Zusammenfassung

Das Jahr 1885 nahm einen normalen Anlauf, schon im Februar zeigten sich aber sehr bedeutende Abweichungen, die uns bis in den Juni hinein begleiteten. Der Kampf zwischen Kälte und Wärme wurde nämlich mit großer Heftigkeit und dem wechselndsten Erfolge geführt. Unter der Einwirkung kurzer, unnatürlich warmer Zeitabschnitte im März und April nahm die Vegetation Ansätze rascher Entwickelung, um dann auf lange Zeit unter dem Einflusse niederer Temperaturen zu stocken. Am 1. Mai hatte sie gegen Normaljahre wohl noch einen kleinen Vorsprung; anders stand es dagegen am 1. Juni, da war sie weit zurück. Die Maienkühle war in ihrer Dauer fast unerlaubt. Wenn die gestreugen Herrn ihr Recht ausübten und uns mit Hagel, Schneemassen und kaltem Regen überschütteten, so konnten sie auf ihren eben unholden Charkter sich berufen, aber daß die Temperatur Wochen lang sich in der Nähe des Gefrierpunkts bewegte und vom Wonnemonat so gar nichts übrig blieb, lief gegen die Erwartung. Zum Schluß meinte der Mai wohl, daß er noch etwas an seinem „Mittel“ auszubessern habe und so fügte er noch einige brennendheißen Tage ein, die vielfach das junge Laub verdorren machten.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1886

Authors and Affiliations

  • W. Weise
    • 1
  1. 1.technischen Hochschule zu Karlsruhe u. ForstrathDeutschland

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