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Allgemeiner Teil

  • Walter Jellinek
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 25)

Zusammenfassung

Unter Rechtsquellen verstehen wir alles, was die Entscheidung der Rechtsfrage beeinflußt. Zu den Rechtsquellen gehören vor allem die Rechtssätze selbst, daneben aber auch alle Erscheinungen, die auf den Inhalt oder auf die Gültigkeit eines Rechtssatzes Einfluß haben. Die Rechtsfrage steht im Gegensatze zur Tatfrage und zur Ermessensfrage und kommt in reiner Form beim Rechtsmittel der Revision vor, da das Revisionsgericht nur angerufen werden kann, wenn die angefochtene Entscheidung „auf der Nichtanwendung oder auf der unrichtigen Anwendung des bestehenden Rechts, insbesondere auch der von den Behörden innerhalb ihrer Zuständigkeit erlassenen Verordnungen“ beruht (LVG. § 941). Alles also, was das Revisionsgericht bei seiner Entscheidung in den Kreis seiner Erwägungen ziehen muß, gehört zu den Rechtsquellen, z. B. auch die tatsächlichen Unterlagen eines örtlichen Gewohnheitsrechts, nicht nur das Gewohnheitsrecht selbst1. Wie aber schon anderweit dargelegt2, unterscheiden sich die Rechtssätze von andern staatlichen Åußerungen durch die abstrakte Allgemeinheit der Adressaten; sie gelten für alle, die es angeht, nicht nur für eine bestimmte Einzelperson, auch nicht nur für den Staat und seine Organe. Ein an eine bestimmte Einzelperson gerichteter Befehl ist eine Verfügung, deren Zulässigkeit andern Regeln unterliegt als die Zulässigkeit eines Rechtssatzes und die ebensowenig zur Rechtsfrage gehört wie eine an die Behörden gerichtete Dienstanweisung3. Die Grenze zwischen Rechtsfrage und Tatfrage ist mitunter nicht ganz einfach zu ziehen, auch sind staatliche Anordnungen denkbar, die für einen Teil der von ihnen Betroffenen Einzelanordnungen sind, für einen andern Teil wie ein Rechtssatz wirken; so kann die Bezeichnung eines einzelnen Werks als Schund-Druckschrift, die nicht im Umherziehen feilgeboten werden darf, vom Verfasser als Einzelanordnung angefochten werden4, während sie den Hausierern gegenüber Rechtssatz ist.

