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Einleitung

  • Ulrich Rose
Chapter
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Zusammenfassung

„Poesie als Praxis“ wird im Rahmen dieser Arbeit als Teil des Diskurses der Aufklärung betrachtet. Dies mag zunächst etwas wunderlich erscheinen angesichts dieses Themas und der Autoren, über die sie handelt. Der Leser ist mehr an die eher literaturgeschichtliche Periodisierung gewöhnt, in deren Rahmen Jean Paul, Herder und Jacobi gemeinhin als „Antiklassische Opposition“ (so der Titel eines Aufsatzes von Peter Sprengel) eingeordnet werden mit allen den (auch wertenden) Implikationen, die die Begriffe „Klassik“ und „Antiklassik“ in sich tragen. So wird Jean Paul denn in erster Linie als Opponent zur Weimarer Klassik eingestuft mit Affinitäten zur Jenaer Romantik, die aber wiederum nicht so weit gehen, daß man ihn diesem Kreis um die beiden Schlegel, Tieck, Wackenroder und Novalis eindeutig zuordnen könnte. Johann Gottfried Herder wird in erster Linie mit dem Sturm und Drang und dem jungen Goethe in Verbindung gebracht und in Weimar der Verbitterung über die klassische Wendung des späteren Goethe überlassen. Friedrich Heinrich Jacobi schließlich wird in der Regel nur nebenher erwähnt als Kritiker der Transzendentalphilosophie Kants und Autor zweier auf nicht gerade hohem literarischem Niveau stehender Romane. Eine Literaturliste zu ihm zu erstellen, ist zwar langwierig, kostet aber nicht viel Tinte und Papier; die Ausgabe seiner Werke ist lange vergriffen und wird in absehbarer Zeit nicht neu aufgelegt.

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Literatur

  1. 2.
    Insofern sind unverzichtbar, aber nicht erschöpfend: Panajotis Kondylis: Die Aufklärung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus, München: dtv 1986; Franklin Kopitzsch (Hg.): Aufklärung, Absolutismus und Bürgertum in Deutschland, München: Nymphenburger 1976; Peter Pütz (Hg.): Erforschung der deutschen Aufklärung, Königstein/Ts.: Verlagsgruppe Athenäum/Hain/Scriptor/Hanstein 1980Google Scholar
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    Beispielhaft für diese Betrachtung der Aufklärung ist die Kritische Theorie in Folge der Frankfurter Schule, vor allem seit Erscheinen von Horkheimer/Adornos “Dialektik der Aufklärung”. Sie steht paradigmatisch für eine nicht historisierende, nicht objektivierende Auffassung von “Aufklärung”.Google Scholar
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    Nach Götz Müller ist es das “commertium mentis et corporis”, das seit der Beschäftigung mit Leibniz die (philosophischen) Bemühungen Jean Pauls bestimmt. Seiner als Einflußforschung ausgewiesenen Monographie “Jean Pauls Ästhetik und Naturphilosophie”, Tübingen: Niemeyer 1983 (Studien zur deutschen Literatur, Bd. 73) verdankt diese Arbeit viel. Problemorientiert ähnlich grundlegend für diese Arbeit sind die Studien von Waltraud Wiethölter: Witzige Illumination. Studien zur Ästhetik Jean Pauls, Tübingen: Niemeyer 1979 (Studien zur deutschen Literatur, Bd. 58), und Wolfgang ProB: Jean Pauls geschichtliche Stellung, Tübingen: Niemeyer 1975 (Studien zur deutschen Literatur, Bd.44).Google Scholar
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    Hoppelpoppel oder das Herz« und seine Bedeutung im Gefüge der »Flegeljahre«, a.a.O.Google Scholar
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    Herman Meyer, a.a.O., S.210. Leider hat, um eine neuere Arbeit zu nennen, der auch Herman Meyer verpflichtete Peter Maurer in seiner Monographie (s.o., Anm. 7) diesen Weg nicht verfolgt. Der Kurzrezension von Rüdiger Scholz in der Germanistik 24 (`83) kann ich mich voll anschließen.Google Scholar
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    Peter Sprengel: Korrektur der Phantasie, a.a.O. Der Aufsatz ist eine komprimierte Darstellung seiner etwas später veröffentlichten Dissertation: Innerlichkeit. Jean Paul oder Das Leiden an der Gesellschaft, München: Hanser 1977 ( Literatur als Kunst )Google Scholar
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    Jean Paul “Flegeljahre” (1804/1805), a.a.O.Google Scholar
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    Gansberg hatte Jean Paul vorgeworfen, den Arbeiter nicht als “Subjekt der Geschichte” erkannt zu haben; zudem verurteilt sie sein Arbeiten mit christlicher Bildlichkeit, statt interpretierend nach dem Sinn dessen zu fragen.Google Scholar
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    Herbert Kaiser: Die Unvollendbarkeit des “Ganzen”. Jean Pauls “Flegeljahre” als Testament und Fragment, in: LfL (87), S.151–169Google Scholar
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    Herbert Kaiser: Die Unvollendbarkeit des “Ganzen”, a.a.O., S. 157Google Scholar
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    Der hier gemeinte Aspekt der “Innerlichkeit” entstammt der Monographie Peter Sprengels mit ebendem Titel (s.o., Anm. 32). Auch Peter Michelsen konstatiert bei Jean Paul, allerdings mit einem völlig anderen Ansatz, den Rückzug in die “reine Innerlichkeit”: “Träume hatten zu allen Zeiten in der Literatur Verwendung gefunden; aber als prophetische, warnende, lockende oder verführende hatten sie, soweit ich sehe, von den Autoren des Alten Testaments bis ins 18. Jahrhundert hinein stets deutlichen Realitätsbezug. Jean Paul aber träumt, um sich dieses Bezuges zu begeben , weil die Form des Traumes (nicht etwa dessen Inhalte) durch ihre Erklärung der Nichtigkeit aller Realität, mit der sie bloß spielt, über diese zu triumphieren scheint, tendiert seine Dichtung danach, Traum zu sein. Im Traum eröffnet sich dem Menschen ein weiter, das Irdische transzendierender Bereich Lebendig, möchten wir meinen, seien die Gestalten der Wirklichkeit, nicht die des Traums, aber Jean Pauls Credo ist es eben, daß der Traum lebendiger sei als alle Wirklichkeit. In dieser hält nur tote Maschinerie ein gespenstisches Scheinleben in Gang, im Traum dagegen produziert das Ich in reiner Innenwelt rein innerliche Gestalten.” (Peter Michelsen: Laurence Sterne und der deutsche Roman des 18. Jahrhunderts, Göttingen: V and R, 2., durchges. Aufl. 1972 (Palaestra Bd.232), S.343)Google Scholar
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Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Ulrich Rose
    • 1
  1. 1.OberhausenDeutschland

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