbände. Ein Beitrag zur politischen Soziologie«, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie, 6. Jg. (1953/54), S. 161 ff., und Ernst Forsthoff, «Die Bundesrepublik Deutschland. Umrisse eines Realanalyse«, in: Merkur, 14. Jg., Heft 9 (September 1960), S. 807 ff. — Zum Verhältnis zwischen Parteien und Verbänden s. auch Rechtliche Ordnung des Parteiwesens. Probleme eines Parteiengesetzes. Bericht der vom Bundesminister des Innern eingesetzten Parteienrecbtskommission, 2. Aufl., Frankfurt (Main) — Berlin 1958; Stammer, »Interessenverbände…« (Anm. I/37).Google Scholar
  42. 42.
    Ulrich Sdseuner, »Verbände und verfassungsrechtliche Struktur«, in: Der Staat und die Verbände (Anm. I/9), S. 14. — Dieser Auffassung schließt sich Baerwald, »Die Verbände… (Anm. I/38) an.Google Scholar
  43. 43.
    Viola Gräfin v. Bethusy-Huc, Demokratie und Interessenpolitik, Wiesbaden 1962. — Im übrigen geht auch aus einigen der früher erschienenen Studien der Forschungsgruppe Dolf Sternbergers — Schriftenreihe Parteien, Fraktionen, Regierungen — hervor, daß die Verbände die personelle Struktur des Bundestags weitgehend beeinflussen; vgl. dazu bes. Breitling, Die Verbände… (Anm. I/8), S. 122 ff.Google Scholar
  44. 44.
    Bethusy-Huc, a. a. O., S. 108.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. Stammer,.Interessenverbände…. (Anm. I/37); Max Gustav Lange,.Betrachtungen zum neuen deutschen Parteiensystem«, in: Parteien in der Bundesrepublik. Studien zur Entwicklung der deutschen Parteien bis zur Bundestagswahl 1953 (Schriften des Instituts für politische Wissenschaft, Bd. 6), Stuttgart — Düsseldorf 1955, S. 493 ff.; Die Verbände in der heutigen Gesellschaft (Anm. I/9) mit Referaten von Friedrich Lütge, Herbert Krüger, Dieteridh v. Oppen, Walter Grottian, Otto Stammer und Joachim Matthes.Google Scholar
  46. 46.
    Der Ausdrudc.Druckausübung« ist als Übersetzung des englischen Wortes.Pressure, übernommen worden. Es wird hier darauf verzichtet, die Wörter.Einflußnahme« und.Druckausübung. begrifflich zu differenzieren. Beide Wörter werden in diesem Buch synonym verwendet.Google Scholar
  47. 47.
    Stewart (Anm. I/7), S. 238.Google Scholar
  48. 48.
    Vgl. z. B. Wittkämper (Anm. I/5).Google Scholar
  49. 49.
    Breitling,.Verbände…. (Anm. I/6), Sp. 108. Breitling gibt mit dieser Wendung nicht seine eigene Auffassung wieder, sondern charakterisiert nur einen.Grenzfall«, der sich seiner Meinung nach aus der Definition des Begriffs.Pressure groupp, entwidteln läßt.Google Scholar
  50. 50.
    Vgl. ebenfalls J. Roffe Wike, The Pennsylvania Manufacturers Association, Philadelphia 1960.Google Scholar
  51. 51.
    Wahlke (Anm. I/22), S. 203, bemerken mit Redit: “…the legislature is a central forum where organized interest groups articulate and express their views and press for public action favorable to their concerns.”“. . .research offers surprisingly little theoretical explanation and few cumulative or comparative empirical data about this phase of the representative process.” — Schon früher hatte Truman (Anm. I/6, S. 321) darauf hingewiesen, daß der direkte oder indirekte Zugang zu den gesetzgebenden Körperschaften für den Erfolg des Handelns von Interessengruppen entscheidend sei.Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. u. S. 201 ff.Google Scholar
  53. 53.
    Vgl. die drei Aufsätze in der Revue Française de Science Politique, Vol. XIII, Nr. 2 (Juni 1963 ): Bernard Gournay, «LEtude des Décisions Politique. Note Introductive. (S. 348 ff.); Aline Coutrot, «La Loi Scolaire de Décembre 1959. (S. 352 ff.); Gaston Rimareix und Yves Tavernier, «LElaboration et le Vote de la Loi Complémentaire a la Loi dOrientation Agricole. (S. 389 ff.).Google Scholar
  54. 54.
    Pütz (Anm. I/38), S. 256.Google Scholar
  55. 55.
    Hondrich (Anm. I/38, S. 9 f.) geht der Frage nach, inwieweit Ideologien als Basis des »Verbandshandelns« angesehen werden können und was von den Verbandsführungen aus geschieht, die Ziele und Forderungen der Verbände Mit.Allgemein verbreiteten Werten in Einklang zu bringen.. — Er stützt sich an einer Stelle (S. 41) auf Karl-Heinz Diekershoff, Der Einfluß der Beamtenorganisationen auf die Gestaltung des Personalvertretungsgesetzes vom 5. August 1955. Eine Studie zur Verbandsproblematik in der parlamentarischen Demokratie, maschinenschriftl. Diplomarbeit, Köln 1961, die der Verfasser dem Institut freundlicherweise zur Einsicht überließ. Hondrich stellt die Meinung des DBB, die vom DGB geforderte.Demokratisierung der Verwaltung. mache ,die Rolle des Beamten als Diener des Staates durch gesetzliche Fixierung eines Mitbestimmungsrechts, durch Ermöglichung von Widerstand konfliktgeladen, unsicher«, als allgemeingültig hin. Diese Interpretation gibt offensichtlid• Diekershoffs Ansicht nicht korrekt wieder.Google Scholar
  56. 56.
    Bethusy-Huc (Anm. I/43).Google Scholar
  57. 57.
    Bereits Truman (Anm. I/6) hat sich in seiner bekannten Arbeit, allerdings sehr undifferenziert, mit der Rolle der Führungsoligarchie der Interessenverbände in der politischen Willensbildung befaßt. Ahnlidh wie Robert Michels hält er die oligarchische Führung für unausweichlich (S. 139 ff.). — Eckstein (Anm. I/7) äußert sich zur “power of the oligarchy” und meint (S. 158 f.): “The real work is done by the shadowy junta of Assistant Secretaries”, hält aber die Tätigkeit dieser.Schattenjunta« keineswegs für bedenklich.Google Scholar
  58. 58.
    Auch die bereits mehrfach genannte Arbeit von Stephen K. Bailey (Anm. I/35) mutet dem Leser die Bewältigung eines umfangreichen, zum großen Teil mit Hilfe von Befragungen erbrachten Materials zu; sie gewinnt dadurch jedoch an wissenschaftlichem Wert.Google Scholar
  59. 59.
    Über die Verhandlungen der Unterausschüsse des Bundestages werden in der Regel keine Protokolle angefertigt. Im.Unterausschuß Personalvertretung« ist jedoch von dieser Regel abgewichen worden. Die Protokolle seiner Verhandlungen wurden den Verfassern dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Diese Gelegenheit, schriftliche Aufzeichnungen über wichtige Aussdhußverhandlungen auswerten zu können, hat ebenfalls dazu beigetragen, daß sich die Verfasser zu einer detaillierten Darstellung des Geschehens entschlossen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1965

Authors and Affiliations

  • Otto Stammer
  • Wolfgang Hirsch-Weber
  • Nils Diederich
  • Annemarie Gerschmann
  • Wilfried Gottschalch

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