Advertisement

Zusammenfassung

M. D. u. H.! Es ist ein bedrückendes Gefühl, in weiten Kreisen des Volkes die skeptische Meinung zu hören, dass die Behandlung der Kranken dem Einfluss der Mode, der wechselnden Zeitstimmung ebenso unterworfen sei, wie so vieles in unserem öffentlichen Leben. Wir lassen diese Meinung zwar nicht gelten; und doch wird man nachdenklich gestimmt bei dem Gedanken, den leidenden Menschen im Pendelgang gegensätzlicher Grundhaltungen des medizinischen Denkens häufig wechselnden Behandlungsformen ausgesetzt zu sehen, die im Kontrastbedürfnis weltanschaulicher Einstellung ihre letzte Ursache haben könnten. Psychotherapie ist ein Lieblingsproblem unserer Zeit. Vor Jahresfrist (17.–19. April 1926) tagte in Baden-Baden der I. Kongress für Psychotherapie während dreier Tage; er war von mehr als 500 Ärzten besucht1); und in Nauheim wird am 28. April 1927 die zweite Tagung des gleichen Kongresses stattfinden mit grossem Arbeitsprogramm und wohl unter gleich reger Beteiligung. Lehrbücher der Psychotherapie schiessen wie Pilze aus der Erde, darunter vortreffliche Werke, deren Studium fördert und schult2). Führende Männer der psychotherapeutischen Bewegung, vor allem Freud und Adler werden als die Urheber einer tieferen Einsicht in Zeit und Welt begeistert gepriesen. Freud, der von sich selber das stolze Wort sprach, er habe „am Schlaf der Welt gerührt“, wird in die Nähe der ganz Grossen, eines Kopernikus und Keppler, eines Kolumbus und Darwin gerückt. Mitleidiges Lächeln gleitet von den Verkündern der neuen Lehren hinüber zu den angeblich rückständigen Vertretern der „Schul“- oder „Staatsmedizin“. Sie zweifeln, ob unsere Rückständigkeit mehr eine Erscheinung des Alters sei oder eine Schwäche der Eitelkeit, weil die Bewegung ausserhalb akademischer Forschungsarbeit hochkam, oder ob unsere Seelenblindheit auf eigene affektive Komplexe zurückgeführt werden müsse. (Stekels „analytisches Skotom“3). Was noch vor wenigen Jahren grosse Leistung schien, etwa das Lebenswerk eines Wilhelm Wundt oder die physikalisch-chemischen Ergebnisse dreier Generationen fleissiger Forscher — all dies wird da und dort geringschätzig beiseite gelegt, ja selbst als schädlicher Irrweg gedeutet. Die Handbücher ärztlicher Wissenschaft, diese Zeugnisse deutscher Gründlichkeit, wurden als „Grabsteine einer vergangenen Zeit“, die „Zentralblätter“ als „Jauchegruben des menschlichen Geistes“ der Verachtung preisgegeben. Mit flammenden Worten wurde die Jugend ermuntert, sich den neuen Aufgaben zuzuwenden1).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1).
    Soeben erschien im Verlag von Carl Marhold (Halle): Psychotherapie. Bericht über den I. Allgemeinen ärztlichen Kongress für Psychotherapie in Baden-Baden, herausgegeben von Wladimir Eliasberg. 1927.Google Scholar
  2. 3).
    Nach Stekel ist jeder Arzt für diejenigen Komplexe der Kranken seelenblind, an denen er selbst leidet. Der tüchtige Seelenarzt muss komplexfrei sein. Ähnlich sagte Bjerre in Baden-Baden 1926: „Man kommt nie weiter in der Erlösung eines Anderen als man in der Selbsterlösung gekommen ist.“Google Scholar
  3. 1).
    Sigerist im Prämedicus der D. med. W. Nr. 7, 1927.Google Scholar
  4. 2).
    Vgl. auch Hans Much, Hippokrates der Grosse. 1926.Google Scholar
  5. 1).
