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Schriftlich konzipierte Partien im Text der Ilias

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Part of the Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen book series (WISSABHAGFO, volume 41)

Zusammenfassung

Als nächstes hat man sich wohl zu fragen, wie, wann und warum derartige Partien, die offenbar nicht in der Technik mündlicher Dichtung abgefaßt sind, in den Text der Ilias aufgenommen werden konnten, der auf weite Strecken die Diktion der Oralepik bewahrt hat, also in engerer Verbindung zur vorliterarischen Dichtung steht. Der Versuch, diese Frage zu beantworten, führt unweigerlich auf das Problem der sogenannten Peisistratischen Redaktion der homerischen Gedichte, das seit den Tagen Bentleys und F. A. Wolffs nicht zur Ruhe gekommen ist. Wenn es stimmt, daß im Athen des 6. Jh. v. C. die erste umfassende und ordnende Aufzeichnung der Epen Homers vorgenommen wurde, wäre damit die historische Situation bezeichnet, in der nicht nur große, mündlich konzipierte und darum bis zu diesem Zeitpunkt nur unsicher überlieferte Epenentwürfe erstmals schriftlich fixiert wurden, sondern in den Zusammenhang solcher Entwürfe auch einzelne Stücke späterer Entstehung und schriftlicher Erfindung — jedoch aus demselben Themenkreis - Aufnahme finden konnten. Daß seit dem 6. Jh. v. C. keine wesentlichen Divergenzen hinsichtlich des Textumfanges und der Anordnung des Stoffes in Ilias und Odyssee zu beobachten sind, verwiese demnach auf die fundamentale Bedeutung und Geltung dieses in Athen aufgezeichneten Textes für die gesamte Überlieferungsgeschichte.

