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Richtlinien für den Bau großer Elektrizitätswerke

  • G. Klingenberg

Zusammenfassung

Der jeweilige Belastungszustand öffentlicher Elektrizitätswerke ist als eine gegebene und im voraus ziemlich genau bekannte Größe anzusehen, die durch den Bedarf der angeschlossenen Stromverbraucher festgelegt ist. Auch die Geschwindigkeit des Überganges von einer Belastungsstufe zur andern ist somit im voraus bekannt, sie geht aus der Belastungskurve hervor, die sich in der Regel von einem Tag zum andern (abgesehen von Feiertagen) nur wenig ändert; ihre Form hängt von der Eigenart des Verbrauches und von der Jahreszeit ab, ihr Verlauf zeigt auch zu gleichen Zeiten aufeinanderfolgender Jahre meist nur unwesentliche Verschiebungen. Einsichtige Betriebsleiter haben längst erkannt, daß durch Umgestaltung der Kurve große wirtschaftliche Vorteile zu erlangen sind und demgemäß durch geschickte Tarifbildung ständig auf ihre Verflachung hingearbeitet; bahnbrechend sind in dieser Hinsicht die Oberschlesischen Elektrizitätswerke (Tarif von Agthe) zuerst vorgegangen. Die durch Änderung der Kurve erzielbaren wirtschaftlichen Vorteile sind größer als die mit irgendwelchen andern technischen Mitteln erreichbaren, sie verdienen deshalb besondere Beachtung. (Über das Maß der erreichbaren Verbesserung geben die an späterer Stelle durchgeführten Rechnungen Aufschluß.)

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Referenzen

  1. 1).
    Einer der unter 2 und 3 genannten Begriffe genügt zur Charakterisierung der Belastungs-verhältnisse : In Deutschland hat sich der Begriff der Benutzungsdauer eingebürgert, während in England allgemein mit dem Belastungsfaktor gerechnet wird.Google Scholar
  2. 2).
    Der Begriff „Ausnutzungsfaktor“ findet sich mehrfach in der Literatur, es wird ihm jedoch eine andere Bedeutung beigelegt : vielfach wird das Verhältnis des Zentralenmaximums zur installierten Leistung damit bezeichnet, andere benutzen diesen Ausdruck an Stelle des Belastungsfaktors; manchmal wird auch das Verhältnis des Zentralenmaximums zur installierten Leistung, abzüglich der Reserven, darunter verstanden. Obige Definition ist deswegen zweckmäßig, weil wirtschaftliche Rechnungen nur nach dieser einwandfrei durchgeführt werden können. Es empfiehlt sich also, den Begriff „Ausnutzungsfaktor“ durch obige Definition ein für allemal festzulegen.Google Scholar
  3. 3).
    Der Betriebszeitfaktor ist eine neu definierte Größe, deren Einführung sich in wirtschaftlichen Rechnungen als nützlich erweist, weil sie mit größerer Genauigkeit durchgeführt werden können. Aus der Statistik bestehender Elektrizitätswerke läßt sich der Betriebszeitfaktor ohne weiteres festellen, weil die Maschinenbetriebsstunden ohnehin registriert zu werden pflegen. Für Projekte ist der Betriebszeitfaktor aus dem angenommenen Konsumdiagramm zu ermitteln, seine Größe wird wesentlich beeinflußt durch die Zahl von Maschinensätzen, die z. Zt. des Maximums gleichzeitig laufen müssen. Bei der üblichen Voraussetzung, daß in einem Elektrizitätswerke mindestens ein voller Maschinensatz größter Leistung als Reserve vorhanden sein muß, ergibt sich eine weitere Eingrenzung des Betriebszeitfaktors durch die Tatsache, daß mindestens ein Maschinensatz gleichzeitig steht. Sind in einem Elektrizitätswerk im ganzen nur zwei Maschinensätze vorhanden, so wird der Betriebszeitfaktor 0,5; sind drei Maschinensätze vorhanden, so ist der Betriebszeitfaktor größer als 0,33 und kleiner als 0,67, bei vier Maschinensätzen ist er größer als 0,25 und kleiner als 0,75 usw.; außerdem kann er nie kleiner als der Belastungsfaktor werden.Google Scholar
  4. 1).
    Aussichtsvoll erscheint es, den konstanten Teil der Jahresbelastung mit möglichst ökonomisch arbeitenden Betriebsmitteln zu erzeugen, für den variablen Teil hingegen vorzugsweise auf geringes Anlagekapital zu sehen (Spitzenzentralen). Eine Kombination von Gasmaschinen bzw. Dieselmotoren mit Dampfturbinen oder von Wasserkraftanlagen mit Dampfzentralen wird sich aus diesem Grunde in manchen Fällen empfehlen. Für die Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn sind zwei Kraftwerke geplant, wovon das eine auf einer Braunkohlengrube gelegen und für die durchlaufende gleichmäßige Belastung bestimmt ist, während das andere mit Steinkohlen betrieben zur Deckung der Spitzen in Berlin errichtet wird.Google Scholar
  5. 1).
    Die einzige Ausnahme bilden Niederdruck-Wasserkräfte ohne Akkumulierung, da das Wasser bei schwacher Belastung ohnehin unbenutzt abfließt. Dagegen sind für Wasserkraftanlagen mit Hochdruckakkumulierung die gleichen Gesichtspunkte wie für Dampfanlagen maßgebend.Google Scholar
  6. 1).
    Die Einführung des Betriebszeitfaktors für die wirtschaftliche Rechnung der Kesselanlage ist nicht von so wesentlichem Einfluß auf das Resultat wie für die der Maschinenanlage, weil die Zahl der Kessel in großen Anlagen stets erheblich höher ist als die Zahl der Maschinensätze. Je größer aber die Zahl der Kessel, desto mehr nähert man sich dem idealen Zustande, daß nur gut belastete Kessel im Betriebe sind. Man begeht deshalb keinen großen Fehler, wenn man den Betriebszeitfaktor in der Berechnung solcher Kesselanlagen nicht berücksichtigt und die Anheizverluste in den Wirkungsgrad einbezieht. Das ist auch in nachstehend durchgeführter Rechnung geschehen.Google Scholar
  7. 1).
    Mit einem Kessel nach Abb. 11 der Firma Jacques Piedboeuf wurden Anfang Oktober 1912 Abnahmeversuche gemacht. Der Kessel wurde im Betriebe geprüft, ohne hierfür besonders vorbereitet zu sein. Da die zugehörige Dampfturbine [auf Straßenbahnbetrieb arbeitet, schwankte die Belastung in den Grenzen von 11000 kg bis 15500 kg, entsprechend einer durchschnittlichen Belastung der Heizfläche von 31,5 bis 44,5 kg pro qm. Dem Versuchstage war ein ca. 1000 stündiger ununterbrochener Betrieb vorangegangen.Google Scholar
  8. 1).
    Siehe Eberle, „Zeitschr. d. Ver. Deutsch. Ing.“ 1908, S. 481.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1913

Authors and Affiliations

  • G. Klingenberg

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