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Auf der Suche nach dem eigenen Selbst

  • Otto TeischelEmail author
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Zusammenfassung

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nelson Algren erhellt wesentliche psychodynamische Zusammenhänge der Sucht und den öffentlichen Umgang mit dieser komplexen Symptomatik. Dem Film sind die Abhängigkeiten und Kompromisse anzumerken, die eine Hollywood-Produktion ihren Beteiligten abverlangt. Die erfolgssüchtige Diktatur eines gierigen Marktes steigert den Druck auf seine Profiteure und Konsumenten. So, wie auch Frankies Dealer ihn als abhängigen Kunden bis zuletzt süchtig ausbeuten muss. Während der Roman das tragische Scheitern einer durch die eigene Sucht doppelt entfremdeten Existenz beschreibt, versucht der Film eine Illusion von der „wahren Liebe“ zu erhalten, die am Ende über die Sucht triumphiert. Dank der großartigen Schauspielkunst seiner drei Protagonisten, die sich in ihre Charaktere sehr genau einfühlen, erleben die Zuschauer im Film nicht nur die berührend differenzierte Studie einer fatalen Beziehungssucht. Sie bekommen zudem ein Panoptikum menschlicher Verkommenheit an den Rändern der kapitalistischen Gesellschaft vor Augen geführt. Dort, wo die süchtige Grundstruktur des Systems besonders drastische Symptome hervorbringt, kann man umso klarer ins „Herz der Finsternis“ blicken.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Ebenthal in KärntenÖsterreich

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