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Konsequenzen für die Mädchenpädagogik

  • Verena Mayr-Kleffel
Part of the Alltag und Biografie von Mädchen book series (AUB, volume 6)

Zusammenfassung

Den bedeutsamen Stellenwert, den Mädchenbücher innerhalb der Lektüre von Mädchen einnehmen können, macht noch einmal der kurze Blick auf andere Angebote der verschiedensten Massenmedien klar (vgl. Schmerl 1984, Karsten o. J.; Wagner u. a. 1978):

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Anmerkungen

  1. 1.
    Allerdings zeigt sich das nicht immer so deutlich wie bei Gerda Neumann, die 1977 in Ihren analytischen Betrachtungen des Frauenbildes in der Jugendliteratur soziale Realität und literarische Realität so wenig voneinander trennt, daß sie die in den Büchern dargestellten Mütter an den Pranger stellt, als wenn sie leibhaftig vor ihr stünden. „Einen weiteren Vorwurf kann man den mit ihren eigenen Identitätskrisen befaßten Müttern nicht ersparen. Nur in Ausnahmefällen werden die Mädchen auf den Eintritt in eine sexualisierte Welt vorbereitet.“ (Neumann, 1977, S. 357)Google Scholar
  2. 2.
    Die hier vorgelegte Untersuchung verfolgt bewußt keine qualitative oder quantitative Inhaltsanalyse klassischer oder weniger klassischer Provenienz. (Vergl. Ritsert 1972)Google Scholar
  3. Ich gehe dabei von der Annahme aus, daß Mädchenbücher Phantasien bei ihren Leserinnen produzieren, die dann auch als Bilder Erwartungen und Verhalten steuern können. Schilderungen von Handlungsabläufen und ihre Interpretationsversuche können diesen Prozeß eher nachvollziehbar machen, als die Parzellierung des Romangeschehens in Inhaltskategorien.Google Scholar
  4. Zwar enthält die numerische Erhellung von Inhalten in sich einen Kern von objektiver Realitätserfassung, der jedoch in dem jeweils besonderen Rezeptionskontext des lesenden Mädchens eine ganz andere Bedeutung erfahren kann, als ihm die inhaltsanalytische Auffächerung ursprünglich zugebilligt hatte. Auf quantifizierende Aussagen habe ich auch deshalb ganz verzichtet, weil sie bei einer notgedrungen erfolgten Auswahl von Mädchenbüchern eine Scheinobjektivität errichtet hätten. Der Vergleich mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen von Mädchen bzw. Jugendbüchern sollte das etwas ausgleichen.Google Scholar
  5. Die Ergebnisse anderer Untersuchungen und meine eigenen Kenntnisse als Leserin steuerten auch die Typenbildungen der ausführlicher behandelten fiinf Mädchenbücher. Mir kam es darauf an, graduelle Veränderungen deutlich zu machen. Um diese Veränderungen nicht in ein allzu resignatives „In der Mehrzahl ist alles gleich geblieben“ vorschnell untergehen zu lassen, sollte ruhig zunächst der Anschein einer gleichgewichtigen Repräsentanz dieser fünf Bücher auf dem Buchmarkt erzeugt werden, der dann wieder relativiert wird durch andere Untersuchungsergebnisse, wie die von Dahrendorf, der einen ganzen Jahrgang von Mädchenbüchern untersucht hat.Google Scholar
  6. 3.
    Trott, Magda: Puckis erster Schritt ins LebenGoogle Scholar
  7. Trott, Magda: Pucki wird eine glückliche BrautGoogle Scholar
  8. Stuttgart, o.J., 29. Auflage;Google Scholar
  9. Ersterscheinungsjahre der gesamten Pucki-Reihe: 1935–1941. Aus der Pucki-Reihe, die insgesamt zwölf Bände enthält, wurden nur diejenigen beiden Bände ausgewählt, die die Ausbildungsentscheidung, den Ausbildungsverlauf und die Eheschließung der Heldin schildern. Wegen der besseren Vergleichbarkeit mit den anderen, in dem vorliegenden Buch behandelten Mädchbüchem und aus arbeitsökonomischen Gründen legitimiert sich diese Entscheidung.Google Scholar
