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Verbändewohlfahrt im Vergleich: Dimensionen, Ebenen und Determinanten nationaler Systeme

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Zusammenfassung

Im Rahmen der hier untersuchten Fragestellung Wohlfahrtsverbände und Wohlfahrtsstaat sind bisher die typischen Konfigurationen (Almond 1967, Almond/Powell 1966: 2f., Lijphart 1975) in vier Ländern beschrieben worden. Dabei zeigt sich, daß in einem ersten Vergleichsschritt nach dem „most different systems design“ Deutschland und die Niederlande als Verbandsfälle sowie Großbritannien und Schweden als Nicht-Verbandsfälle untersucht werden können. Gleichwohl sind innerhalb der Länderpaare durchaus weitere wichtige Unterschiede von Interesse, so daß sich die Anwendung einer zweiten Vergleichsstrategie nach dem „most similar systems design“ anbieten würde. Beide stärker fallorientierten Vorgehensweisen sollen im folgenden weniger im Vordergrund stehen, sie kommen anschließend in Teil III wieder stärker zum Tragen. Im übrigen sind sie das Verfahren, nach dem die wenigen bislang vorliegenden Arbeiten aufgebaut sind.

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Literatur

  1. 250.
    Oder um es mit Kipling zu sagen: What know they of England, who only England know. Diese nur auf das eigene Land bezogene Forschung dominiert besonders die historischen Arbeiten über die Wohlfahrtsverbände; sie sind von Ansätzen, die die Besonderheiten des nationalen Falles durch den Kontrast mit anderen Ländern herausarbeiten, zu unterscheiden (s.a. Elder 1976, der das letztgenannte Verfahren aber der vergleichenden Methode zuordnet).Google Scholar
  2. 251.
    Aus der sozialrechtlichen Behandlung in den einzelnen Ländern kann z.B. der „öffentliche Status“ (vgl. Offe 1981: 136f.) der Verbände identifiziert werden, der sich auf die Dimensionen Ressourcen, Repräsentation, Organisation und Prozeduren bezieht. Entsprechende Indikatoren sind in diesem Falle etwa Förderansprüche, Kooperations-und Konsultationsregelungen sowie Diskriminierung alternativer Organisationen.Google Scholar
  3. 253.
    Diese hohe Stabilität — bzw. umgekehrt formuliert: dieser mangelnde Anpassungsdruck durch veränderte sozioökonomische Umwelten entspricht weniger dem Bild der rationalen, effizienten Systeme, sondern folgt eher den Theorien des neuen Institutionalismus (z.B. March/Olsen 1989, Powell/DiMaggio 1991, Czada/Windhoff 1991).Google Scholar
  4. 254.
    Allerdings erinnern Backhaus-Maul/Olk ( 1994; Ebertz/Schmid 1987) zu Recht daran, daß die Klassifikation der Multifunktionalität von Wohlfahrtsverbänden nicht ganz gerecht wird und leicht der Eindruck entsteht, als ob Sozialleistungsverbände keine Interessenvertretung betreiben würden.Google Scholar
  5. 255.
    LaPalombara (1968: 75) bemerkt zu diesem Problem: „Were, as in systemic and functional analysis, the units seem to be ubiquitous and uniform, they are molar rather than molecular; where, as in group analysis and decision-making, they appear to be modecular, they are not uniform and probably not minutely repetitious“Google Scholar
  6. 256.
    Dem liegt auch eine stärkere theoretische und methodische Orientierung auf Konvergenz hin zugrunde, während durch die Betonung von Wohlfahrtsverbänden im Rahmen dieser Arbeit stärker Divergenzen und Variationen im Vordergrund stehen und das theoretische Interesse der (klassischen) Verbändesoziologie gilt und nicht den Alternativen dazu. Deans/Ware (1986, s.a. Ware 1989) haben sich ebenfalls von dem diversen Sektor-Konzepten abgegrenzt und statt dessen (im englischen Kontext) die Kategorie Charity verwendet.Google Scholar
  7. 259.
    Salamon (1994: 109) spricht sogar von einem enormen Anstieg des Nonprofit Sektors und von einer globalen „associational revolution“. Angesichts der umfangreichen komparativen, zumeist modernisierungstheoretischen Forschungen aus den 60er Jahren, etwa von Almond, Daalder oder LaPalombara, erscheint mir dies jedoch eher eine Frage der (späten) Perzeption als der Realität zu sein.Google Scholar
