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Epidemiologie, Ätiologie und Klassifikation des Harnblasenkarzinoms

  • Frank vom Dorp

Zusammenfassung

Das Harnblasenkarzinom repräsentiert eine der häufigsten onkologischen Erkrankungen weltweit. 130.000 Menschen versterben jährlich weltweit an einem Harnblasenkarzinom. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen, wobei das mittlere Erkrankungsalter bei 69 Jahren für Männer und bei 73,4 Jahren bei Frauen liegt. Zahlreiche kanzerogene Substanzen sind identifiziert worden, deren Exposition ursächlich mit der Entstehung des Harnblasenkarzinoms vergesellschaftet ist. Allen voran ist der Zigarettenkonsum zu nennen, gefolgt von aromatischen Aminen, deren Exposition zum Teil beruflich bedingt ist. Die Strahlentherapie kann ursächlich sein für die Entstehung von Sekundärmalignomen, unter anderem können Harnblasenkarzinome entstehen.

3.1 Einleitung

Das Harnblasenkarzinom repräsentiert eine der häufigsten onkologischen Erkrankungen weltweit. 130.000 Menschen versterben jährlich weltweit an einem Harnblasenkarzinom. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen, wobei das mittlere Erkrankungsalter bei 69 Jahren für Männer und bei 73,4 Jahren bei Frauen liegt. Zahlreiche kanzerogene Substanzen sind identifiziert worden, deren Exposition ursächlich mit der Entstehung des Harnblasenkarzinoms vergesellschaftet ist. Allen voran ist der Zigarettenkonsum zu nennen, gefolgt von aromatischen Aminen, deren Exposition zum Teil beruflich bedingt ist. Die Strahlentherapie kann ursächlich sein für die Entstehung von Sekundärmalignomen, unter anderem können Harnblasenkarzinome entstehen.

Patienten mit Harnblasenentleerungsstörungen, z. B. Dauerkatheterträger oder entzündliche Veränderungen im Rahmen der Bilharziose, können die anteilsmäßig selteneren Plattenepithelkarzinome der Harnblase induzieren. Epidemiologie

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 12.000 Menschen an einem Harnblasenkarzinom, weltweit sind es 260 000 Menschen. Die Prävalenz beträgt 1.000.000 in einem 5-Jahres-Zeitraum, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen (Parkin et al. 2001). Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren für Männer und 73,4 Jahren für Frauen; dies ist u. a. durch eine verspätete Diagnose begründet, sodass Frauen ebenso eine schlechtere Prognose im Vergleich zu Männern aufweisen (Micheli et al. 1998, Coleman et al. 1999, Ries et al. 1999). Laut WHO verstarben im Jahr 2000 weltweit 132.432 Personen an einem Harnblasenkarzinom (Parkin et al. 2001).

Die Inzidenz für Männer beträgt im Alter von 45–50 Jahren 3 Fälle pro 100.000 und steigt bei der Gruppe der über 80-jährigen auf etwa 200 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (Ries et al. 2000, Pashos et al. 2002).

3.2 Ätiologie und Risikofaktoren

Die kausale Beziehung zwischen Karzinogenexposition und der Entstehung des Harnblasenkarzinoms ist gut untersucht. Über eine Identifizierung tumorauslösender Substanzen besteht die Möglichkeit der Prävention, zumal dies zum Teil durch Änderung der Lebensgewohnheiten oder Verbesserung des beruflichen Umfeldes gut möglich ist (Zeegers et al. 2004).

Zahlreiche Ersterkrankungen wurden von der Berufsgenossenschaft als Berufserkrankungen anerkannt (Norpoth u. Woitowitz 1994, Kap. 1).

Karzinogene wirken prinzipiell auf das gesamte Urothel, Harnblasenkarzinome treten jedoch in über 90% aller Fälle in der Harnblase auf. Dies liegt daran, dass in der Harnblase im Vergleich zu Nierenbecken und Harnleiter der Anteil der urothelialen Oberfläche am größten ist.

Ausnahmen von dieser Regel entstehen dann, wenn eine Karzinogenexposition mit einer lokalen Schädigung des Urothels vergesellschaftet ist oder wenn zusätzlich eine Harntransportstörung, z. B. eine Harnleiterobstruktion, vorliegt. Im ersten Fall resultiert eine lokale Häufung von Karzinomen, wie z. B. im Nierenbecken bei einer Phenacetinniere oder in der Harnblase der Blasenbilharziose.

