Logik im Recht pp 217-256 | Cite as

5. Kapitel: Relationenlogische Strukturen

  • Jan C. Joerden
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Zusammenfassung

Wenn es um die (begriffliche) Beziehung zwischen zwei oder mehr Gegenständen zueinander geht, wird der Ausdruck Relation verwendet. Die Gegenstände, zwischen denen die Relation besteht, heißen dann auch Relatum bzw. im Plural Relata. Insbesondere hinsichtlich der zweistelligen Relationen, die im 5. Kapitelim Vordergrund stehen, lassen sich bestimmte Relationen¬eigenschaften feststellen, und zwar formaleEigenschaften, im Hinblick auf die jede zweistellige Relation untersucht werden kann und die zugleich ein formales Unterscheidungskriterium für Relationen abgeben. In erster Linie sind hier die Eigenschaften der Symmetrie, der Reflexivitätund der Transitivitätzu nennen. Geht es um die Anwendung der Relationenlogikim Recht, zeigt sich, dass insbesondere die Zurechnungslehre von einer Aufhellung der logischen Eigenschaften der ihr zugrunde liegenden Relationen profitiert. So ist insbesondere die im Recht zentrale Relation „Ursache von“ als irreflexiv, asymmetrischund transitivzu kennzeichnen, Daraus leiten sich Konsequenzen für die Relationen „direkt verantwortlich für“ und „indirekt verantwortlich für“ ab, die zugleich Bedeutung für die Differenz zwischen Täterschaft und Teilnahme sowie die unterschiedliche Formen der Teilnahme im Strafrecht haben. Außerdem finden sich im Recht Relationenketten, deren Eigenschaften es ebenfalls zu bestimmen gilt.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2018

Authors and Affiliations

  • Jan C. Joerden
    • 1
  1. 1.Juristische FakultätEuropa-Universität ViadrinaFrankfurt (Oder)Deutschland

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