Ueber die Zulässigkeit der Annahme eines elektrischen Sonnenpotentials und dessen Bedeutung zur Erklärung terrestrischer Phänomene 1883

(Vorgelegt d. k. Akad. d. Wissensch. zu Berlin am 31. Mai.) 1883
  • Werner Siemens

Zusammenfassung

Mein Bruder, Sir William Siemens, hat in seiner Schrift „On the conservation of solar energy“ die Hypothese aufgestellt, dass die Sonne ein hohes elektrisches Potential besässe, welches vielleicht die Lichterscheinung des Zodiacallichtes hervorbrächte. Er erklärt die Entstehung und Erhaltung dieses elektrischen Potentials durch Reibung der nach seiner Theorie der Sonne in ihren Polarregionen aus dem Weltraum zuströmenden, durch die von ihr ausgehenden Licht- und Wärmestrahlen dissociirten Materie. Diese würde nach eingetretener Verdichtung wieder verbrennen und dann dem Sonnenäquator zuströmen. Hierbei würde sie durch Reibung mit dem rotirenden Sonnenkörper elektrisirt werden und dann durch die Centrifugalkraft der Sonnenrotation im elektrisirten Zustande von Neuem im Weltraum verbreitet.

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Referenzen

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  5. 1).
    Hr. Hittorf sagt in einer Mittheilung in Wied. Ann. Bd. 19, S. 73, dass meine der Akademie am 9. Nov. 1882 gemachte Mittheilung, dass Gase bei Tempe-raturen von 1500 bis 2000° C. noch vollständig dunkel erscheinen, wenn sie voll-kommen flammenfrei sind, und dass das Leuchten der Gase beim Durchgänge eineselektrischen Stromes ein ähnlicher Vorgang sei, wie das Leuchten einer Flamme,welche keine festen Bestandtheile ausscheidet, von ihm selbst und Anderen schonfrüher bekannt gemacht sei. Ich gebe dies hinsichtlich des Nichtleuchtens heisserGase gern zu, habe überhaupt keine Prioritätsansprüche an diese Mittheilung ge-knüpft, glaube jedoch, dass ich zuerst experimentell nachgewiesen habe, dass so hoch erhitzte Gase wirklich vollkommen dunkel erscheinen, wenn auch die heisse Luftschicht über einen Meter dick ist und das Auge durch volle Dunkelheit den höchsten Grad von Empfindlichkeit angenommen hat. Die Hittorf’sehen Versuche wiesen nur eine relative Dunkelheit heisser Gase nach. Die Leitungsfähigkeit der Gase anlangend, die Faraday für hohe Spannungen schon annahm, so habe ich in meinem oben angeführten, ca. 25 Jahre älteren Aufsatze bereits das allgemeine Gesetz aufgestellt, nach welchem die Leitungsfähigkeit der Gase beginnt. Hierauf möchte ich auch Hrn. E. Wiedemann hinweisen, welcher die Priorität für die Er-klärung des Leuchtens der Gase beim Durchgänge eines elektrischen Stromes als Folge einer dielektrischen Polarisation in Anspruch nimmt.Google Scholar
  6. 1).
    Der Versuch wurde in der Weise augestellt, dass ein ringförmiger Gas-brenner isolirt wurde. Bei geöffnetem Gashahn erhob sich über demselben eine etwa 15 cm hohe cylindrische Flamme von ca. 2 cm Durchmesser. Die Flamme durchstrich einen isolirt angebrachten, sie concentrisch umgebenden Metallcylinder von ca. 8 cm Durchmesser. Zur Herstellung der leitenden Verbindung mit der Flamme wurde ein isolirter kreisförmig gebogener Platindralit in den unteren Theil der Flamme gelegt. Die zwischen diesem Platindraht und dem Metallcylinder durch eine galvanische Kette von 50 Daniells stattfindende Ladung wurde nun mit Hülfe meiner bekannten, schnell oscillirenden elektro-magnetischen Wippe gemessen, und zwar abwechselnd bei fast ganz geschlossenem und bei geöffnetem Gashahn. Die Differenz der Ablenkungen des Spiegelgalvanometers war dann ein Mass der Capa- cität der aus Flamme und Metallcylinder gebildeten Leydener Flasche. Die erzielten Resultate sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt: Zahl der Oseillationen der Wippe pro Minute Differenz der Sealenablenkung zwischen niedriger und hoher Flamme Grösse einer Entladung Die wachsenden Zahlen der letzten Columne zeigen, dass bei langsamen Schwingungen ein Theil der Flaschenladung durch Leitung verloren ging.Google Scholar
  7. 1).
    Berl. Ber. 1876, S. 211—216.Google Scholar
  8. 1).