Balkannephropathie

Ein gehäuftes Auftreten von Urothelkarzinomen wurde in Verbindung mit der Balkannephropathie berichtet (Petkovic et al. 1971). 90 % aller Tumoren treten im oberen Harntrakt und 10 % bilateral auf, wobei die Ursache der Karzinomentstehung letztlich noch nicht geklärt ist.

Durch eine Harntransportstörung kommt es zu einer längeren Verweildauer des Urins inklusive des Karzinogens. Dies hat zur Folge, dass ein zunächst inaktives Karzinogen zu einem aktiven Metaboliten umgewandelt werden kann, welcher nachfolgend seine Wirkung am Urothel ausüben kann. Es konnte gezeigt werden, dass dilatierte Harnwege in gleicher Häufigkeit Karzinome unter chemischer Karzinogenexposition ausbilden wie die Harnblase selbst.

Die Arbeitsgruppe um Deutz konnte zeigen, dass Karzinogene, welche Harnblasenkarzinome induzieren, ebenso in anderen Organsystemen, z. B. im Darm, Karzinome entstehen lassen. Dies ist vor allem für Patienten mit Harnleiterdarmimplantation oder Neoblasen von Bedeutung (Deutz et al. 1988).

Chemische Karzinogene

Nach Vineis gelten die in der folgenden Übersicht dargestellten Substanzen aus der Gruppe der aromatischen Amine als für den Menschen gesicherte Blasenkarzinogene (Vineis et al. 1997).

Für den Menschen gesicherte Blasenkarzinogene aus der Gruppe der aromatischen Amine:

  • 2-Naphthylamin

  • Benzidin

  • Dichlorbenzidin

  • Orthodianisidin

  • 4-Aminobiphenyl

  • Chlornaphazin

  • Cyclophosphamid

  • Phenacetin

  • 4,4-Methylen-2-chloranilin

  • Magenta

  • Auramin

  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Hueper et al. zeigten bereits 1938, dass nach Fütterung von 2-Naphthylamin an Hunde Urotheltumoren der Harnblase induziert werden konnten. Nachfolgend wurden vor allem in Großbritannien großangelegte Studien durchgeführt, die aromatische Amine, wie z. B. 2-Naphthylamin, Auramin oder Fuchsin als Karzinogene identifizierten. Nicht nachgewiesen werden konnte ein Karzinomrisiko bei der Herstellung oder Verwendung von Anilin (Case und Pearson 1954). Konsekutiv erfolgte das Verbot der angeschuldigten Substanzen (Ohkawa et al. 1982).

Man geht davon aus, dass etwa 25% der Harnblasenkarzinome durch beruflich bedingten Kontakt zu Karzinogenen hervorgerufen werden (Johansson et al. 1997; Sadetzki et al. 2000; Zheng et al. 1992).

Gestützt werden diese Angaben durch die bereits angesprochenen und zum Teil länger zurückliegenden Studien. So konnte Case et al. 1954 zeigen, dass Arbeiter in der gummiverarbeitenden Industrie ein etwa 200-fach erhöhtes Harnblasenkarzinomrisiko aufweisen, welches in ursächlichen Zusammenhang mit der Verwndung von 2-Naphthylamin gebracht wurde. Schulte et al. zeigten bei 2-Naphthylaminexposition ein 7-fach erhöhtes Karzinomrisiko (Schulte et al. 1986). Japanische Kimonomaler, welche die mit Azofarbstoffen versetzten Farben ihrer Pinsel ablecken, zeigen ebenfalls ein signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko. Aus den verwendeten Farben wird über bakterielle Spaltung Benzidin freigesetzt.

Somit ergibt sich für Vertreter aus den folgenden Berufsgruppen ein besonderes Gefährdungspotential:
  • Farbindustrie

  • gummiverarbeitende Industrie (Kabel u. a.)

