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Befriedung für Hellas und Fortgang der Welteroberung

  • Hans Erich Stier
Part of the Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (VG, volume 187)

Zusammenfassung

Schon bald offenbarte sich, daß der Erlaß Alexanders eine sehr realpolitische Seite hatte. Ein Grundübel im Inneren der meisten Hellenenstaaten war, daß als Ergebnis der in dieser Zeit begreiflicherweise besonders leidenschaftlichen politischen Auseinandersetzungen — man denke nur an den Antagonismus zwischen Demosthenes und Äschines in Athen — zahlreiche Verbannte ihre Heimat und zumeist auch ihren Besitz verloren. Ihrer nahm sich ein weiterer Vorstoß des Königs in seiner Griechenpolitik an 127. Im Sommer verkündete Alexander in einer Proklamation vom „Feldlager” (also wohl Susa) aus, daß er, der an dem Schicksal der hellenischen Verbannten keine Schuld trage, jetzt daran schuld sein wolle, daß sie (ausgenommen die mit Blutschuld und Gottesfrevel Beladenen sowie die früheren Bewohner des 335 v. Chr. zerstörten Theben 128) in ihre Heimatstädte zurückkehren könnten. Der Ernst dieses Ansinnens wurde durch eine Sanktionsklausel bekräftigt: Antipater, der Sieger von Megalopolis — nicht der Hellenenrat in Korinth —, sei vom König beauftragt worden, Staaten, die sich weigerten, ihre Verbannten wieder aufzunehmen, dazu zu zwingen.

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Referenzen

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    Hier darf das bei Plutarch, Alex. 64, mitgeteilte Zwiegespräch zwischen dem Welteroberer und einem der Brahmanen in Indien zitiert werden, in dem der letztere auf die Frage, wie ein Mensch Gott werden könne, antwortet: „Wenn er etwas leistet, was einem Menschen nicht möglich ist zu leisten.”Google Scholar
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    Zu der wahrscheinlich auch Alexanders Ammonssohnschaft herangezogen wurde.Google Scholar
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    Nach dem Wortlaut der Proklamation waren alle Betroffenen angesprochen, nicht nur Makedonenfreunde. Daß aber letztere das Hauptkontingent darstellten, liegt auf der Hand; vgl. meinen Aufsatz „Zum Gottkönigtum Alexanders d. Gr.”, Welt als Geschichte 5 (1939), S. 394.Google Scholar
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    Livius’ berühmte Polemik gegen diese Auffassung (9, 17–19) ist völlig anachronistisch. Plutarch (De fortuna Romanorum 13) wertet die Abwendung von Alexanders Angriff auf Italien durch seinen plötzlichen Tod als größtes Glück für Rom. — K. Kraft (a. a. O., S. 125) scheint mir die Seemacht von Syrakus erheblich zu überschätzen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1973

Authors and Affiliations

  • Hans Erich Stier

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