    Bei einer Reise auf dem mittelländischen Meere hatte ich in der Nähe der spanischen Küste zwischen Carthagena und Almeria im Winter 1865 Gelegenheit, den Verlauf der Erscheinung einer Wasserhose zu beobachten, welcher mir entschieden für diese Auffassung zu sprechen scheint. Zwischen dem Schiffe und der Küste in der Nähe von Almeria zeigte sich bei lebhaft bewegter, sogenannter todter See ohne wesentliche Luftbewegung eine schwarze, dichte, aber, wie es schien, nicht hohe Wolkenbank, unter welcher das Meer in wildester Bewegung zu sein schien. Es erschien dort als ein weisser, hoch aufschäumender, ziemlich runder Fleck, dessen Durchmesser die Seeleute auf 2 bis 3 Seemeilen schätzten, während seine Umgebung nur glatte Wellenzüge ohne alle Sturzwellen zeigte. Trotz der beträchtlichen Entfernung des Schiffes von der heftig bewegten Stelle, die mehrere Seemeilen betrag, konnte man doch deutlich durch das Fernrohr erkennen, dass die wilde Brandung der Meeresoberfläche sich mehrere Meter über die scharf abgegrenzte Oberfläche des relativ ruhigen Meeresspiegels erhob. Die Wolke senkte sich an einer Stelle trichterförmig nieder und bildete einen dem Rüssel des Elephanten ähnlichen, gekrümmten Wolkenstreifen, der bis ziemlich nahe zu der schäumenden Meeresfläche hinabreichte und sich unten etwas verästelte. Eine vollständige Berührung mit der schaumigen Fläche war nicht zu erkennen, auch fand auffallender Weise unter dem Wolkenrüssel kein stärkeres Schäumen des Meeres als an den übrigen Stellen statt. Der Rüssel selbst rotirte langsam, wenn ich mich recht erinnere, im Sinne der Bewegung des Uhrzeigers über dem weissen Fleck, und zwar nahm auch seine Verbindungsstelle mit der Wolke an dieser Bewegung Theil, wenn auch nicht in gleichem Umfange. Leider entzog uns die einbrechende Nacht und die wachsende Entfernung nach etwa halbstündiger Beobachtung, während welcher der Rüssel etwa anderthalb Umdrehungen gemacht hatte, wobei seine Spitze sich constant auf etwa 1/3 des Radius des weissen Fleckes von dessen Rande erhielt, die weitere Betrachtung dieses interessanten Phänomens, welches mit mir mein Bruder William und seine Frau, sowie die zur Besatzung des französischen Kabelschiffes, auf welchem wir uns befanden, gehörigen Marine- ofüciere mit grösster Spannung verfolgten. Von einer Wirbelbewegung war bei demselben nichts zu bemerken. Es herrschte beinahe Windstille. Es konnte nur eine rein elektrische Erscheinung sein, die in einer elektrischen Strömung von der Erde zur Wolke bestehen musste. Nimmt man an, dass diese Strömung an einer Stelle so stark geworden war, dass sich hier durch elektrische Fortführung der Flüssigkeit eine leitende Wasserstrasse zwischen Meer und Wolke bildete, so erklärt sich auch die Rotation des Rüssels unter dem Einflüsse des Erdmagnetismus. Während der Nacht tobte an der spanischen Küste ein Gewitter, dessen Entstehung wir wahrscheinlich in der Trombe beobachtet hatten. Doch schien diese selbst ihren Lauf später von der spanischen nach der afrikanischen Küste gerichtet zu haben, denn gegen Ende der Nacht wurde unser Schiff nahe derselben von einem nur wenige Minuten andauernden, so furchtbaren Unwetter befallen, dass es dadurch in die grösste Gefahr gerieth, und die Seeleute der festen Ansicht waren, die Trombe sei über das Schiff fortgegangen.Google Scholar
  9. 1).
    Krönig liat bereits den Nachweis geführt, dass der mit einem aufsteigenden Strome gemischte Wasserdampf durch seine Condensation keine Volum-verminderung, sondern eine Volumvergrösserung herbeiführt, da die latente Wärme des Dampfes das Volumen der Luft weit mehr vergrössert, als das Volumen des condensirten Dampfes beträgt. Fortschr. d. Phys. Bd. 20, S. 626.Google Scholar
  10. 2).
    Es ist jedoch höchst wahrscheinlich, dass sowohl Wasser wie Dampf in den hohen Luftregionen ihren Aggregatzustand bis weit unter die Temperatur ihres Gefrier-, resp. Condensationspmiktes beibehalten. Dass das Wasser ohne Gegenwart von die Krystallisation einleitenden festen Körpern und ohne heftige Er-schütterungen bis weit unter — 20° abgekühlt werden kann, ohne zu gefrieren, steht fest. Dass Dampf in gleicher Weise die Dampfform unter seinem Condensations- punkte noch beibehalten kann, steht experimentell noch nicht fest. Wir kennen nur die Verzögerung des Siedepunktes, die so häufig zu Dampfkesselexplosionen Veranlassung giebt. Es ist jedenfalls nicht unwahrscheinlich, dass dieser Verzögerung des Siedens auch eine Verzögerung der Condensation gegenübersteht. Durch Versuche lässt sich dies nur schwer constatiren, da die Mittel fehlen, eine Dampf-masse ausser Berührung mit festen oder flüssigen Körpern abzukühlen. Es ist ohne diese Annahme nicht gut zu erklären, warum der Himmel nicht immer ganz mit Cirruswolken bedeckt ist — es müsste denn angenommen werden, dass flüssig gewordene Wassertheilchen in der grossen Verdünnung der höheren Luftschichten nicht als Wolken erscheinen.Google Scholar
  11. 1).
    Fortsehr. d. Phys. 1852, S. 762.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1889

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  • Werner Siemens

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