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Der Aspekt des „Rachekrieges” Alexanders gegen die Perser

  • Hans Erich Stier
Part of the Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (VG, volume 187)

Zusammenfassung

„Um Epoche in der Welt zu machen, dazu gehören bekanntlich zwei Dinge: erstens, daß man ein guter Kopf sei, und zweitens, daß man eine große Erbschaft tue”, hat Goethe am 2. Mai 1824 treffend zu Eckermann gesagt. Er verwies dabei auf historische Gestalten wie Napoleon, den Erben der Französischen Revolution, auf Friedrich d. Gr. und Luther. Auch für Alexander d. Gr. gilt, daß er auf eine „große Erbschaft” zurückgreifen konnte: das militärische und staatsmännische Wirken seines Vaters Philipp, der in nur 23 Jahren Makedonien zur Großmacht erhob und schließlich sogar zum Herrn über Hellas, das Herz der damaligen Kulturwelt, aufstieg 30. Als Sieger von Chäronea 338 v. Chr. konnte er die wichtigsten Griechenstaaten im „Korinthischen Bunde” zwangsweise untereinander und mit Makedonien zusammenführen und für sich und seine Nachkommen die Stellung eines Hegemons von Hellas gewinnen. Die Mitglieder des Bundes wurden dazu verpflichtet, ihn mit dem unbeschränkten Oberbefehl für einen gemeinsam zu unternehmenden Rachekrieg gegen das trotz vieler Auflösungserscheinungen noch immer als bedeutsame Macht existierende Perserreich zu betrauen. Die Rache sollte vollzogen werden für ein fast anderthalb Jahrhunderte zurückliegendes Ereignis, den grOßangelegten Angriffskrieg des Perserkönigs Xerxes gegen Hellas und vor allem Athen, dessen Heiligtümer damals besonders rücksichtslos zerstört worden waren.

