Von den Wahrscheinlichkeiten der psychologischen Erkenntnis

  • E. Bleuler

Zusammenfassung

Die psychologischen Wahrscheinlichkeiten (nicht etwa bloß in statistischer Beziehung, sondern für jede Erkenntnis überhaupt) bedürfen einer besonderen Beleuchtung. Man wendet zwar die gewöhnlichen statistischen und logischen Methoden in der experimentellen Psychologie und Psychopathologie in reichlichem Maße an; so stellt man fest, daß auf „rot“ in mehr als 90% der Fälle „grün“ assoziiert wird; man bestimmt im Assoziationsexperiment die Reizzeiten und damit die Komplexe, man macht mit Hilfe der Statistik Gedächtnisuntersuchungen, Lernversuche und noch sehr vieles andere.

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Literatur

  1. 1).
    Auch für die Köpernikschen Anschauungen kannte man die zwingenden mathematischen Belege zur Zeit der Aufstellung der „Hypothese“ noch nicht; denn gerade die damals bekannten astronomischen Vorstellungen kann man mit dem Epizykelsystem auch erklären. Erst die Gründung der Anschauung auf die physikalischen Vorstellungen der Gravitation, die Aberration des Lichtes und ähnliches brachte später „Beweise“, die man wohl nicht mehr angreifen kann.Google Scholar
  2. 1).
    Vgl. auch Bleuler, Die Psychanalyse Freuds. Jahrbuch für psycho-analyt. und psychopatholog. Forschungen II. Leipzig und Wien. Deuticke 1911.Google Scholar
  3. 1).
    Unter normalen Umständen immer.Google Scholar
  4. 1).
    Marbe, Über das Gedankenlesen und die Gleichförmigkeit des psychischen Geschehens. Zeitschrift f. Psychologie. Bd. 56. S. 241. Barth, Leipzig 1910.Google Scholar
  5. 1).
    Da beide Faktoren ungefähr gleiche Bedeutung haben, ist die Zusammenziehung der beiden Verhältnisse in eines durch Multiplikation hier erlaubt. (Vgl. S. 122/3.)Google Scholar
  6. 2).
    Die deutsche Sprache soll etwa 200000 Worte haben.Google Scholar
  7. 1).
    Nach unserer Ausdrucksweise (der Mathematiker würde hier seine Wahrscheinlichkeit mit ½ bezeichnen). Nach unserer Begriffsbestimmung ist hier die Wahrscheinlichkeit einer Komplexreaktion I mal so groß wie die einer komplexlosen, d. h. gleich groß.Google Scholar
  8. 1).
    Für diejenigen, die hier erkenntnistheoretische Erwägungen hineintragen möchten, sei bemerkt, daß die Introspektion, soweit sie hier in Betracht kommt, nicht identisch ist mit dem Bewußtsein, noch eine Folge der bewußten Qualität, sondern eine Parallelerscheinung derselben.Google Scholar
  9. 1).
    Es ist die nämliche Sicherheit, wie wenn wir uns auf einen Namen besinnen und ihn finden.Google Scholar
  10. 1).
    Gerade diese Frage müssen wir aber beantwortet haben. Die Antwort werden wir weder mißverstehen, noch mißbrauchen, weil wir ihre Bedeutung genau kennen. Wir verlangen ja keine abgeschlossene Wahrscheinlichkeit; wir meinen nur, daß man die offene Wahrscheinlichkeit, den Wahrscheinlichkeitsfaktor, der caeteris paribus in der komplizierten, noch nicht übersehbaren und vielleicht niemals ganz durchführbaren Wahrscheinlichkeitsrechnung eine immerhin für uns verwendbare Bedeutung hat, in Zahlen ausdrücken dürfe (Bleuler).Google Scholar
  11. 2).
    Ganz richtig, so weit es sich um den mathematisch ausgearbeiteten Begriff der Wahrscheinlichkeit handelt. Wir bedürfen aber für unsere Zwecke einen neuen Begriff, den ich vorläufig einmal Wahrscheinlichkeitsfaktor genannt habe (Bleuler).Google Scholar
  12. 3).
    Hier sonst nicht erwähnte Beispiele aus unserer Diskussion (Bleuler).Google Scholar
  13. 1).
    Nicht aber ein müßiger Wortstreit. Es handelt sich um verschiedene Begriffe. Jeder derselben hat meines Erachtens sein besonderes Anwendungsgebiet und seinen besonderen Nutzen (Bleuler).Google Scholar
  14. 2).
    Das kann ich natürlich nicht verantworten und wünschte es auch niemals zu tun. Ich wünsche nur, den bis jetzt bekannten, in Zahlen ausdrückbaren Teil der Rechnung wirklich schon in Zahlen auszudrücken, in voller Kenntnis seiner Unvollständigkeit und seiner vorläufigen Bedeutung bevor die andern zur Zeit oder überhaupt nie beibringbaren Teile bekannt, sind (Bleuler).Google Scholar
  15. 1).
    Das ist auch meines Erachtens selbstverständlich richtig. Was ich wünsche, ist nicht eine weitere Ausbildung der rein mathematischen, zahlenoder formelmäßigen Technik, sondern eben gerade die Lösung der Frage: Inwiefern kann man medizinische Probleme in Zahlen, Zahlenordnungen oder in Vergleiche mit Bekanntem umsetzen? In welche Zahlen? Mit welcher Bedeutung? Diese Frage sollte meiner Meinung nach in Verbindung mit dem Mathematiker gelöst werden, der bei einer solchen Umsetzung in Zahlen die größere Übung und Übersicht besitzt als der Arzt. Das ist der eine Punkt, wo ich mit Herrn Kollegen Polya nicht übereinstimme, während die andere Abweichung darin besteht, daß es sich meiner Ansicht nach lohnt, auch vorläufigen zahlenmäßigen Ausdruck für bloße Wahrscheinlichkeitsfaktoren zu suchen, deren Tragweite aber in jedem einzelnen Falle noch besonders klarzulegen ist. Die Gewähr, daß auch solche vorläufigen Wahrscheinlichkeitsbestimmungen die Grundlage neuer Erkenntnisse werden können, liegt mir darin, daß das Denken im allgemeinen, aber auch das wissenschaftliche, beständig mit solchen Wahrscheinlichkeitsfaktoren rechnet und dabei zu richtigen Resultaten kommt.Google Scholar
  16. Natürlich ist die Gefahr von Fehlern bei allen Problemen, die man nicht ganz übersehen kann, nicht klein; sie kann aber gerade wesentlich vermindert werden, wenn man denjenigen Teil eines Problems, der sich irgendwie in Zahlen fassen läßt, auch wirklich zahlenmäßig bestimmt. Dabei gewinnt nicht nur dieser spezielle Faktor an Klarheit der Bedeutung, sondern man wird dann ganz unwillkürlich dazu kommen, auch den übrigen mitsprechenden Momenten genauer nachzugehen und sie so weit zu werten, als es möglich ist (Bleuler).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1921

Authors and Affiliations

  • E. Bleuler
    • 1
  1. 1.ZürichSchweiz

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