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Die Blutplättchen beim Gesunden und Kranken Pferd, Hund und Schwein

  • Pertev Hikmet

Zusammenfassung

Unsere Kenntnisse von dem dritten Formelement des Blutes, den Blutplättchen, sind die Frucht der hämatologischen Arbeiten in den letzten 50 Jahren. Die erste genaue Beschreibung der Blutplättchen und ihre Erkennung als selbständige Gebilde ist das Werk und das Verdienst Hayems 1), der durch seine Arbeiten in der Zeit von 1876–1882 als der Entdecker dieser Gebilde zu betrachten ist. Den Arbeiten Hayems folgten bald die ausgezeichneten Untersuchungen Bizzozeros 2), der viele neue Tatsachen aufdeckte und neue Gesichtspunkte in dieser Frage mitteilte. Seine Studien hatten eine große Reihe hämatologischer Arbeiten zur Folge, die sich insbesondere mit der Erkennung der Herkunft der Blutplättchen befaßten. Hayem hält die Blutplättchen für die Vorgestalt der kernlosen roten Blutzellen und ist hinsichtlich ihrer Abstammung aus postembryonalem Leben der Ansicht, daß sie vielleicht von den roten Blutzellen selbst gebildet werden. Als Beweis für seine Ansicht führt er an, daß die Struktur der Blutplättchen und der Erythrocyten übereinstimmt. Im Gegensatz zu Hayem hält Bizzozero die Blutplättchen für vollkommen selbständige Gebilde des Blutes. Auch Detjen 3) erachtet die Blutplättchen für selbständige Formelemente, besonders auf Grund der Tatsache, daß sie, wie er nachweisen konnte, eine amöboide Bewegung haben, und daß durch gewisse Färbemethoden ein Kernbestand in ihnen nachgewiesen werden konnte. Petrone 4) untersuchte die mikrochemischen Eigenschaften der Blutplättchen und fand, daß die mikrochemische Reaktion des Protoplasmas der roten und weißen Zellen vollständig von denen der Blutplättchen differiert. Er nahm auf Grund dieser Tatsachen Stellung für die Selbständigkeit dieser Gebilde. Während die einen Autoren die Blutplättchen für präformierte Formelemente des lebenden Blutes erachten, treten andere Forscher wieder für die Auffassung als Zersetzungsprodukte oder für postmortale Gebilde ein. Die Ansicht Bizzozeros, daß die Blutplättchen ganz selbständige, von den roten und den weißen Blutzellen vollständig unabhängige Bestandteile des Blutes seien, begegnete später dann immer heftigerem Widerspruch. Ein großer Teil der Forscher erkannte zwar an, daß die Blutplättchen im fließenden Blut vorhanden sind, erachtete sie aber nicht für selbständige Gebilde, sondern der eine Teil für Derivate der roten, der andere Teil für Derivate der weißen Blutzellen. Lilienfeld 5) betrachtete die Blutplättchen z. B. für Abkömmlinge des Kernes der Leukocyten. Schon Hayem hat die Vermutung ausgesprochen, daß sie aus den roten Zellen entspringen. Nach ihm haben zahlreiche Forscher ähnliche Ansichten entwickelt. Nur darüber herrschte Widerspruch, aus welchem Teile der Erythrocyten die Blutplättchen entstehen. Arnold 6) behauptet auf Grund seiner Untersuchungen, daß sich an den roten Blutzellen intra- und extravasculäre Abschnürungsprozesse abspielen. Die abgeschnürten Teile zeigen in bezug auf Größe, Form und Hämoglobingehalt große Verschiedenheiten. Es gibt daher runde, eckige und scheibenförmige Gestalten. Nach Engel 7) waren alle roten Blutkörperchen einmal kernhaltige Zellen, deren Kern durch Karyolyse scheinbar verschwunden ist. Die morphologische Gestalt des Kernes ist verloren gegangen, aber die chemischen Bestandteile, aus welchen er gebildet war, sind erhalten geblieben und der Kern hat nur eine andere Gestalt angenommen. Die eine Gestalt ist die in einigen Fällen in den roten Blutkörperchen sichtbare basophile Granulation, die andere, häufigere, ist das amorphe Blutplättchen. Jede rote Zelle, die eine Delle besitzt, hat ihr Blutplättchen bereits verloren; bei rundlicher Gestalt ist es noch in der roten Blutzelle vorhanden. Pappenheim 8) konnte auf Grund einer gewissen Färbemethode in den roten Blutzellen das „Nucleoid“ nachweisen. In gewissen Fällen gelangt das Nucleoid an die Oberfläche und wird als längliches Gebilde ausgestoßen. Außerhalb der Zelle nimmt es eine runde Gestalt an und bildet das Blutplättchen, während im Mittelpunkt der Zelle ein kleines farbloses Grübchen zurückbleibt. Außerdem unterscheidet Pappenheim auch noch die in gewissen roten Blutzellen vorkommenden „Binnenkörperchen“, welche, ausgestoßen, die kleinen Blutplättchen darstellen sollen. Auch Schneider 9) läßt die Blutplättchen aus den roten Blutzellen entstehen, gibt aber andererseits auch zu, daß ein kleiner Teil der Blutplättchen aus weißen Blutzellen entspringe. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß es Autoren gibt, welche die Blutplättchen für selbständige Gebilde halten, während andere in ihnen nur Zellderivate sehen. Einige lassen sie aus den weißen Blutzellen, andere aus den roten Blutkörperchen entspringen. Auch wird von einigen die Ansicht vertreten, daß sie keine Bestandteile des lebenden Blutes sind, sondern nur durch äußere Einwirkungen entstandene Niederschläge.

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Schrifttum

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Pertev Hikmet
    • 1
  1. 1.BalikessirTürkei

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