    Ich rate jedem, der die Ergebnisse der letzten 50 Jahre in dér Medizin hyperkritisch unterwertet, die Rektoratsrede von Fr. v. Müller: „Spekulation und Mystik in der Heilkunde“ (München 1914) aufmerksam zu studieren. Er wird dann gerechter urteilen. Vgl. auch L. v. Krehl: „Über Standpunkte in der inneren Medizin.“ M. med. W. 1926. Prinzhorn (Psychologie und Medizin II, 2. S. 81 ff.) wendet sich in scharfen Worten dagegen, dass man einen Gegensatz zwischen der naturwissenschaftlichen Ausbildung und Denkweise und der modernen psychologischen Einstellung herstelle. Der solide Psychotherapeut behandle mit allem Respekt und aller Sorgfalt sowohl die klinische Methodik als auch die pathologisch-anatomische Systematik und wünsche nur ebensoviel sachliches Interesse und Rücksicht auf jener Seite zu finden. Dies ist auch sicherlich der richtige Standpunkt.Google Scholar
  6. 2).
    Über den Begriff der „Heilung“ s. O. Veraguth, Die Kennzeichen der Heilung durch Psychotherapie. Schweiz. med. W. 1925 Nr. 35. Dort lesen wir: „Nicht Arbeitsfähigkeit, sondern eine persönliche Einstellung zur Arbeit, nicht Genussfähigkeit, sondern eine persönliche Einstellung zum Lebensgenuss, nicht Anpassung an die Anforderungen des Lebens, sondern die von der eigenen gesteigerten Persönlichkeit diktierte Wahl zwischen Sichanpassen und Sichwehren, so scheint mir die Formel vollständig zu sein für die notwendigen Kriterien der Heilung durch Psychotherapie“. Ein Wort von Th. Ziehen: „Ohne Psychotherapie flickt man Schuhe oder inokuliert man Pflanzen, heilt aber keinen empfindenden und vorstellenden Organismus, wie ihn der Mensch doch nun einmal vorstellt.“ Charcot schrieb eine Abhandlung mit dem Titel: „La foi qui guérit.“ „Was zu einer Zeit Erfolg hat, ist charakteristisch für die Menschen dieser Zeit“, sagt Jaspers in seiner Psychopathologie.Google Scholar
  7. 1).
    Gute Ausführungen hierüber bei Wittels: Die Technik der Psycho-analyse. J. F. Bergmann, München 1926.Google Scholar
  8. 2).
    Vgl. zum folgenden vor allem das geistvolle Handbuch von Oswald Schwarz: Psychogenese und Psychotherapie körperlicher Symptome. Wien 1925. Dort auch ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis. (Mitarbeiter: O. Schwarz, P. Schilder, J. Bauer, R. Allers, Th. Höpfner, L. Braun, R. Heyer, J. Strandberg, A. Mayer, C. Pototzky. )Google Scholar
  9. 3).
    Vgl. das grosse Werk von Friedrich Kraus: Allgemeine und spezielle Pathologie der Person. Syzygiologie. Allgemeiner Teil 1919. Besonderer Teil. I. Die Tiefenperson. 1926.Google Scholar
  10. 1).
    Auf die Organsysteme, mittels deren das Seelische auf den Körper und dieser auf die Seele wirkt (Nervensystem, Blutdrüsensystem), kann in diesen kurzen grundsätzlichen Vorbemerkungen nicht eingegangen werden. Beide stehen in enger, aber noch wenig bekannter Wechselwirkung unter-einander.Google Scholar
  11. 2).
    Kronfeld formuliert: „Wer seinem seelischen Wesen nach seinen Lebensanforderungen schlecht angepasst ist, wer objektiv im Leben und am Leben versagt, und wer subjektiv am Leben oder an sich selber leidet, der wird in unserer gegenwärtigen Zivilisation — gleichviel ob mit Recht oder mit Unrecht — ärztlicher Hilfe und Einwirkung bedürftig.“ (Psychotherapie S. 11.)Google Scholar
  12. 1).
    Hier eine kurze Bemerkung: Die seelische Beeinflussbarkeit eines Leidens beweist an sich noch gar nicht, dass es rein psychogen ist. Darauf hat Heyer mit Recht hingewiesen. (Das körperlich-seelische Zusammenwirken in den Lebensvorgängen. J. F. Bergmann, München 1925.)Google Scholar
  13. 2).
