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Systembezogene Tatbestände

  • Erich Gutenberg
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE)

Zusammenfassung

Betrachtet man die Fülle an Formen, in denen sich betriebliche Leistungserstellung und -verwertung in den verschiedenen Wirtschaftssystemen vollzieht, dann zeigt sich, daß ein „Betrieb“ mehr ist als lediglich eine Kombination von Produktivfaktoren, die nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit vollzogen wird. Denn stets sind in ihm noch Elemente enthalten, die aus dem Wirtschaftssystem stammen, dem der Betrieb jeweils angehört. Die in den gesellschaftlichen und geistigen Wurzeln der Wirtschaftssysteme verankerten Tatbestände bezeichnen wir als „systembezogene“ Sachverhalte. Sie treten zu den „systemindifferenten“ Tatbeständen, dem Faktorsystem und dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit hinzu und lassen so jene Gebilde entstehen, die man Betriebe nennt. Dieses Phänomen gilt es nunmehr in der Fülle der Möglichkeiten, welche die Wirtschaftssysteme aufweisen, sichtbar zu machen und darzustellenl.

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Literatur

  1. 1.
    Hinsichtlich der ökonomischen Struktur dieser Wirtschaftssysteme sei auf W. Dicker, Die Grundlagen der Nationalökonomie, 6. Aufl., Berlin-GöttingenHeidelberg 1950 hingewiesen; ferner auf E. PaEisER, Die Zukunft unserer Wirtschaftsordnung, Stuttgart 1949. Diese Untersuchung deckt gerade die in der geistig-gesellschaftlichen Substanz der Wirtschaftssysteme wurzelnden Kräfte in behutsamer und überzeugender Weise auf.Google Scholar
  2. Preiser unterscheidet in seinem Buche „Gestalt und Gestaltung der Wirtschaft“, Tübingen 1934, zwischen natural- und sozialökonomischer Sphäre, Begriffe, die ebenfalls auf vom Wirtschaftssystem abhängige und unabhängige Tatbestände abzielen.Google Scholar
  3. 1.
    Cassel, G.: Theoretische Sozialökonomie, 5. Aufl. 1932, insbes. S. 12, S.79ff. Kromphardt, W.: Die Systemidee im Aufbau der CAssELschen Theorie. Leipzig 1927.Google Scholar
  4. 1.
    Auch als betriebswirtschaftliche Leitmaxime wird das Wirtschaftlichkeitsprinzip von H. Koch als Gewinnmaximierungsprinzip abgeleitet. Koca, H.: Das Wirtschaftlichkeitsprinzip als betriebswirtschaftliche Leitmaxime. Z. f. handelswiss. Forsch., N. F. (1951), S. 160ff.Google Scholar
  5. 2.
    Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit wird hier, wie ausdrücklich und nochmals betont sei, durchaus einzelwirtschaftlich-technisch gedacht, etwa so, wie M. R. Lehmann das Prinzip sieht und seine vielen Möglichkeiten analysiert (M. R. Lehmann, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2. Aufl., S. 17ff. u. 95ff., Meisenheim 1949). Nur wenn man das Prinzip im einzelwirtschaftlich-technischen Sinne auffaßt und versteht, kann man es zu den systemindifferenten Tatbeständen rechnen. Gibt man ihm inhaltlich eine Bestimmung, derart, daß man mit ihm „gemeinwirtschaftliche Wirtschaftlichkeit“ oder „gemeinwirtschaftliche Produktivität” meint, wie das z. B. in dem System der Dynamischen Bilanz Schmalenbachs der Fall ist (E. Schmalenbach, Dynamische Bilanz, B. Aufl., Bremen-Horn 1947, vor allem aber auch die früheren Auflagen), dann werden die Betriebe, wenn sie sich auf diese gesamtwirtschaftliche Aufgabe einstellen, einer Maxime überantwortet, die mehr besagt, als der Begriff der betriebstechnischen Wirtschaftlichkeit enthält. Denn nunmehr verbindet sich betriebswirtschaftliches Denken mit einem gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang, nimmt aus ihm seine Maxime, nach der es sich dann einzelwirtschaftlich-betriebstechnisch einrichtet. Dieser mehr als einzelwirtschaftliche Sinngehalt der gemeinwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeit oder auch Produktivität wird von E. Preiser sehr scharfsinnig in seine Bestandteile aufgegliedert. Preiser sieht auch sehr deutlich, daß diese Schmalenbachsche Maxime irgendwie in Angemessenheitsvorstellungen einmündet, also, wie wir sagen würden, einen systembezogenen Tatbestand darstellt (E. Preiser, Gestalt und Gestaltung der Wirtschaft, vor allem S. 34ff., Tübingen 1934 ).Google Scholar
