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Die Klimarelevanz von China und Indien

  • Wolfgang Bräuer
  • Oliver Kopp
  • Roland Rösch
Chapter
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Part of the Umwelt und Ressourcenökonomie book series (UMWELTRESS)

Zusammenfassung

Den Energiesektoren Indiens und Chinas wird im folgenden aufgrund ihres großen Beitrags zum anthropogenen Treibhauseffekts besondere Bedeutung zukommen. Dies bietet sich auch deshalb an, weil die Diskussion in der internationalen Umweltpolitik in bezug auf die Vermeidung des Kohlendioxids bisher am weitesten fortgeschritten ist. Dies liegt wohl ebenfalls an dem hohen und auch in Zukunft bedeutenden Anteil des CO2 am anthropogenen Treibhauseffekt. Es liegt aber auch daran, daß die anthropogenen Quellen des Kohlendioxids weitgehend bekannt und präzise anzugeben sind. Zudem sind, im Gegensatz etwa zum Methan, Vermeidungsstrategien bekannt, die auch in ihren Kosten recht gut kalkulierbar sind (Bauer, 1993: 10 und Krause, 1992: 94). Ein weiterer Grund für die herausragende Bedeutung des Kohlendioxids in der Umweltdiskussion dürfte in der langen Verweildauer des CO2 in der Atmosphäre von bis zu 200 Jahren zu sehen sein, durch die schon heute das Klima des 22. Jahrhundert beeinflußt wird.

