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Die Vorherrschaft des klinisch-pathologischen Gesichtspunktes in der Psychiatrie

  • Arthur Kronfeld

Zusammenfassung

Wer unbefangen an das Studium der Geisteskrankheiten herantritt, nicht beirrt von mitgebrachten klinischen Meinungen, dem bietet sich als alleiniges und unmittelbares Ausgangsmaterial für alle seine Bemühungen um Erkenntnis nur eines — und nach welchen Richtungen er auch immer seine Forschungsmaterialien erweitern mag, stets muß er zu diesem ursprünglichen Ausgangspunkte zurückkehren: das abnorme Seelengeschehen und seine Äußerungsweisen. Es bleibe zunächst außer Betracht, in welchem Sinne und unter welchen Kriterien dies Seelengeschehen und seine Äußerungsweisen als „abnorm“ beurteilt werden. Es bleibe ferner außer Betracht, wie wir von diesem Seelengeschehen ein Wissen erlangen, und inwieweit die Äußerungsweisen des abnormen Seelenlebens uns sein Bestehen und seine Qualitäten anzeigen. Diese Fragen bedürfen einer besonderen Untersuchung. Setzen wir unabhängig davon als Ausgangspunkt fest: es ist, auf eine hier nicht zu erörternde Weise, abnormes Seelengeschehen mannigfaltiger Art konkret und exemplarisch gegeben. Dann ist das so Gegebene die prima materia der Wissenschaft Psychiatrie, der eigentliche Gegenstand all ihrer Untersuchungen. Es ist das Tatsachenmaterial, von welchem jede mögliche psychiatrische Forschung auszugehen hat — wohin sie auf ihrem Erkenntniswege auch gelangen möge. Wissenschaft aber ist Beschreibung, Zergliederung, Ordnung, Erklärung. Sie macht das Zufällige bestimmt und notwendig und in seiner Notwendigkeit begreiflich1.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1927

Authors and Affiliations

  • Arthur Kronfeld
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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