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Einleitung. Die fränkische Politik in der Zeit von 843–875 unter besonderer Berücksichtigung des Einheitsgedankens und der Kaiseridee

  • Albert Schulze

Zusammenfassung

Der Vertrag von Verdun vom Jahre 843 ist immer, und mit Recht, als wichtiger Wendepunkt in der europäischen Geschichte betrachtet worden. Nicht sein Inhalt an sich gibt ihm diese Bedeutung. Sind doch schon oft vor ihm ähnliche Teilungsverträge in dem merowingischen und karolingischen Reich abgeschlossen worden, deren Inhalt, soweit wir es bei dem Mangel an Quellen namentlich für den Vertrag von 843 selbst erkennen können, nicht wesentlich voneinander verschieden war1. Seine Bedeutung beruht vielmehr darauf, daß es nicht mehr das fränkische Königreich ist, das geteilt wird. Man verfügte in Verdun über das abendländische Kaiserreich, dessen Landgebiet in drei etwa gleichgroße Teile zerlegt wurde. Aber nur einer der Söhne Ludwigs des Frommen konnte Inhaber der Kaiserwürde und damit des Schutzrechtes und der Schutzpflicht über den Papst sein. Bei der universalen Stellung des Papstes mußte seinem Schutzherrn von vornherein ein überwiegender Einfluß auf die Geschicke Europas zukommen. Der Vertrag von Verdun hat diese Entwicklung zu verhindern gesucht. Er bekam aber dadurch notwendigerweise den Charakter des Vorläufigen.

