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Beeinflussung des Denkens und Handelns durch das Sprechen (pseudoideatorische Apraxie)

Zusammenfassung

Sobald man sich klargemacht hatte, daß auch Störungen im Bereiche des dem Handeln vorangehenden Psychischen zu solchen apraktischer Art führen, konnte auch schon als feststehend angenommen werden, daß sich diese apraktischen Erscheinungen in der verschiedenartigsten Weise darstellen würden. Es wird das namentlich klar, wenn man in dem Schema der Zweckhandlung der relativ einfachen Form des zuführenden und abführenden Schenkels die kaum auszudenkende Kompliziertheit der Verbindung zwischen diesen beiden Schenkeln als das Bereich des Psychischen gegenüberstellt. Derselbe Gedankengang ließ es überdies schon theoretisch als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß auch solche Störungen, die nicht einmal unmittelbar mit dem „Handeln“ in Beziehung standen, indirekt dieses doch so beeinträchtigen könnten, daß es zu dem käme, was als Pseudoapraxie bezeichnet werden müßte. Eine solche Störung ist die von mir eingehender dargelegte Pseudoapraxie aus Perseveration.

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Referenzen

  1. 1).
    Einen ersten Hinweis auf die Entstehung apraktischer Erscheinungen aus „Verdenken“, enthält schon meine Schrift: Studien über motorische Apraxie 1905, S. 7.Google Scholar
  2. 1).
    Begreiflicherweise sind einschlägige Beobachtungen auch sonst schon gemacht worden ; sie wurden aber in Rücksicht ihrer von der Perseveration differenten Grundlagen nicht entsprechend gewürdigt. So berichtet S. A. K. Wilson (Brain P. 121. 1908, S. 186) von einem Kranken, der an der Anwendung eines Schuhhakens perseveriert und dieselbe bei Messer und Zündholzschachtel mit den Worten motivierte: „Ich denke das ist für Schuhe.“ Vgl. dazu eine dem richtigen Sachverhalt sich nähernde Deutung bei Wilson (l.c. S. 192).Google Scholar
  3. 1).
    Daß die Suggestion dem nahestehende Wirkungen in Form von Erinnerungs-fälschungen, Konfabulation, zeitigt, braucht nur angemerkt zu werden. Vgl. dazu insbesondere die dort zitierte Selbstbeobachtung von S tratton (Psychol. Rev. 4, 347. 1897) über die Wirkungen bei durch längere Zeit fortgesetztem Sehen durch umkehrende Linsen.Google Scholar
  4. 1).
    Vgl. dazu ein später mitgeteiltes Examen mit einer schwer dementen Frau präseniler Genese.Google Scholar
  5. 1).
    Zur Entschuldigung dafür, daß der Umfang dessen, was hier den Auseinandersetzungen Gomperz’ entnommen wird, ein beträchtliches Maß erreicht, muß es dienen, daß es sich dabei um Dinge handelt, die bisher in der Sprachpsychologie überhaupt keine Berücksichtigung gefunden und deshalb auch bei Dittrich einen breiten Raum einnehmen, daß weiter ein Teil des Gebrachten unmittelbar als Anknüpfungspunkt für die Deutung der hier diskutierten pathologischen Tatsachen dienen wird.Google Scholar
  6. 1).
    Gomperz, a. a. O. S. 61 f.Google Scholar
  7. 1).
    Die scholastischen, vonGomperz auch historisch verfolgten Wurzeln der hier zur Darstellung gebrachten Distinktionen lassen sich nicht verkennen und das mag vielleicht noch mehr dazu beitragen, daß ihre Aufnahme in den Kreis pathologischer Erwägungen von manchen abgelehnt wird. Man wird dem wohl entgegenhalten dürfen, daß O. Dittrich wichtige Teile seiner sprachpsychologischen Probleme auf jene Distinktionen stützt, woraus schon ohne weiteres die Verwertbarkeit derselben auch für pathologische Tatsachen erhellt. (Vgl. ähnliche Distinktionen betreffend Tatbestand, Auffassung und Bedeutung bei J. Haas, Grundlagen der französischen Syntax 1912, S. 16 und in einem Lehrbuch für Philologen, Blümel, Einführung in die Syntax 1914, S. 100). Im übrigen glaube ich durch die hier davon gemachte Nutzanwendung den Widerstand gleichfalls als unberechtigt erweisen zu können.Google Scholar
