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„Lieder“ und „ Romanzen“: Die ‚abgeschnittene‘ Verzweiflung des Melancholikers — „Im Grab ist Ruh“

  • Johann Jokl
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Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

Männlich-entschlossen sich zu Pferde schwingend wie der jugendliche Heros in „Willkommen und Abschied“ oder auch selig-verträumt könnte man sich den jungen Liebenden in einem Buch der Lieder vorstellen — und so ganz anders präsentiert er sich: Im Schlafe aufgeschreckt von süß-schrecklichen Frauengestalten, wird er auch im Wachen die Geister, die er rief, nicht mehr los. „Bleich und herzeblutend“ (L6), den Tod in der eigenen Brust (L4), allein mit seinem „Gram“, den er sich freilich nicht „stehlen“ lassen will (L3), sucht er, ohne ihr „Herze rühren“ zu wollen, die Nähe der „Herzenskönigin“ (L5), die, „oben Lust, im Busen Tücken“ (L7), ihn wie „unsern Ahn in’s Elend stieß“ (L6). Eine Unrast (“Es treibt mich hin, es treibt mich her!“, (L2)) tritt hier zutage, so gewaltig, daß sie nur im Grabe befriedet werden kann, „wo er am besten liegen mag, /Und schlafen bis zum jüngsten Tag“ (R4). Was treibt ihn um, diesen biedermeierlichen Melancholiker?

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Johann Jokl

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