  6. Und wenn E. H. Sieber sagt: „Die Frage nach der gemeinwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeit oder Produktivität stellen, bedeutet, nach dem Zweck der Volkswirtschaft fragen“, dann kommt in dieser Formulierung deutlich der „systembezogene” Charakter des Prinzips gemeinwirtschaftlicher Wirtschaftlichkeit oder Produktivität zum Ausdruck (E H. Sieber, Objekt und Betrachtungsweise der Betriebswirtschaftslehre, Leipzig 1931 ).Google Scholar
  7. Auch K HAx hat dem Problem der Wirtschaftlichkeit als systembildendem Grundgedanken in der Betriebswirtschaftslehre eine interessante Studie gewidmet und versucht, die Wirtschaftlichkeit als oberste Maxime betrieblicher Tätigkeit im gemeinwirtschaftlichen Sinne zu deuten (Karl Hax, Betriebswirtschaftlicher Erfolg und Wirtschaftlichkeitsmessung, in: Die Wirtschaftsprüfung, Bd. I (1948) S. B.Google Scholar
  8. Zur einzelwirtschaftlichen Problematik des Begriffes der Wirtschaftlichkeit sei auf die gründliche Untersuchung von A. Hertlein, Zur Problematik der Wirtschaftlichkeit, in: Fragen der Technik, Festschrift zum 25jährigen Besteben des Oskar von Miller-Politechnikums München, herausgegeben von Fritz Webtrick, verwiesen (München 1949 ). Vgl. auch: E. Loitlsberger, Das Wirtschaftlichkeitsprinzip, Wien 1955.Google Scholar
  9. 1.
    Auf die verhältnismäßig geringe Bedeutung des erwerbswirtschaftlichen Prinzipes als Prinzip möglichster Gewinnmaximierung in mittelständischen Betrieben weist vor allem K. RÖSsle, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S. 25, München 1949, hin.Google Scholar
  10. R. Seyffert macht darauf aufmerksam, daß die Intensität, mit der das erwerbswirtschaftliche Prinzip auftritt, nicht von der Art der Berufstätigkeit, sondern von den subjektiven Bedingungen des Berufstätigen abhängt. R. Seyffert, Die Grundsätze des betrieblichen Wirtschaftens, Z. f. Betriebswirtschaft, 20. Jg. (1950) S. 576.Google Scholar
  11. 1.
    Preiser, E.: Gestalt und Gestaltung der Wirtschaft, vor allem S. 35–46 u. S. 84–85. Tübingen 1934.Google Scholar
  12. 1.
    Eine ausführliche Darstellung aller möglichen Formen und Arten des Preisverhaltens enthält Bd. II: Der Absatz.Google Scholar
  13. 1.
    Hat ein Betrieb bisher 10 Produkteinheiten zum Preise von 12 Geldeinheiten (GE) verkauft, und betragen die Durchschnittskosten bei einer Produktion von 10 Einheiten 10 GE, dann ist der Gewinn gleich 20 GE. Kostet die Herstellung einer weiteren Produkteinheit 11 GE, für die wieder 12 GE erzielt werden, dann ist der Gewinn 132−111= 21 GE. Erhöht der Betrieb seine Produktion um eine weitere Einheit und verursacht die Herstellung dieser Einheit 12 GE, dann ist der Gewinn 144−123 = 21 GE. Kostet die Herstellung der 13. Einheit 13 GE, dann ist, da der Preis gleich 12 GE bleibt, der Gewinn 156— 136 = 20 GE. Der Gewinn nimmt also zu, solange die Grenzkosten unter dem Produktpreis liegen. Sind sie gröBer als der Produktpreis, nimmt der Gewinn ab. Der Gewinn erreicht sein Maximum, wenn die Grenzkosten gleich dem Verkaufspreis sind.Google Scholar
  14. 1.
    Formal weisen beide Prinzipien die gleiche Struktur auf, denn beide sind nur Varianten der Zweckmittelrelation, nur aber mit verschiedenen Inhalten versehen. Aber diese formale Gleichartigkeit ist hier unwesentlich. Aus diesem Grunde wird auf die Reduktion dieser Prinzipien auf die ihnen gemeinsame Wurzel verzichtet.Google Scholar
  15. 1.