  8. 1).
    Die obenstehende Gomperz-Dittrich entnommene Bezeichnung der in einer Aussage zu unterscheidenden Gebrauchsweisen dürfte ohne weiteren Kommentar verständlich sein; nur bezüglich der, wie Gomperz anführt, einem metaphysischen Sprachgebrauche entnommenen Bezeichnungen begriffliches Wesen, Essenz der Dinge, wird sein Kommentar hierher zu setzen sein (1. c. S. 73): „Dieselbe Gruppe logischer Bestimmungen, die den Inhalt des Begriffes ,ein fliegender Vogel’ darstellt, bildet auch das begriffliche Wesen oder die Essenz aller wirklichen und gedachten fliegenden Vögel.„Google Scholar
  9. 1).
    „Auf Grund neuerer einschlägiger Beobachtungen bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß es sich dort sowohl wie hier um eine vollständige, durch das Stimulieren nur noch gesteigerte Fesselung der Aufmerksamkeit durch den Wortbegriff handelt. Absorbiert dieser (ich korrigiere hier aus formalen Gründen das Zitat) in etwas die Aufmerksamkeit des Kranken, apperzipiert er bei allem Suchen den ihm hingehaltenen Gegenstand nicht.“Google Scholar
  10. 2).
    Eine sehr interessante Parallele zu dem hier Besprochenen aus der Entwicklungspsychologie bringt Dewey (How we think, London o. D., p. 171) bei: „The physical or direct sense excitation tends to distract attention from what is meant or indicated. Almost every one will recall pointing out to a kitten or puppy some object of fool, only to have the animal devote himself to the hand pointing, not to the thing pointed at“. Jedem Psychiater dürften vom Examen dementer oder benommener Kranker ganz gleiche Beobachtungen zur Verfügung stehen.Google Scholar
  11. 1).
    Der betreffende Ausschnitt aus dem Examen des senil dementen Kranken lautet : (Wie geht es ihnen?) Ich möchte um Entlassung nach Hause bitten. (Zu wem nach Hause?) Zur Schwester. (Sie waren doch bei der Tochter!) Ja, bei der Tochter. (Warum sagen Sie also Schwester?) Es ist nicht meine Tochter. (Wieso nicht Ihre Tochter?) Sie ist die Tochter der Mutter. (Was war ihre Mutter zu Ihnen?) Meine Mutter. (Nein, Ihre Frau!) Die Deutung lautete: „Pat. hat mit ,Muttern’ bis zu ihrem kürzlich erfolgten Tode bei der Tochter gewohnt, das ,zu Hause’ ist eng mit ,Muttern’ (der Mutter seiner Tochter) verknüpft, zu Hause ist aber die Tochter der Mutter, also seine Schwester.“Google Scholar
  12. 2).
    „Die Eigenart dieser Relation wird uns etwas näher gebracht werden, wenn wir solche Fälle betrachten, in denen gleiche Aussagelaute verschiedene Ausageinhalte ausdrücken. Man vgl. z. B. die Lautgruppe ,Breit’ in dem deutschen Satze: ,Diese Straße ist breit’ mit derselben Lautgruppe in dem englischen Satze: ‚The morning was bright‘; das Wort Tor als Namen für die Haustüre mit demselben Worte Tor als Namen für einen törichten Menschen.“ G. gibt noch andere Beispiele. Bei jedem solchen AuffassungsWechsel überzeugt man sich davon, daß die einander ablösenden Bedeutungen nicht etwas sind, was dem Wortklang bloß äußerlich anhinge — so daß dieser nur ein Prädikat gegen ein anderes eintauschte, im übrigen aber dieselbe Aussage bliebe. Vielmehr tritt bei solchem Wechsel an die Stelle der einen Aussage eine andere Aussage, die sich nur in denselben Wortklang wie jene kleidet. „Hof mann und Hof mann sind nicht gleiche Aussagen mit verschiedenen Eigenschaften, sondern es sind verschiedene Aussagen, die nur gleich klingen.“Google Scholar
  13. 1).
    Vgl. dazu auch das zuvor nach Stout Zitierte.Google Scholar
  14. 2).
