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Zusammenfassung

Fassen wir das bisher Gesagte noch einmal zusammen, so sehen wir, daß auf einen Kaiser, der seine Würde im universalen Sinne auffaßte, ein Herrscher folgte, der seine Ansprüche auf das Imperium ausschließlich aus seinem Erbrecht herleitete, bei dem wir von einer Kaiseridee im alten Sinne, wie sie noch Karl der Kahle gehabt hatte, kaum sprechen können. Karlmanns Erbe ist sein Bruder Karl III., der unzweifelhaft mehr durch die Ereignisse selbst als durch eigene Tatkraft und eigenen Willen zur Herrschaft über das Qesamtreich gelangte. So haben wir im Jahre 887 ein Kaiserreich fast noch in der Ausdehnung des Staates Karls des Großen, an der Spitze aber einen geistig wie körperlich nahezu regierungsunfähigen Herrscher. Diese Unfähigkeit ist nun nach den zeitgenössischen Quellen der triftige Grund für seine Absetzung gewesen. Bei Regino1) heißt es: Cernentes optimates regni non modo vires corporis, verum etiam ‘animi sensus ab eo diffugere, Arnolfum in regnum adtrahunt et subito facta conspiratione ab imperatore déficientes ad predictum virum certatim transeunt. Die Annales Vedastini2) schreiben für das Jahr 887 folgendes: Franci vero australes videntes imperatoris vires ad regendum imperium invalidas, eiecto eo de regno, Arnulfum, filium Karlomanni, qui ius erat nepos, in regni solio ponunt.

