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Die Aussichten der volksthümlichen Regierung

  • Henry Sumner Maine

Zusammenfassung

Daß vor etwa hundert Iahren die bevorzugten Stände Frankreichs der großen Revolution gegenüber wie mit Blindheit geschlagen waren, gehört zu den abgebrauchtesten Beispielen der neueren Geschichte. Es ist auch recht erstaunlich. Denn das, was König, Adel und Geistlichkeit verborgen blieb, war einem frenmden Beobachter ganz klar. „Kruz und gut,“ so lautet ein Absatz des berühmten Briefes Lord Chesterfields vom 25. December 1753, „alle die Symptome, die ich je in der Geschichte als Vorboten großer Beränderungen und Umwälzungen der Regierung beobachtet habe, sind jetzt in Frankreich zu finden und nehmen daselbft täglich zu.“ So haben sinch den auch heut zu Tage eine Menge Schriftsteller bemüht, neue Anwendungen des bekannten Verses zu geben: Es ließe sich alles trefflich schlichten, könnte man die Sachen zweimal verrichten. Sie erklären uns, wie die Vorboten einer schrecklichen Ieit nicht hätten übersehen warden dürfen. Der Hof, der Adel und die Geistlichkeit hätten doch einsehen sollen, daß, wenn die Irreligiostät täglich mehr Platz greife, der Glaube an die Borrechte der Geburt auch nicht lange mehr erhalten bleiben könne. In dem bitteren Neide der verschiedenen Volksklassen hätten sie die Anzeichen einer nahen politischen Umwälzung erkennen sollen. In der schmählichen Ungleichheit des Steuerdruckes und in der Unordnung der Finanzen hätten sie eine der gewöhnlichsten Ursachen der Revolution sehen können. Sie hätten eben weise genug sein sollen, zu begreifen, daß das Gebäude, dessen Schlußstein ein prächtiger, ausschweifender Hof war, bereits von allen Seiten unterwühlt war. „ Schöner Palast Armidens, dessen Vewohner ein Iauberleben führen, in süßen Schmeicheltönen gewiegt, alle Herrlichkeit der Welt ihnen dienstbar, und doch gar wunderbar hängt alles nur wie an einem einzigen Haar.“1)

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1887

Authors and Affiliations

  • Henry Sumner Maine

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