  • Kammerjäger

  • Laboratoriumsangestellte

  • Textilindustrie

  • Gasproduktion in der Kohleindustrie

  • Aluminiumindustrie

  • Druckindustrie

  • Kimonomaler, Friseure

  • Strahlenindustrie

  • Kunststoffindustrie

2-Naphthylamin ist ebenso wesentlicher Bestandteil des Zigarettenrauches (Hoffmann et al. 1969; Hecht et al. 1976; Patrianakos und Hoffmann 1979). Es konnte eine enge Korrelation zwischen dem Zigarettenkonsum und dem Risiko eines Blasentumors nachgewiesen werden. Im Vergleich zu einem Nichtraucher beträgt das relative Risiko zwischen 2:1 bis 6:1. Etwa 60 % aller Blasentumoren des Mannes und etwa 25 % bei der Frau werden auf das Zigarettenrauchen zurückgeführt (Cole 1971; Kunze et al. 1986; Brennan et al. 2000; Marcus et al. 2000). Frühes Einstiegsalter und die Dauer des Zigarettenkonsums scheinen den größten Einfluss auf das individuelle Blasentumorrisiko zu haben.

Drei Medikamente konnten eindeutig mit der Ausbildung von Blasenkarzinomen in Verbindung gebracht werden:
  • Chlornaphazin, ein Polyzythaemietherapeutikum, das dem 2-Naphthylamin chemisch verwandt ist. Die Verwendung erfolgte bis 1963.

  • Phenacetin führt zu einer erhöhten Inzidenz von Urothelkarzinomen, die vorwiegend im oberen Harntrakt lokalisiert sind. Bis zu 10% der Patienten mit einer Phenacetinnephropathie entwickeln ein Urothelkarzinom, welches vor allem in Nierenbecken und Harnleiter lokalisiert ist (McCredie et al. 1983; Gonwa et al. 1980) Das ursächliche Karzinogen ist ein Stickstoffhydroxylmetabolit des Phenacetins, welches chemisch ein aromatisches Amin ist, ein Metabolit, das auch von Paracetamol (in geringerem Ausmaß) gebildet wird.

  • Cyclophosphamid führt über eine Zystitis zu einem erhöhten Blasentumorrisiko (Pearson u. Soloway 1978; Fairchild et al. 1979), so dass etwa 5 % der mit Cyclophosphamid behandelten Patienten Harnblasenkarzinome mit schlechter Prognose entwickeln (Baker et al. 1987; Pedersen-Bjergaard et al. 1988). Seit Einführung der Zystitisprophylaxe durch Mesna ist das durch Cyclophosphamid hervorgerufene Blasentumorrisiko zu vernachlässigen. Bei Patienten, die über einen längeren Zeitraum mit Cyclophosphamid therapiert wurden, sollte jedoch regelmäßig eine urinzytologische Untersuchung vorgenommen werden.

Chronische Infekte, verbunden mit einer Bildung von Nitrosaminen, führen zu einer Häufung von Plattenepithel-, Adeno- und Urothelkarzinomen.

Eine erhöhte Inzidenz des Blasenkarzinoms fand sich bei Patienten mit chronischen Harnwegsinfekten, besonders wenn diese mit Blasensteinen oder Dauerkatheterableitung vergesellschaftet waren (Wynder und Goldsmith 1977). Die Tumoren sind gewöhnlich Plattenepithelkarzinome. Bei paraplegischen Patienten mit einer permanenten Katheterableitung fanden Olson u. de Vere Whita 1979 bei 5 von 100 Patienten und Kaufmann et al. 1977 bei 6 von 62 Patienten diffuse Plattenepithelkarzinome der Blase. 5 der 6 Patienten hatten eine Katheterableitung seit mehr als 10 Jahren.

In weiten Teilen Afrikas und in arabischen Ländern ist die Bilharziose endemisch. In der Akutphase der Infektion bilden sich in der Blase potentiell reversible granulomatöse Polypen aus. Ohne Therapie entstehen über Hyperplasien und Dysplasien Plattenepithelkarzinome (Morrison und Cole 1982; Hicks et al. 1977). Ätiologisch wird eine infektbedingte Nitrosaminbildung postuliert (Mostafa et al. 1994). In Ägypten sind schätzungsweise 16 % aller Blasenkarzinome durch Bilharziose induziert (Bedwaui et al. 1998).

Eine genetische Disposition findet sich beim HNPCC-Syndrom (Lynch). Hier wird eine jährliche Urinzytologie gefordert (Kap. 1). Die molekulargenetische Forschung hat inzwischen mehrere (epi-) genetische Faktoren nachgewiesen und geht von mehreren Harnblasentypen aus (S3-Leitlinie).