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Literatur

  1. 1.
    Unter dem Kohlenstoffkreislauf wird der Kreislauf des Kohlenstoffs (C) in seinen verschiedenen chemischen Verbindungen (unter anderem auch als CO2) verstanden. Er findet zwischen der Atmosphäre (Lufthülle der Erde), der Biosphäre (irdischer Lebensraum der Pflanzen und Tiere), der Hydrosphäre (Wasserhülle der Erde) und der Lithosphäre (äußere Gesteinshülle des Erdkörpers) statt. Unter dem Kohlenstoffkreislauf i.e.S. wird die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Kohlenstoffreservoirs mit verschiedenen großen Reservoirkapazitäten verstanden. Bei für die Menschheit wichtigen Zeitskalen von Jahren bis Jahrhunderten sind folgende Teilspeicher des Kohlenstoffs von Bedeutung. Gespeichert werden Kohlenstoffe hauptsächlich in der Atmosphäre (750 Gigatonnen (Gt) Kohlenstoff) in Form von Kohlendioxid, in der ozeanischen Deckschicht (1020 Gt C) und im tieferen Ozean (38000 Gt C) in der Form von Hydrogencarbonat, in den Böden (725 Gt C) meist als Humus und in der Vegetation (600 Gt C) meist als Holz.Google Scholar
  2. 2.
    Angaben für ehemalige Ostblockländer und Entwicklungsländer waren nicht verfügbar.Google Scholar
  3. 3.
    Vergleiche dieser Basis können verzerrt werden durch Wechselkurseffekte weil durch diese in den seltensten Fällen die realen Kaufkraftparitäten widergespiegelt werden. Grubb nimmt daher eine realistischere Abschätzung auf Basis eines realen, bereinigten Sozialprodukts vor. Dabei werden die Nominalwerte um die Kaufkraftparitäten korrigiert. Dennoch sind die CO2-Emissionen pro Einheit „reales Sozialprodukt“ in China um den Faktor 2,5 größer als in Deutschland (Grubb, 1990: 169f.).Google Scholar
  4. 4.
    Vermeidungsquote = notwendige Reduktionen/Emissionen der OECD (1990)Google Scholar
  5. 5.
    Da die Emissionen im OECD-Raum bis 2010 um 2,5 Mrd. t ansteigen sollen, ergibt dies eine notwendige CO2-Vermeidungsquote für die OECD-Staaten von 87,5%.Google Scholar
  6. 6.
    Nach Artikel 4.1 der Klimarahmenkonvention sind die EL verpflichtet, nationale Inventare über THG-Emissionen und Senken einzurichten. Die indische Regierung hat zu diesem Zweck eine Expertenkomissionen und eine Task Force eingerichtet, die Erfassung aller THG gestaltet sich jedoch für ein großes Land wie Indien äußerst schwierig. Die THG-Statistiken der IEA, Tata Energy Research Institute (TERI), Centre for Global Environmental Change, National Physical Labatories und die Daten des World Resource Institutes (WRI) basieren auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden und weichen insbesondere im Falle von Methan voneinander ab (vgl. Musch, 1996).Google Scholar
  7. 7.
    Die IEA gibt bei ihren Schätzungen allein die energiebezogenen CO2-Emissionen an, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen (IEA, 1996a). Mitra (in Embree, 1996) hingegen zieht davon jene Emissionen ab, die durch Aufforstung in der Biomasse gebunden werden und kommt somit auf niedrigere Zahlen.Google Scholar
  8. 8.
    Heister 1997: 19. Viele Autoren verwenden anstatt der CO2-Intensitäten Kohlenstoffin-tensitäten. Da bei der Verbrennung Sauerstoffatome hinzukommen, entspricht eine Tonne Kohlenstoff 3,67 Tonnen CO2. Die IEA berechnet die CO2-Intensität mittels von Kaufkraftparitäten, anstatt der aktuellen Wechselkurse und kommt zu anderen Ergebnissen. Danach produziert Indien nur unwesentlich CO2-intensiver als die OECD-Staaten (IEA, 1996a: 24).Google Scholar
  9. 9.
    Toe = Eine Tonne RohöläquivalenteGoogle Scholar
  10. 10.
    In den Industriestaaten liegt der Methananteil bei 16% (Musch, 1996: 79).Google Scholar
  11. 11.
    Durch die I-O-Analyse werden sowohl die direkten als auch die indirekten Emissionen, die ein Sektor verursacht, berücksichtigt. Zum Beispiel berechnet die traditionelle Methode die im Verkehrssektor entstehenden CO2 Emissionen anhand des Benzinverbrauchs. Für die Dienstleistung Transport entstehen jedoch nicht nur Emissionen durch Benzinverbrennung. Hinzugerechnet werden müssen jene Emissionen, die in den Vorprodukten stecken: im Stahl für die Konstruktion des Autos, der Teer für die Straßen, Zement für die Brücken, Kohle für die Produktion des Stahls etc.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Parikh und Gokarn, 1993.Google Scholar
  13. 13.
