Gestalttheorie und dialektischer Materialismus

  • Michael Stadler

Zusammenfassung

Sucht man nach den treibenden Kräften, die den Fortschritt der Wissenschaft Psychologie in diesem Jahrhundert bewirkt haben, so wird man zunächst im Rahmen der zunehmenden Vergesellschaftung der Wissenschaft in der Entwicklung der Sozialwissenschaft Psychologie zur unmittelbaren Produktivkraft die determinierende Kraft sehen. Jedoch ist dieser Fortschritt auch aus einem inneren Widerspruch der Wissenschaft Psychologie selbst heraus zu erklären, indem es nämlich bei ihrem Übergang von der ideologischen zur Kontrollfunktion aufgrund des “interhistorisch“ gesehen unterschiedlich weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadiums des Kapitalismus in den USA und in Europa zu Beginn dieses Jahrhunderts zur Ausbildung verschiedener sich stark bekämpfender psychologischer Schulen gekommen ist (vgl. AK Wissenschaftspsychologie 1975). Der Widerspruch zwischen der in Deutschland entstandenen Gestalttheorie und dem frühen amerikanischen Behaviorismus kann wissenschaftsimmanent als Kampf zwischen einer idealistischen und einer materialistischen Grundlegung der Psychologie beschrieben werden. Daß der Begriff des Kampfes hier durchaus angemessen ist, läßt sich an der Pointiertheit und Polemik der Formulierungen beider Richtungen in den 20er Jahren ablesen. Gestalttheorie und Behaviorismus hatten weder in ihren erkenntnistheoretischen Grundpositionen noch in ihren Methoden oder ihrem Gegenstand (den bevorzugten Arbeitsgebieten) viel gemein. Während die Gestalttheorie die phänomenale Welt als einzigen der Wissenschaft zugänglichen Seinsbereich ansah, schloß der Behaviorismus, in der Beschränkung seiner Forschungsperspektive auf das Verhalten, das Bewußtsein und alle mentalistischen Begriffe aus seinen wissenschaftlichen Fragestellungen aus.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1975

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  • Michael Stadler

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