  10. Die Pucki-Reihe — im Vorspann etwas salopp als „modernistisch aufgemöbelter Backfischroman“ apostrophiert — ist eine der älteren Mädchenbuchreihen, die die Behandlung der eigentlichen Backfischzeit um die Darstellung der Kindheit, des Ehe-und Familienlebens sowie des Alters erweitern. Darin unterschieden sie sich von den alten Backfischromanen des vorigen Jahrhundert. Bei E.v.Rhoden’s Trotzkopf, für den verschiedene andere Schriftstellerinnen Nachfolgebände entwarfen, hatte sich diese Entwicklung bereits angedeutet. Susanne Zahn (1983) weist darauf hin, daß die Pucki-Reihe von Magda Trott im Vergleich zu Else Ury’s Nesthdkchen-Serie und dem 5. Band des Trotzkopf (Else Wildenhagen: Trotzkopfs Nachkommen — ein neues Geschlecht, 1930) ein Rückschritt darstellt. Nicht nur, daß z. B. Else Ury’s Bände (1918–1925 erschienen) zeitgeschichtliche Bezüge enthalten; es werden auch der Heldin Annemarie größere Freiräume in ihrer Lebensgestaltung zugestanden: Immerhin darf sie das Abitur machen und ein Medizinstudium beginnen. Alle ihre Freundinnen sind bis zu ihrer späteren, obligaten Eheschließung in Berufen erwerbstätig, die während der Weimarer Republik bürgerlichen Frauen offen standen.Google Scholar
  11. Trott’s Rückkehr zu strengeren Erziehungsmaßregelungen der Heldin, zur verkürzten Ausbildungszeit und der Idyllisierung der Land-und Forstwirtschaft hat ihr allerdings keine offizielle Billigung durch die Nationalsozialisten eingebracht. Wie Susanne Zahn bei Peter Aley (1967) in Erfahrung bringen konnte, wurden ihre Bücher nach den „Richtlinien des nationalsozialistischen Lehrerbundes“ in der Sichtung des Altbestandes in Schulbüchereien als „unerwünschte” Literatur ausgesondert. Vgl. Zahn, 1983, S. 336f. und S. 383 ff.Google Scholar
  12. 4.
    Vergl. dazu die differenzierenden Analysen der frühen Mädchenliteratur bei Dagmar Grenz, 1981Google Scholar
  13. 5.
    Bratt, Berte: Ein Mädchen von siebzehn Jahren. München 1980. Ersterscheinungsjahr: Augsburg 1952Google Scholar
  14. 6.
    Theissen, Ingrid: Es ist alles ganz anders. Berlin 1958Google Scholar
  15. 7.
    Kutsch, Angelika. Man kriegt nichts geschenkt. Reinbek 1976Google Scholar
  16. Kutsch, Angelika: Nichts bleibt wie es ist. Reinbek 1982Google Scholar
  17. 8.
    Markus, Maria: Ein starkes Frühjahr. Reinbek 1981Google Scholar
  18. 9.
    Nur noch das Mädchen Saras in Uta Wickerts „Saras’ Geschichte“ denkt auch politisch 10 Dieses Gespräch mit zwei vierzehnjährigen Gymnasiastinnen soll keine Wirkungsana- lyse ersetzen. Eher dient es einem atmosphärischen Eindruck, den ich auch für mich als Korrektiv wichtig fand. Ich habe Jenny, Steffi und der elfjährigen Christiane vier Bücher gegeben, mit der Bitte sie zu lesen. Es waren die beiden Bände der Pucki-Reihe, Bra tts „Ein Mädchen von siebzehn Jahren”, Theissens „Es ist alles ganz anders“ und Kutschs „Man kriegt nichts geschenkt”. Bei dem Roman von Maria Markus „Ein star- kes Frühjahr“ war ich unsicher, wie die Mädchen, die ich kaum kenne und zu denen ich keine kontinuierlichen Kontakte halten kann, auf die sehr offenen und detaillierten Sexszenen in diesem Buch reagieren würden. Vielleicht war meine Scheu unsinnig. Theissens Roman konnte ich nur in einer Photokopie an die Mädchen geben, weil die- ses Buch ja nicht mehr auf dem Markt erhältlich ist. Das kann der Grund dafür gewe- sen sein, daß Steffi und Jenny diesen Roman nicht gelesen haben. Die elfjährige Chri- stiane dagegen hat sich recht interessiert an diese Photokopie herangewagt, dann aber für die anderen Bücher kein Interesse mehr aufbringen können. Sie habe ich nicht inter- viewt, weil ich sie nicht in eine Situation bringen wollte, in der sie sich vielleicht wie in der Schule bei unerledigten Hausaufgaben ertappt fühlen könnte.Google Scholar
