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Zur Methode und zum Stand der Erforschung der Gleichnisse Jesu im Blick auf Luk. 15, 11 ff

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Part of the Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen book series (AFLNW, volume 96)

Zusammenfassung

Es ist das bleibende Verdienst des bedeutenden Marburger Theologen Adolf Jülicher (1857–1938)1, eines Meisters auf den beiden eng miteinander verbundenen Gebieten des Neuen Testaments und der Geschichte der Alten Kirche, wenn sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Gleichnissen, die in der evangelischen Überlieferung mit Jesus von Nazareth verbunden sind, seit nun schon mehr als zwei Menschenaltern auf methodisch sicherem Boden vollziehen kann. In seinem epochemachenden zweibändigen Werk über die Gleichnisse Jesu hat er noch im ausgehenden vorigen Jahrhundert2 für deren Auslegung die ihr bis dahin fehlenden festen Grundlagen geschaffen. Er knüpfte an Beobachtungen an, die schon früher gemacht, aber niemals systematisch aufgearbeitet waren, nahm vor allem eine von Benhard Weiss (1827–1918)3 schon seit 18614 unentwegt vertretene, jedoch nicht zu allgemeiner Anerkennung gebrachte Erkenntnis auf5 und führte sie ebenso umfassend wie selbständig weiter. So vermochte er unter sorgfältiger Beachtung des Wesens des Gleichnisses als Redeform schlüssig nachzuweisen, daß man den Gleichnisreden Jesu methodisch nur dann gerecht werden könne, wenn man sie „eigentlich“6, nämlich als in sich selbst konsistent verstehe, das heißt, wenn man weder hinter ihren einzelnen Bildelementen noch auch hinter den aus ihnen resultierenden Kompositionen schon a priori einen eigenen tieferen, über sich selbst hinausweisenden Sinn annehme. Zum Beweis seiner These konnte er an Hand zahlreicher Beispiele zeigen, daß es, wo immer dieser Einsicht nicht sorgfältig Rechnung getragen werde, notwendig zu mehr oder weniger willkürlichen, weil durch die Subjektivität des Auslegers bestimmten Interpretationen komme.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. über ihn seine „Selbstdarstellung“, in: Erich Stange (Hrsg.), Die Religionswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen IV, Leipzig 1928, S. 159ff.Google Scholar
  2. 2.
    Adolf Jülicher, Die Gleichnisreden Jesu. Erster Teil: Die Gleichnisreden Jesu im allgemeinen, Tübingen 1888 (2. neu bearbeitete Auflage, Tübingen 1899 ); Zweiter Teil: Auslegung der Gleichnisreden der drei ersten Evangelien, Tübingen 1899.Google Scholar
  3. 3.
    Autobiographie: Bernhard Weiß, Aus neunzig Lebensjahren, Leipzig 1927.Google Scholar
  4. 4.
    Über das Bildliche im Neuen Testamente, in: Deutsche Zeitschrift für christliche Wissenschaft und christliches Leben, Neue Folge 4 (1861), S. 309–331.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. dazu Jülicher selbst: Gleichnisreden I2, S. 318ff.Google Scholar
  6. 6.
    So Jülicher, a.a. O., I2, S. 49ff. und passim. Weiß drückte das weniger prinzipiell, aber deshalb nicht weniger verständlich aus, wenn er sowohl die Konkretheit als auch die Selbständigkeit des Vergleichsmaterials gegenüber dem Verglichenen in dem in Anm. 4 genannten Aufsatz nachdrücklich hervorhob.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. zu dieser Klassifizierung Jülichers seine ausführlichen Darlegungen a. a. O., 12, S. 25ff. Sie kann hier auf sich beruhen, obwohl sich ein Vergleich mit den von Weiß in seinem in Anm. 4 genannten Aufsatz benutzten Kategorien der bildlichen bzw. sinnbildlichen Rede (S. 315), des Gleichnisses (S. 318) und der Gleichniserzählung (S. 324) lohnen würde. Immerhin mag, da Jülicher die Erzählung vom Verlorenen Sohn (Luk. 15, 11 ff.) zu den Parabeln rechnet, seine Definition dieser Gattung hier mitgeteilt werden (a.a.O., S. 98): „Sie ist die Redefigur, in welcher die Wirkung eines Satzes (Gedankens) gesichert werden soll durch Nebenstellung einer auf anderm Gebiet ablaufenden, ihrer Wirkung gewissen, erdichteten Geschichte, deren Gedankengerippe dem jenes Satzes ähnlich ist.“Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Jülicher, a. a.0., I2, S. 105, hier unter Aufnahme von Formulierungen von Bernhard Weiß, Das Leben Jesu, Berlin 1882, I, S. 496.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Jülicher, a. a.0., etwa S. 146, 182.Google Scholar
  10. 10.
    Jülicher hält einen großen Teil der Gleichnisreden Jesu für schon sehr bald im Sinne ihrer Allegorisierung überarbeitet (vgl. a. a. O., I, S. 183 ff.; II passim) und sieht seine Aufgabe nicht zuletzt darin, das Ursprüngliche an ihnen mit Hilfe seiner Gleichnistheorie wiederzugewinnen.Google Scholar
  11. 11.
    A. a.0., II, S. 457.Google Scholar
  12. 12.
  13. 13.
    So bestimmt er für die „Parabel“ von den beiden ungleichen Brüdern (Matth. 21, 28ff.; Luk. 7, 29f.) das tertium comparationis als „die Wertung der Diskrepanz von Reden und Thun” (II, S. 385). Oder etwa das „Gleichnis“ vom Hausbau am Schluß der Bergpredigt (Matth. 7, 24ff.; Luk. 6, 47ff.) soll nach ihm „veranschaulichen, wie es immer und überall, also auch in der Religion, zu einem schlimmen Ende führt, wenn man nur einen Teil der erforderlichen Pflichten erfüllt, wenn man anfängt, und nicht vollendet, das Leichte thut und das Schwere, weil es im Augenblick entbehrlich erscheint, etwa unterläßt” (II, S. 266).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. nur Mark. 1, 22; Matth. 7, 28f.; Luk. 4, 32 und dazu Charles W. F. Smith, The Jesus of the Parables, Philadelphia 1948, S. 17: „No one would crucify a teacher who told pleasant stories to enforce prudential morality“ (zitiert nach Joachim Jeremias, Die Gleichnisse Jesu, zuerst: Zürich 1947, jetzt: 6Göttingen 1962, S. 17).Google Scholar
  15. 15.
    Man vgl. den Überblick von Nils Astrup Dahl, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart3, II (1958), Sp. 1618f.Google Scholar
  16. 16.
    Der erste in dieser Hinsicht ist A. T. Cadoux gewesen: The Parables of Jesus. Their Art and Use, New York 1931.Google Scholar
  17. 17.
    Charles Harold Dodd, The Parables of the Kingdom, London 1935, rev. ed. (viele Nachdrucke), ebd. 1936ff. — hiernach wird zitiert —, besonders S. 111ff. bzw. S. 154ff. Dodd hat bezüglich der Botschaft der Gleichnisse Jesu die berühmt gewordene Formel „realized eschatology“ geprägt (a. a. O., S. 198 ).Google Scholar
  18. 18.
    Daher auch der Titel seiner Untersuchung (s. Anm. 17).Google Scholar
  19. 19.
    Seine Untersuchung ist bereits in Anm 14 genannt.Google Scholar
  20. 20.
    Jeremias, a. a. O., S. 29 ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1967

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