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Die Wirtschaft Polens im Übergang

  • Eva Mroczek
  • Liliane von Schuttenbach
  • Mieczysław Ciurla
Chapter
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Part of the Beiträge zur Mittelstandsforschung book series (MITTELSTANDSF., volume 6)

Zusammenfassung

Nach dem ZerfaU der Planwirtschaft befinden sich die meisten Länder Ost- und Mitteleuropas im Umwandlungsprozeß mit dem Ziel, ein marktwirtschaftliches System zu etablieren, wobei sich naturgemäß die Frage nach der Existenz eines entsprechendes Theoriegebäudes stellt, das Erkenntnisse für den Ablauf solcher Transformationsprozesse bereit stellen könnte.

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Referenzen

  1. 1.
    Vgl. ifo (1996), S. 5.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. z.B. N. Kloten (1991); H. Leipold (1991); M. Leschke / D. Sauerland (1993); D. Lösch (1993).Google Scholar
  3. 3.
    M. Leschke / D. Sauerland (1993).Google Scholar
  4. 4.
    Zwar im Vergleich zum Judentum wesentlich kürzer, aber dennoch prägend.Google Scholar
  5. 5.
    Sogar die in Polen stationierte Sowjetarmee war niemals, so wie es im Falle der anderen Ostblockländer üblich war, für die Bevölkerung auf den Straßen sichtbar.Google Scholar
  6. 6.
    Man hat es in manchen Fällen zwar versucht, so rollten z.B. 1970 die Panzer gegen die rebellierenden Arbeiter an oder es wurde 1981 der Kriegszustand ausgerufen. Trotz Menschenopfer, die zu beklagen waren, konnte man die Bevölkerung immer nur vorübergehend einschüchtern.Google Scholar
  7. 7.
    Um den Schein der ideologischen Linientreue zu wahren, hat man meistens für diese kirchlichen Feierlichkeiten einen anderen Ort als den Wohnort gewählt. Die kirchlichen Begräbnisse fanden natürlich vor Ort statt. Den Verstorbenen selbst konnte die Partei nicht mehr ideologisch umstimmen, der Druck auf die Familie blieb jedoch aus, da der Letzte Wille respektiert wurde. Wie sehr die Religion ein Teil der Persönlichkeit war, zeigten Giereks und des Politbüros verzweifelte Hilferufe zu Gott, Jesus und Maria, als Reaktion auf die Hiobsbotschaft der Wahl Kardinals Wojtyla zum Papst. Vgl. o. V. (1998), Für manche ist er ein “Bremser”.Google Scholar
  8. 8.
    Im Vergleich waren es in der DDR ca. 3,5 Mio. bei einer Bevölkerungszahl von ca. 17 Mio.Google Scholar
  9. 9.
    Der wirtschaftliche Erfolg Ungarns war wesentlich größer und nachhaltiger als der Polens, da die Ungarn konsequent die Reformen durchführten, während sie in Polen halbherzig waren, so daß die Kredite eine nur vorübergehende Verbesserung brachten. Allerdings nicht im Materiellen alleine lag die Quelle der Unzufriedenheit, denn mit der Wirtschaft ging es erst ab ca. 1976 langsam wieder bergab. Die allmähliche Untergrundformierung setzte schon ab Anfang der Siebziger, zur Zeit der polnischen, vorübergehend “blühenden Landschaften”, ein. Parteichef Gierek wurde durch seinen Liberalismus zum ungewollten “Ziehvater” (neben den intellektuellen Oppositionellen und der Kirche) der aufkeimenden und ihn selbst später um die Macht bringenden “Solidarität”. Seine relativ sanfte Vorgehensweise brachte ihm eine gewisse nachhaltige Sympathie der Bevölkerung. Als einer der wenigen ehemaligen kommunistischen Machthaber wurde Gierek nach der Wende kaum angegriffen und nicht einmal moralisch zur Rechenschaft gezogen.Google Scholar
  10. 10.
    Sicherlich ist die freie Ausübung des Glaubens ein Teil der bürgerlichen Freiheiten. Die hier unternommene Trennung will lediglich zeigen, um welche dieser Freiheiten es in erster Linie ging. Außerdem waren relativ viele andere Freiheiten (Meinungs-, Reisefreiheit etc.) zu einem für Ostverhältnisse sehr großen Ausmaß gesichert.Google Scholar
  11. 11.
    Während der vor den Toren der Danziger Werft gehaltenen Messen (mit breiter Teilnahme nicht nur von den Streikenden, sondern auch von der Bevölkerung) wurde durch das wiederholte Singen des kirchlichen Liedes “Wir wollen Gott haben” (my chcemy Boga) das religiöse Anliegen eindeutig genug kundgetan.Google Scholar
  12. 12.
    Westliche Institutionen und Wirtschaftswissenschaftler halfen oft bei Ausarbeitung und Durchführung der Reformen in Transformationsländern. So hat z. B. in Polen Balcerowicz bei dem Reformprojekt den amerikanischen Experten Sachs herangezogen. Das Reformprogramm wurde in enger Zusammenarbeit mit den Experten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds ausgearbeitet und mit finanzieller Hilfe (Stabilisierungskredit) des IWF durchgeführt.Google Scholar