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Literatur

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    gerichtet vornehmlich gegen R. Merkelbach, Rh. Mus. 95, 1952, 23ff.Google Scholar
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    Vgl. auch C.W. Müller, Rhein. Mus. 112, 1969, 123.Google Scholar
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  5. 3.
    Szenen aus der tmischen Sage, unter denen eine, nämlich der Tod des Patroklos, aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Ilias stammt, sind z. B. auf den Metopen vom Heraion an der Foce del Sele dargestellt, die sich heute im Museum von Paestum befinden. Sie gehören in die erste Hälfte des 6. Jh. v. C, also lange vor das Auftreten des Kynaithos in Syrakus. Vgl. P. Zancani Montuoro und U. Zanotti-Bianco, L’Heraion alla foce del Sele II (1954), 106ff.Google Scholar
  6. 4.
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  8. 5.
    Vgl. auch Pkt. Io 530 B.Google Scholar
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    Vgl. Kraft, 15ff.Google Scholar
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    Zum Datum des Dieuchidas s. F. Jacoby im Kommentar zu FGH 485.Google Scholar
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  12. 9.
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  13. 10.
    Strab. 9, 1, 10.Google Scholar
  14. 11.
    Der Große Aias, Basel 1930. Andere Indizien dafür, daß der SchirTskatalog den Großen Aias ursprünglich nicht kannte, sind o. S. 30 besprochen.Google Scholar
  15. 12.
    Daß sich diese Benennung als Maßnahme erklären lasse, die sich gegen Peisistratos und sein Haus richtete, ist ganz unbeweisbar, selbst wenn man die Demenordnung mit der Tradition als Werk des Kleisthenes versteht. Zwar erzählt Herodot (6, 35f.), daß der Philaide Miltiades, der erste Tyrann auf der Chersonnes, aus Unwillen über den Aufstieg des Peisistratos Athen den Rücken gekehrt habe. Aber der große Miltiades, der spätere Sieger von Marathon, gelangte als Vertrauensmann der Peisistratiden in den Besitz jener Herrschaft seiner Familie (Hdt. 6, 39), und den Alkmaioniden waren die Philaiden nicht weniger gram als die Peisistratiden (Hdt. 6,103; 136). Da endlich der Name Braurons schon durch den Kult der Artemis Brauronia auch in der Stadt Athen seine Bedeutung behielt, läßt sich jene angebliche Tendenz in der Benennung des Demos kaum verständlich machen.Google Scholar
  16. 13.
    R. E. 3(1897), 825f.Google Scholar
  17. 14.
    L. Deubner, Attische Feste, Berlin 1932, 207.Google Scholar
  18. 15.
    M. van der Valk, Researches on the Text and Scholia of the Iliad, Leiden 1963/64, verteidigt die „Echtheit“ bei den Versen 144, A 265 und X 631, der Erwähnung desGoogle Scholar
  19. 16.
    Stellen in der wertvollen Arbeit von J. Baar, Index zu den Ilias-Scholien, Baden-Baden 1961, 34f.Google Scholar
  20. 17.
    Aristarchea, Leipzig 1911, 154ff. und Abh. Bayr. Ak. (ph. hist.) 22, 1902, 435ff.Google Scholar
  21. 18.
    Zusammengestelltes Material im Apparat der Ilias Atheniensium ed. G. M. Bolling, 1950; dort Introduction, p. 4 ff., Zusammenfassung der Ergebnisse einschlägiger Untersuchungen.Google Scholar
  22. 19.
    Skeptisch R. Pfeiffer, History of Classical Scholarship, Oxford 1968, 6 f.Google Scholar
  23. 20.
    Diese Nachricht bezog Olympiodor mit Sicherheit aus Porphyrios, dessen verlorenen großen Kategorien-Kommentar er als Hauptquelle benutzte; dazu A. Dihle, Hermes 85, 1957, 314ff.Google Scholar
  24. 21.
    R. E. 18, 3, (1949) 480 ff.Google Scholar
  25. 22.
    Anders, wohl zu Recht, J. A. Davison, a.a.O., 8, mit Hinweis auf H. T. Wade-Gery, The Poet of the Iliad, Cambridge 1952, 77.Google Scholar
  26. 23.
    Krafft, 14ff.Google Scholar
  27. 24.
    J. Schwartz, Pseudo-Hesiodea, 490ff., scheint mir in der Rekonstruktion der Tätigkeit des Onomakritos etwas zu weit zu gehen. Vgl. ferner R. Crahay, La litterature oraculaire chez Hérodote, Paris 1956.Google Scholar
  28. 25.
    Der Unterschied zwischen Dichterfamilien und Dichtergilden, auf den Schol. Pind. Nem. 2, 1 trotz Wade-Gerys Bedenken mit Sicherheit zu beziehen ist, wird in der Praxis zunächst geringe Bedeutung gehabt haben, da wohl in allen Gesellschaften archaischen Typs die sozialen Beziehungen, die durch die Übermittlung handwerklicher Fähigkeiten (Sänger, Arzt usf.) hergestellt werden, denen der Verwandtschaft gleichgeachtet sind. Weshalb denn auch immer wieder in den mittelalterlichen Zünften, bei den indischen Musikern und wo man sonst hinschauen will, der Schülerder prädestinierte Schwiegersohn des Lehrers ist.Google Scholar
  29. 26.
    A. J. Wace und E. H. Stubbings, A Companion to Homer, London 1962, 545ff., vor allem 558 f.Google Scholar
  30. 27.
    An diese Möglichkeit denkt A. Severyns, Homere, Bruxelles 1946, 2, 87ff. Er meint, daß der vollständige Epentext zunächst von den Homeriden aufgezeichnet und dann zur Grundlage des späterhin dominierenden attischen Textes aus dem 6. Jh. v. C. geworden sei.Google Scholar
  31. 28.
