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Jenseits der Romantik: Das Elend der „Heimkehr“

  • Johann Jokl
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Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

Der in dem Zyklus, den Heine „Die Heimkehr“ benannt hat, zurückkehrt, ist kein Heimkehrer, sondern ein Elender — der Begriff findet sich denn auch häufig — im ursprünglichen Sinne des Wortes, ein aus seinem Land, seiner Heimat Getriebener1. Besetzt sind die Natur und das Gefühl, Religion und Utopie; die Liebe, die als letzte Zuflucht all den Sinnverlust kompensieren soll, verdorben durch Konvention und den Heiratsmarkt, durch Tugendmoral und die Deformation der Psyche. Und vereinnahmt auch das Wort: Die Sprache der Empfindsamkeit ist ausgehöhlt. Das Pathos des Subjektivismus, das einst „gegen feudalistische Anmaßung die Einmaligkeit des freien Subjekts und seines Erlebens geltend zu machen“2 suchte, hat nicht nur seine „sozialkritische Sprengkraft eingebüßt“3, sondern ist lediglich noch herzerweichender Eskapismus. Im LI macht sich Heine Pathos und sentimentalen Ton zu eigen und unterläuft sie ironisch und parodistisch, um die Sentimentalität als „Produkt des Materialismus“ zu decouvrieren. Dabei gerät seine Sprache selbst in Gefahr; zum einen:

Nur der verfügt über die Sprache wie über ein Instrument, der in Wahrheit nicht in ihr ist. Wäre es ganz die seine, er trüge die Dialektik zwischen dem eigenen Wort und dem bereits vorgegebenen aus, und das glatte sprachliche Gefüge zerginge ihm. Dem Subjekt aber, das die Sprache wie ein vergriffenes Ding gebraucht, ist sie selber fremd.4

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Johann Jokl

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