Literatur

  1. 7.
    So die durch den Fall Zabern berühmt gewordene AKabO. v. 17. Okt. 1820, Kamptz’ Annalen 1820 S. 810ff.; vgl. dazu meine Besprechung von Hubrich Die Entwicklung der Gesetzespublikation in Preußen 1918, in ZHandelsR. 87 (1924) S. 205ff.Google Scholar
  2. 15.
    Über die Rechtslage in Württemberg vgl. Bühler in WürttZ. 64 (1922) S. 159 u.Google Scholar
  3. Geier in WürttZ. 66 (1924) S. 177ff., 209ff.Google Scholar
  4. 17.
    Zum folgenden vgl. Otto Mayer I S. 98, II S. 235 (Verwaltungsakt auf Unterwerfung); Fleiner S. 168ff.; Schoenborn Studien zur Lehre vom Verzicht im öffentlichen Recht 1908; K. Perels Darf die Verwaltungsbehörde die Erteilung einer in ihr freies Ermessen gelegten Genehmigung von der Zahlung einer gesetzlich nicht vorgesehenen „Gebühr“ abhängig machen? ArchÖffR. N. F. 6 (1924) S. 93ff.; Schult und Rubensohn in MecklZ. 44 (1928) Sp. 389ff., 521 ff. Aus der Gesetzgebung thür. LVO. § 143, aus der Rechtsprechung PrOVG. 18. Juni 08, Entsch. 52, 374ff.; PrOVG. 10. Febr. 21, Entsch. 76, 436f.; OldOVG. 9. Jan. 08 u. 5. Nov. 14, OldZ. 35 (1909) S. 13ff. u. 42 (1915) S. 75ff.; RG. III 16. Dez. 02, RGZ. 53, 186ff. (mit privatrechtlicher Lösung).Google Scholar
  5. 28.
    (1921) S. 1ff. Vgl. auch Höft Das Gewohnheitsrecht in der Verwaltung, Kieler Diss. 1922; E. Josef im PrVBl. 44 (1923) S. 415 f.; Hartmann in HansRZ. 1923 Sp. 321 ff.; Meinzolt in BayVerwBl. 76 (1928) S. 225ff.; HansOLG. 29. März 22, HansRZ. 1922 Sp. 578ff.Google Scholar
  6. 26.
    Vgl. auch Bilfinger im ArchÖffR. N. F. 11 (1926) S. 176.Google Scholar
  7. 39a.
    Abegg, Ztschr. „Die Polizei“ 1926 S. 301ff. u. Stusev. 1926 S. 437ff; Klee u. H. Peters GoltdArch. 71 (1927) S. 81 ff., 121 ff.; Grzesinski „Die Polizei“ 1928 S. 1ff.; Drews DJZ. 1928 Sp. 893ff. Vgl. vorerst Beschluß des pr. Min. d. I. v. 14. Jan. 29 (MinBliV. Sp. 63f.), der alle im Bereiche des Min. d. I. vor dem 1. Januar 1890 erlassenen Polizeiverordnungen der Ober-, Regierungspräsidenten, Kreis-und Ortspolizeibehörden außer Kraft setzt.Google Scholar
  8. 43.
    Nachweise Gesetz, Gesetzesanwendung S. 226 N. 4. Vgl. ferner Hubrich in AnnDR. 1916 S. 641 ff.; Menne im PrVerwBl. 44 (1923) S. 437f.Google Scholar
  9. Pape im RVerwBl. 50 (1929) S. 6ff.; BayVGH. 11. Mai 25, Samml. 46 19ff.; BadVGH. 16. Nov. 27, BadVerwZ. 60 (1928) S. 39. Auch nach der neuen Gem. u. KrO. f. Thüringen v. 8. Juli 26 besteht Bekanntmachungszwang für Ortsgesetze (§ 103), ebenso nach der bay. GemO. v. 17. Okt. 27 (Art. 26II).Google Scholar
  10. 46.
    Vgl. aus der neueren Zeit Fleiner S. 82f.; Hatschek S. 56ff.; Haller in WüRV. 19 (1926) S. 65ff; G. A. Walz im ArchÖffR. N. F. 14 (1928) S. 161 ff.Google Scholar
  11. 69.
    Hierzu die kritische Abhandlung von Jastrow Das Reichsgesetzblatt, ZStaatsW. 79 (1925) S.40ff.Google Scholar
  12. 60.
    Sehr zuverlässig für Alt-und Neupreußen v. Rönne-Zorn StR. d. preuß. Monarchie5 I 1899 S. 170ff.Google Scholar
  13. 82.
    Hierzu O. Gerland Über die örtliche Zuständigkeit der Ortspolizeibehörden, VerwArch. 4 (1896) S. 197ff.Google Scholar
  14. 101.
    E. v. Hippel Untersuchungen zum Problem des fehlerhaften Staatsakts. Beiträge zur Methode einer teleologischen Rechtsauslegung 1924. Dazu meine Besprechung im ArchöffR. N. F. 9 (1925) S.361ff.Google Scholar
  15. 114.
    So Anschütz im VerwArch. 14 (1906) S. 329ff.Google Scholar
  16. 129.
    Hierzu Gesetz, Gesetzesanwendung 1913 S. 176 f. und insbesondere Anschütz im VerwArch. 14 (1906) S. 315ff.Google Scholar
  17. 7.