    Besonders deutlich wird diese Wirtschaftlichkeitssituation von E. PooM herausgearbeitet. Das Prinzip der planwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeit läßt sich so formulieren: Man soll den geplanten Ertrag mit den geplanten Kosten anstreben. Die Aufgabe des Wirtschaftens ist hier, die geplanten Kostengüter so anzuwenden, daß der geplante Ertrag voll erreicht wird. Es kann aber dann doch geschehen, daß auch bei der planwirtschaftlichen Wirtschaftstätigkeit überplanmäßige Ertragsüberschüsse und überplanmäßige Kosteneinsparungen oder beides zugleich entstehen. Aber jene Überschüsse oder Einsparungen sind zufälliger Natur. Prinzipiell werden sie bei der planwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeit nicht angestrebt. Falls aber bei der Planwirtschaft überplanmäßige Ertragsüberschüsse oder überplanmäßige Kosteneinsparungen prinzipiell angestrebt werden und die Mitwirkenden hierfür belohnt werden, liegt schon mehr die Wirtschaftlichkeit der freien Wirtschaft vor. Vgl. E. PooM, Wirtschaftlichkeit, Effektivität und Rentabilität in der Sowjetwirtschaft, Z. f. handelswiss. Forschung, N. F. 4. Jg. (1952), S. 145ff. u. S. 193ff., hier besonders S. 148.Google Scholar
  16. 1.
    Poom, E.: a. a. O., S. 193.Google Scholar
  17. 2.
    Daß das Prinzip plandeterminierter Leistungserstellung die besondere Natur der Leitmaxime betrieblicher Betätigung in planwirtschaftlichen Systemen richtig trifft, geht aus gewissen Ausführungen deutlich hervor, die in dem Werk von S. E. Kamenizer, Organisation und Planung des sozialistischen Industriebetriebes, zugelassen vom Ministerium für Hochschulbildung der UdSsr als Lehrbuch für Wirtschaftshochschulen, deutsche Übersetzung, Berlin 1954 enthalten sind. In diesem Buche heißt es auf S. 335: „Die Erfüllung des Produktionsprogrammes ist die Hauptaufgabe des Betriebes. Ihr sind alle Faktoren unterzuordnen, die die Programmerfüllung beeinflussen können... Das Produktionsprogramm kann erst dann als fertig aufgestellt betrachtet werden, wenn die Produktionskapazität des Betriebes, die materiellen Quellen, die Arbeitskraft und die anderen Elemente des Produktionsprozesses mit dem Produktionsprogramm in Übereinstimmung gebracht worden sind“. Das Produktionsprogramm bezieht sich unter anderem auf 1. die Anzahl der herzustellenden Erzeugnisse; 2. das Sortiment, 3. die Abgabepreise der Erzeugnisse und 4. die Liefertermine in jeder Planperiode. In einem Beispiel auf S. 340 ist angegeben, daß der Betrieb zwar rein mengenmäßig sein Soll erfüllt hat, in einigen Sparten sogar überfüllt hat. Dann heißt es: Trotz der Übererfüllung des Warenproduktionsplans wurde der Sortimentsplan nur zu 94 Prozent erfüllt. Eine derartige Differenz in der Erfüllung des Sortimentsplanes ist unzulässig (!)... Ein Betrieb, der das Plansoll der Waren- und Bruttoproduktion zwar mengenmäßig erreicht, bei einzelnen Erzeugnissen oder auch nur bei einem der Haupterzeugnisse aber Lieferungsrückstände aufweist, kann nicht von sich sagen, daß er seinen Plan erfüllt hat.” Derartig streng sind die Anforderungen an die Planerstellung. Alles andere wird diesem Ziele untergeordnet. Aus diesem Grunde erscheint es uns gerechtfertigt, die plandeterminierte Leistungserstellung als Leitmaxime derartiger Betriebe anzusehen. Das geht auch aus der These von Kamenizer hervor: In einem sowjetischen Betrieb ist diejenige Variante eines technologischen Prozesses die rentabelste, die die beste Erfüllung aller Kennziffern des staatlichen Planes sichert und die besten Arbeitsbedingungen schafft (S. 206 ).Google Scholar
  18. 1.
    Siehe auch H. Linhardt, Das persönliche Element (Leistungsfaktor) bei den britischen Investment-Trusts. Jb. f. Nationalökonomie und Stat., Bd. 144 (1936) S. 309ff.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1958

Authors and Affiliations

  • Erich Gutenberg
    • 1
  1. 1.Universität zu KölnKölnDeutschland

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