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Psychologische Wegleitung

  • E. Bleuler

Zusammenfassung

Die menschliche Psyche ist in allen ihren Funktionen so sehr abhängig von dem Großhirn, daß der Ausdruck gebraucht wird, sie habe daselbst ihren Sitz. Selbstverständlich sind die nervösen und damit die Gehirnfunktionen eine Spezialisierung von Funktionen, die im Keim schon bei den einfachsten Tieren vorkommen, und so kann man denn auch — objektiv genommen — eine kontinuierliche Stufenleiter vom einfachsten Reflex eines Infusors bis hinauf zu den höchsten psychischen Funktionen sehen. Aus mancherlei Gründen wird aber von Vielen ein absoluter Unterschied zwischen körperlichen bzw. zentralnervösen und psychischen Vorgängen angenommen. Der wichtigste dieser Gründe ist die Existenz des Bewußtseins, das für das Psychische charakteristisch sein, andern Funktionen aber fehlen soll. Das ist aber ein Unterschied nicht der Sache, sondern des Standpunktes, von dem aus wir die Vorgänge im psychischen Organ betrachten.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Bleuler, E.: Naturgeschichte der Seele. Berlin: Julius Springer, 1921. Bleuler, Lehrbuch der Psychiatrie. 5. Aufl. 1Google Scholar
  2. 1.
    Auch wenn die „occulten“ Phänomene nicht auf Täuschungen beruhen, so zwingen sie bis jetzt nicht zur Annahme einer außerhalb des Körpers existierenden Seele, die der des lebenden Menschen gleich kämeGoogle Scholar
  3. 1.
    Ich rede nicht von „psychopetalen“ Funktionen, weil zwar eine „Richtung” gegeben ist, aber doch sowohl die ein-wie die ausgehenden Funktionen, soweit sie in der Psychologie in Betracht kommen, innerhalb der Psyche verlaufen. Man tut indessen gut, sich hier unter „Zentrum” und „Richtung“ nur Symbole, aber möglichst wenig eigentlich Räumliches vorzustellen,während allerdings die Wege zwischen Sinnesorgan und Gehirn und zwischen Gehirn und Muskel räumlich vorgestellt werden müssen.Google Scholar
  4. 2.
    Psychokym“ bezeichnet psychische Vorgänge in physiologischer Auffassung, d. h. das einer Energieform analog gedachte, das Zentralnervensystem durchfließende Etwas, das den psychischen Vorgängen zugrunde liegt. „Neurokym” bezeichnet die nervösen Vorgänge im allgemeinen.Google Scholar
  5. 1.
    Ähnliches oder Analoges hat gemeinsame Teilpsychismen Ferner ist die Empfindlichkeit der Psyche (eventuell des Zentralnervensystems) für Unterschiede eine beschränkte. Was sich durch unterhalb der Unterschiedsschwelle liegende Differenzen unterscheidet, erscheint und wirkt als Gleichheit.Google Scholar
  6. 1.
    Foael: Der Hypnotismus. 10. Aufl. Stuttgart: Enke 1921.Google Scholar
  7. 2.
    Es kann aber auch der Affekt bloß bei dem Suggerierten vorhanden sein, indem eine an sich gleichgültige Bemerkung einen affektbetonten Komplex trifft: ein unheilbar Kranker hört von einer Wunderkur in gleichgültigem oder sogar abschätzigem Tone reden und begeistert sich sofort dafür, sie selbst zu versuchen. Das Richtige an den Vorstellungen CouÉs liegt darin, daß überhaupt der Affekt des Suggerierten allein das Maßgebende ist, und daß die Verknüpfung einer Idee mit dem wirkenden Mechanismus durch das Unbewußte gehen muß; dem bewußten Willen stehen diese tJbergänge gar nicht zur Verfügung, er hindert deswegen oft, aber nicht immer, wie Coub meint, den Suggestionserfolg; jedenfalls aber wirkt eine Idee, alles übrige gleich gesetzt, um so stärker suggestiv, je weniger sie bewußt ist.Google Scholar
  8. 1.
    Foael: Der Hypnotismus. 10. Aufl. Stuttgart: Enke 1921.Google Scholar
  9. 2.
    Es kann aber auch der Affekt bloß bei dem Suggerierten vorhanden sein, indem eine an sich gleichgültige Bemerkung einen affektbetonten Komplex trifft: ein unheilbar Kranker hört von einer Wunderkur in gleichgültigem oder sogar abschätzigem Tone reden und begeistert sich sofort dafür, sie selbst zu versuchen. Das Richtige an den Vorstellungen CouÉs liegt darin, daß überhaupt der Affekt des Suggerierten allein das Maßgebende ist, und daß die Verknüpfung einer Idee mit dem wirkenden Mechanismus durch das Unbewußte gehen muß; dem bewußten Willen stehen diese tJbergänge gar nicht zur Verfügung, er hindert deswegen oft, aber nicht immer, wie Coub meint, den Suggestionserfolg; jedenfalls aber wirkt eine Idee, alles übrige gleich gesetzt, um so stärker suggestiv, je weniger sie bewußt ist.Google Scholar
  10. 1.
    Der Ausdruck „Selbstbewußtsein“ bedeutet in der vulgären Psychologie einen andern, wichtigen Begriff: hohe Einschätzung seiner selbst.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1930

Authors and Affiliations

  • E. Bleuler
    • 1
  1. 1.Universität ƵürichZollikon bei ZürichSchweiz

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