Nahrungsmittel wie Kaffee und künstliche Süßstoffe wie Saccharin oder Cyclamat führen nachweislich zu keinem erhöhten Risiko für das Entstehen eines Harnblasentumors (Johansson et al. 1997; Donato et al. 1998).

Klassifikation des Harnblasenkarzinoms

Den weitaus größten Anteil am Kollektiv der Harnblasenkarzinome machen mit etwa 95% die Urothelkarzinome aus. Es wird zwischen einem papillären und einem soliden Tumorwachstum unterschieden (Raghavan et al. 1995, Riede et al. 1995).

Die verbleibenden 5% entfallen auf die selteneren Formen des Plattenepithel- und des Adenokarzinoms, wobei letzteres mit einem Anteil von 0,2–2% sehr selten vorkommt (Anderström et al. 1983; Jakse et al. 1979). Das Adenokarzinom der Harnblase entsteht vor allem aus Resten des Urachus im Bereich des Blasendaches als sog. Urachuskarzinom aber ebenso aus periurethralen und periprostatischen Drüsen (Riede et al. 1985). Im Gegensatz zum panurothelialen Tumorcharakter des Urothelkarzinoms ist das Adenokarzinom ein meist solitärer Befund in der Harnblase, dessen Prognose jedoch ebenso im Wesentlichen durch die Infiltrationstiefe und den Differenzierunsgrad bestimmt wird. Die 5-Jahres-Überlebensrate ist mit 18–33% niedrig (Anderström et al. 1983; Jakse et al. 1979). Ursache der schlechten Prognose ist ein meist weit fortgeschrittenes Stadium durch invasives Wachstum. Die Häufigkeit des Plattenepithelkarzinoms beträgt 3–6% (Johnson et al. 1976; Patterson et al. 1988; Quilty und Duncan 1986; Sen et al. 1985).

Risikofaktoren sind chronisch-entzündliche Veränderungen der Harnblase, Harnröhrenstrikturen, Blasensteine und langjährige Einlage von Fremdkörpern (Dauerkathetern). Wie bereits angesprochen ist ein Zusammenhang zwischen der chronischen Form der Blasenbilharziose und der Entstehung des Plattenepithelkarzinoms gesichert (Gonheim et al. 1985). Der Anteil der Plattenepithelkarzinome macht hier bis zu 70% aus (Silverman et al. 1992). Mehr als 80% der Plattenepithelkarzinome wachsen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose muskelinvasiv und sind mittelgradig bis schlecht differenziert. Die 5-Jahres-Überlebensrate ist mit 5–26% niedrig (Gonheim et al. 1985; Aghaji und Mbonu 1989; Quilty und Duncan 1986).

Das Urothelkarzinom der Harnblase tritt hinsichtlich seines klinischen Verlaufes in zwei unterschiedlichen Formen auf: Etwa 80% aller Urothelkarzinome zeigen zum Zeitpunkt der Erstmanifestation ein nicht invasives und papilläres Wachstumsmuster. 10–15% dieser Tumoren entwickeln im weiteren Verlauf eine Muskelinvasion. Eine weitaus schlechtere Prognose weist die zweite Gruppe von Urothelkarzinomen auf, welche bei der Erstmanifestation bereits muskelinvasiv wachsen.

In Anlehnung an die UICC wird die Ausbreitung (TNM) und der Differenzierungsgrad klassifiziert.

Klassifikation des Harnblasenkarzinoms in Anlehnung an die UICC

Tumorausbreitung
  • Tx Tumor kann nicht beurteilt werden

  • T0 Kein Anhalt für Primärtumor

  • Ta Nicht invasiver papillärer Tumor

  • TIS Carcinoma in situ

  • T1 Tumor infiltiert subepitheliales Bindegwebe

  • T2 Tumor infiltriert die Muskulatur
    • T2a Tumor infiltriert oberflächliche Muskulatur (innere Hälfte)

    • T2b Tumor infiltriert äußere Muskulatur (äußere Hälfte)

  • T3 Tumor infiltriert perivesikales Fettgewebe
    • T3a Mikroskopisch

    • T3b Makroskopisch (extravesikaler Tumor)

