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Das neunte Gebot: Schauen Sie mit beiden Augen hin (wenn Sie müssen)

  • Nikil MukerjiEmail author
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Zusammenfassung

Erinnern Sie sich noch an René Descartes – den Philosophen, dem wir in Kap. 3 begegnet sind? Er suchte nach einem sicheren Fundament für unser Wissen – einem „fundamentum inconcussum“ – an dem sich nicht zweifeln ließe. Sein Ziel bestand darin, einen Gedanken zu finden, der nicht vernünftig bestritten werden kann – einen Gedanken, gegen den kein vernünftiges Gegenargument spricht!

In der philosophischen Debatte ist heute gemeinhin anerkannt, dass Descartes mit seinem Projekt weit übers Ziel hinausgeschossen ist. Der Maßstab absoluter Sicherheit ist einfach zu hoch. Es ist auch dann vernünftig, etwas zu glauben, wenn es „nur“ wahrscheinlich stimmt. Dennoch können wir – einmal mehr – etwas von Descartes lernen: Wir sollten Gegenargumente, die unser Bild von der Realität in Zweifel ziehen, ernst nehmen – nicht so ernst wie Descartes selbst, aber dennoch: ernst!

Warum ist das eine wichtige Lehre? Ganz einfach: Argumente, die sich gegen einen Standpunkt richten, sind – solange sie vernünftig sind – relevant für die Beurteilung dieses Standpunkts! Sie beeinflussen die Wahrscheinlichkeit mit der wir ihn für wahr halten sollten. Und als solches sollten wir sie beachten!

Diese Einsicht bildet das Gegenstück zur Quintessenz des vorangegangenen Kapitels. Dort gab ich Ihnen den Hinweis, sich nicht von Irrelevantem ablenken zu lassen. Denn der gesunde Menschenverstand verlangt, nur relevante Informationen zu beachten. In diesem Kapitel möchte ich Ihnen raten, mit beiden Augen hinzuschauen und keine relevanten Informationen auszulassen – zumindest wenn Sie das müssen.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Ludwig-Maximilians-Universität MünchenMünchenDeutschland

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