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Wachstum und Körperform

  • Arthur Weil

Zusammenfassung

Die Eigenschaft zu wachsen, d. h. durch Zueigenmachen der zugeführten Nahrungsstoffe ihre Masse zu vergrößern und durch Teilung sich zu vermehren, kommt jeder lebenden Zelle zu. Auch außerhalb ihres Verbandes mit dem Organismus kann man die Zellen fortzüchten; bekannt sind die Versuche Carrels, dem es gelang, in geeigneter Nährlösung bei Körpertemperatur im Brutschrank die verschiedensten Gewebe weiter zu züchten, Bindegewebe nach den letzten Veröffentlichungen über 7 Jahre lang (Ebeling). Ist diese Eigenschaft nun durch eine besondere »Wachstumsenergie« bedingt, eine besondere Lebenskraft, wie sie die Vitalisten (Driesch u. a.) annehmen, oder genügen Veränderungen der äußeren Umgebung, Reize chemischer, mechanischer und anderer Art, um die ruhende Eizelle durch Veränderung ihres Quellungsvermögens, durch Anlagerung zugeführter Nahrungsbestandteile zur Zellteilung anzuregen, und sind nach J. Loeb alle diese Vorgänge auf rein physikalisch-chemische Gesetze zurückzuführen? — Wir begnügen uns damit, alle diese Fragen, deren Erörterung einem Lehrbuch der allgemeinen Physiologie überlassen bleiben muß, nur anzudeuten und nehmen die Eigenschaft der Zellen zu wachsen als gegeben hin. — Wenn die einzelnen Zellen sich selbst überlassen wären, wie bei Fortzüchtungsversuchen im Reagenzglase, dann würden wir nie organisierte Lebewesen erhalten; zur Bildung der Form gehören außer dem Zusammenwirken der verschiedensten Zellverbände bestimmte Faktoren, die teils durch Vererbung von vornherein bestimmt sind, teils durch Einflüsse äußerer Art bedingt werden. Die Lehre von diesen gestaltenden Ursachen, von der Art und Bedeutung dieser einzelnen Faktoren ist die Entwicklungsmechanik. Ihr Begründer W. Roux unterscheidet drei Perioden der Gestaltbildung: 1. Anlage der Gewebe und Organe durch vererbte, schon im Keim enthaltene gestaltende Determinationsfaktoren ohne Einfluß der Funktion und Ausbildung einer bestimmten räumlichen Anordnung, die im Embryo durch die Furchung und die Bildung der ersten Organanlagen gegeben ist. 2. Zusammenwirkung der vererbten Determinationsfaktoren mit den nach der histologischen Differenzierung durch die beginnende Funktion der Organe erzeugten Reizen. 3. Ausbildung der endgültigen Organ- und Körperform unter dem Einfluß der verschiedenen physiologischen Funktionen. — Unsere Aufgabe wird nun darin bestehen, die Bedeutung der inneren Sekretion als »Realisationsfaktor« darzulegen; die Erforschung der durch Vererbung bedingten »Determinationsfaktoren« kommt für uns nur so weit in Betracht, als es zu prüfen gilt, wieweit der Einfluß der Funktion der Blutdrüsen auf die Entwicklung des Embryos in der zweiten Periode von diesen ersteren Faktoren abhängt.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1922

Authors and Affiliations

  • Arthur Weil
    • 1
  1. 1.Institut für SexualwissenschaftUniversität HalleBerlinDeutschland

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