  13. 13.
    In Anlehnung an N. Kloten (1991); D. Lösch (1993).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. H. Leipold (1991).Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. D. Lösch (1993).Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. N. Kloten (1991).Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. von Delhaes / Thieme (1991).Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. M. Nasilowski (1995), S. 100 f.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. T. Baczko (1996), S.25 ff.Google Scholar
  20. 20.
    So sah beispielsweise Sadowski die Notwendigkeit, nach der Zeit der ersten “Schocktherapie” zum Gradua-lismus überzugehen, um den weiteren dramatischen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Vgl. E. Lukawek (1995), S. 243–259.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. M. Belka / H.G. Petersen (1995), S. 13–24.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. J. Kornai (1990); T. Apolte / D. Cassel (1991).Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. dazu z. B. D. Lösch (1993).Google Scholar
  24. 24.
    Eine ausführliche Begründung des polnischen Reformweges sowie ein tiefgreifender Vergleich mit den Reformschritten der anderen ehemaligen Ostblockländer befindet sich in: Balcerowicz, L. (1995). An mehreren Beispielen aus verschiedenen Ländern zeigt der Autor deutlich die Notwendigkeit der unterschiedlichen Vorgehensweisen sowohl beim Tempo als auch bei der Schrittfolge der Transformationsprozesse und stärkt dadurch (wenn auch unbeabsichtigt) die These, daß es eine allgemeingültige Transformationstheorie, die dieGoogle Scholar
  25. 25.
    Reihenfolge und Geschwindigkeit der Anwendung der einzelnen Maßnahmen vorgibt (vgl. Kap. 2. 2.1.: Anforderungen an eine Transformationstheorie) kaum geben kann. 25 1999 traten neue Gesetze über das Renten- und Gesundheitssystem in Kraft. Ihre praktische Umsetzung kommt jedoch mit vielen Verzögerungen zustande.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. auch Kapitel 3.2.3. dieser Arbeit.Google Scholar
  27. 27.
    Je besser sich die Arbeiter im Laufe der Zeit (zunächst innerbetrieblich) organisierten, desto mehr Einfluß nahmen sie auf die Entscheidungen in den Unternehmen. Seit Ende der siebziger Jahre war es keine Ausnahme mehr, daß ein nicht akzeptierter Fabrikdirektor von Arbeitern auf einer Schubkarre vor die Fabriktore gesetzt und ein neuer verlangt wurde. Obwohl die linientreuen Fabrikdirektoren (anders konnte man kaum Direktor werden) die Partei hinter sich hatten, haben die parteilichen Entscheidungsträger aus Angst vor Ausschreitungen und Streiks den Forderungen der Arbeiter meistens nachgegeben.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. A. Arendarski (1992), S. 8 und M. Grabowski / K. Kulawczuk. (Hrsg.) (1992), S. 5.Google Scholar
  29. 29.
    Von ca. 157 Tsd. privater Handelsbetriebe 1946 sind 1953 nur 15,5 Tsd. geblieben. Der Beitrag des Privatsektors im Einzelhandel sank 1955 auf 3% (1950: 17,9%), der staatliche Sektor im Einzelhandel erreichte dagegen 1955 schon 43,3% der im gesamtem Handel getätigten Umsätze (1950: 26,7%); 53,6% der Umsätze waren von Handelsgenossenschaften erbracht (1950: 55%). Vgl. GUS (1969), S. 94.Google Scholar
  30. 30.
    Die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg günstige Situation im Handwerk endete bereits 1948. Im Zeitraum 1949–55 wurden zahlreiche Handwerksbetriebe geschlossen. Auch später, bis auf die kurze Periode der relativ freizügigen Behandlung des Handwerksbereiches nach 1956, haben verschärfte Restriktionen zu einer nur mäßigen Entwicklung dieses Sektors geführt. Vgl. K. Klosinski (1993), S. 17.Google Scholar
  31. 31.
    1998 gab es lediglich 167 aktive Polonia-Unternehmen. Einige von ihnen konnten der ausländischen Konkurrenz nach der Öffnung Polens nicht mehr standhalten, die anderen änderten ihre Rechtsform oder haben 32 mit anderen Firmen fusioniert. Vgl. o. V. (1998): Firmy polonijne nie odeszly do lamusa (1998), S. 12 f. Bis zum Ende 1989 waren in 419 Joint-Ventures und in 847 Polonia-Firmen etwa 130 Tsd. Personen beschäftigt.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. A. Arendarski (1992), S. 8.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. GUS (Hrsg.) (1992), Tab. 1, S. XIII.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. M. Grabowski / K. Kulawczuk (Hrsg.) (1992), S. 8.Google Scholar