    Leider verbot mir der Mangel an Zeit auf die theoretischen Fragen des Wesens der Hypnose, der Autohypnose und vor allem auf das Kern-problem der Suggestion einzugehen. Ich verweise auf das Buch von Erwin Strauss:. Wesen und Vorgang der Suggestion, Berlin 1925 und auf die Züricher Tagung des Schweizer Vereins für Psychiatrie mit den Referaten von Janet, Forel und Strauss im November 1926.Google Scholar
  14. 1).
    Trieb“ ist nach einer Definition von Freud ein Grenzbegriff zwischen Seelischem und Somatischem, der psychologische Repräsentant der aus dem Körperinneren stammenden, in die Seele gelangenden Reize, ein Maß der Arbeitsanforderung, die dem Seelischen infolge seines Zusammenhangs mit dem Körperlichen auferlegt ist. (Kleine Schriften IV.) Freuds gesammelte Schriften sind in 11 Bänden 1924/25 im inter-nationalen psychoanalytischen Verlag in Wien erschienen.Google Scholar
  15. 2).
    Kretschmer: Zur Kritik des Unbewussten. Zschr. f. d. ges. Neur. u. Psych. 46, 368 ff. E. Bleuler: Über unbewusstes psychisches Geschehen, ebenda 64, 122. Bumke: Das Unterbewusstsein. Berlin 1922.Google Scholar
  16. 1).
    Richtig sagt Kronfeld, dass wir nicht wissen, „ob dasjenige, was nicht in unmittelbarer Weise gegeben ist und doch in irgendeiner Beziehung zum Erleben steht, ob also dies ,Unbewusste‘ seinerseits etwas Seelisches ist, welches wir völlig nach Analogie des Erlebens selber erfassen müssen, oder ob es etwas Seelisches ist, über dessen Art wir nur begrifflich etwas ausmachen können, eben weil es uns nicht bewusst gegeben ist, oder ob es nur in zerebralen Spuren besteht. Hierüber ist erlaubt Theorien zu machen, wie sie dem Weltbilde des einzelnen am ehesten entsprechen.“ (Psycho therapie, S. 7.)Google Scholar
  17. 2).
    Auf die sehr umfangreiche Literatur über dieses alte Problem kann hier nicht eingegangen werden. In dem Schwarzsehen Buch (1. c.) findet der Leser genauere Hinweise.Google Scholar
  18. 3).
    A. M ä d e r hat in seiner Schrift „Psychoanalyse und Synthese“ betont, dass die Psychoanalyse „die Prägung des jüdischen Geistes und wahrscheinlich auch des Genius loci trage“. In Zürich habe sie, der Schweizer Geistesart entsprechend, eine neue Gestalt angenommen. Mader nennt Freud einen überzeugten Verteidiger eines Amoralismus. Zweifellos trägt das Gedankensystem Freuds Züge einer scharfsinnigen Dialektik und analytischen Zerlegung komplizierter seelischer Tatbestände und es mag dies, wie auch bei A. Adler, mit der jüdischen Seelenstruktur zusammenhängen, — dies natürlich rein sachlich und wertungsfrei genommen. Prinzhorn betont in seinem „Gespräch über Psychoanalyse“ Freuds Vorliebe für Aus-drücke aus der Kaufmanns- und Banksprache (Lustgewinn, Lustprämie, ein Libidobetrag wird konvertiert, ein Affektbetrag wird verschoben). Michaelis sieht in Freuds ganzer Stellung zum Leben viel Enttäuschung und Ressentiment. Ich glaube, er sieht darin richtig. Dieses Ressentiment mag auch teilweise in seinem Judentum wurzeln. Ist sich der aggressive Antisemitismus unserer Tage darüber klar, welchen Schaden er — ohne es zu ahnen und zu wollen — der Kultur zufügt, wenn er die geistigen und affektiven Kräfte weiter Kreise des Judentums so mit Ressentiment anfüllt, dass sie die angeborene Neigung zu dialektischer Zersetzung der seelischen Vorgänge im Sinne einer Entwertung der Kultur verwenden und oft mit Hohn und Hass eine Gesellschaft bedrohen, der sie viel Grosses und Gutes liefern könntenGoogle Scholar
  19. 4).
