Manisch-depressives Irresein

  • Gerd Peters
Part of the Handbuch der Speziellen Pathologischen Anatomie und Histologie book series (SPEZIELLEN)

Zusammenfassung

Die pathologische Anatomie des erblichen manisch-depressiven Irreseins ist unbekannt Mannigfache Theorien bezüglich des Wesens der zirkulären Psychose sind erörtert worden. So hat Meynert 1889 die Meinung ausgesprochen, daß den verschiedenen Gemütszuständen der Manie und der Melancholie eine differente Sauerstoffversorgung der Nervenzellen der Hirnrinde zugrunde liegt. Der Manie gehe eine funktionelle Gefäßerweiterung parallel, bei der Melancholie liege Vasoconstriction mit Hemmung der corticalen Funktionen vor. Auch Thalbitzer glaubte die pathologisch-anatomische Grundlage der Psychose in einer Dysfunktion des vasomotorischen Nervensystems des Gehirns suchen zu müssen. Nach Helweg verlaufen die Vasomotoren der Hirngefäße in der Dreikantenbahn, die bei Geisteskranken zum Unterschied von Geistesgesunden besonders zarte Fasern enthalten soll. Die Struktureigentümlichkeit der Nervenfasern sei angeboren und nicht erworben. Nach Bresler ist die Manie ein Ausfallssymptom, das durch den Ausfall der Funktion einer bestimmten Art von Rindenzellen mit kurzen Fortsätzen entstehen soll. Die Grundstörung sei die Depression. Die Manie sei gleichsam als Ausfalls- bzw. Enthemmungserscheinung aufzufassen. Anglade und Jaquin glaubten die Grundlage des zirkulären Irreseins in einer Beeinträchtigung des Gleichgewichtszustandes zwischen Neuroglia und Nervenzellen sehen zu können. Aus dem Marburgschen Institut liegt eine Untersuchung von Takase vor, nach welcher beim manisch-depressiven Irresein chronische Nervenzellveränderungen bzw. Zellsklerosen vorwiegend in der 3. Rindenschicht angetroffen wurden.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1956

Authors and Affiliations

  • Gerd Peters
    • 1
  1. 1.BonnDeutschland

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