    Nachdem das Vorstehende niedergeschrieben, kommt mir in einer Arbeit noch ein weiterer, ebenfalls mit der Dissoziation der dem Objekte zugewendeten Aufmerksamkeit zusammenhängender Gesichtspunkt zur Kenntnis, den ich im Zitat hierhersetze, weil seine Anwendung auf unser Thema sich von selbst ergibt. Langfeld sagt in einer Arbeit über die Vorstellungen (Psych. Rev. May 1916, S. 189): „Our interests are directed toward whate can do with an object or how we respond to it (hier zitiert L. Judd, Psychol. S. 258). The objects themselves, from the fact that hey are mere cues, remain for the most part in the margin of attention while the reactions occupy the fovea. It is the dreamer, the non-practical man, the man out of touch with his surroundings, for whom visions occupy the center of attention.“Google Scholar
  15. 1).
    E. Dürr, Die Lehre von der Aufmerksamkeit, S. 180. 1907. „Dagegen spricht man von einem fixierenden und einem fluktuierenden Aufmerksamkeitstypus und meint damit zwei Gruppen von Individuen, von denen die einen beim Erfassen eines größeren Ganzen zunächst die einzelnen Teile mit maximaler Klarheit und Deutlichkeit durch sukzessive Akte konzentrierter Aufmerksamkeit sich zum Bewußtsein bringen, während die andern von Anfang an das Ganze zu überschauen bemüht sind und nur innerhalb des gleichzeitig Beachteten bald diesenbald jenen Bestandteil noch besonders bemerken.“Google Scholar
  16. 2).
    E. D ürr, Die Lehre von der Aufmerksamkeit, S. 181 : „... daß die elementaren Verschiedenheiten der Aufmerksamkeitsdisposition nach unserer Auffassung vom Wesen der Aufmerksamkeit nur beruhen können erstens auf einer verschiedenen Erregbarkeit der den Bewußtseinsfunktionen zugeordneten Partien des Zentralorgans bei verschiedenen Individuen (vielleicht auch darauf, daß die einzelnen Zentren bei einem und demselben Individuum nicht gleichmäßig erregbar sind und daß die Erregbarkeitsverteilung von Individuum zu Individuum variiert), sodann auf verschiedener Beeinflußbarkeit sich abspielender psychophysischer Prozesse,. ferner auf verschiedener Bahnungsfähigkeit des Nervensystems, bzw. einzelner Teile desselben und endlich auf verschiedener Ermüdbarkeit für alle oder für einzelne psychophysische Prozesse.“Google Scholar
  17. 1).
    Natürlich werden uns die eben geäußerten Bedenken nicht abhalten können, etwaige aus der Pathologie des Falles selbst zu schöpfende Momente für die Deutung der Erscheinungen im allgemeinen zum Gegenstande von Erörterungen zu machenGoogle Scholar
  18. 1).
    Vgl. dazu z. B. die Episode aus einem Examen (Monatsschr. f. Psych. 144, Nr. 37), wo der Kranke nach der Uhr, auf die hingewiesen wird, gefragt wird.Google Scholar
  19. 2).
    L. J. Martin, Psychol. Rev. July 1915, S. 253, „if they (sc. the images) are not of such a character that they can be used directly in the intellectual work ... or as points of departure for conscious thinking along the desired line, they must be an interruption and even a hindrance in the continuing of such thinking.“ Vgl. auch G. H. Betts The distrib. and funct. of mental Imagery New-York 1909, S. 96).Google Scholar
  20. 1).
    Bei der seither erfolgten Sektion fand sich der angenommene Herd nicht. Es bedarf wohl keines Beweises, daß die an die Annahme eines solchen geknüpften Erwägungen soweit sie die besprochenen Erscheinungen betreffen, einer wesentlichen Modifikation nicht bedürfen, vielmehr auch mit der Annahme einer Atrophie in Einklang zu bringen sind.Google Scholar
  21. 1).
    Man wird in diesem Zusammenhange auch der mit Tatsachen der Pathologie übereinstimmenden Feststellung gedenken können, daß das Blickfeld der Aufmerksamkeit in der Ermüdung verengt ist (s. Scheinermann, Archiv f. d. ges. Psych. 33, 34).Google Scholar
  22. 1).
    Oder vielleicht besser Katachrese. Ziemer (Junggramm. Streifzüge 1882, S. 52): „Eine Redefigur, ein Bild wird nicht ausgeführt, weil ein ganz anderes sich in das Bewußtsein drängt.“Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1918

Authors and Affiliations

  • A. Pick

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