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Referenzen

  1. 29.
    Vgl. etwa 1, 12, 4 f.: „Es gibt keine zweite Persönlichkeit, die unter Hellenen und Barbaren der Menge wie der Größe nach so gewaltige und so ausgezeichnete Taten aufzuweisen hätte” (sc. wie Alexander), was dahin zusammengefaßt wird: „Er gehört zu den Ersten im Kriegshandwerk τoĩç őϰπλolç).” — Was freilich durch Arrians Zielsetzung an Kenntnis der politischen Vorgänge verlorengegangen wäre, wenn wir sein Werk allein besäßen, läßt beispielsweise Plutarchs Bericht über Alexanders Maßnahmen zugunsten der Hellenen nach seinem Siege bei Gaugamela (Alex. 34) ahnen. — Für die methodischen Fragen ist nach wie vor grundlegend Droysens Historik (herausgegeben von R. Hübner 1937; darin auf S. 369 ff. das mit Recht berühmte Vorwort zur Geschichte des Hellenismus, Bd. 2 von 1843).Google Scholar
  2. 30.
    Vgl. H. U. Instinsky, a. a. O., S. 11.Google Scholar
  3. 31.
    Dabei ließ Alexander sich angelegen sein, die Zerstörung von Heiligtümern (anders als einst Xerxes) sowie des Hauses des berühmten Lyrikers Pindar zu verhindern.Google Scholar
  4. 33.
    Es handelte sich um ein volles Drittel der makedonischen Elitearmee (14 000 Mann).Google Scholar
  5. 34.
    Die hier herrschende Stimmung spiegelt der seit 337 anhängige, erst 330 verhandelte „Kranzprozeß”, den Äschines, der Vertreter einer promakedonischen Politik, gegen Demosthenes anstrengte und geradezu schmählich verlor.Google Scholar
  6. 35.
    Daß Alexander im befreiten Ephesos der Rache der demokratischen Bürger an ihren persisch gesinnten Oligarchen bald Einhalt gebot, wurde ihm, wie Arrian (1, 17, 12) zu berichten weiß, als besonders rühmlich angerechnet.Google Scholar
  7. 36.
    Der „Hinaufmarsch” nach dem oberen Asien, den später Xenophon als Teilnehmer schilderte, und noch mehr der Rückmarsch zum Schwarzen Meer rückten die militärische Unterlegenheit des Perserreiches in helles Licht.Google Scholar
  8. 37.
    M. Graf York von Wartenburg, Kurze Übersicht der Feldzüge Alexanders d. Gr. (1897), S. 31 f.Google Scholar
  9. 38.
    Gerade hier tritt uns der junge Heerführer — mit K. Kraft zu reden — als der „rationale” Alexander vor Augen.Google Scholar
  10. 39.
    In Kromayer-Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer (1928), S. 218. Jetzt ist von K. Kraft (a. a. O., S. 69 ff.) eine eingehende und überzeugende Widerlegung moderner Vorwürfe gegen Alexanders Strategie vorgelegt worden, auf die hier verwiesen sei.Google Scholar
  11. 40.
    Phil. 104. Vgl. auch § 154: Die Barbaren werden Philipp Dank wissen, wenn sie durch ihn, von barbarischer Despotie befreit, „hellenischer” Fürsorge teilhaftig werden können.Google Scholar
  12. 41.
    Man denke an den Schlußabschnitt von Xenophons Kyrupädie, der vom Autor, dem Teilnehmer am „Zuge der 10 000”, ausdrücklich als getreues Abbild der Wirklichkeit bezeichnet wird.Google Scholar
  13. 42.
    Als „Stütze der makedonischen Herrschaft” hat schon B. Niese, Geschichte der griechischen und makedonischen Staaten 1 (1893), S. 85, die neugegründete Alexanderstadt bezeichnet. U. Wilcken bezweifelt zu Unrecht, daß die Gründung Alexandrias zugleich einem militärischen Zweck diente, konnten doch einst in dieser Gegend Insurgenten gegen die Persermacht wie Amyrtäos sich lange Zeit behaupten. S. u. S. 20 und 34.Google Scholar
  14. 43.
    Vgl. besonders Arrian 1, 16, 6 f., und die Inschrift von Chios (M. N. Tod, A selection of Greek historical inscriptions 2, 1948, S. 263 ff., Nr. 192).Google Scholar
  15. 44.
    Vgl. dazu K. Kraft, a. a. O., S. 69 ff.Google Scholar
  16. 45.
    Vgl. Heraklides’ Reisebilder (hrsg. von F. Pfister, Sitzungsber. der österr. Akad. d. Wiss. 227, 2, 1951, S. 72).Google Scholar
  17. 46.
    Vgl. die bei W. Schubart, Art. Alexandria, im Reallexikon f. Antike und Christenum 1 (1950), Sp. 271 ff., gesammelten Quellenstellen.Google Scholar
  18. 47.
    Die bereits zu Philipps Zeiten ein neues Staatsschiff mit dem Namen Ammonias in Dienst gestellt hatten (Aristoteles, Staat der Athener 61, 3).Google Scholar
  19. 48.
    Bekanntlich widerriet Demosthenes den Athenern eine Befragung der delphischen Pythia mit dem Hinweis, sie sei „philippisch gesinnt” : Äschines 3, 130. — Lysander und die Ammonspriester: Plut. Lys. 20. 25 (nach Ephoros).Google Scholar
  20. 49.
    Dieses Streben ist ein Erbstück von seinem Vater Philipp gewesen (s. dessen Ausspruch bei Plutarch, Apophth.: Phil. 11, p. 178 A).Google Scholar
  21. 50.
    K. Kraft, a. a. O., S. 73 ff.Google Scholar
  22. 51.
    Die Wendung: cum iis, quos ducere secum statuerat bei Curtius Rufus 4, 7, 9 läßt (gegen Kraft, a. a. O., S. 73) nur diese Deutung zu. Andernfalls müßte man ein „solum” o. ä. erwarten.Google Scholar
  23. 52.
    Anders Kraft, a. a. O., S. 29 ff.Google Scholar
  24. 53.
    Meine frühere Auffassung im Reallexikon Antike und Christentum 1, Sp. 266 (Artikel Alexander III. d. Große) halte ich nicht mehr aufrecht.Google Scholar
  25. 54.
    Wenn E. Mederer (Die Alexanderlegenden, 1936, S. 65 f.) gegen U. Wilcken einwendet, Alexander habe im Frühjahr 331 v. Chr. noch nicht an Weltherrschaft denken können, und die Prophezeiung einer solchen durch den Oberpriester sei „nichts weiter als ein oraculum ex eventu”, so setzt er damit etwas voraus, was durch die wissenschaftliche Quellenkritik erst noch zu erweisen ist.Google Scholar
  26. 55.
    Gegen H. Bengtson, Griech. Geschichte4 (1969), S. 344.Google Scholar
  27. 56.
    Nur um diese geht es, nicht um die Abstammung der Argeadendynastie von Zeus, wie K. Kraft für möglich hält. Zu meinem Bedauern kann ich mich seinen Ausführungen a. a. O., S. 61 ff., zumeist nicht anschließen. Zu einer eingehenden Auseinandersetzung ist hier nicht der Ort. Bemerken muß ich nur, daß schon in der Ilias die Götter in der Regel nicht durch Wunder, sondern durch Förderung der Helden die Siege verleihen, genau wie es Alexander in seinem Gebet erbittet. — Erinnert sei auch daran, daß Kleitarch (gegen die wirkliche Chronologie) die Gründung Alexandrias durch Alexander erst nach dessen Zug zum Ammon erfolgen ließ, damit die Stadt einem Zeussohn ihre Entstehung verdankte. Auch hierin gibt sich zu erkennen, daß bei diesem Zuge die Gottessohnschaft des Königs als besonders wichtige Tatsache erscheint.Google Scholar
  28. 57.
    Auch Alexanders Seher Aristander, der aus der Mondfinsternis in der Nacht vom 20. zum 21. September 332 einen Sieg der Makedonen herausdeutete, sah sich gerechtfertigt. — Zu den Ausschmückungen, die Alexanders Orakelbefragung im Ammonion mit dem Schleier des Wunderbaren verhüllen sollten, gehören unstreitig die Erzählungen von Gefahren des Wüstenzuges; in Wirklichkeit handelte es sich um einen vielbegangenen Karawanen- und Wallfahrtsweg, der von Parätonion aus in etwa zwölf Tagen zu bewältigen war (U. Wilcken, Alexander d. Gr. 1931, S. 113), aber dabei im allgemeinen keine übermäßigen Schwierigkeiten aufwies. Daß für die bei Diodor 17, 51 geschilderten Prozessionen im Ammonion gar kein Platz zur Verfügung stand, hat die Untersuchung der Ruinen erwiesen, s. G. Steindorff u. a., Ägypt. Ztschr. 69 (1933), 1 ff.; F. Oertel, Rhein. Museum 89 (1940), S. 66 ff.; sie verdanken also der Fabulierkunst namentlich Kleitarchs ihre Einführung in die Alexandergeschichte.Google Scholar
  29. 58.
    Arr. 315, 2 und 6.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Hans Erich Stier

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