    Trans. Am. Phil. Assoc. 97, 1966, 115ff. A. Parry (Yale Class. Stud. 22, 1968, 175f.) und vorher schon S. Dow (Class. Weekly 49, 1956, 117) insistieren demgegenüber darauf, daß bislang noch nie die Verbatim-Uberlieferung eines mündlich konzipierten Epentextes nachgewiesen werden konnte, eine Einsicht, die auch A. B. Lord in seiner Auffassung von den homerischen Gedichten als diktierter mündlicher Poesie (Trans. Am. Phil. Ass. 84, 1953, 124ff.) bestärkte.Google Scholar
  32. 29.
    The Poet of the Iliad, 11.Google Scholar
  33. 30.
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  34. 31.
    Gesch. d. gr. Lit., Bern 21962, 85 u. ö.Google Scholar
  35. 32.
    Homere 2, 87 ff.Google Scholar
  36. 33.
    Entret. Fond. Hardt 10, 1963, 119–125.Google Scholar
  37. 34.
    a.a.O., 19fF., Heitschs apodiktische Feststellung, die athenische Aufzeichnung des Homer-Textes sei die einzige gewesen (Hermes 96, 1968, 659), ist nicht nur unbeweisbar, sondern angesichts der Kynaithos-Uberlieferung auch unwahrscheinlich.Google Scholar
  38. 35.
    A. Rzach hat in zwei ausgezeichneten, vor allem auch wegen ihrer Knappheit vorbildlichen Artikeln der Realencyclopaedie alle erhaltenen Nachrichten über Kynaithos und über die Homeriden gesammelt (11, 1, 462 und 8, 2148). Über die Rhapsoden als Vorläufer der Homer-Philologen handelt R. Pfeiffer, History of Classical Scholarship, Oxford 1968, 8 ff.Google Scholar
  39. 36.
    Nach der Borgia-Tafel (IG XIV, 1292, vgl. U. v. Wilamowitz, Hom. Unters., 333; E. Bethe, Homer 2, 170) verfaßte er eine Oidipodie in 6600 Versen; andere Quellen, die sich auf Hellanikos berufen, schreiben ihm die Kleine Ilias zu (Schol. Eur. Troad., 822; Tzetz. in Iliad, p. 45, Hermann).Google Scholar
  40. 37.
    Vgl. etwa Rzach, RE 11, 1, 462 oder U. v. Wilamowitz, Ilias u. Homer, Berlin 1916, 440f.Google Scholar
  41. 38.
    Drachmann hat in seiner Ausgabe alle Parallelstellen, die jedoch keine selbständige Tradition in dieser Frage wiedergeben, sorgfältig notiert.Google Scholar
  42. 39.
    Hes. fr. 265 Rz.=357 Merk.-West, in dem Hesiod in der ersten Person von einem zwischen ihm und Homer ausgetragenen Agon in Delos redet, läßt sich nicht datieren und spricht von.Google Scholar
  43. 40.
    Wade-Gerys Bedenken gegen diese traditionelle Übersetzung des Passus scheinen mirdie abkürzende und damit die syntaktische Kontinuität vernachlässigende Spracheeines Scholienkommentars nicht in Rechnung zu stellen.Google Scholar
  44. 41Hippocr. iusiur. 2. Daß. aSeiv, die alte technische Bezeichnung der Tätigkeit desOralepikers, sich zur „metaphorischen“ Bedeutung „dichten, besingen“ entwickelthat, kann hier außer acht bleiben.Google Scholar
  45. 42.
    Anders ist die bei Piaton und Xenophon apostrophierte Fähigkeit nicht zu erklären,den ganzen Homer auswendig vorzutragen. Freilich gehört diese ironische Anspielung in eine Zeit, da die soziale Geltung des Rhapsodenstandes schon sehr gesunkenwar.Google Scholar
  46. 43.
    Das Scholion schreibt dem Kynaithos den homerischen Apollon-Hymnus zu, denandere, zuerst Thukydides (3, 104), als Werk des Homer, des „Blinden von Chios“,betrachteten. Wade-Gery (21 ff.) vermutete, daß Kynaithos die beiden Stücke zusammenfügte, die den heutigen Text des Hymnus ausmachen.Google Scholar
  47. 44.
    Die älteste Erwähnung der Homeriden, von der wir wissen, fand sich in den „Genealogien“ des Akusilaos (F G H 2 F 2), was uns vermutlich in die Zeit vor Kynaithos führt. Pind. Nem. 2, 1, die zeitlich nächste Erwähnung, wird nicht lange nach der Wirksamkeit des Kynaithos verfaßt sein, dessen Lebenszeit sich sehr wahrscheinlich mit derjenigen Pindars überschnitt. Die nächste Notiz findet sich bei Hellanikos (F G H 4 F 20), und von da an häufen sich die Belege (gesammelt im Kommentar zu F G H 4 F 20). Unter ihnen ist Isoc. Hei. 65 besonders bemerkenswert, weil hier von einer Tradition der Ilias-Erklärung die Rede ist, die sich im Besitz der Homeriden befunden habe, und die man sich kaum anders als mündlich vorstellen kann.Google Scholar
  48. 45.
    Auf diese Geschichte spielte schon Pindar an (Ael. v. h. 9, 15 = Pind. ff. 265 Sn.). Daß Kreophylos die Ol/oOdoLQ aXcoait; im Manuskript von Homer geschenkt bekommen habe, steht auch bei Strabon (14, 1, 18), der dafür Kallimachos (epigr. 6) zitiert, und im Scholion zu Plat. Rep. 600 B.Google Scholar
  49. 46.
    Vgl. E. Vogt, Rh. Mus. 102,1959,193,Google Scholar
  50. 46a.
    K. Hess, Der Agon zwischen Homer und Hesiod, Winterthur 1960, vor allem 39f.Google Scholar
  51. 47.
    Herodt. 2, 117.Google Scholar
  52. 48.
    Aristot. Poet. 1448a, 12. Daß Hegemon, der in die zweite Hälfte des 5. Jh. v. C. gehört, insofern der ,,erste“ Epenparodist war, als sein Name als erster in der Siegerliste eines diesbezüglichen Agons erschien, braucht man nicht zu bezweifeln. Vgl. A. Körte, RE 7, 2596; U. v. Wilamowitz, Kl. Schriften 4, 219, und F. Schachermeyr, Sitz.-Ber. Wien 247/5, 1965.Google Scholar
  53. 49.
    Die Batrachomyomachie ist erst in hellenistischer Zeit entstanden. Daran kann nach den Beobachtungen Wackernagels (Sprachl. Untersuchungen zu Homer, Göttingen 1916, 188ff.) kein Zweifel bestehen. Zu dem späten Datum paßt, daß R. Pfeiffer mehrere Berührungen mit Kallimachos festgestellt hat (vor allem Anm. zu fr. 1, 21 und 177, 17; 28; 31). Für sich genommen, sagen diese Anklänge nichts über die zeitliche Reihenfolge der beiden Dichter aus.Google Scholar

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