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Friedrich Groos 1768–1852

Zusammenfassung

Hofrat Dr. Friedrich Groos, der erste ärztliche Direktor der badischen Heil- und Pflegeanstalt Pforzheim, wurde am 23. April 1768 in Karlsruhe (Baden) geboren als der jüngste Sohn des 1805 als Geheimer Rat des Großherzoglichen Geheimen Kabinetts daselbst gestorbenen Emanuel, Groos. Schon mit acht Jahren verlor er seine Mutter. Den ersten Unterricht erhielt er von seinem hochgebildeten Vater, um sodann seine weitere Ausbildung in dem von unserm deutschen Fabeldichter Pfeffei, unter dem Namen „Ecole militaire“ errichteten „Akademischen Erziehungsinstitut“ zu finden, an dem damals auch Lerse, Goethes Freund aus der Straßburger Zeit, als Lehrer wirkte. Trotz einem Augenleiden ging Groos 1788 an die Universität Tübingen, siedelte aber schon im Spätjahr des nächsten Jahres nach Stuttgart auf die „Hohe Karlsschule“ über. Ganz gegen seine Neigung, nur dem Wunsche seines Vaters sich fügend, studierte er dort Jurisprudenz und stand bereits vor dem Staatsexamen, als sein schon früh erwachter Hang zu den Naturwissenschaften ihn zur Medizin umsatteln ließ, nachdem er nahe daran gewesen war, sich der ihm verhaßten Rechtswissenschaft durch die Auswanderung nach Amerika zu entziehen. Mit größtem Eifer warf er sich auf dieses Studium, zunächst (1792) auf der Universität Freiburg (im damals noch österreichischen Breisgau), um sich dann vom Spätjahr 1793 an drei Jahre lang an der nächst Edinburg sich in Europa der größten medizinischen Berühmtheit erfreuenden, damals ebenfalls österreichischen Hochschule zu Pavia unter den hervorragendsten Lehrern jener Zeit, wie Peter Frank, Scarpa, Spalanzani, Volta u. a., so weit auszubilden, daß er in Freiburg den Doktorgrad erwerben und in Karlsruhe die ärztliche Staatsprüfung ablegen konnte. Dies geschah mit so ausgezeichnetem Erfolg, daß die Regierung ihm sogleich ein „Wartgeld“ zusicherte. Groos versah zunächst in Karlsruhe die Armenpraxis und den ärztlichen Dienst am Bürgerhospital, sich dabei rastlos wissenschaftlich weiterbildend. Diese lebhafte Betätigung seines ärztlichen Schaffensdranges wurde durch eine langdauernde und schwere Krankheit, über deren Natur sich nichts Genaueres mehr feststellen läßt, schmerzlich unterbrochen. In der langen Zeit, die seine völlige Genesung erforderte, widmete sich Groos eingehend philosophischen Studien; diese bestimmten später seine ganze Lebensauffassung und gaben auch seinem wissenschaftlichen Denken und Arbeiten die dauernde Richtung. Wiederhergestellt, wurde Groos im Jahre 1805 (nach dem Tode seines Vaters) zum Assistenzarzt des Stadtphysikus in Karlsruhe ernannt und erhielt schon ein Jahr später die Stelle des Physikus in Stein (jetzt zum badischen Bezirksamt Pforzheim gehörig). Dort verheiratete er sich mit Christiane Theilacker. Aus dieser Ehe gingen 12 Kinder hervor, von denen ihn aber nur fünf überlebten, darunter Karl Groos, der sich als Fabrikant in Pforzheim, dem Ort der früheren Wirksamkeit seines Vaters niedergelassen hat, und dessen noch lebenden Söhnen (Geheimer Oberregierungsrat Dr. Wilhelm Groos in Karlsruhe und Fabrikant Friedrich Groos in Pforzheim) ich für die freundliche Überlassung wichtiger Familienpapiere zu großem Danke verpflichtet bin. Im Jahre 1809 wurde Groos Physikus für die Ämter Gochsheim und Odenheim und im Jahre 1813 Amtsphysikus und Hofmedikus in Schwetzingen (unweit Mannheim), wo er sich während der schweren Zeiten der Befreiungskriege auszeichnete, ganz besonders in der erfolgreichen Bekämpfung schlimmer Kriegsepidemien.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1921

Authors and Affiliations

  • Barbo
    • 1
  1. 1.PforzheimDeutschland

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