  19. Die Aussagen von Jenny und Steffi in diesem Interview basieren auf folgender Lektüre: Steffi hat die beiden Pucki-Bände gelesen und Bratts „Ein Mädchen von siebzehn Jahren“; Jenny hat eben alls den Roman von Berte Bratt gelesen und Kutschs „Man kriegt nichts geschenkt.”Google Scholar
  20. Meine Interviewtechnik war schlicht: Ich habe die Mädchen zunächst danach gefragt, was sie an dem betreffenden Buch angesprochen hat und und was nicht. Danach habe ich sie mit meiner Einschätzung der Romane konfrontiert, um mit ihnen in eine kurze Diskussion eintreten zu können.Google Scholar
  21. 11.
    Dahrendorfs Einschätzungen des weiblichen Leseverhaltens beruhen auf älteren Untersuchungen und auf mehreren eigenen, nämlich aufeiner Stichprobe von 106 Studentinnen der Pädagogik mit dem Wahlfach Deutsch im Jahre 1966. Gefragt wurde nach der eigenen bevorzugten Jugendlektüre und nach dem Alter, in dem sie gelesen wurde. Desweiteren wurde gefragt, ob diese Lek türe zeitweilig, ausschließlich oder nicht ausschließlich gelesen wurdeGoogle Scholar
  22. Dahrendorfs Einschätzungen des weiblichen Leseverhaltens beruhen auf älteren Untersuchungen und auf mehreren eigenen, nämlich auf einer Stichprobe von 198 Studentinnen der Pädagogik ebenfalls mit dem Wahlfach Deutsch und Fachschülerinnen und höhere Fachschülerinnen der Sozialpädagogik 1968/69. Hierbei wurde speziell nach eigener Mädchenlektüre während der Jugendzeit und ergänzend nach Ausschließlichkeit oder Nichtausschließlichkeit, Lektüreanregungen und weiteren Leseinteressen gefragtGoogle Scholar
  23. Dahrendorfs Einschätzungen des weiblichen Leseverhaltens beruhen auf älteren Untersuchungen und auf mehreren eigenen, nämlich auf einer breiter angelegten Schulbefragung in Hamburg über Leseinteressen und Leseverhalten allgemein; davon wurden 244 Fragebogen von elf-bis siebzehnjährigen Volks-, Haupt-und Realschülerinnen ausgewertet (1967)Google Scholar
  24. Dahrendorfs Einschätzungen des weiblichen Leseverhaltens beruhen auf älteren Untersuchungen und auf mehreren eigenen, nämlich auf auf 240 freien Aufsätzen zu der Frage „Warum ich gern/nicht gern lese“ von elf-bis sechszehnjährigen Volks-, Haupt-und Realschülerinnen (1967)Google Scholar
  25. Dahrendorfs Einschätzungen des weiblichen Leseverhaltens beruhen auf älteren Untersuchungen und auf mehreren eigenen, nämlich auf auf einer Befragung von 1214 Volks-und Realschülerinnen aufgrund eines Buchinhalts-Tests (1968)Google Scholar
  26. Dahrendorfs Einschätzungen des weiblichen Leseverhaltens beruhen auf älteren Untersuchungen und auf mehreren eigenen, nämlich auf einer Untersuchung des Leseverhaltens von 40 vierzehn-bis sechzehnjährigen Haupt-und Realschülerinnen anhand von vier von allen gelesenen Büchern. (V.M. — K.: Die Jahresangabe fehlt) Vgl. Dahrendorf 1978, S. 141 ff.Google Scholar
  27. 12.
    In meiner Magisterarbeit über Jugendbücher habe ich 1972 versucht, diese Typologie auf die Jugendliteratur zu übertragen. Bensinger hat das dann etwas später öffentlich in jugendliterarischen Kreisen getan.Google Scholar
  28. 13.
    Im Arbeitsmaterial des PEV steht die Einschätzung, daß sich die Taschenbuchreihen schwer auf dem Warenhausmarkt etablieren können. Ich konnte dieser Information nicht weiter nachgehen.Google Scholar
  29. 14.
    Vermutlich verweist dieser Eindruck noch auf eine andere Ursache: Es ist zu überlegen, ob die Warenhäuser mit ihren Steigerungsraten im Verkauf von Jugendbüchern nicht auch diejenigen Käufer hinzugewonnen haben, die früher ihre Bücher in den Buchhandlungen gekauft haben. Das kann natürlich auch das Spektrum der angebotenen Jugendbücher erweitern.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1984

Authors and Affiliations

  • Verena Mayr-Kleffel

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