Advertisement

Suizidversuche bei Schizophrenen: Möglichkeiten der Betreuung und Prophylaxe

  • H. Steinböck
  • H.-J. Möller
  • H. Lauter
Chapter
  • 22 Downloads

Zusammenfassung

Der 55jährige Chemotechniker L.K. galt bei der Autofirma, bei der er 25 Jahre lang angestellt war, bis zum Beginn seiner psychischen Krankheit als Spitzenverkäufer. Die 1953 geschlossene Ehe war von Anfang an spannungsreich, wozu der frühere Alkoholmißbrauch des Patienten — den er aber 1973 nach Entzug seines Führerscheins völlig aufgab — nicht unerheblich beigetragen hatte. Spätestens seit 1979 traten schleichend zunehmend hypochondrische Befürchtungen auf, die sich allmählich zu der wahnhaften Überzeugung verfestigten, an einem Mund- oder Magen-Darm-Krebs zu leiden. In diesem Zusammenhang berichtete er über auffällige olfaktorische Halluzinationen, äußerte Beziehungsideen und fürchtete, die anderen Menschen würden ihn wegen seiner fauligen Körperausdünstungen meiden und unter ihm leiden. Er wurde antriebslos und zunehmend autistisch. Während einer dreimonatigen ambulanten psychiatrischen Behandlung unternahm er im Jahr 1981 einen Suizidversuch mit Ludiomil und wurde in die Toxikologische Abteilung der 2. Medizinischen Klinik am Klinikum rechts der Isar eingewiesen. Wegen der Schwere seiner Bewußtseinsstörung mußten Reanimationsmaßnahmen durchgeführt werden. Eine Woche später wurde Herr K. in die Psychiatrische Abteilung einer Münchener Klinik verlegt und dort vier Monate lang behandelt, wobei unter einer kombinierten Gabe von Haloperidol und Maprotilin zwar die olfaktorischen Halluzinationen in den Hintergrund traten, die Einengung auf den hypochondrischen Wahn jedoch bestehen blieb. Auch die paranoiden Vorstellungen, die Antriebsarmut und der Autismus konnten nur wenig beeinflußt werden. Noch während seines Klinikaufenthaltes machte der Patient eine Eingabe um frühzeitige Rente. Schließlich wurde er auf sein Drängen nach Hause entlassen, wobei eine engmaschige ambulante psychiatrische Weiterbetreuung erfolgte. Nachdem auch diese wenig an seinem Zustand besserte, wurde Herr K. zum zweiten Mal in die gleiche psychiatrische Klinik aufgenommen Aber auch diesmal war der Behandlungserfolg gering. Der Patient suchte in wöchentlichem Abstand einen niedergelassenen Nervenarzt auf und wurde von ihm mit Antidepressiva und Neuroleptika weiterbehandelt. 12 Monate nach seinem ersten Suizidversuch erhängte er sich auf dem Speicher seines Hauses.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. Breier A, Astrachan BM. Characterization of schizophrenic patients who commit suicide. Am J Psychiatry 1984; 151: 206–209.Google Scholar
  2. Kreitmann M, ed. Parasuicide. New York-Sydney-Toronto: Wiley, 1977.Google Scholar
  3. Pokorny A. Suicide rates in various psychiatric disorders. J Nerv Ment Dis 1964; 139: 499–506.PubMedCrossRefGoogle Scholar
  4. Roy A. Suicide in chronic schizophrenia. Br J Psychiatry 1982; 141: 171–177.PubMedCrossRefGoogle Scholar
  5. Torhorst A, MÖLler HJ, Burk F, Kurz A, WÄChtler C, Lauter H. Ein-Jahres-Katamnese bei einer Stichprobe von 485 Patienten nach Suizidversuch. In: Welz R, MÖLler HJ, Hrsg. Bestandsaufnahme der Suizidforschung. Regensburg: Roderer, 1984: 142–152.Google Scholar
  6. Wilkinson G, Bacon NA. A clinical and epidemiological survey of parasuicide and suicide in Edinburgh schizophrenics. Psychol Med 1984; 14: 899–912.PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1988

Authors and Affiliations

  • H. Steinböck
    • 1
  • H.-J. Möller
    • 1
  • H. Lauter
    • 1
  1. 1.Bezirkskrankenhaus Haar und der Psychiatrischen KlinikTechnischen UniversitätMünchenDeutschland

Personalised recommendations