    PrOVG. 15. Mai 08, Entsch. 52, 290ff. Gegen die Möglichkeit polizeilichen Einschreitens Hilse im VerwArch. 13 (1905) S. 548ff.Google Scholar
  18. 10.
    Anders WürttVGH. 9./16. Okt. 12, WüRV. 6 (1913) S. 270ff., auch WürttJ. 25 (1913) S. 80ff.; Heck Anatomieversorgung, ArchZivPrax. 112 (1915) S. 319ff.; v. Blume Fragen des Totenrechts, ebenda S. 367ff. Vgl. zu der ganzen Frage auch LG. Bonn 16. Mai 28 mit Anmerkungen von Ebermayer und Strassmann, JW. 1928 S. 2294ff.Google Scholar
  19. 22.
    Vgl. E. v. Hippel im ArchÖffR. N. F. 10 (1926) S. 145 N. 60.Google Scholar
  20. 23.
    Bedenklich daher Schußwaffengesetz v. 12. Apr. 28 § 1713, da es die Zigeuner schlechthin benachteiligt, nicht nur, wenn sie nach Zigeunerart umherziehen. Über die Rechtsfragen zum württembergischen Zigeunerrecht Krauss in WürttZ. 42 (1900) S. 187f.Google Scholar
  21. Aichele in WüRV. 7 (1914) S. 25ff.; über das neue bayerische Zigeuner-und Arbeitsscheuengesetz v. 16. Juli 26 insbesondere Wachinger in DRiZ. 1927 S. 237ff. Vgl. auch unten S. 435, 464f.Google Scholar
  22. 26.
    PrOVG. 29. Jan. 14, Entsch. 66 S. 311ff. Über die ganze Frage Schultzenstein im VerwArch. 29 (1922) S. 105ff.Google Scholar
  23. Friedrichs Verwaltungsrechtspflege II 1921 S. 580ff.Google Scholar
  24. 29.
    Vgl. Fehlerh. Staatsakt S. 84ff.; Rissom im ArchMilRecht. 6 (1916) S. 193f.Google Scholar
  25. Popitz im PrVerwBl. 38 (1917) S. 135; andr. Ans. Kormann System S. 229, 239. Vgl. jetzt auch thür. Gem. u. KrO. v. 8. Juli 26 § 62II: „War ein Bürgermeister oder ein Beigeordneter nicht wählbar..., so scheidet er aus seinem Amte aus. Die Gültigkeit vorheriger Amtshandlungen wird durch seine Mitwirkung nicht berührt.“Google Scholar
  26. 50.
    Vgl. vor allem Schultzenstein Polizeiwidriges Handeln und Vertretung, VerwArch. 14 (1906) S. 1ff.; ferner Goedecke Polizeiliche Verantwortlichkeit juristischer Personen, Pr.-VerwBl. 47 (1926) S. 24ff.; SächsOVG. 24. Mai 11, Jahrb. 17, 193ff. Andr. Ansicht namentlich Fleiner S. 163 N. 47.Google Scholar
  27. 52.
    Hellwig-Oertmann System des Deutschen Zivilprozeßrechts II 2 (1919) S. 383.Google Scholar
  28. 53.
    Vgl. Landmann-Rohmer GewO.8 I 1928 S. 163 (zu § 12).Google Scholar
  29. 59.
    So Meurer Bayerisches Kirchenvermögensrecht III (1919) S. 56, im Einklang mit O. Gierke Die Genossenschaftstheorie und die deutsche Rechtsprechung 1887 S. 155.Google Scholar
  30. 63.
    Wie im Text PrOVG. 16. Nov. 11, Entsch. 62, 282ff.; SächsOVG. 30. Mai 07, Jahrb. 11, 52ff.; BadVGH. 20. Dez. 27, BadVerwZ. 60 (1928) S. 122f. Abweichend PrOVG. 1. März 01, Entsch. 39, 440ff.; BraunschwVGH. 17. Dez. 24, BraunschwZ. 71 (1925) Beil. S. 35f.; Josef im PrVerwBl. 45 (1924) S. 356f.Google Scholar
  31. 75.
    RG. VI 14. Nov. 24, RGZ. 109, 90ff.; dagegen v. Kienitz in EisenbE. 41 (1924/25) S. 204ff.Google Scholar
  32. 97.
    Ebenso Holtz-Kreutz Pr. Wassergesetz II 2 u. 3 1919 S. 83ff. zu §212, Bochalli Wassergenossenschafts-u. Deichrecht2 1925 S. 23 und schon früher RG. IV 10. Dez. 85, PrVerwBl. 8 (1886/7) S. 182f. Abweichend für das frühere Recht PrOVG. 23. Jan. 97, PrVerwBl. 18 (1897) S.231f., und heute noch Lenhard-Reichau Pr. Wassergesetz 1918 S.465.Google Scholar
  33. 39.
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    So Anschütz RV. zu Art. 142; Thoma a. a. O. S. 216f.; ThürOVG. 28. Juli 18, Jahrb. 6, 47ff. Dagegen Rothenbücher und Smend auf der Münchener Tagung der Vereinig, d. Deutsch. Staatsrechtslehrer, Frühjahr 1927, VStaatsRL. 4 (1928) S. 32ff., 56ff.; ferner Frhr. Marschall v. Bieberstein Vom Kampf des Rechtes gegen die Gesetze 1927 S. 178ff.Google Scholar