  8. 264.
    Vgl. insgesamt hierzu Bauer/íhränhardt 1987; Häusler/Pantenburg 1993; Kramer 1981; Kuhile/Selle 1992; Loges 1994; Schulte 1990; 1992; Prognos 1991, ZIAS 3/1992; ferner aus der Literatur zu Nonprofit Organisationen und Drittem Sektor Anheier/Seibel 1992, Gidron u.a. 1992, James 1989, Kuhnle/Selle 1992, McCarthy u.a. 1992, Salamon/Anheier 1994, Wuthnow 1991. Die Schweiz und Österreich sind relativ wenig untersucht worden und scheinen sich vom deutschen Modell doch deutlich zu unterscheiden, was etwa der Einteilung in eine „Länderfamilie“ (Castles 1993) zuwiderläuft (vgl. Badelt/Weiss 1990, Oettl 1988 und Butschi/Cattacin 1993 ).Google Scholar
  9. 266.
    Zu einigen weiteren und neueren Entwicklungen in westlichen Gesundheitssystemen vgl. Alber 1988, Navarro 1989, Rosenthal 1986 und Weiner 1987.Google Scholar
  10. 267.
    So gesehen liefert die Studie von Kramer (1981) eine Einschätzung 11 r das Behindertenwesen — nicht mehr und nicht weniger.Google Scholar
  11. 269.
    Für die Heilsarmee kommen dagegen Gnewekow/Hermsen ( 1993: 96, 1984) zum Ergebnis, daß es in Ländern, wo der Ausbau des Wohlfahrtsstaats besonders stark war, zu einem Rückgang des Verbandes gekommen ist. Dies wird z.B. mit dem Fall Schweden begründet, wo in den letzten 50 Jahren fast eine Halbierung der Korps bzw. Soldatenzahlen stattgefunden hat. Dieser Sachverhalt weist auf die massive Wirkung einer intervenierenden Variablen hin, nämlich den Faktor Religionspluralismus bzw. Staat-Kirche-KonfliktGoogle Scholar
  12. 270.
    In Belgien entsprechen die Verhältnisse dagegen eher dem deutschen Fall (vgl. Vermaerke 1993; Caritas internationalis 1988).Google Scholar
  13. 272.
    An anderer Stelle werden sie als OPALS (open, promotional, accepted and lobbying groups) bezeichnet (Whiteley/Winyard 1984: 51).Google Scholar
  14. 274.
    Zur damit verbundenen Grundfrage „Do Nation Matter“ vgl. Feick/Jann 1988 und Freeman 1985; vgl. ferner Lehmbruch 1987 und 1990. Ebenso ließe sich die Frage nach dem Verhältnis von Makro-und Mesokorporatismus bzw. transsektoralem und sektoralem Korporatismus anschließen.Google Scholar
  15. 275.
    Eine ähnliche Argumentation findet sich schon in den armutstheoretischen Überlegungen bei Simmel (1906: 28): „Die Gliedfunktion, die der Arme innerhalb der bestehenden Gesellschaft ausübt, ist nicht schon damit gegeben, daß er arm ist; erst indem die Gesellschaft… mit Unterstützung darauf reagiert, spielt er seine spezifische soziale Rolle.“ In einer kritischen Version hebt Valentin (1978) am Beispiel Dänemarks aber die „disorganizing effects” des Korporatismus, ja sogar die Existenz eines „organization gap“ im Sozial-und Gesundheitswesen hervor, was der strukturellen Asymmetrie kapitalistischer Systeme entspricht und zu deren Reproduktion beiträgt. Dies hängt möglicherweise auch mit den verstaatlichten Sozial-und Gesundheitssystemen in Großbritannien und Skandinavien zusammen, wo starke sozialdemokratische Parteien und Gewerkschaften in parlamentarischen und korporativen Institutionen beteiligt sind, was jedoch nur eine selektive soziale Interessenvertretung erlaubt. Vgl. in diesem Zusammenhang auch die These der Vorprägung von Interessen durch Institutionen bei Levine 1990 und Döhler 1993.Google Scholar
  16. 276.
    Zum hier nicht näher behandelten Thema der Professionen und ihrer Verbände (besonders der Mediziner) im Vergleich siehe vor allem Abel-Smith 1972, Döhler 1987, 1992. Zur generellen Debatte um die Unterschiede zwischen Konsumenten-und Produzentenverbänden s.a. Newton/Morris 1975; diese verweisen aber auch auf die „Notlösung“ von Konsumentenorganisationen, mangels Kontakte zur Verwaltung Themen zu politisieren und mit Parteien zu kooperieren.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  1. 1.BochumDeutschland

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