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Alexanders Welteroberung als Vorstufe für die Weltbefriedung

  • Hans Erich Stier
Chapter
Part of the Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (VG, volume 187)

Zusammenfassung

Auf die rund viereinhalb Jahre des „Rachekrieges”, an dessen Ende der Korinthische Bund der Hellenen sich so weit entmachtete, daß er das Strafgericht gegen die aufsässigen Spartaner, das der Sieger von Megalopolis (331 v. Chr.), Antipater, den Hellenen übertrug, an Alexander weitergab, folgten fünfeinhalb Jahre systematischer Eroberung des Ostens der „Ökumene”. Sie würden — abgesehen von der allgemein als einfach bewunderungswürdig anerkannten militärischen Leistung — an sich wenig Interesse wecken. Ob der jeweilige Gebieter in Vorderasien, wie einst, aus der Persis oder, wie später, aus Parthien oder, wie jetzt, aus den am Nordwestrand des Perserreiches gelegenen Militärstaat Makedonien kam, war schließlich nicht die Hauptsache. Längst hatte sich der Orient abgewöhnt, sein politisches Schicksal in eigene Hände zu nehmen 95. Man fand sich mit der Oberherrschaft einer Nation ab. Die Makedonen erwarteten demgemäß, daß nunmehr sie mit ihrem König das Perserreich als reiche Beute in Besitz nehmen würden, ohne sie mit anderen teilen zu sollen. Alexander erhob Anspruch auf das gesamte Reich, verfolgte den flüchtigen Perserkönig nach Osten hin und ließ als neuer Herr von Asien den Satrapen, der den Darius ermordete und sich die Königstiara aufsetzte, festnehmen und nach grausamem orientalichem Ritus hinrichten.