  35. 57.
    Vgl. z. B. Staecker in der MecklZ. 42 (1926) S. 147ff.; PrOVG. 22. Febr. 21, Entsch. 76, 122ff.; RG. V 13. Juni 27, RGZ. 117, 235ff.Google Scholar
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    Vgl. Triepel im ArchÖffR. 40 (1921) S. 367ff.; ThürOVG. 28. Juni 16, Jahrb. 4, 103ff. Könnte ein Machtspruch des Gesetzgebers wissenschaftliche Streitfragen entscheiden, so gäbe es ein „Recht auf das Amt“ in Württemberg: BeamtG. v. 21. Jan. 29 Art. 45 (Überschrift); vgl. jedoch Art. 22, 23.Google Scholar
  37. 69.
    Schültzenstein Persönliche gewerbliche Konzession und Erbrecht, VerwArch. 10 (1902) S. 113ff.Google Scholar
  38. 87.
    Vgl. Dr. Schmidt im PrVerwBl. 42 (1921) S. 32f. (Versorgungsgebührnisse).Google Scholar
  39. 90.
    Die vielumstrittene (vgl. Ziegler in BlAdmPr. 64, 1914, S. 34ff.) Bestimmung des § 55II der bayerischen VO. über die Vorbedingungen für den höheren Justiz-und Verwaltungsdienst v. 4. Juli 99/18. Okt. 10, wonach der sog. „Dreier-Jurist“, um die zweite Staatsprüfung wiederholen zu können, auf das frühere Prüfungsergebnis ausdrücklich verzichten mußte, gilt nicht mehr.Google Scholar
  40. 9.
    Vgl. hierzu Wolzendorff Art. „Tanzlustbarkeiten“ im WStVR. III; Krüger Tanzwesen und Reichsvereinsgesetz, FischersZ. 39 (1911) S. 1ff.Google Scholar
  41. 16.
    So im Grunde Schultzenstein Die Widmung zum öffentlichen Wege, VerwArch. 28 (1921) S. 179ff.Google Scholar
  42. 23.
    Vgl. Friedrichs Ortsnamenpolizei, Stusev. 1924 S. 235ff., 296ff.; Mosheim, RVerwBl. 49 (1928) S. 663 ff.Google Scholar
  43. 33.
    Vgl. Laband Staatsr. d. Deutsch. Reiches5 III 1913 S. 169.Google Scholar
  44. 40.
    Vgl. Seydel im PrVerwBl. 47 (1926) S. 548ff.Google Scholar
  45. Guillaume im PrVerwBl. 48 (1927) S. 25f.Google Scholar
  46. 43.
    Vgl. Graf von Hardenberg im PrVerwBl. 47 (1926) S.415ff.; Pr. Min. d. I. 16. März 28, MinBliV. Sp. 339 ff.Google Scholar
  47. 90.
    Vgl. Kelsen Über Staatsunrecht, GrünhutsZ. 40 (1914) S. 1ff.Google Scholar
  48. 5.
    Vgl. Morawitz BraunschwZ. 66 (1919) S. 105f.; Thoma ArchÖffR. N. F. 4 (1922) S. 275; E. v. Hippel Unters, z. Probl. d. fehlerh. Staatsakts 1924 S. 79ff.Google Scholar
  49. 6.
    Vgl. v. Seydel-v. Grassmann Bay. Staatsrecht II 1913 S. 220Google Scholar
  50. Braunwart in der BayGemZ. 31 (1921) Sp. 315f.; Rottmann ebenda 33 (1923) Sp. 591.Google Scholar
  51. 48.
    ReichsVO. v. 2. Nov. 23 § 7; für die Kriegszeit vgl. J. Goldschmtdt und Köppel im ArchZivPrax. 117 (1919) S. 1ff. u. S. 229ff.Google Scholar
  52. 12.
    v. Seydel-v. Grassmann Bay. Staatsr. II 1913 S. 220. Vgl. zu der Frage auch die kritischen Ausführungen von Hofacker Die Staatsverwaltung und die Strafrechtsreform 1919 S. 302ff.Google Scholar
  53. 91.
    Vgl. Drews in ZStaatsW. 78 (1924) S. 599ff.Google Scholar
  54. 36.
    PrKompGH. 20. März 26, PrVerwBl. 47 (1926) S. 530ff.; RG. IV. ZivSen. 12. Apr. 26, JW. 1926 S. 2083f.; Schumburg, PrVerwBl. 46 (1925) S. 149f. (Borkumlied).Google Scholar
  55. 49.
    RG. VII 23. Apr. 20, RGZ. 99, 12ff. Vgl. auch LGRat Dr. Gmelin in WürttZ. 48 (1906) S. 277ff.Google Scholar
  56. 61.
    Fehlerh. Staatsakt S. 181ff. Aus neuerer Zeit u.a. Oertmann, ArchBürgR. 42 (1916) S. 1ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1929

Authors and Affiliations

  • Walter Jellinek
    • 1
  1. 1.Universität KielDeutschland

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