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Referenzen

  1. 1).
    Reginonis chron. a. 887 Ed. Kurze S. 127ff.Google Scholar
  2. 2).
    Ann. Vedast. a. 887 ed. Simson S. 64. Weitere Einzelheiten bei Mühlbacher, Regesten S. 724 Nr. 1765 a.Google Scholar
  3. 1).
    Auf eine andere Möglichkeit als Grund für das Zögern Arnulfs weist P. Hirsch, Die Erhebung Berengars I. (Straßburg 1910) S. 163 hin. Er hält es für wahrscheinlich, daß die Verhältnisse in Ostfranken ihn zurückgehalten haben.Google Scholar
  4. 2).
    Vgl. Dümmler Bd. III. S. 332, Poupardin, Provence S. 154. Für die Provence siehe auch Ranke, Weltgeschichte Bd. VI. S. 293, der hier Arnulf als den Inhaber der gesamten kaiserlichen Gewalt sieht.Google Scholar
  5. 3).
    Herim. Aug. chron. 895. (MG. SS. V. S. 110) vgl. auch A. Hofmeister, Markgrafen und Markgrafschaften im italienischen Königreich (MIOeGF. Erg. Bd. VII. S. 373).Google Scholar
  6. 4).
    Das Nähere s. unten bei der Schilderung der französischen und italischen Politik.Google Scholar
  7. 1).
    Für Arnulfs Politik gegenüber dem Westreich vgl. Eckel, Charles le-Simple S. 17.Google Scholar
  8. 2).
    Ueber das staatsrechtliche Verhältnis Zwentibalds zu Arnulf siehe besonders Ei ten, Das Unterkönigtum im Reich der Merowinger und Karolinger (Heidelberg 1907) S. 196–202. Vgl. auch Levison, Zur Tausendjahrfeier der Rheinlande 925–1925 S. 17.Google Scholar
  9. 3).
    Vgl. Eckel a. a. O. S. 22.Google Scholar
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  11. 1).
    Vgl.Dümmler Bd. III. S. 303ff., ebenso Ad. Hofmeister, Die heilige Lanze (Breslau 1908) S. 14. Poupardin, Provence S. 146 nennt als Thronkandidaten noch Ludwig den Blinden. Aber einmal stammte dieser von den Karolingern nur mütterlicherseits ab, dann aber war er vor allem 888 noch viel zu jung. Vgl. auch Bardot, Remarques sur un passage à Richer (1890) S. 9ff., 19ff.Google Scholar
  12. 2).
    S. o. S. 40.Google Scholar
  13. 3).
    Nach Hirsch a. a. O. S. 158 bleibt Karl Kaiser des Westens und des Südens de iure. Arnulf folgt ihm nur in den Gebieten nach, die ihn erkoren haben. Man wird dieser Meinung wohl kaum beistimmen können.Google Scholar
  14. 4).
    Nach W. Sickel, Thronrecht S. 137 ist Arnulfs Nachfolge rechtskräftig, weil Karl III. abgedankt habe.Google Scholar
  15. 5).
    Reg. chron. a. 876 ed. Kurze S. 128.Google Scholar
  16. 1).
    Ann. Fuld. a. 887 ed. Kurze S. 115.Google Scholar
  17. 2).
    Reg. chron. a. 888 (ed. Kurze S. 129).Google Scholar
  18. 3).
    Vgl. auch Ranke, Weltgeschichte Bd. VI. 1 S. 291: „Ich denke nicht, daß die Wahl Arnulfs eben nur ein Königtum über die Stämme in sich schloß, die ihn erhoben hatten. Sie sahen in ihm den Nachfolger Karls III. in jeder Beziehung: es war das allgemeine karolingische Königtum, mit welchem sie ihn bekleideten.”Google Scholar
  19. 1).
    Ann. Fuld. a. 890 ed. Kurze S. 118ff.: Ibi inter alia prefatus dux (Zwentibald von Mähren) ab apostolicis rogatus regem, enix interpellabat, ut urbe Roma domum sancti Petri visitaret et Italicum regnum a malis christianis et inminentibus paganis ereptum ad suum opus restringendo dignaretur tenere.Google Scholar
  20. 2).
  21. 3).
  22. 4).
    Vgl. Tangl, Der Entwurf einer Königsurkunde aus Karolingerzeit NA. 25. S. 348ff.Google Scholar
  23. 1).
    Ueber den Anteil der Geistlichkeit an der Abfassung der Urkunde s. u. S. 48 ff.Google Scholar
  24. 2).
    Ann. Fuld. a. 893 ed. Kurze S. 122: Missi autem Formosi apostolici cum epistolis et primoribus Italici regni ad regem in Baioaria advenerunt, enixe deprecantes, ut Italicum regnum et res sancti Petri ad suas manus a malis christianis eruendam adventaret.Google Scholar
  25. 3).
    M. 18 94 vom 11. III. 894. A. r. VII. in Frantia et in Italia I.Google Scholar
  26. 4).
    Ann. Fuld. a. 895 ed. Kurze S. 126: Iterum rex a Formoso apostolico per epistolas et missos enixe Romam venire invitatus est.Google Scholar
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    Vgl. Dummler Bd. III. S. 243.Google Scholar
  28. 1).
  29. 2).
    Vgl. auch noch M. 1804, 1875, 1904, 1897.Google Scholar
  30. 1).
    s. auch weiter unten S. 49 und Anm. 3.Google Scholar
  31. 2).
    Ranke, Weltgeschichte VI. S. 292 sieht in ihr die rückhaltlose Anerkennung der Ansprüche Arnulfs auf das Imperium in seiner ganzen Ausdehnung.Google Scholar
  32. 3).
    MG. Cap. II. S. 210.Google Scholar
  33. 1).
    Vgl. Tangl, Der Entwurf einer Königsurkunde aus Karolingerzeit in NA. 25 S. 348 ff.Google Scholar
  34. 2).
    Vgl. v.Schubert a. a. O. S.443: „Der letzte Versuch (Arnulfs Vorgehen in Italien), dem Imperium eine allgemeine Bedeutung zu bewahren”.Google Scholar
  35. 3).
    Hampe, Otto der Große in den Meistern der Politik Bd. I. S. 444 sieht in Arnulfs Politik Antrieb und Vorbild für die ottonische. Unter ihm schien etwas im Entstehen zu sein, was man nicht mit Unrecht ein „römisches Kaiserreich deutscher Nation” hätte nennen können. — Eine Frage, die hier nur gestreift werden konnte, die aber eine besondere Untersuchung erfordern würde, ist es, ob und in welchem Umfange die Geistlichkeit die treibende Kraft der späteren. karolingischen Politik, namentlich auch der Kaiserpolitik Arnulfs, gewesen ist Die Tatsache, daß bei den geistlichen Leitern der ostfränkischen Politik unter Ludwig dem Kinde die Kaiseridee in weitem Umfange lebendig war, ließ an sich zweifellos darauf schließen, daß sie auch unter Arnulf die geistigen Träger seiner Politik gewesen sind. Dafür spricht auch die große Uebereinstimmung: der Namen der Intervenieren in den Urkunden Arnulfs aus seinen letzten Lebensjahren mit denen, die wir in den Diplomen Ludwigs des Kindes finden. Namentlich Hatto, Salomo, Waldo, Adalbero seien hier genannt.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Albert Schulze
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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