    Juliusburger: Schopenhauer und die Psychotherapie der Gegenwart. 14. Jahrb. der Schop.-Gesellsch. 1927.Google Scholar
  20. 5).
    Bei Gustav Strindberg finden wir („Wetterleuchten“) den Satz: „Übrigens war die Begegnung so aufregend für mich, dass ich sie ganz ver-gessen habe.“ Strindberg kennt also noch eine andere Quelle des Vergessens affektiv wichtiger Vorkommnisse, als die Verdrängung peinlicher Erlebnisse.Google Scholar
  21. 1).
    So schreibt Freud (Vorlesungen zur Einführung in die Psycho-analyse 1922, S. 425): „Nun, die Überraschung liegt darin, dass diese Infantilszenen nicht immer wahr sind. Ja, sie sind in der Mehrzahl der Fälle nicht wahr und in einzelnen Fällen im direkten Gegensatz zur historischen „Wahrheit“. Er gibt dann zu, dass diese Feststellung geeignet sei, „entweder die Analyse zu diskreditieren“ oder die Kranken, „auf deren Aussagen die Analyse wie das ganze Verständnis der Neurosen aufgebaut ist“. Ein solches Eingeständnis zwingt doch zu äusserster Skepsis gegenüber den „Kindheits-erlebnissen“.Google Scholar
  22. 2).
    Freud unterscheidet in späteren Schriften auf den Einwand der Kritik die „Sexualität“ als weiteren Begriff von der „Genitalität“ und will damit viele Einwände gegen seinen Pansexualismus erledigen.Google Scholar
  23. 3).
    Hier ein feines Wort von Goethe: „Wie sich denn alles behaupten lässt, wenn man sich erlaubt, die Worte ganz unbestimmt, bald in weiterem, bald engerem, in einem näher und ferner verwandten Sinn zu gebrauchen und anzuwenden.“Google Scholar
  24. 1).
    Gute Ausführungen hierüber bei Kroufeld, Psychotherapie S. 128 ff.Google Scholar
  25. 2).
    Dabei glaubt der Analytiker mit einem bei dem skeptischen Freud oft schwer verständlichen Optimismus, der neurotische Mensch (oder der künftige Psychoanalytiker in der geforderten Selbstanalyse) verrate seine letzten und tiefsten Erlebnisse. „Jede Meinung ist auch ein Versteck, jedes Wort auch eine Maske.“ (Nietzsche.)Google Scholar
  26. 1).
    Ausser auf die Werke Freuds sei namentlich verwiesen auf den Abschnitt „Psychoanalyse und verwandte Methoden“ von Hans v. Hattingberg in Birnbaums Buch über die psychischen Heilmethoden. (G. Thieme, Leipzig 1927.)Google Scholar
  27. 2).
    Wittels (1. c.): Zur Psychoanalyse geeignet sind alle Krankheiten, die eine Übertragung auf den Arzt zulassen.Google Scholar
  28. 3).
    Die Einreihung vieler nervösen und psychopathischen Zustände unter die Entwicklungsstörungen seelischer Art (Entwicklungshemmungen) hat Kraepelin betont und begründet. Der Überbewertung des Sexuellen stand er ferne.Google Scholar
  29. 1).
    Michaelis verweist auf einen Roman des grossen Seelenkünders Dostojewski („Der Jüngling“), wo es heisst: „Als ich meine Aufzeichnungen beendet und die letzte Zeile niedergeschrieben hatte, fühlte ich plötzlich, dass ich mich selbst eben durch das nochmalige Durchleben der Erlebnisse, indem ich mir alles ins Gedächtnis zurückrief und mir vergegenwärtigte und dann noch niederschrieb, — dass ich mich eben dadurch zu einem anderen Menschen erzogen habe.“Google Scholar
  30. 2).
    Der „latente Trauminhalt“ wird durch die „Traumarbeit“ des Schläfers in den manifesten Trauminhalt umgewandelt, dieser in der Traum-deutung mittels der Technik der Symbolübersetzung und der Verwertung von Einfällen in seinem wahren Sinne erkannt. Grundlegend das Werk von Freud über den Traum (1900).Google Scholar
  31. In der Bewertung und Deutung der Träume unterscheidet sich Freuds Schüler Herbert Silberer wesentlich von seinem Meister; er kennt auch eine „anagogische“ Deutung der Träume. (H. Silberer, Der Traum, 1920).Google Scholar
  32. 3).
