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Warten auf die Göttin: Kulturelle Gender-Bilder

  • Judith Lorber
Part of the Reihe Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 15)

Zusammenfassung

Kate Millett, eine der ersten zeitgenössischen feministischen Kulturkritikerinnen, hat in Sexus und Herrschaft Freuds Theorie vom Ursprung der Zivilisation sarkastisch kommentiert:

Einer der besten Gedanken Freuds auf diesem Gebiet soll als unterhaltsames Beispiel seiner Logik dienen: Es erheitert wegen seiner unermüdlichen Verherrlichung des unschätzbaren männlichen Gliedes. In seinen Spekulationen darüber, wie der Mensch wohl das Feuer entdeckt habe, folgert er, dies sei das Ergebnis einer instinktiven Entsagung des Wunsches, das Feuer durch Urinieren auszulöschen. Es liegt daher offen auf der Hand, daßdie Frau das Feuer nicht entdecken konnte, weil sie nicht auf den Impuls verzichten mußte, auf das Feuer zu urinieren, da ihr ein für weitgezieltes Urinieren hinreichendes Organ fehlt. An diesem Beispiel zeigt sich, warum die Frau anatomisch disqualifiziert ist, zum Fortschritt des Wissens beizutragen. (1970, 201; dt. 1971, 235)

