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Spezielle Pathologie des Knochenmarkes

  • Norbert Henning
  • Heinz Keilhack

Zusammenfassung

Kurze Zeit nach größeren Blutverlusten findet man bekanntlich im peripheren Blutbild Zeichen wie Reticulocytenvermehrung, Polychromasie, Mikrocytose usw., die als Ausdruck einer gesteigerten Knochenmarkstätigkeit gelten. Das Markbild bietet die entsprechenden Regenerationszeichen am Erythroblastenapparat. Die Quote des Erythroblastenmarkes steigt an. Man sieht zahlreiche kernhaltige Rote, die sich durch die Eigenschaft, in Gruppen zusammenzuliegen, auszeichnen. Prozentual überwiegen kleine Normoblasten mit basophilem, poly- oder orthochromatischem Protoplasma. Die Reticulocyten im Mark sind ebenfalls vermehrt. Eine absolute Erhöhung läßt sich auch bei den jungen, basophilen Makroblasten und Proerythroblasten nachweisen. Als Teilungsform überwiegt, zum mindesten im Makroblastenstadium, die amitotische. Charakteristisch sind Zellpaare, die nach erfolgter Teilung noch durch eine schmale Protoplasmabrücke miteinander verbunden sind. Unser früherer Mitarbeiter Picena hat zur zahlenmäßigen Definierung der Erythroblastenvermehrung den Begriff des „karyokinetischen Index“ eingeführt, worunter er das Verhältnis der Granulocyten zu Erythroblasten versteht. Diese Relation beträgt z. B. nach Rohr 3,28, nach Escudero und Varela 3,06, nach Picena 3,08. Fieschi gibt dagegen mit Hilfe seines karyokinetischen Quotienten an, wieviel Kernteilungen sich im Frühstadium, auf der Höhe oder im Endstadium befinden. Bei sekundären Blutungsanämien soll der karyokinetische Index nach Picena absinken, er betrug z. B. in einem Falle von Ulcusblutung 2,0. Diese Befunde gelten nach unseren Erfahrungen nicht nur für die akute Blutung, sondern auch für chronische kleinere Blutverluste, wie man sie u. a. bei Hämorrhoidalblutungen sieht. Eine Aplasie des Markes haben wir in solchen Fällen bisher nicht beobachten können. Megaloblasten kommen bei der Erythroblastenreaktion des Knochenmarkes nicht vor. Nordenson beschreibt eine Störung des Kernplasmaverhältnisses („nuclear-protoplasmic ratio“), worunter er eine mangelhafte Reifungskoinzidenz zwischen Kern und Protoplasma versteht in der Weise, daß überreife pyknotische Kerne mit unreifem Protoplasma und andererseits junge Kerne in bereits hämoglobinhaltigem Plasma auftreten. Rohr glaubt beobachtet zu haben, daß jugendliche Patienten mit stärkerer Erythroblastose als ältere Leute reagieren. Experimentell erfahren die geschilderten Befunde eine Bestätigung durch die Ergebnisse Sjövalls, der nach wiederholten Aderlässen eine Ausbreitung des roten Markes auf Fettmarkgebiete neben der beschriebenen Aktivitätssteigerung feststellen konnte.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1939

Authors and Affiliations

  • Norbert Henning
    • 1
  • Heinz Keilhack
    • 1
  1. 1.Mediz. KlinikStädt. Krankenhaus Fürth i. B.Deutschland

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