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Geschichte des Fernrohrs bis zum Jahre 1650

  • H. Servus

Zusammenfassung

Nach den Mittheilungen Poggendorf’s befindet sich in der grossen japanischen Encyklopädie wa-kan-san-sai-tsou-ye eine Abbildung Jupiters, der von zwei kleinen Körpern begleitet ist. Darunter stehen die Worte: „Es giebt daneben (neben Jupiter) zwei kleine Sterne, die wie abhängig von ihm sind.“ Dies Bild befindet sich in der japanischen Ausgabe, welche 1713 erschienen ist, während in der 1609 in China erschienenen sich nichts davon vorfindet. Dass kein europäischer Einfluss hier stattgefunden hat, ergiebt sich daraus, dass man auch Bilder in diesem Werke findet, in denen dargestellt ist, wie das Kaninchen im Monde Reis zerstampft, die 9 Wege in denen der Mond wandelt und die 9 Himmel, in deren Mitte die Erde sich befindet. Man weiss nicht wie man sich obige Bemerkung erklären soll, es würde aber gewagt sein, daraus den Schluss zu ziehen, dass die Chinesen schon mit Fernröhren beobachtet hätten. Die kleinen Sterne, von denen hier geredet wird, sind offenbar die Monde Jupiters. Im Fernrohr gesehen bieten die vier Monde Jupiters uns einen schönen Anblick, und in Folge ihres Glanzes kann man sich fragen, ob diese Monde oder doch einige derselben nicht auch ohne Fernrohr wahrzunehmen seien. Dass dazu sehr scharfe Augen erforderlich wären ist klar. Dennoch sind einzelne der Monde mit blossen Augen gesehen worden. So versichert der Missionär Stoddart, unter dem reinen Himmel von Oroomiah in Persien, im Dämmerlichte, ehe Jupiter zu hell wurde, einige Male Monde desselben mit blossem Auge gesehen zu haben. Boussingault aber bemerkt, dass er zu Bogota, selbst in einer Höhe von 2640 m, keinen Trabanten habe erkennen können. Man erzählt, dass der Schneidermeister Schön mit Leichtigkeit den ersten und dritten Satelliten erkannt habe, sobald dieselben weit von ihrem Planeten entfernt waren. Auch der Marquis von Ormonde erkannte auf der Höhe des Aetna mehrere Monde, und Jacob sah zu Madras den dritten Mond. Am 1 September 1832 sah Webb den dritten und vierten Mond nahe bei einander stehend, als zusammenhängenden Stern; seiner Kurzsichtigkeit wegen bediente er sich eines concaven Augenglases. Banks sah den ersten und zweiten Mond zusammen, als sie sehr nahe bei einander standen, häufig den dritten allein und einmal eine Spur vom vierten Satelliten. Boyd sah 1860 den zweiten und dritten Mond getrennt; auch Mason erkannte 1863 den dritten und Buffham sah oft einzelne Trabanten. Will man Versuche über die Sichtbarkeit der Jupitermonde mit blossem Auge anstellen, so erscheint es am geeignetsten, den Planeten selbst durch einen schmalen, undurchsichtigen Gegenstand zu verdecken.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1886

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  • H. Servus

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