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Spezielle pathologische Röntgenanatomie, Symptomatologie und Diagnostik

  • Ernst G. Mayer
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Zusammenfassung

Unter der Bezeichnung „akute Mittelohrentzündung (Otitis media exsudativa acuta)“ werden klinisch alle Formen von akut entzündlich-exsudativen Veränderungen der Mittelohrschleimhaut zusammengefaßt, die sich durch deutliche Entzündungserscheinungen auch an der Trommelfellmembran zu erkennen geben. „Der pathologisch-anatomische Vorgang selbst deckt sich vollkommen mit den allgemein pathologisch-anatomisch bekannten Vorgängen der akuten exsudativen Entzündung, wie sie sich auch an anderen Schleimhäuten und analog zusammengesetzten Gewebsformationen abspielen. Wir finden die charakteristischen Veränderungen der Entzündung am Gefäßnetz, die starke Hyperämie und Erweiterung der Gefäße, die gesteigerte Exsudation von Blutflüssigkeit, die seröse und ödematöse Durchtränkung des Gewebes, die Auswanderung bzw. Vermehrung weißer Blutkörperchen, die Durchsetzung der subepithelialen Gewebsschichten mit diesen aus- und zugewanderten oder auch neu entstandenen Zellen und alle sonst noch in Betracht kommenden Erscheinungen eines exsudativen Entzündungsprozesses (Blutaustritt u. dgl.) meist vollzählig in mehr oder weniger ausgesprochenem Maße (Wittmaack).“ Die Intensität, der zeitliche Ablauf und der endgültige Ausgang des Prozesses ist außerordentlich großen Schwankungen unterworfen, die sich als abhängig erweisen von der Schleimhautkonstitution, dem Pneumatisationszustand, der Art der Infektion und dem Allgemeinzustand des Patienten. Das Übergreifen der Entzündung von den oberflächlichen Schichten der Schleimhaut auf das subepitheliale Gewebe wird im allgemeinen um so leichter erfolgen, je niedriger die Epithelschichte ist. Für die Ausbreitung und Fortentwicklung der Entzündung im subepithelialen Gewebe sind die Bedingungen um so günstiger, je gefäßreicher dasselbe ist und je zarter, lockerer sein Aufbau ist. Der Pneumatisationszustand spielt nicht nur insoferne eine wesentliche Rolle im Verlauf der akuten Mittelohrentzündung, als mit pathologischer Pneumatisation eine hyperplastische oder fibröse Umwandlung der Schleimhaut verbunden ist, sich also entweder eine hohe Epithelschicht oder ein derbes, gefäßarmes Gewebe findet, sondern auch dadurch, daß bei schweren Formen der Pneumatisationshemmung infolge der geringen Ausdehnung des Zellsystems oder seines völligen Fehlens eine nennenswerte Ausbreitung des Entzündungsprozesses in. den Warzenfortsatz hinein kaum in Betracht kommt Unter den Infektionskeimen, welche bei der akuten exsudativen Entzündung der Mittelohrschleimhaut gefunden werden, überwiegen bei weitem die Eiterkokken (Streptokokken, Pneumokokken und Staphylokokken). Am häufigsten finden sich Streptokokken. Von diesen ist der Streptococcus mucosus von besonderem Interesse, da die Streptococcus mucosus-Otitiden bisweilen einen ganz besonderen Verlauf zeigen. Diese Besonderheit besteht darin, daß die entzündlichen Veränderungen am Trommelfell auffallend gering bleiben, trotzdem aber sich in der Tiefe des pneumatischen Zellsystems schwere, eitrige Entzündungsprozesse abspielen können. Zu ähnlichen Erscheinungen kann der in seiner pathologischen Bewertung dem Streptococcus mucosus nahestehende Friedländersche Bacillus führen, doch ist sein Vorkommen wesentlich seltener.

Notes

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1930

Authors and Affiliations

  • Ernst G. Mayer
    • 1
  1. 1.Zentral-Röntgeninstitut Professor Dr. G. HolzknechtWienÖsterreich

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