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Literatur

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  3. 3.
    Alan Sobles These, unter dem Kapitalismus sei „der Gebrauch der Pornographie ein Ver-Google Scholar
  4. such, im Bereich der sexuellen Phantasie nachzuholen, was Männern in Produktion und Politik versagt ist,“ (1986, 81) scheint für die radikalfeministische Sicht zu sprechen, aber nach Sobles Meinung sind Männer, die Pornographie benutzen, machtlos, für die radikalen Feministinnen dagegen kraft ihrer Teilhabe an einer Kultur, die Männergewalt als ein Mittel zur Unterwerfung von Frauen fördert, mächtig, beherrschend und für Frauen potentiell, wenn nicht tatsächlich, gefährlich.Google Scholar
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    Eine knappe, schnörkellose Beschreibung der Arbeit in der Pornographie bei LedererGoogle Scholar
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  8. und ich hab gedacht na schön er so gut wie jeder andere und hab ihn mit den AugenGoogle Scholar
  9. gebeten er soll doch nochmal fragen ja und dann hat er mich gefragt ob ich will ja sag ja meine Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme um den Hals gelegt und ihn zu mir niedergezogen daß er meine Brüste fühlen konnte wie sie dufteten ja und da Herz ging ihm wie verrückt und ich hab ja gesagt ja ich will Ja.“ (James Joyce (1981): Ulysses. Übertragung von Hans Wollschläger. Frankfurt a.M.)Google Scholar
  10. Stattlich und feist erschien Buck Mulligan… Er hielt das Becken in die Höhe und intonierte: — Introibo ad altare Dei.“ (Übertragung siehe vorangehende Anmerkung)Google Scholar
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    Molly Bloom ist eine stärkere Person als Penelope, ihr Prototyp in Homers Odyssee,die dem Ulysses zugrunde liegt. Penelope schluchzt oder weint viel, während sie mehr als neunzehn Jahre auf die Heimkehr ihres Mannes aus dem Trojanischen Krieg wartet.Google Scholar
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    In Sprachen mit vergeschlechtlichten Substantiven und Verben ist das Maskulinum ausnahmslos die Grundform oder die ungekennzeichnete Form; dem Femininum wird etwas hinzugefügt, und es wird in den Grammatiken gewöhnlich an zweiter Stelle genannt. WieGoogle Scholar
  13. im Englischen, ehe die Feministinnen auf größerer sprachlicher Genauigkeit bestanden, wird bei Substantiven im Plural und bei Verben mit gemischtem Geschlecht das Femininum unter dem Maskulinum subsumiert. Die willkürliche Zuweisung eines Geschlechts zu Substantiven, die etwas Unbelebtes bezeichnen, steht gewöhlich im Gegensatz zu der natürlichen Zuweisung des Geschlechts bei Substantiven und Pronomen, die etwas Belebtes bezeichnen; in beiden Fällen ist der Gebrauch ein soziales Artefakt zur Aufrechterhaltung einer symbolisch vergeschlechtlichten Welt.Google Scholar
  14. 7.
    Lacans Sprache ist noch viel kryptischer — „Der Phallus ist der bevorzugte Signifikator jenes Punktes, an dem sich der Anteil des Logos mit dem aufkeimenden Begehren vermählt” (Mitchell und Rose 1985, 82; Übersetzung des Lacan-Textes ins Englische von Rose). Zur feministischen Debatte zu Lacan, Freud und den psychoanalytischen Theorien von gender, Sexualität und Kultur, siehe J. Butler 1990; Cixous und Clément [1975] 1986; Flax 1990; Irigaray [1974] 1985; [1977] 1985; L. J. Kaplan 1991; Mitchell und Rose 1985. Differences: A Journal of Feminist Cultural Studies hat eine ganze Nummer zum Phallus herausgegeben (4[1]: 1992 ).Google Scholar
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    Die meiste Musik, die wir „klassisch“ nennen, sei, so Susan McClary (1991), auf das vorherrschende männliche „Ohr“ abgestimmt und steigere sich zu einer orgasmischen Klimax, die verblüffend an die „money shots“ pornographischer Filme erinnere: „Die Musik selbst bedient sich zur Erzielung ihrer Effekte oft in hohem Maße der metaphorischen Simulation des Sexualaktes.… In der Zeit von 1600 bis 1900 ist die Tonart selbst — als Prozeß des Weckens von Erwartungen und nachfolgenden Aufschiebens der versprochenen Erfüllung bis zur Klimax — das wichtigste musikalische Mittel zur Weckung und Steuerung von Wünschen. Auch ohne Texte oder Programme steigern sich tonale Kompositionen von Bachs Orgelfugen bis zu Brahms’ Symphonien zu Ausbrüchen von libidinöser Energie, die jeweils gedrosselt werden muß oder frei strömen darf (12-13).Google Scholar
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    Wirklich universal wäre das Thema, wenn auch der Tod von Frauen im Kindbett einbezogen würde. Samuel Delaney zitiert in einem Stück über das Aidsrisiko von Homosexuellen den Kommentar „einer besorgten und sensiblen Freundin:…,Aids hat jetzt schwule Männer in eine Position gebracht, in der die Heterofrauen beim Sex schon immer waren: Bei jeder ungeschützten sexuellen Begegnung spielt jetzt immer die Möglichkeit von Leben oder Tod mit“` (1991, 29).Google Scholar
