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Das intermittierende Hinken oder die Gangstockung

  • Georg Hohmann

Zusammenfassung

Wohl zu unterscheiden von den bisher behandelten, durch Knickplattfuß oder Hohlfuß bedingten statischen Beschwerden am Fuß und Bein sind die Schmerzzustände, die wir unter dem Namen des intermittierenden Hinkens, der Claudicatio intermittens (Charkot) oder der Dysbasia angiosclerotica (Erb) seit langer Zeit kennen. Schon die Anamnese weist uns auf das Leiden hin und veranlaßt uns, nach dieser Richtung hin zu untersuchen. Wie der Name besagt, handelt es sich um anfallsweise beim Gehen auftretende Schmerzzustände. Der Patient geht 10 bis 15 Minuten. Dann tritt plötzlich ein heftiger Schmerz im Fuß und in der Wade auf, oft krampfartig, ziehend, begleitet von taubem oder prickelndem, stechendem Gefühl in der Haut, die wie eingeschlafen ist. Der Schmerz ist oft so stark, daß der Patient stehenbleiben muß, weil das Bein den Dienst versagt. Nach einigen Minuten Ausruhen ist der Anfall vorüber, der Patient geht weiter, um wieder nach kurzer Zeit einen neuen ähnlichen Schmerzanfall zu bekommen. Muskat hat den Zustand treffend als Gangstockung bezeichnet. Dabei ist der Fuß mehr oder weniger kalt, bald leichenhaft blaß, bald cyanotisch verfärbt, bisweilen zeigt er auch einige hellrote Flecken. Die Untersuchung hat vor allem auf die Fußpulse zu achten. Wir müssen dem Fuß den Puls fühlen, sagt Erb, dem wir genaue Untersuchungen über die Krankheit verdanken. In Betracht kommen die Art. dorsalis pedis und tibialis postica. Sie zu finden ist in manchen Fällen nicht ganz einfach. Besonders bei abnormem Verhalten kann das Suchen mühsam sein, zumal auch die Gefäße verlagert sein können. Bisweilen fehlt nur der eine Puls und der andere ist abgeschwächt fühlbar, bisweilen ist keiner zu fühlen, manchmal ist er nur zentral festzustellen und verschwindet peripherwärts, wo die Gefäße dünner werden. Wir vergleichen immer die Pulse beider Füße, untersuchen auch den Puls an der Poplitea und Femoralis und vergleichen auch den Puls an Radialis oder Carotis. Die Untersuchung nehmen wir in horizontaler Lage des Kranken vor, wobei das Bein von beengenden Kleidungsstücken frei sein muß. Kalte Füße erwärmen wir durch ein heißes Bad oder untersuchen im Bett. Bei Hochlagerung werden die Beine anämisch und die Beschwerden nehmen in fortgeschrittenen Fällen zu. Die Störungen sind wie gesagt sensibler, motorischer und vasomotorischer Art. Fast ausschließlich beobachten wir das Leiden bei Männern zwischen 20. und 40. Lebensjahr. Bei älteren Leuten denken wir mehr an die Arterienverkalkung, bei jüngeren an die Arteriitis oder Endarteriitis obliterans. Oft sehen wir Pulslosigkeit infolge schwerer Arteriosklerose und trotzdem kein intermittierendes Hinken. Wir werden immer das Röntgenbild befragen, das die Arteriosklerose der geschlängelten Arterien an Unterschenkel und Fuß mitunter, jedoch nicht immer, deutlich zeigt. Außer an A. tib. post. und dors. pedis sieht man an den intermetatarsalen Gefäßen die Verkalkung. In diesen Fällen besteht oft ein ausgesprochener Fußsohlenschmerz. Da das Leiden zu Gangrän führen kann, ist eine sorgsame Untersuchung immer notwendig. Um die Gangrän zu verhüten, ist die Erkennung des Anfangsstadiums sehr wichtig. Prodromalerscheinungen, die oft jahrelang bestehen können, sind Parästhesien, rheumaähnliche Beschwerden und Kreislaufstörungen in Fuß und Bein.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1939

Authors and Affiliations

  • Georg Hohmann
    • 1
  1. 1.Orthopädischen Universitäts-KlinikFrankfurt a. M.Deutschland

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