    Die Verbrennung organischer Stoffe wie Holz ist zwar CO2-neutral, wenn sie wieder nachwachsen. Jedoch ist dieses Nachwachsen im Falle Indiens nicht garantiert.Google Scholar
  14. 14.
    Als Durchschnittswerte für die Stromerzeugung werden 92 kg CO2/GJ bei Steinkohle, 111 kg CO2/GJ bei Braunkohle, 76 kg CO2/GJ bei Öl und 56 kg CO2/GJ bei Erdgas angesetzt.Google Scholar
  15. 15.
    Formal ist die technische Energieeffizienz nichts anderes als der Quotient von nutzbarer Energie (Energieoutput) zu eingesetzter Energie (Energieinput). Die technische Effizienz unterscheidet sich von der ökonomischen Effizienz, die sich aus dem Quotient von mit Preisen bewerteten Output zu mit Preisen bewerteten Input ergibt. Die Energieeffizienz kann höchstens eins sein, die ökonomische Effizienz sollte mindestens eins sein (Winje 1991: 251 f.)Google Scholar
  16. 16.
    Es gibt mehrere Möglichkeiten, die SO2-Emissionen aus Feuerungsanlagen zu reduzieren. Die nächstliegende Methode ist eine Entschwefelung der Brenn- und Einsatzstoffe vor deren Verbrennung, so z.B. bei Kohle durch eine vorgeschaltete Kohlevergasung mit einem anschließenden chemischen oder physikalischen Waschverfahren. Während der Verbrennung kann eine Entschwefelung durch Zugabe von schwefelbindenden Stoffen, z. B. Kalk, vorgenommen werden. Schließlich ist eine Entschwefelung der Rauchgase möglich. Die meisten Rauchgasentschwefelungstechnologien basieren auf Waschverfahren mit Hilfe von Kalkstein mit Gips und Schwefel als Endprodukt. In der Bundesrepublik Deutschland konnte der in den 70er Jahren erzielte Höchstwert von ca. 2. Mio t SO2 in diesem Bereich um 85% gesenkt werden. Dies wurde durch Anwendung der Abgasentschwefelung aufgrund des Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), der 13. Bunde-simmissionsschutzverordnung (BImSchV) der Verordnung für Großfeuerungsanlagen (GFAVO) von 1983, die eine 80%ige Rückhaltung für SO2 forderte, erreicht. Die Verordnung für Großfeuerungsanlagen wurde einige Monate später auch auf NOx ausgedehnt, und es wurde damit zur Pflicht gemacht, die meisten vorhandenen Kraftwerke mit DeNOx-Anlagen auszurüsten. Dadurch gingen die NOx-Emissionen in den alten Bundesländern von 0,75 Mio. t im Jahr 1984 auf 0,2 Mio t im Jahr 1991 um 74% zurück. Die DeNOx-Anlagen verwenden die selektive katalytische Reduktion (SCR). Bei diesem ka-talytischen Verfahren werden Stickoxide bei Temperaturen von 300 bis 400 °C unter Ammoniakzugabe beseitigt (Kugeler und Phlippen, 1993: 121 ff.).Google Scholar
  17. 17.
    Auf der 16. Weltenergiekonferenz äußerte K. Yokobori, der japanische Generaldirektor des Weltenergierates, die Ängste seines Landes vor dem sauren Regen aus China (Czakainski, 1995: 691).Google Scholar
  18. 18.
    Bei einem Gespräch mit dem Vice Präsident von ABB-Kraftwerke AG Wolfgang Schemenau äußerte dieser, daß in China Kraftwerke mit höchsten Wirkungsgraden gefordert werden. Nachgeschaltete Umwelttechnologien, wie Rauchgasentschwefelungsanlagen hätten aber nachgeordnete Bedeutung. Dieses Gespräch wurde am 17.11.1994 mit dem ZEW durchgeführt und in einem Sitzungsprotokoll schriftlich fixiert.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Bauer, 1993. Die Energieintensität gibt an, welche Primärenergiemenge für einen Produktionswert von 1000 $ aufgewendet wird (GJ/1000 $ BIP). Multipliziert man die Energieintensität der Wirtschaft mit der Kohlenstoffintensität des Energieverbrauchs erhält man die Kohlenstoffintensität der Produktion.Google Scholar
  20. 20.
    Analysen der Ursachen, die zum Anstieg des Energieverbrauchs geführt haben, finden sich bei Reidhead et al., 1996 und Paulus, 1992.Google Scholar
  21. 21.
    Smith (1993) gibt einen Überblick über die Ursachen, die zur Elektrizitätskrise geführt haben.Google Scholar
  22. 22.
    Chatterjee und Fecher, 1997: 84. Um die Zeit des Stromausfalls zu überbrücken werden meist teure Notstromaggregate mit hoher CO2-Intensität eingesetzt.Google Scholar
  23. 23.
    In keinem Fünfjahresplan seit 1980 war der Investitionsanteil in den Energiesektor am BIP größer als 3,9 % (Soni und Barathan, 1997: 370).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1999

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Bräuer
  • Oliver Kopp
  • Roland Rösch

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