    S. Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. 7. Aufl. 1920.Google Scholar
  33. 4).
    Michaelis nennt die drei Freudschüler Silberer, Schrötter und Tansk; Prinzhorn weist auf den Selbstmord des hochbegabten A. Seidel hin, der das Buch „Bewusstsein als Verhängnis“ schrieb.Google Scholar
  34. 1).
    In „Das Ich und das Es“ (1923) übernimmt Freud im Anschluss an das Buch von Groddeck einen alten Gedanken von Nietzsche, für den das „Es“ das Unpersönliche und gewissermaßen Naturnotwendige im menschlichen Wesen darstellt. Im Es regiert das Lustprinzip, im Ich das Realitätsprinzip. Im Ich wirken Vernunft und Besonnenheit, im Es walten die Leidenschaften.Google Scholar
  35. 2).
    Unter Jungs zahlreichen Arbeiten seien besonders erwähnt: Diagnostische Assoziationsstudien 1906. Der Inhalt der Psychose 1906. Psychologische Typen 1921. Wandlungen und Symbole der Libido. Jahrb. der analyt. Forschui g 3. u. 4. Analytische Psychologie und Erziehung 1924.Google Scholar
  36. 3).
    Veraguth teilt den Lebenstrieb (élan vital) in zwei Hauptformen ein: 1. Den Trieb zur Erhaltung und 2. den Trieb zur Entwicklung. Beide sind sich gegenseitig so verwandt und gegenseitig so feind, wie zwei Aste, in die sich ein Baum teilt. Beide sind sie eines Stammes. Was aber dem einen an Kraft zukommt, entgeht dem anderen. Der Trieb zur Erhaltung hat zwei Unterformen: a) Trieb zur Erhaltung des Individuums, b) Trieb zur Erhaltung der Art. Analog auch beim Entwicklungstrieb. Der Neurotiker leidet, weil eine unrichtige Verteilung seines Lebenstriebes in den vier Teilkanälen herrscht oder in seiner Vergangenheit geherrscht hat. (Die Kennzeichen der Heilung durch Psychotherapie 1925, Nr. 35.) Kronfeld definiert Triebe als „den unmittelbaren, vor allem Bewusstsein vorhandenen seelischen Ausdruck von Bedürfnissen der Gesamtorganisation“. Sie sind „etwas psychologisch Letztes, nicht weiter Zurückführbares“. „Hier sind wir an der Grenze zwischen dem Reich des Seelischen und dem auch über das Seelische souveränen Reich des psychisch-physischen Gesamtorganismus “ (Psychotherapie S. 22.)Google Scholar
  37. 2).
    In Baden-Baden sagte er 1926, seine Analyse unterscheide sich dadurch von der Freuds, dass bei dieser der Einfall des Kranken, bei Stekel der Einfall des Analytikers entscheidend sei. Zur Schnellanalyse reichen 2–3 Monate meistens aus.Google Scholar
  38. 1).
    Manchmal freilich gewinnt es den Anschein, als sei sich Freud dieser Einseitigkeit doch selbst bewusst; so, wenn er 1923 („Das Ich und das Es“) schreibt: „nicht nur das Tiefste, auch das Höchste am Ich kann unbewusst sein.“Google Scholar
  39. 4).
    Vgl. hierzu namentlich auch V. Frhr. von Weizsäcker: Seelenbehandlung und Seelenführung. Verlag v. C. Bertelsmann, Gütersloh 1926.Google Scholar
  40. 1).
    Es muss Freud, dem offenbar eine starke Suggestivkraft zu eigen ist, hoch angerechnet werden, dass er eindringlich ermahnt, man solle sich stets bewusst sein, dass alle Gefühlsbindungen des Kranken an den Arzt nicht durch dessen hervorragende Persönlichkeit bedingt sind, sondern durch seine symbolische Funktion in der Gesamtlage des Kranken. (S. auch Kronfeld 1. c. S. 119.)Google Scholar
  41. 4).
    Carl H ä b e r l i n: Grundlinien der Psychoanalyse. München 1925.Google Scholar
  42. 2).
