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Der Brand von Persepolis nach der literarischen und der archäologischen Überlieferung

  • Hans Erich Stier
Part of the Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (VG, volume 187)

Zusammenfassung

Noch waren zwei weitere Königsresidenzen, Persepolis und Ekbatana, nicht in der Hand Alexanders. Erst wenn sie gewonnen waren, konnte von vollzogener Rache die Rede sein. Tatsächlich hat der König beide Plätze aufgesucht, obwohl die Truppen dafür rund 1200 km zurückzulegen hatten. Er wußte, daß der größte Teil der persischen Königsschätze im fernen Persepolis lagerte, und hat sich ihrer in ebenso raschem wie hartem Zugreifen bemächtigen können 61. Aber so wichtig für ihn die finanziellen Angelegenheiten waren und sein mußten, so wenig erschöpfte sich sein strategisches und politisches Wollen und Planen in der Rücksicht auf sie. Das zeigte sich im Brand des Palastes von Persepolis, für den er als 26jähriger vor der Ge- schichte die Verantwortung übernahm und trägt. Unsere nicht eben unzureichende Überlieferung spricht über diese Tatsache ganz einhellig und eindeutig, und zwar in den beiden Gruppen, in die sie bekanntlich zerfällt. Letztere sondern sich voneinander nur nach dem Motiv, das man hier bei Alexanders Maßnahme voraussetzt. Die eine sieht überlegte, klare politische Absicht am Werk, die andere ihr Gegenteil, ein reines Walten des Zufalls 62.

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Referenzen

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    In seinem 1968 erschienenen, seit 1969 auch in deutscher Übersetzung vorliegenden, instruktiven Werk „Flammen über Persepolis” hat als erfolgreicher Grabungsforscher Sir Mortimer Wheeler einen kurzgefaßten Bericht über die Ergebnisse der archäologischen Erforschung der Perserresidenz gegeben (dtsch. Ausg. S. 23 ff.). Unter dem Eindruck der Tatsachen neigte er dazu, der Darstellung Arrians zuzubilligen, sie „scheine historisch wahrheitsgetreu zu sein”. Schon auf der nächsten Seite wird aber von ihm über Arrian gesagt, dieser werde „vielleicht der Geschichte nicht ganz gerecht”. Auf S. 27 heißt es dann: „Mir scheint, es gibt eigentlich (!) keinen Grund, die Geschichte um Thais in der Form, in der sie uns Diodor, Curtius und Plutarch überliefern, zu verwerfen!” Wenn der große, von Wheeler (S. 147) hoch gerühmte W. W. Tarn bezüglich der Thais-Episode zum entgegengesetzten Urteil geführt wurde, und zwar noch vor den entscheidenden archäologischen Feststellungen, so half ihm dazu offenbar in nicht geringem Maße, daß er glücklicherweise „von den Instinkten eines englischen Gentleman beherrscht” (S. 27) wurde, die denen des historischen Alexander eben erheblich näherstehen, als mancher Moderne wahr haben möchte.Google Scholar
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    Schon Erdmann hat (a. a. O., S. 47 und Anm. 61) darauf hingewiesen, daß der besondere Charakter von Persepolis als „das unter ein tabu gestellte Nationalheiligtum des achämenidischen Iran ... seine Zerstörung durch Alexander d. Gr. erklären könnte”.Google Scholar
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    Von den sicher zahlreichen Dankesweihungen der Zurückgekehrten ist einiges erhalten geblieben, darunter das in die Anthologia Palatina aufgenommene Epigramm 6, 344 (J. Geffcken, Griech. Epigramme, 1916, S. 59, Nr. 158; F. Hiller v. Gaertringen, Histor. griech. Epigramme, 1926, S. 32, Nr. 79; M. N. Tod, A selection of Greek historical inscriptions 2, 1948, S. 278) mit dem Dank der Heimkehrer aus Thespiä, die einst „als Rächer der Vorfahren in das barbarische Asien mit Alexander” zogen. Die Formulierung zeigt, daß der Perserkrieg Philipps und seines Sohnes und Nachfolgers weithin in Hellas populär geworden war.Google Scholar
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    Wenn auch nur ein Bruchteil dessen, was in dieser Hinsicht Plutarch mitteilt und was sich z. T. auch bei Arrian vorfindet, der Wirklichkeit entsprach, so ist es nicht übertrieben, von solchen Zügen in Alexanders Charakter zu sprechen.Google Scholar
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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1973

Authors and Affiliations

  • Hans Erich Stier

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