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Referenzen

  1. 1).
    Eine Ausnahme bildet die Teilung von 768. Da diese aber nur kurze Zeit Geltung hatte, darf sie hier außer acht gelassen werden. Ebenso wird hier nicht beachtet, ob die Teilungen noch zu Lebzeiten des Vaters verabredet wurden oder erst unter den Söhnen.Google Scholar
  2. 2).
    Aehnlich urteilt Wilh. Sickel, Zum karolingischen Thronrecht in der Festschrift zu Aug. Sigm. Schultzes 70. Geburtstag (Leipzig 1903) S. 109.Google Scholar
  3. 1).
    Eine Zusammenstellung der Quellen hierfür gibt Doizé, Le Gouvernement confraternel des Fils de Louis le Pieux et le l’Unité de l’Empire (843 bis 855) in Moyen Age 2. Serie II. (1898) S. 257, vgl. auch Dümmler, Geschichte des ostfränkischen Reichs Bd. 1, 2. Aufl. 1887 S. 300.Google Scholar
  4. 2).
    Chron. Salemitanum c. 107. MG. SS. III S. 523: Porro de eo quod dicis, non in tota nos Francia imperare, accipe, frater, breve responsum. In tota nempe imperamus Francia, quia nos procul dubio retinemus, quod illi retinent, cum quibus una caro et sanguis sumus hac unus per Dominum spiritum. Vgl. Brunner, Rechtsgeschichte I, 278.Google Scholar
  5. 3).
    Vgl. MG. Cap. II. S. 113 – 115, 69–71, siehe auch Doizê S. 274.Google Scholar
  6. 4).
    Vgl. Dümmler I. S. 209ff.Google Scholar
  7. 5).
    Ebenda S. 211. Dümmler beurteilt diese Dinge freilich etwas anders.Google Scholar
  8. 6).
    J.—E. 2586. (MG. Epist. V, 583)... gloriosi quondam Caroli imperatoris filium, cuius beatissimi moderatoris industria Romanorum Francorumque concorporayit imperium...Google Scholar
  9. 7).
    Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte Bd. 4 (2. Aufl.) S. 698, Schrörs, Hinkmar von Rheims S. 50.Google Scholar
  10. 1).
    Vgl. J.—E. 2586 (Epist. V (s. o.). Ueber das Vikariat Drogos s. besonders v. Schubert, Geschichte der christlichen Kirche im Frühmittelalter S. 408ff., Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands Bd. II (3/4. Auflage) S. 515.Google Scholar
  11. 2).
    Pereis, Papst Nikolaus I. (Berlin 1920) S. 6 nennt Hinkmar „das Haupt der Reformer im westfränkischen Klerus, die schon unter Ludwig dem Frommen die Träger des Einheitsgedankens gewesen waren,... selbst erfüllt von der Vorstellung einer fränkischen Qesamtkirche, mit der die Idee des Gesamtreichs aufs engste zusammenhing”.Google Scholar
  12. 1).
    Ueber das Verhältnis zwischen Geistlichkeit und weltlichem Adel vgl. besonders v. Schubert a. a. O. S. 412.Google Scholar
  13. 2).
    Eine gedrängte, aber ausreichende Uebersicht über die Geschichte dieser Theorie gibt v. Schubert a. a. O. S. 413.Google Scholar
  14. 3).
    Zur Beurteilung dieses Briefes vgl. Sickel Thronrecht S. 128 und Schrörs, Hinkmar von Rheims S. 82. Von der weiteren zahlreichen Literatur über den Brief Hinkmars sei hier nur noch genannt Cal mette, Etude sur les relations de Charles le Chauve avec Louis le Germanique et l’Invasion de 858–859. (Moyen Age 2. Serie Bd. III, S. 143 ff.)Google Scholar
  15. 1).
    MG. Cap. II, S. 450–453.Google Scholar
  16. 2).
    S. a. Sickel, Thronrecht S. 129, ebenso Buchner, Grundlagen der Beziehungen zwischen Landeskirche und Thronfolger im Mittelalter. Festschrift für Georg von Hertling 1913. S. 245 ff.Google Scholar
  17. 3).
    Migne, Patrol. Lat. 124 S. 881–896, vgl. auch Dümmler Bd. II S. 347, Schrörs, Hinkmar von Rheims S. 347 ff., Schubert a. a. O. S. 437. Dieser nennt es das „letzte große Dokument des Selbstgefühls in Kirche und Reich der Karolinger”.Google Scholar
  18. 4).
    Der Wert dieser Stelle darf freilich nicht überschätzt werden, da sie nur Bibelzitat ist. Beachtet werden muß aber, daß dieses überhaupt in einem Briefe Karls an den Papst benutzt wird.Google Scholar
  19. 1).
    Ueber die kurze Regierung Karls von der Provence siehe Poupard in. Le Royaume de Provence (Paris 1901) S. 1–32.Google Scholar
  20. 2).
    Vgl. Poupardin, Provence S 31, und Dümmler, Bd. II, S. 19, ebenso Parisot, Le Royaume de Lorraine S. 180, Pereis, Papst Nikolaus I. S. 64.Google Scholar
  21. 1).
    MG. Cap. II, 168, vgl. auch Pereis, a. a. O. S. 147.Google Scholar
  22. 2).
    MG. Cap. II, S. 338–341;, s. a. Dümmler Bd. II, S. 281 ff., Parisot S. 344 ff.Google Scholar
  23. 3).
    Ueber den Ehestreit siehe neben Dümmler Bd. II, S. 7 ff. besonders Hauck Bd. II (3., 4. Aufl.) S. 545ff., a. a. O. S. 421 ff. und Pereis. 67, ff.., 73, 151.Google Scholar
  24. 4).
    Vgl. Schubert S. 410, ebenso.die dazugehörige Anmerkung bei diesem, in der die wichtigste Literatur über die Bedeutung der Kaiserkrönung und -Salbung von 850 genannt wird.Google Scholar
  25. 5).
    Ann. Bert. a. 856 (ed. Waitz S. 47) Ludovicus imperator Italiae, a. 863 (S. 61) Hludowicus, frater eius, Italiae vocatus imperator, ebenso a. 863, 864 und öfter.Google Scholar
  26. 1).
    Chron. Saiern. MG. SS. HI. S. 521–527.Google Scholar
  27. 2).
    s. o. S. 11.Google Scholar
  28. 3).
    Vgl. v.Schubert a. a. O. S. 411, ebenso Perels, Papst Nikolaus I. S. 177.Google Scholar
  29. 4).
    S. hierüber bei L. M. Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter Bd. III. 1.S. 283.Google Scholar
  30. 5).
    Siehe Dümmler Bd. IL S. 340.Google Scholar
  31. 6).
    Eingehender wird hierüber unten S. 26ff. gesprochen.Google Scholar
  32. 1).
    Bereits Nikolaus I. hat ihm, nach J.-E. 3019 die Kaiserkrone versprochen: MG. Epist. VII. 1. S. 311: Cuius et nos non solum nostris diebus, sed etiam beati papae Nicolai tempore reminiscentes, excellentiam tuam ad honorem et exaltationem sancte Romanae ecclesiae et ad securitatem populi Christiani eli-gendam esse speravimus. Vgl. auch Pereis, a. a. O. S. 141.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Albert Schulze
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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