    Vgl. auch: E. Str ansky: Direkte Psychotherapie bei Geisteskranken. Jahreskurse für ärztliche Fortbildung 1923. Maiheft.Google Scholar
  43. 3).
    Vgl. den Badener Kongressbericht 1927.Google Scholar
  44. 5).
    Es ist bemerkenswert, dass Freud in seiner Studie „Jenseits des. Lustprinzips“ (1919) anerkennt, dass die Träume der Unfallneurotiker und Kriegsneurotiker sich nicht unter den Gesichtspunkt der Wunscherfüllun bringen lassen. Sie gehorchen vielmehr dem Wiederholungszwang.Google Scholar
  45. 1).
    Die Lebensansprüche und Triebforderungen der Individualität geraten an die Umweltbedingungen wie an eine Schranke. Die Beschränkung der Individualität und die Notwendigkeit dazu wird als Konflikt mit dem Leben erlebt und verarbeitet.“ (Kronfeld 1. c. S. 12.)Google Scholar
  46. 2).
    Er selbst schrieb noch 1913: „Immer mehr erkannte ich die Macht einer vernünftigen Psychotherapie, welche darin gipfelt, den Patienten zu einer „Umwertung falscher Werte“ zu bringen. Der Weg dazu ist eine auf Geist und Gemüt wirkende Dialektik, die man als eine sokratische bezeichnen dürfte.“ ( Jahreskurse für ärztliche Fortbildung 1913, Maiheft. )Google Scholar
  47. 3).
    Serogäussert in seinem ansprechenden Aufsatz: „Prinzipien u. Methoden der Psychotherapie“ (Med. Klinik 1927 Nr.13 u. 14) eine psychogene Störung sei für eine Hypnosebehandlung um so geeigneter, je umschriebener sie in ihren Symptomen u. je akuter sie in ihrer Entstehung sei. Ich möchte dem zustimmen.Google Scholar
  48. 1).
    Auch Freud selbst sagt: „Es gibt viele Arten und Wege der Psycho-therapie. Alle sind gut, die zum Ziel der Heilung führen.“ (Über Psycho-therapie. Wien. med. Presse 1905.)Google Scholar
  49. 2).
    Freuds tiefer Pessimismus, seine Menschenverachtung, seine Leugnung eines menschlichen Triebes zur Vervollkommnung macht ihn ungeeignet zur Annahme einer psychagogischen Menschenbehandlung.,,Die Entwicklung des Menschen scheint mir keiner anderen Erklärung bedürftig als die der Tiere — ich sehe keinen Trieb zur Vervollkommnung — der Glaube daran ist Illusion.“ (Vgl. Michaelis 1c S. 43 ff.)Google Scholar
  50. 2).
    Hier sei die sehr ansprechende Arbeit von Jolowiczerwähnt: Die Persönlichkeitsanalyse. Eine vorbereitende Methode für jede Psychotherapie der Neurosen. Leipzig, G. Thieme 1926.Google Scholar
  51. 3).
    L. Frank: Affektstörungen, Studien über ihre Ätiologie und Therapie 1913 und spätere Arbeiten. B. Hahn: Die Psychokatharsis als kausale Behandlungsmethode und die Ausbildung zum Psychotherapeuten. Vortrag in Baden-Baden 1926.Google Scholar
  52. 4).
    L. Frank: Die psychokathart. Behandlung nervöser Störungen,1927.Google Scholar
  53. 5).
    Von Adlers Schriften seien hier genannt: Der nervöse Charakter. München 1923. Theorie und Praxis der Individualpsychologie 1924. Studie Tiber Minderwertigkeit von Organen 1907; neu herausgegeben 1927. Wichtig das Handbuch der Individualpsychologie 1926 von Wexberg. Bei J. F. Bergmann, Miinchen.Google Scholar
  54. 1).
    Manchmal freilich gewinnt es den Anschein, als sei sich Freud dieser Einseitigkeit doch selbst bewusst; so, wenn er 1923 („Das Ich und das Es“) schreibt: „nicht nur das Tiefste, auch das Höchste am Ich kann unbewusst sein.“Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1927

Authors and Affiliations

  • R. Gaupp
    • 1
  1. 1.TübingenDeutschland

Personalised recommendations