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    Eine subtile Schilderung eines solchen grausamen frühen Todes und der Sehnsucht nach den schönen Zeiten der Vergangenheit ist John Coriglianos Oper The Ghosts of Versailles,mit einem Libretto von William M. Hoffman. Sie hatte am 19. Dezember 1991 Premiere und wurde in der Metropolitan Opera in New York vor ausverkauftem Haus gespielt. Weder im Programmheft noch in den Kritiken wurde auf den emotionalen Zusammenhang zur Schreckensherrschaft von Aids hingewiesen, obwohl sowohl Corigliano als auch Hoffman explizit zu diesem Thema geschrieben haben, Corigliano in seiner Symphonie Nr. I und Hoffman in seinem Stück As is Google Scholar
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    Chicagos großes Werk steht nun in Kisten gezwängt in einer Lagerhalle, weil kein Museum es ständig zeigen will.Google Scholar
  23. Wortspiel mit „cunt“ (Möse, Votze) und „titties“(Titten) sowie „frequency“(Häufigkeit), „fecundity“ (Fruchtbarkeit) und „phantasy“ (Phantasie); Anm. d. Ü.Google Scholar
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    Eine von Jenny Holzers „Truisms“(„Binsenweisheiten“) hieß: „Das Geld macht den Geschmack“ (Auping 1992, Abb. 31, 88). Holzer war die erste Frau, die 1990 die Vereinigten Staaten auf der angesehenen Biennale von Venedig vertrat, und ihre Installation bekam den Goldenen Löwen für den besten Pavillon (50-66).Google Scholar
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    Die Avantgarde der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich den bestehenden gender-Mustern und -beziehungen nicht kritisch gestellt; siehe dazu Stimpson 1979. Sie weist darauf hin, daß die Vormachtstellung der Männer weder persönlich noch organisatorisch je in Frage gestellt wurde.Google Scholar
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    Gender-Verwandlungen in der feministischen Science fiction gab es in Gestalt von Menschen, die abwechselnd männlich und weiblich waren (Le Guin 1969), künstliche weibliche Unterleiber besaßen, Männer waren, denen weibliche Hormone gespritzt wurden, damit sie stillen konnten (Piercy 1976), in Gestalt der Erfindung von Mehrfach-sex und Mehrfach-gender (O. E. Butler 1987; 1988; 1989) und in Gestalt der Abschaffung der Männer überhaupt (Gilman 1979; Russ 1975); einen Überblick gibt Nielsen 1984. Von Männern geschriebene Dystopien, etwa Orwells 1984, verfestigen die traditionellen gender-Normen durch ihre Romantisierung der Sexualität; die Liebe der Frauen ist für die Männer (nicht die Frauen) der Ursprung der Freiheit vom repressiven Staat (Baruch 1991, 195-196, 207 - 229 ).Google Scholar
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    Zur Unterdrückung der Frauen in den Mythen der westlichen Kultur, siehe die längeren Ausführungen von de Beauvoir 1953, 139-263; dt. 1992, 190-329.Google Scholar
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    Ironischerweise versuchten die frühen christlichen Kirchenväter, die Gläubigen ihrer Religion dadurch von den Juden zu unterscheiden, daß sie strengere Sexualpraktiken einführten und die Juden der Sinnlichkeit und Hexerei bezichtigten. Juden wurden feminisiert, Juden und Frauen dämonisiert. Siehe Farrell 1992, Kap. 2. Zu neueren feministischen Interpretationen des jüdisch-christlichen Ursprungsmythos, siehe Bal 1986 und Meyers 1988, 7 2121.Google Scholar
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    Knight (1991) meint, die Synchronisierung der Menstruationszyklen der Frauen um die Mondzeiten herum habe in Verbindung mit dem Bedarf nach der Jagdarbeit der Männer dazu geführt, daß die Frauen sexuelle Beziehungen während der Menstruation mit rituellen Tabus belegten. Die Frauen reinigten sich nur, wenn die Männer sie ernährten.Google Scholar
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    Nach Warner (1983, 282-289) ist die Jungfrau Maria die kulturelle Nachfahrin eines Fruchtbarkeitssymbols, der Maikönigin. Der Monat Mai ist nach Maia benannt, der Mutter von Hermes und Zeus, die mit ihren Schwestern in die Pleiaden verwandelt wurde, die Sterne, die im Monat Mai am Himmel erscheinen. Maia wurde einer kleineren Fruchtbarkeitsgöttin im alten Rom assimiliert, aber im Europa des Mittelalters wurde die Maikönigin „gekrönt und in einem alten Fruchtbarkeitsritus [am ersten Mai] manchmal mit dem Grünen Mann verheiratet.„ Zur Verwandlung der drei präislamischen Fruchtbarkeitsgöttinnen in Töchter Allahs, siehe Sabbah 1984, 104-106. Zu den Göttinnen von Sumer und dem Übergang zum männlichen Monotheismus im Judentum, siehe Frymer-Kensky 1992. Zur Gefiederten Schlange der Teotihuacânkultur in Mexiko als ursprünglicher Göttinnendarstellung, siehe Wilford 1993. Zum Ausgraben der Kommütter, siehe Gutiérrez 1991. Zu den Göttinnen in verschiedenen Religionen, siehe Eisler 1987; Jayakar 1990; Larrington 1992; M. Stone 1976.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Judith Lorber

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