  35. 35.
    Eine gewisse Ausnahme bildeten Ungarn und Polen. In Ungarn wurden schon seit Ende der 60er Jahre im Zuge der Wirtschaftsreformen die mittelständischen Strukturen in einem, für zentralgelenkte Planwirtschaften relativ hohen Ausmaß schrittweise zugelassen. In Polen wurde die Landwirtschaft nie verstaatlicht und blieb in den Händen der Privatbauern. Die Privatbetriebe im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel waren zwar wirtschaftlich unbedeutend und konnten sich kaum über ein sehr kleines Ausmaß hinaus entwickeln und expandieren. Im Handwerk und in den Dienstleistungen gab es jedoch teilweise relativ gut entwickelte mittelständische Strukturen. Auch im Bereich der Freien Berufe wurden u.a. private Anwaltskanzleien, Ärzte- und Zahnärztepraxen sowie Architekturbüros zugelassen.Google Scholar
  36. 36.
    Auf den zwar sehr wichtigen religiösen Einfluß kann hier nicht tiefer eingegangen werden. Es soll nur erwähnt werden, daß nach M. Weber die protestantische Religion (insbesondere die Calvinsche Prädestinationslehre) den “Geist des Kapitalismus” (wenn auch unbewußt) aus der Taufe hob, indem sie dem damals neu entstehenden Wirtschaftssystem die ethischen Grundlagen lieferte (vgl. M. Weber (1973)). Nach neueren Ansätzen liegen die wichtigsten Grundlagen des kapitalistischen Systems in den jüdischen und römischkatholischen Religionen (vgl. M. Novak (1996)).Google Scholar
  37. 37.
    Abgesehen von antiken philosophischen Ansätzen gehen die Ursprünge der heutigen freiheitlichen Stellung des einzelnen auf A. Smith zurück, da er in seinem “Wohlstand der Nationen” das Individuum und sein Selbstinteresse im Streben nach Nutzen in den Vordergrund gestellt hat. Dieses Gedankengut wurde von mehreren philosophischen und ideologischen Überlegungen begleitet (z.B. Hume, Rousseau,Voltaire) und mündete in der freiheitlichen, auf den Schutz der Menschenrechte (die als Naturrechte über der Staatsgewalt stehen) abstellenden, rechtspolitischen Ordnung (Lock, Montesquieu).Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. o. V. (1997), Öffentliches Gut, S. 34–39.Google Scholar
  39. 39.
    Es wird hier von ausländischen Niederlassungen abgesehen, da sie im mittelständischen Bereich (noch) keine bedeutende Rolle spielen.Google Scholar
  40. 40.
    Ausführlicher über die einzelnen Wege zur Entwicklung von KMU in Polen vgl. Kapitel 3.1. dieser ArbeitGoogle Scholar
  41. 41.
    Machtmonopol und zentrale Planung gaben durchaus die Möglichkeit, die ganzen Gebiete, ohne Rücksicht auf ökologische oder gesellschaftliche Gegebenheiten per Dekret zu industrialisieren. So wurde z. B. binnen weniger Jahre eine neue Industriestadt Nowa Huta (Neue Hütte) vor den Toren Krakaus aus dem Boden gestampft, um die Intelligenz-Stadt und traditionelle Hochburg des Antikommunismus durch den breiten Zufluß der Arbeiterklasse auf den ideologisch richtigen Weg zu bringen. In bezug auf die mit der Sowjetunion benachbarten Ostteile Polens waren die jeweiligen Regierungen wesentlich zurückhaltender. Somit hat man diese Gebiete den traditionell stark katholischen und den sozialistischen Ideen gegenüber resistenten Privatbauern überlassen.Google Scholar
  42. 42.
    Je nach Quelle wird die Schattenwirtschaft auf 15–19 % des BIP geschätzt.Google Scholar
  43. 43.
    Es braucht Zeit, bis sich die mittelständischen Strukturen konsolidiert und eine eigene bewußte Identität entwickelt haben. Sicherlich ist der polnische Mittelstand in der aktuellen Phase der Entwicklung noch nicht allen gesellschaftspolitischen Aufgaben gewachsen. Vgl. auch Kapitel 3.2.5. dieser Arbeit.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. o. V. (1997), Wunder an der Weichsel, S. 37.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

Authors and Affiliations

  • Eva Mroczek
    • 1
  • Liliane von Schuttenbach
    • 2
  • Mieczysław Ciurla
    • 3
  1. 1.MannheimDeutschland
  2. 2.DarmstadtDeutschland
  3. 3.WrocławPolen

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