  • T4 Tumor infiltriert Prostata oder Uterus oder Vagina oder Becken-/Bauchwand
    • T4a Tumor infiltriert Prostata oder Uterus oder Vagina

    • T4b Tumor infiltriert Becken- oder Bauchwand

Regionäre Lymphknoten
  • NX Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden

  • N0 Kein Anhalt für regionäre Lymphknoten

  • N1 Metastase in solitärem Lymphknoten ≤ 2 cm in größter Ausdehnung

  • N2 Metastase in solitärem Lymphknoten > 2 cm, aber ≤ 5 cm in größter Ausdehnung oder multiple Lymphknoten kleiner als 5 cm

  • N3 Metastasen in Lymphknoten > 5 cm in größter Ausdehnung

Fernmetastasierung (vor allem in Lunge, Leber und Knochen)
  • MX Fernmetastasen können nicht beurteilt werden

  • M0 Keine Fernmetastasen

  • M1 Fernmetastasen

Histopathologisches Grading

Nach der neuen WHO-Klassifikation wird die Tumorbiologie des Harnblasenkarzinoms durch die Einteilung in Low- und High grade Karzinome gekennzeichnet (Abb. 3.1). Low grade Tumoren gelten als gentisch stabile und High grade Tumoren gelten als genetisch instabile Tumoren (Kap. 4).
Abb. 3.1

Histopathologische Klassifikation (2004)

Histologisches Grading

Papilläre hochdifferenzierte Tumoren werden nicht mehr als maligne bezeichnet, sondern erhalten die Bezeichnung der «papillären urothelialen Neoplasie mit niedrig malignem Potential» (PUNLMP).

Tritt eine Textur- oder Schichtungsstörung hinzu, ist aber dennoch eine deutliche zytologische Übereinstimmung zu normalem Urothel erkennbar, werden diese Tumoren als «nichtinvasive Low-grade» Karzinome definiert. Sowohl PUNLMP als auch nichtinvasive low grade Karzinome sind genetisch stabile Tumoren (Kap. 4).

Tritt eine weitere Schichtungsstörung hinzu, wird aus dem nichtinvasiven low grade ein nichtinvasiver high grade Tumor. Findet sich in einem noch nicht komplett schichtungsgestörten Tumor bereits ein einziges Areal, welches eine deutliche Kernpolymorphie zeigt, so ist dieser Tumor per definitionem ein Carcinoma in situ.

Patienten mit pT1-Urothelkarzinom bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Diese stellen etwa 10–20% aller Urothelkarzinome und werden üblicherweise konservativ mittels transurethraler Resektion behandelt. Integraler Bestandteil in der Behandlung eines T1 Urothelkarzinoms ist die zeitnahe und qualitativ hochwertige Nachresektion. Zum sicheren Ausschluß eines muskleinvasiven Tumors ist die Anforderung an eine die Muskulatur erfassende Resektion zu stellen. Hierdurch werden vor allem Stagingfehler vermieden. Wie die Arbeitsgruppe um Dalbagni zeigen konnte ist das Outcome von Patienten mit reinem pT1 high grade Tumor unter der Maxime des Organerhaltes exzellent mit einer 5 Jahres Überlebensrate von 92% (Dalbagni 2009). In einer multiinstitutionellen Kohorte von Patienten erlangt vielmehr eine Nachresektion bei bereits qualitativ exzellenter, die Muskulatur beinhaltender erster TUR, keine weitere klinische Relevanz (Gontero 2016).

Das Carcinoma in situ repräsentiert eine flache, high grade Urothelläsion mit einem erheblichem Progressionspotential. Wie die Arbeitsgruppe um Chade zeigen konnte, weisen isolierte in situ Läsionen ungeachtet einer BCG Induktionsbehandlung eine 5 Jahre Progressionsrate in der T Kategorie von > 40% auf. Früh zystektomierte Patienten innerhalb dieses Kollektives haben in annähernd 30% aller Fälle invasive Karzinome, so dass ein Staging Problem auch innerhalb dieses Tumorkollektives nicht ausgeräumt werden kann (Chade 2010).

Die ausführliche Diskussion im Hinblick auf die Zytologie findet sich in Kap. 4 und Kap. 5.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Chefarzt der Urologischen Klinik Helios Marien KlinikumDuisburgDeutschland

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