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Referenzen

  1. 94.
    Ägyptens mehrfache Erhebungen gegen die Perserherrschaft sprechen nicht dagegen, da hier die ungewöhnliche Gunst der geographischen Lage eine besondere Situation heraufführte. Vgl. u. a. F. K. Kienitz, Die politische Geschichte Ägyptens vom 7. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. (1953), S. 140 ff.Google Scholar
  2. 95.
    Vgl. F. Altheim, a. a. O., 1, S. 192 ff.; Alexander und Asien (1953), S. 73 ff. Bewundernswert ist Alexanders Anpassungsfähigkeit an verwandelte strategische und taktische Situationen; hierin erinnert er an die Römer, die freilich erheblich längere Fristen benötigten als er. Dazu gehört u. a., daß er die Leistungsfähigkeit der ostiranischen Reiterei mit sicherem Blick erkannte und sie dementsprechend in seine Armee eingliederte, deren Schlagkraft er mindestens zu erhalten, wenn möglich aber ständig zu steigern strebte. Natürlich blieben die Makedonen ihr Rückgrat.Google Scholar
  3. 96.
    Vgl. O. S. 14.Google Scholar
  4. 97.
    Arrian spielt 4, 7, 5 ganz selbstverständlich darauf an, daß Alexander im Sinne hatte, Libyen, Asien und Europa zu erobern; vgl. auch 7, 1, 2.Google Scholar
  5. 98.
    S. U. S. 37 ff.Google Scholar
  6. 99.
    Richtig weist K. Kraft (a. a. O., S. 104 ff.) darauf hin, daß es sich bei der Umkehr Alexanders am Hyphasis um keine eigentliche „Meuterei” der Truppen handelte. Die Quellen machen jedoch ganz deutlich, daß der König widerstrebend vom Weitermarsch ins Gangesland hinein absehen mußte. Den Vorgang als „bühnenwirksame Ausschmükkung von Literaten” zu bagatellisieren (a. a. O., S. 106), tut der Überlieferung Gewalt an.Google Scholar
  7. 100.
    Nach H. Bengtson, Griech. Geschichte 4(1969), S. 350 bewiese diese „Reue nach der Tat, daß politische Motive ferngelegen haben”. Unsere Quellen (Arrian 4, 8, 1 ff.; Plut. Alex. 50 ff.) besagen, wenn ich recht sehe, das Gegenteil.Google Scholar
  8. 101.
    Vgl. vor allem Arrian 6, 19, 3 ff.; Curt. 9, 9, 27; Diod. 17, 104, 1.Google Scholar
  9. 102.
    Ammon erscheint bei Arrian (6, 19, 4) genau genommen nur als Auftraggeber für Opfer an zumeist nicht benannte Gottheiten. Daß ihm selbst nicht gespendet wäre, ist jedoch schwer vorstellbar.Google Scholar
  10. 103.
    Daß die Nachwelt Alexanders Zielsetzung so verstand, belegt u. a. Plutarchs Nachricht (Crassus 16, 2), der Triumvir Crassus habe auf seinem Orientfeldzug 53 v. Chr. bis Baktrien, Indien und zum äußeren Ozean zu ziehen beabsichtigt, was bekanntlich durch Cicero bestätigt wird.Google Scholar
  11. 104.
    S. F. Altheim, Alexander und Asien (1953), S. 81 ff.; Arrian 7, 29, 4. Vgl. u. S. 41.Google Scholar
  12. 105.
    Politikos 262 ff.; H. E. Stier, Die geschichtliche Bedeutung des Hellenennamens (1970) S. 34.CrossRefGoogle Scholar
  13. 106.
    Allerdings nicht nach Ptolemäos und Aristobul (4, 10, 5).Google Scholar
  14. 108.
    Fragment 658 Rose. Dem in jüngster Zeit aus der arabischen Literatur erschlossenen angeblichen Briefe des Aristoteles an Alexander (M. Plezia, Eos 58, 1969, S. 51 ff.) ist nach der Kritik von M. A. Wes, Mnemosyne 25 (1972), S. 261 ff., geschichtliche Echtheit nicht zuzubilligen (Hinweis von G. A. Lehmann).CrossRefGoogle Scholar
  15. 109.
    Wenn unter den Titeln der Schriften Theophrasts ein Dialog erwähnt wird mit der Überschrift „Kallisthenes oder über die Trauer”, so beleuchtet diese Formulierung für unsere Kenntnis die tragische Situation ausreichend, mag auch die Schrift selbst verlorengegangen sein. Daß Alexander seinerseits auch Aristoteles drohte, berichtet Plutarch (Alex. 55) nach einem Briefe des Königs an Antipater, den eine enge Freundschaft mit dem großen Denker verband.Google Scholar
  16. 110.
    Arrian (7, 23, 1) berichtet, daß Peukestas sie nicht nur aus Persern zusammenstellte, sondern auch aus einer nicht geringen Menge von Kossäern und Tapurern, die als Bergstämme (die einen bei Susa, die anderen am Südrand des Kaspischen Meeres wohnhaft) für besonders kriegerisch galten. Diese Nachricht lehrt mit aller Deutlichkeit, daß nicht die Nationalität, sondern die militärische Leistungsfähigkeit bei der Einstellung von orientalischen Untertanen ins Heer entscheidend war.Google Scholar
  17. 111.
    So z. B. in F. Altheims „Weltgeschichte Asiens im griechischen Zeitalter” 1 (1918); S. 225.Google Scholar
  18. 112.
    S. die Liste bei Arrian 7, 4, 4 (in der es statt Barsine richtig Statira heißen muß; vgl. Plut. Alex. 70, 77). Die makedonischen Großen werteten die Feier in der königlichen Audienzhalle als besonders leutselige und kameradschaftliche Tat: a. a. O., S. 7. Das Widerstreben einzelner (Arr. 7, 6, 2) richtete sich nach dem Quellentext nicht gegen ihre neuen Ehen (so F. Schachermeyr, Alex. d. Gr., 1949, S. 401 unten, 21973, S. 486), sondern dagegen, daß die Trauung nach persischem statt makedonischem Brauch abgehalten wurde. Daß der große Ausgräber und Orientkenner Th. Wiegand mich davor warnte, die Rolle des Zwanges bei den Eheschließungen zu Susa zu überschätzen, ist mir unvergeßlich.Google Scholar
  19. 113.
    Polybios 5, 65, 8 f.; 107, 2 f.; B. Niese, Geschichte der griechischen und makedonischen Staaten 2(1899), S. 376, 404 f.;Google Scholar
  20. 113a.
    E. Will, Histoire politique du monde hellénistique 2 (1967), S. 28 ff.;Google Scholar
  21. 113b.
    H. E. Stier, Roms Aufstieg zur Weltmacht (1957), S. 37, 44.Google Scholar
  22. 114.
    Strabo 1, 4, 9 (p. 66). J. Jüthner, Hellenen und Barbaren (Das Erbe der Alten 8, 1923), S. 49. Von Eratosthenes’ Auffassung ist vieles, wie das Zitat aus ihm über Alexanders Tracht (p. 330 A) sehr wahrscheinlich macht, in Plutarchs Schriften De Alexandri magni fortuna aut virtute gekommen (s. u. S. 51). Sollten sie Frühwerke sein, so würden sie die Erfahrung bestätigen, daß Jugend ihresgleichen durchaus kongenial zu verstehen vermag.Google Scholar
  23. 115.
    Arr. 17, 12, 2 f.Google Scholar
  24. 116.
    Nur von hier aus läßt sich begreifen, daß z. B. in Plutarchs erster Schrift de fortuna Alexandri Alexander als Philosoph gefeiert werden konnte. Wenn diese Schrift auch rhetorisch-enkomiastischen und nicht so sehr historischen Charakter trägt, so sind die Materialien, mit denen der Verfasser argumentiert, deshalb noch keineswegs sämtlich Erdichtungen. Schon der Umstand, daß Plutarch mehrfach die Namen der Autoren von ihm benützter Schriften anführt, sollte Kritiker vorsichtig machen. Vgl. K. Zieglers ausführlichen Artikel „Plutarchos” in Paulys Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft 21, 1 (1951), Sp. 636–962, besonders 923 f.Google Scholar
  25. 117.
    So läßt in unseren Tagen B. Brecht einen lesenden Arbeiter fragen: „Der junge Alexander eroberte Indien — er allein?” Die Antwort hat längst Napoleon I. auf St. Helena gegeben: „Nicht die makedonische Phalanx drang bis nach Indien vor, sondern Alexander.” Vgl. auch W. Hoffmann, Das literarische Portrait Alexanders d. Gr. (1907), S. 18, Anm. 4; 32, Anm. 2.Google Scholar
  26. 118.
    Bei der engen Verbindung zwischen ihm und der makedonischen Armee, von der er trotz aller Krisen vergöttert wurde, konnte Alexander darauf vertrauen, daß er bei ihr seine neue Politik, von deren Richtigkeit er überzeugt war, teils durch Überredung und Geschenke, teils durch Appell an die militärische Disziplin würde durchsetzen können, hatte sie sich ihm doch bei der Philotas- und Parmenionaffäre im Herbst 330 treu erwiesen. Offene Opposition konnte nur aus dem Kreise der Truppenführer erwachsen, daher die maßlose Erbitterung des Monarchen gegenüber Kleitos, eben weil dieser für seine altmakedonische Haltung viel eher Verständnis im Heer finden mußte als der „revolutionär” gesinnte und noch dazu junge Oberfeldherr. Nach seinem (und Hephästions) frühen Tode offenbarte sich, wie stark das Altmakedonentum geblieben war.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1973

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  • Hans Erich Stier

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